Beruhigungsmittel - Wann helfen sie, welche Risiken haben sie?

Unter Beruhigungsmitteln oder Sedativa versteht man Medikamente, die eine beruhigende Wirkung haben. Sie werden gegen Unruhezustände, Nervosität oder Schlaflosigkeit verabreicht. Zu den typischen Anwendungsbereichen zählt auch die Vorbereitung auf einen therapeutischen Eingriff. Informieren Sie sich über Einsatzgebiete und Wirkung von Beruhigungsmitteln und lesen Sie, welche Risiken dabei bestehen.

Einsatz, Dosierung und Risiken von Mitteln zur Beruhigung

Beruhigungsmittel - Funktion und Anwendungsgebiete

Ziel und Zweck von Beruhigungsmitteln, die auch als Sedativa oder Tranquillanzien bezeichnet werden, ist es, eine beruhigende Wirkung auf den gesamten Organismus auszuüben. Diese Arzneimittel wirken:

Aus diesem Grund werden sie vor allem gegen folgende Beschwerden eingesetzt:

Darüber hinaus kommen sie auch vor verschiedenen therapeutischen Eingriffen zur Anwendung.

In ihrer Wirkung ähneln Tranquillanzien Barbituraten (Schlafmitteln). Ihre narkotisierende Wirkung ist allerdings weniger stark. Da Tranquilizer deshalb ein Funktionieren im Alltag ermöglichen, bergen sie ein großes Suchtpotential.

Arten von Beruhigungsmitteln

Bei Beruhigungsmitteln unterscheidet man zwischen:

  1. synthetischen Medikamenten
  2. pflanzlichen Medikamenten

Die gebräuchlichsten Tranquillanzien sind Benzodiazepine. Diese wirken nicht nur beruhigend und angstlösend, sondern auch schlaffördernd, antriebshemmend, krampflösend und muskelerschlaffend. Ebenfalls zu den Tranquillanzien zählen

  • Non-Benzodiazepin-Tranquilizer wie Buspiron
  • Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Betablocker sowie
  • pflanzliche Mittel

Rezeptfrei: Pflanzliche Beruhigungsmittel

Typische pflanzliche Wirkstoffe sind:

Bei diesen besteht keine Abhängigkeitsgefahr, allerdings ist ihre Wirkung geringer als die der synthetischen Mittel.

Homöopathische Beruhigungsmittel

Im Bereich der Homöopathie können folgende beispielsweise folgende Mittel helfen:

  • Aconitum
  • Ambra
  • Avena sativa
  • Damiana
  • Kalium phosphoricum
  • Lycopodium
  • Nux vomica
  • Rhus toxicodendron
  • Zincum metallicum

Synthetische Beruhigungsmittel

Bei synthetischen Sedativa oder Tranquillanzien verwendet man vor allem Benzodiazepine wie:

  • Midazolam
  • Diazepam
  • Flunitrazepam
  • Nitrazepam
  • Temazepam

Weitere typische Sedativa sind:

Die früher gebräuchlichen Barbiturate wie Phenobarbital kommen dagegen nur noch selten als Beruhigungsmittel zum Einsatz. Stattdessen werden sie als Antiepileptika genutzt.

Beruhigungsmittel: Benzodiazepine

Bei Benzodiazepinen handelt es sich um verschreibungspflichtige Arzneistoffe. Man setzt sie als Entspannungs- und Beruhigungsmittel, sowie auch als Schlafmittel ein. Ihre Wirkung ist zentralnervös.

Man unterscheidet Benzodiazepine mit einer Wirkungsdauer unter 6 Stunden, zu denen Midazolam und Triazolam zählen. Zu den Benzodiazepinen mit einer mittleren Wirkungsdauer zwischen sechs und 24 Stunden gehören

  • Alprazolam
  • Flunitrazepam
  • Lorazepam
  • Temazepam und
  • Oxazepam.

Schließlich finden sich noch Benzodiazepine mit einer langen Wirkungsdauer über 24 Stunden. Zu diesen zählen

  • Prazepam
  • Nordazepam
  • Bromazepam
  • Nitrazepam
  • Chlordiazepoxid
  • Flurazepam
  • Clobazam
  • Dikaliumclorazepat
  • Diazepam
  • Clonazepam

Beruhigungsmittel: Nicht-Benzodiazepine

Nicht-Benzodiazepine werden auch als Nicht-Benzodiazepin-Agonisten bezeichnet. Vom Wirkprofil her ähneln sich diese sowie die Benzodiazepine.

  • Zolpidem
  • Zopiclon sowie
  • Zaleplon

zählen zu den bekanntesten Wirkstoffen. Die hauptsächliche Wirkung ist schlafanstoßend. Sie ist jedoch geringer als bei Benzodiazepinen.

Antihistaminika als Beruhigungsmittel?

Beruhigungsmittel in Form von Antihistaminika oder Histamin-Rezeptorblocker blockieren Histamin-Rezeptoren. Ältere Formen haben schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften.

Hierzulande werden sie rezeptfrei angeboten, um Ein- sowie Durchschlafstörungen zu behandeln. Als Beruhigungsmittel sollten sie nicht eingesetzt werden, da sie eine starke sedierende Wirkung aufweisen.

Beruhigungsmittel für Kinder?

In einigen Situationen stellen sich Eltern die Frage, ob Beruhigungsmittel auch an Kinder verabreicht werden können. Dies wäre etwa bei langen Reisen der Fall.

Generell sprechen sich Kinderärzte dagegen aus. Familien mit Kindern sollten, etwa im Zug oder Flugzeug, entsprechende auf Kinder eingerichtete Bereiche zurückgreifen. Wichtig ist zudem, den Rhythmus des Nachwuchses beizubehalten.

