Der Grad der Behinderung (GdB) bei Parkinson

Durch die Parkinson-Krankheit kann es zu schweren körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen kommen. Doch ab wann spricht man von einer Behinderung?

Sowohl der Krankheitsverlauf als auch mögliche Nebenwirkungen der Medikamente haben Einfluss auf das Zurechtkommen

Morbus Parkinson hat meist schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Personen. So leiden sie unter Beschwerden wie verlangsamten Bewegungen, Muskelsteifheit und Zittern, die wiederum Folgen für das Berufs- und Alltagsleben haben.

Faktoren, die die Bewältigung des Alltags beeinflussen können

Wie stark ein Parkinson-Patient durch die schwere Erkrankung beeinträchtigt wird, ist individuell verschieden. So ist es vom jeweiligen Krankheitsverlauf abhängig, wie gut der Patient seinen Alltag bewältigt. Zu berücksichtigen sind zudem mögliche Nebenwirkungen von Parkinson-Medikamenten, die bestimmte Tätigkeiten noch weiter einschränken können.

Die meisten Parkinson-Patienten versuchen so lange wie möglich selbstständig zu bleiben und ihren Beruf auszuüben. In manchen Fällen kann es erforderlich sein, den Arbeitsplatz oder die eigenen vier Wände an die Krankheit anzupassen.

Wie sehr ein Patient durch die Parkinson-Krankheit in seinem Leben eingeschränkt wird, legt man durch den GdB - den Grad der Behinderung - fest. So gilt der GdB als Maßstab für die

  • physischen
  • psychischen und
  • seelischen,

aber auch für die sozialen Einschränkungen, die durch die Schüttellähmung entstehen. Variiert wird der GdB in Zehnerschritten, die sich zwischen 20 und 100 bewegen. Bei diesen Werten handelt es sich jedoch nicht um Prozentzahlen.

Mögliche Einschränkungen

  • Bei einem Behinderungsgrad von 30-40 bestehen bei dem Patienten lediglich geringe Bewegungseinschränkungen. Die Verlangsamung läuft nur in leichtem Ausmaß ab. Außerdem liegen keine Gleichgewichtsstörungen vor.
  • Von einem GdB 50-70 spricht man, wenn bei dem Patienten deutliche Bewegungsstörungen auftreten und dieser unter starker Verlangsamung und Gleichgewichtsstörungen leidet.
  • Bei einem GdB 80-100 sind die Bewegungsabläufe schwer gestört, sodass mitunter sogar eine Immobilität vorliegt.

Bei mehreren Funktionsstörungen rechnet man die einzelnen Werte nicht zusammen; stattdessen werden die Auswirkungen dieser Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit betrachtet, sodass man einen Gseamt-GdB festlegen kann.

Durch den Grad der Behinderung kann jedoch kein unmittelbarer Rückschluss auf die Arbeitsfähigkeit des Betroffenen gezogen werden. So ist es durchaus möglich, dass ein Patient, der den Grad 100 aufweist, dennoch seine Arbeit, zum Beispiel als Telefonist, gut ausüben kann, sodass bei ihm volle Erwerbsfähigkeit besteht. Doch ab wann spricht man bei Morbus Parkinson von einer Behinderung?

Der Antrag auf einen Schwerbehinderten-Ausweis

Als schwerbehindert gilt ein Parkinson-Patient, der einen GdB von mindestens 50 aufweist. In diesem Fall hat der Betroffene die Möglichkeit, bei dem Versorgungsamt oder Landesamt, das für ihn zuständig ist, einen Antrag auf einen Schwerbehinderten-Ausweis zu stellen. Der Antrag kann nur gestellt werden, wenn der Patient medikamentös behandelt wird.

Vom Amt wird dann ein ärztlicher Gutachter beauftragt, den Grad der Behinderung festzusetzen. Dieser untersucht den Patienten jedoch normalerweise nicht selbst, sondern richtet sich nach den Attesten der Ärzte, die ihn behandeln.

Um die Bearbeitungszeit zu verkürzen, empfiehlt es sich, den Unterlagen zur Antragsstellung einige Dokumente beizulegen. Dabei kann es sich um ärztliche Bescheinigungen und Befunde handeln.

Vorteile des Ausweises

Zu den verschiedenen Vorteilen eines Schwerbehinderten-Ausweises gehören unter anderem

  • Ermäßigungen bei der Kfz-Steuer
  • Einkommenssteuervorteile
  • Ermäßigungen im öffentlichen Personenverkehr
  • Parkerleichterungen
  • Kündigungsschutz sowie
  • diverse Zuschüsse und Vergünstigungen, wie etwa Wohngeld oder Telefongebührenermäßigungen

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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  • Gehbehinderte Seniorin mit Gehstock lächelnd © bilderbox - www.fotolia.de

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