Unnötig und gefährlich: Lauflernhilfen stellen ein hohes Unfallrisiko für Kleinkinder dar

Immer wieder kommt es zu Unglücken mit Lauflerngeräten - wir informieren über die möglichen Gefahren

Für Eltern ist es ein erstrebenswertes Ziel, dass ihre Kinder laufen lernen. Die Hersteller preisen daher Lauflernhilfen als spielerische Unterstützung und optimale Starthilfe für den Entwicklungsprozess an. Doch die fahrbaren Gestelle bergen ein hohes Unfallrisiko, die Ärzteschaft fordert seit Langem einen Verkaufsstopp.

Baby in einem Laufstuhl auf weißem Hintergrund

Das Laufenlernen ist für das Kind ein anstrengender Prozess, viele verschiedene Fähigkeiten müssen dabei geschult und beherrscht werden. Das Laufen gehört zu den kompliziertesten Bewegungsabläufen.

Nachdem das Kind sich an Möbeln hochgezogen hat und einigermaßen frei stehen kann, macht es auch bald die ersten wackligen Schritte. Dabei sind manche Kinder schneller und andere lassen sich noch ein bisschen mehr Zeit.

In jedem Fall sollten die Eltern Geduld haben und nichts forcieren, das Kind soll aus eigenem Antrieb handeln. Ob man ihm dabei Laufhilfen anbieten soll, ist bei Spezialisten umstritten.

Garantieren Prüfsiegel die nötige Sicherheit?

Laut Ergebnissen der Stiftung Warentest kaufen etwa 50 Prozent der Eltern ihrem Nachwuchs ab einem Alter von einem halben Jahr eine Lauflernhilfe. Die Geräte sind heute mit allerlei Zubehör ausgestattet, ob Spielzeug oder Musik. Halb sitzend können sich bereits Babys mit Strampel- und Laufbewegungen fortbewegen, wobei zum Teil Geschwindigkeiten von bis zu 10 km/h erreicht werden.

Viele Eltern und Großeltern denken, dass Lauflernprodukte aus Babyfachgeschäften ungefährlich sind, schließlich tragen die Geräte das GS-Siegel und sind häufig zusätzlich mit DIN-Prüfsiegeln versehen.

Zwar gibt es die Europäische Norm (EN 1273:2005), die die Sicherheitsanforderungen der fahrbaren Gestelle enthält, doch diese Norm garantiert lediglich die Kippsicherheit. Die Gefahren für Babys und Kleinkinder lauern allerdings woanders.

Treppenstürze als größtes Unfallrisiko

Jedes Jahr verunglücken rund 6.000 Kinder mit Lauflernhilfen. Am häufigsten kommt es bei der Altersgruppe zwischen sieben und vierzehn Monaten zu behandlungsbedürftigen Verletzungen. Eine Studie aus Australien belegt, dass jedes dritte Kind sich durch den Sturz mit einem Babywalker verletzt. Treppenstürze gelten hierbei als größtes Unfallrisiko. Mehr als 80 Prozent der Kinder, die mit einem Gehfrei auf einer Treppe verunglücken, erleiden Schädel-Hirn-Traumen oder gar Schädelfrakturen. Durch die Fixierung in der Lauflernhilfe kann sich das Kind nicht automatisch durch Abrollen schützen, sondern prallt mit dem Kopf auf die Treppenstufen.

Doch auch auf ebenem Terrain sind Lauflerngeräte alles andere als ungefährlich, denn wenn Kinder mit einem Tempo von bis zu 10 km/h immer wieder an

  • Schränke
  • Stühle oder
  • Tischkanten

stoßen, ist die Gefahr von schweren Verletzungen groß, vor allem an der Wirbelsäule. Auch Gegenstände auf dem Fußboden oder Türschwellen erhöhen das Verletzungsrisiko, wenn die Kleinen mit den fahrbaren Geräten unterwegs sind.

  • Leisten
  • Teppiche und
  • herumliegendes Spielzeug

können zu gefährlichen Stolperfallen werden. Kippt ein Walker um, können sich die angegurteten Kinder nicht selbständig aus ihrer prekären Lage befreien.

Auch die Bewegungsfreiheit in einer Lauflernhilfe schürt die Unfallgefahr. Krabbelkinder in einem Gehfrei sind weniger in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt als üblich. Deshalb erreichen sie gefährliche Gegenstände wie Wasserkocher, Kabel, Schubladen oder heiße Tassen leichter. Es drohen schwere Verletzungen durch

Einschränkung der motorischen Entwicklung

Lauflerngeräte bergen jedoch nicht nur eine hohe Unfallgefahr, sondern

  • schränken zudem die motorische Entwicklung ein,
  • führen zur Überlastung des Haltungsapparates und
  • beeinträchtigen bei Nutzung über einen längeren Zeitraum das Laufenlernen.

Britische Studien zeigen, dass Kinder, die sehr oft eine Lauflernhilfe nutzen, im Durchschnitt später laufen lernen als ihre Altersgenossen ohne Hilfsmittel. Die Gegner raten von Laufhilfen mit der Begründung ab, dass das Kind nur eine halb stehende Position hat und dadurch die Hüften zu stark belastet werden. So lernt das Kind nicht, den ganzen Fuß zu belasten und geht eher zehenbetont.

Lauflernwagen sinnvoller als Gehfrei

Deutsche Kinder- und Jugendärzte fordern seit langem ein Verkaufsverbot für Lauflerngeräte, Stiftung Warentest empfiehlt Eltern seit 1997 auf den Kauf der Produkte zu verzichten. Aufgrund ihrer Gefährlichkeit dürfen Lauflernhilfen sowohl in Skandinavien als auch in Kanada gar nicht mehr angeboten werden.

Kinder lernen auch ohne die fahrbaren Gestelle laufen und brauchen keine zusätzlichen Lauflernhilfen. Laufen Kinder bereits selbständig, kann ein Lauflernwagen sinnvoll sein, da diese weitaus unbedenklicher sind. Die kleinen Wägelchen haben häufig eine Ladefläche. Auf diese Weise lassen sich Lauflernwagen auch später noch als Transportmittel für Spielzeuge verwenden.

Experten scheinen sich einig zu sein, dass die Laufhilfen der Entwicklung des Kindes schaden und die Ausbildung des Stützapparates beeinträchtigt wird. Grundsätzlich sollten Eltern auf unterstützende Lauflerngeräte verzichten, denn die Kleinen trainieren durch Hochziehen an feststehenden Möbeln ganz von alleine das selbständige Stehen und Laufen.

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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