Milzbrand - Ursachen, Symptome und Behandlung

Milzbrand (Anthrax) wird durch Bakterien ausgelöst. Es handelt sich um eine schwere Erkrankung, die in etlichen Fällen tödlich endet.

Die Entstehung von Milzbrand und wie man Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand und Darmmilzbrand erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Unter Milzbrand oder Anthrax versteht man eine gefährliche Infektionskrankheit, die in erster Linie bei bestimmten Tierarten vorkommt. Dazu gehören vor allem Huftiere wie

  • Schweine
  • Kühe
  • Schafe
  • Pferde und
  • Ziegen.

Doch auch für Menschen ist die Krankheit bedrohlich. In der Medizin unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Formen von Anthrax:

  • Hautmilzbrand
  • Darmmilzbrand und
  • Lungenmilzbrand.

Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt und kommt eine adäquate Therapie zum Einsatz, ist die Prognose gut. Doch mitunter ist auch ein tödlicher Verlauf möglich, vor allem bei Lungenmilzbrand und Darmmilzbrand.

Lungenmilzbrand

Zu Lungenmilzbrand kommt es, wenn infektiöse Partikel über die Luft eingeatmet werden, was beispielsweise beim Schlachten passieren kann. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist jedoch nicht möglich.

Gelangt das Bakterium in den menschlichen Körper, wird es durch eine spezielle Eiweißkapsel vor den Zellen der Immunabwehr geschützt, sodass es sich ungehindert ausbreiten kann. Die Inkubationszeit bei Lungenmilzbrand liegt zwischen ein bis sieben Tagen. In seltenen Fällen kann es auch 60 Tage dauern, bis die Krankheit ausbricht.

Hautmilzbrand

Die am häufigsten auftretende Form von Milzbrand ist Hautmilzbrand. Die Milzbrandsporen gelangen dabei meist durch eine kleine Hautverletzung in den menschlichen Körper.

Die Sporen befinden sich an Tierhaaren oder Tierhäuten, wo sie haften bleiben und jahrelang ansteckend sind. Die Inkubationszeit, unter der man den Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit versteht, liegt zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen.

Darmmilzbrand

Übertragen wird Darmmilzbrand durch den Genuss von infiziertem rohem oder unzureichend gegartem Fleisch oder ungekochter Milch. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist dagegen nicht möglich, wodurch sich die Krankheit nicht epidemieartig ausbreiten kann. Der Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit liegt in der Regel bei ein bis sieben Tagen.

Ursachen

Verursacher von Milzbrand sind grampositive sporenbildende Bakterien, die man als Bacillus anthracis bezeichnet. Diese Erreger verfügen über eine starke Widerstandsfähigkeit gegen Desinfektionsmittel und andere chemische Mittel. In einigen Ländern experimentierte man in der Vergangenheit mit den Erregern, um auf diese Weise biologische Kampfstoffe herstellen zu können.

Anthrax-Erreger gelten als besonders gefährlich, da sie Giftstoffe wie Exotoxine absondern, die die Wände von Organen zerstören. Da es bei der Erkrankung zu einer Schwarzfärbung der Milz kommt, erhielt sie in Deutschland den Namen Milzbrand.

Milzbrand wird durch infizierte Tiere auf den Menschen übertragen. Tiere, die sich überwiegend von Pflanzen ernähren, sind dabei eher mit Milzbrand infiziert als andere.

Risikogruppen

Besonders bestimmte Berufsgruppen sind gefährdeter als andere Menschen, sich mit Milzbrand zu infizieren. Dazu gehören

die das infizierte Fleisch verarbeiten.

Übertragungswege

Über eine winzige Verletzung in der Haut können die Bakterien in den Körper des Menschen gelangen und verursachen dort den Hautmilzbrand. Wenn der Betroffene die Sporen der Bakterien einatmet, kommt es zum Lungenmilzbrand. Wird infiziertes Fleisch nur unzureichend gebraten oder die Milch eines infizierten Tieres unabgekocht getrunken, so kann der Darm des Menschen befallen werden.

Am häufigsten kommt der Hautmilzbrand vor und stellt zugleich auch die leichteste Form des Milzbrandes dar. Der Milzbrand kann nur von einem infizierten Tier auf den Menschen übertragen werden, nicht von Mensch zu Mensch.

Verlauf

Wenn sich der Mensch infiziert hat, dauert es unterschiedlich lange, bis die ersten Symptome auftreten. Der eine Patient erkrankt bereits nach wenigen Stunden, der andere erst nach zwei Monaten.

Besonders der Milzbrand im Bereich des Darmes und der Lunge ist eine sehr schwere Erkrankung, die häufig tödlich endet. Ohne ärztliche Therapie verlaufen diese beiden Krankheitsformen immer tödlich und auch mit zu spät einsetzender Behandlung versterben noch viele Patienten innerhalb weniger Tage nach Beginn der Krankheit. Auch der Tod durch Milzbrand muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Aus dem Milzbrand können sich Komplikationen wie eine Blutvergiftung entwickeln, die wiederum ebenfalls tödlich enden kann. Wird der Milzbrand jedoch rechtzeitig erkannt und behandelt, bestehen gute Heilungschancen.