Ist ein Kind mit seinem Lieblingsspielzeug beschäftigt, sollte in der Regel eine Reise auch angenehm verlaufen können. Das einzige Mittel, welches auf Reisen auch bei Kindern zur Anwendung kommen könne, sei eines gegen Reiseübelkeit.

Hund und Co.: Beruhigungsmittel für Haustiere

Auch bei Haustieren ist das Verabreichen von Beruhigungsmitteln manchmal nötig. Neben gewissen Behandlungen beim Tierarzt stellt beispielsweise auch Silvester eine solche Situation dar.

Vor allem Hunde sind zu dieser Zeit besonders gestresst. Hier gehen wir weiter auf dieses Thema ein.

Anwendung und Risiken von Beruhigungsmitteln

Einnahmehinweise für Benzodiazepine

Aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit kommen vor allem Benzodiazepine verbreitet zur Anwendung.

Diese

  • fördern den Schlaf
  • entspannen die Muskulatur
  • lösen Verkrampfungen und
  • bauen Ängste ab,

wodurch sich Unruhe- und Angstzuständen, Reizbarkeit und Schlafstörungen entgegen wirken lässt.

Allerdings haben Benzodiazepine den Nachteil, dass sie lange brauchen, bis sie wieder abgebaut werden, wodurch sie sich im Körper anreichern. So kann es bei einigen Präparaten bis zu zehn Tage dauern, bis lediglich die Hälfte der verabreichten Dosis abgebaut wurde.

Ein weiteres Problem ist die Gefahr einer Abhängigkeit, die schon bei niedrigen therapeutischen Dosen auftreten kann. Da die Benzodiazepine zudem nach einigen Wochen an Wirksamkeit verlieren, nehmen manche Patienten immer mehr davon ein, was zu noch größerer Abhängigkeit führt. Daher werden Langzeitbehandlungen mit Benzodiazepinen von Experten sehr kritisch gesehen.

Ein typisches Beruhigungsmittel, welches zu den Benzodiazepinen gehört, ist das so genannte Diazepam, über welches wir hier in unserem ausführlichen Artikel genauer informieren.

Einnahmehinweise für Z-Drugs

Mittlerweile gibt es modernere Schlaf- und Beruhigungsmittel, die Z-Drugs genannt werden. Diese nutzen Wirkstoffe wie:

  • Zopiclon
  • Zaleplon
  • Zolpidem

Die Wirkung ähnelt der der Benzodiazepine, das Abhängigkeitsrisiko ist jedoch geringer. Allerdings kann eine Abhängigkeit auch bei diesen Präparaten nicht völlig ausgeschlossen werden.

Phytopharmaka: Einnahmehinweise für pflanzliche Beruhigungsmittel

Eine Alternative zu den synthetischen Sedativa stellen pflanzliche Beruhigungsmittel wie z.B. Johanniskraut oder Baldrian dar, die zumeist rezeptfrei erhältlich sind.

Bei diesen Mitteln besteht keine Gefahr, davon abhängig zu werden. Die Wirkung ist natürlich deutlich geringer als bei den Benzodiazepinen.

Die pflanzlichen Mittel wirken zumeist durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Glückshormonen. Auf diese Weise verbleiben mehr Serotonin oder Noradrenalin im Blut.

Es ist also ratsam, es zunächst mit einem milden pflanzlichen Beruhigungsmittel zu versuchen. Erst wenn dieses keine Wirkung zeigt, sollte auf ein stärkeres synthetisches Sedativum zurückgegriffen werden.

Nebenwirkungen von Beruhigungsmitteln

Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln

Eine häufige Nebenwirkung bei der Einnahme von synthetischen Beruhigungsmitteln ist wie bereits erwähnt die Abhängigkeit. Oftmals kann die Daueranwendung eines Sedativums zur Sucht führen.

Vor allem bei Benzodiazepinen kommt es im Laufe der Zeit zur Einnahme von immer höheren Dosen, da diese Mittel bei zunehmender Behandlungsdauer mehr und mehr an Wirkung verlieren.

Weitere Beschwerden durch Beruhigungsmittel

In manchen Fällen kann es zu einer Reduzierung der Atemtätigkeit kommen, wenn die Dosis des Sedativums zu hoch ausfällt. Auch paradoxe Reaktionen sind möglich, sodass der Patient noch unruhiger als vor der Einnahme des Mittels wird.

Weitere typische Nebenwirkungen sind:

Generell sollte man nach der Einnahme eines Beruhigungsmittels auf keinen Fall mehr Auto fahren, da das Reaktionsvermögen durch das Mittel stark eingeschränkt wird.

Quellen:

  • Frank G. Mathers: Dentale Sedierung: Lachgas und orale Sedativa in der Praxis, Deutscher Ärzteverlag, 2011, ISBN 9783769134735
  • Claudia Dellas: Last Minute Pharmakologie, Urban & Fischer Verlag, 2018, ISBN 343743084X
  • Otto Dietmaier, Simone Schmidt, Gerd Laux: Pflegewissen Psychopharmaka, Springer, 2019, ISBN 3662584263
  • Volker Faust: Medikament und Psyche, Bd.1, Neuroleptika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Lithiumsalze, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1995, ISBN 3804714099
  • Christoph Lanzendorfer: Psychopharmaka: Pillen fur die Seele, Springer Berlin Heidelberg, 2008, ISBN 3540585265
  • Otto Benkert, Hanns Hippius: Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie, Springer, 2018, ISBN 3662573334
  • Jan Dreher: Psychopharmakotherapie griffbereit: Medikamente, psychoaktive Genussmittel und Drogen - griffbereit, Schattauer, 2016, ISBN 3794531833

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