19. Dezember 2009
Von Viola Reinhardt
Da steht man ahnungslos in der Küche oder im Bad und plötzlich kreuzt ein achtbeiniges Etwas den Blick. Die Reaktionen von Frauen wanken dann zumeist zwischen einem hektischen Zeitungsuchen, um das Tier zu töten (Mutige retten die Spinne und werfen sie aus dem Fenster) oder rufen gleich nach ihrem Retter in Form ihres Partners oder Sohnes.
In ganz extremen Fällen von Spinnenphobie erstarrt die Frau dann gänzlich zur Salzsäule oder bricht in Schreikrämpfe aus. Therapien mittels der Konfrontation mit dem Angstobjekt wirken recht gut, auch wenn es eine gewaltige Überwindung kostet. Aber warum sind mehr Frauen als Männer von solch einer Spinnenangst betroffen?
Wissenschaftler der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh sind genau dieser Frage nachgegangen und haben mit weiblichen und männlichen Babys im Alter von rund elf Monaten einen Versuch unternommen, der aufzeigen sollte, ob die Angst vor Spinnen angeboren oder doch antrainiert ist. Um das herauszufinden, zeigten sie den kleinen Jungen und Mädchen verschiedene Motive, so etwa Blumen oder eben auch Spinnen, die jeweils in der Verbindung mit einem ängstlichen oder lachenden Gesicht zu sehen waren.
Interessanterweise reagierten die kleinen Mädchen viel schneller auf die Kombination aus Spinne und Angstgesicht, betrachteten demzufolge diese Bildkombinationen auch länger und ausführlicher als es bei den Jungen der Fall war. Diese zeigten angesichts des "wilden Tieres" weitaus weniger eine Reaktion und ließen sich folglich auch nicht so rasch auf "Angst" oder einem unangenehmen Gefühl trainieren. Spannend, nicht wahr? Besonders angesichts des Verhaltens an sich, denn nach Meinung der Wissenschaftler ist es rein logisch, dass Menschen in einem Alter, in dem sie vor Gefahr nicht weglaufen können, auch keine Angst oder Fluchtreaktion zeigen. Vermutet wird zudem, dass Mädchen hier eine gewisse genetische Vorbelastung angesichts Spinnen und Co aufzeigen und eine panische Angst dann eher im Laufe des Lebens antrainiert wird.
Und was sollten diese Erkenntnisse nun speziell für Eltern bedeuten? Keine Angst mehr zu zeigen, wenn eine eklig erscheinende Spinne sich von der Decke herunterlässt? Ja, eigentlich genau das, zumindest wenn die eigenen Kinder, und hier im Besonderen Töchter, mit im Raum sind. Denn ein panisches um Hilfe schreien unterstützt vermutlich die Entstehung der Spinnenphobie und kann nur damit umgangen werden, wenn man beim Anblick der Krabbeltiere eine gewisse Coolness aufzeigt. Diese zu erlangen, lässt sich dann wieder mit einer Konfrontationstherapie erzielen, die zwar viel Überwindung kostet, jedoch eine Frau voller Stolz den Sieg über die Angst befreit aufatmen lässt. Zudem: Dann kann auch sie einmal die Retterin in der Not werden, denn selbst die starken Männer sind nicht vor einer Spinnenangst gefeit.
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