Symptome

Milzbrand kann im Bereich der Lunge, der Haut und des Darmes auftreten; somit gibt es verschiedene Formen:

  • Hautmilzbrand
  • Lungenmilzbrand und
  • Darmmilzbrand.

Lungenmilzbrand

Der Milzbrand im Bereich der Lunge, auch Lungenmilzbrand genannt, verursacht ähnliche Symptome wie eine Lungenentzündung. Der Patient hat starken Husten und bekommt dadurch nur schlecht Luft.

Der Patient hustet Schleim ab, der blutig gefärbt ist. Zusätzlich besteht sehr hohes Fieber mit Schüttelfrost. Besonders der abgehustete Schleim ist äußerst ansteckend.

Schließlich kommt es zu einer schweren Lungenentzündung, die sogar zu Lungenversagen oder Herzkreislaufversagen führen kann. Ohne rechtzeitige Behandlung ist Lungenmilzbrand zu 90 Prozent tödlich.

Hautmilzbrand

Bevor ein Hautmilzbrand entsteht, haben die Patienten eine winzige Verletzung im Bereich der Haut. In diesem Bereich entsteht dann ein kleiner Knoten, der in der Mitte schwarz gefärbt ist.

Im Verlauf der Krankheit bildet sich darin Eiter. Die Patienten haben Fieber und fühlen sich schlapp.

Zusätzlich bestehen Schmerzen im Bereich der geschwollenen Lymphknoten. Darüber hinaus kommt es zu einer roten Verfärbung der angrenzenden Haut und es entstehen weitere Bläschen, die zu einem so genannten Milzbrandkarbunkel verschmelzen.

Unbehandelt entstehen viele weitere Eiterbläschen in diesem Bereich, welche schließlich zu einer Blutvergiftung führen können. Besonders betroffen von den Hautveränderungen sind

Da die Bakterien Exotoxine, bestimmte Giftstoffe, freisetzen, treten unangenehme Beschwerden wie

auf.

Darmmilzbrand

Zunächst kommt es zu Beschwerden wie Blähungen und starken Bauchschmerzen. Im weiteren Krankheitsverlauf leiden die Patienten unter

Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Bauchfellentzündung (Peritonitis). Da sich die Erreger über den ganzen Organismus verbreiten, drohen eine Sepsis (Blutvergiftung) sowie Herz- und Nierenversagen. Bei mehr als 50 Prozent aller Erkrankten tritt schließlich der Tod ein.

Diagnose

Der Arzt befragt seinen Patienten nach den Beschwerden und erfährt meist in diesem Zusammenhang, dass der Patient Kontakt zu Tieren hatte. So ergibt sich bereits ein erster Diagnosenverdacht.

Um den Verdacht zu sichern, müssen die Erreger des Milzbrandes nachgewiesen werden. Je nach Form des Milzbrandes gelingt der Nachweis aus dem abgehusteten Schleim (Auswurf) oder durch eine Blut- oder auch eine Stuhluntersuchung.

Von den Eiterbläschen kann auch ein Abstrich gemacht und im Labor unter dem Mikroskop untersucht werden. Hat der Arzt den Verdacht auf Milzbrand, muss er dies dem Gesundheitsamt mitteilen. Auch wenn der Erreger unter dem Mikroskop diagnostiziert werden konnte, ist dies meldepflichtig.

Die Diagnose von Lungenmilzbrand erfolgt zumeist durch den Nachweis des Erregers. Zu diesem Zweck wird ein Nasen- oder Rachenabstrich durchgeführt, den man unter dem Mikroskop untersucht. Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist das Anlegen einer Bakterienkultur.

Zur Diagnose von Hautmilzbrand entnimmt man meist einen Hautabstrich. Um Darmmilzbrand festzustellen, erfolgt eine mikroskopische Untersuchung von Körpersekreten oder Stuhl, wodurch sich der Erreger nachweisen lässt.

Behandlung

Da der Milzbrand durch Bakterien ausgelöst wird, erfolgt die Therapie in Form einer Antibiotikagabe. Dabei muss das Antibiotikum so schnell wie möglich eingenommen werden, damit der Patient geheilt werden kann. Als Wirkstoffe kommen beispielsweise Doxycyclin und Ciprofloxacin zum Einsatz.

Teilweise wird das Antibiotikum schon verabreicht, noch bevor der Erreger im Labor nachgewiesen werden konnte. Die Patienten werden auf einer Isolierstation in einem Krankenhaus bzw. zu Hause isoliert behandelt.

Gegen die Schmerzen verordnet der Arzt zusätzlich Schmerzmittel. Sobald dem Arzt die Krankheit bekannt ist, muss er dies dem Gesundheitsamt melden, da der Milzbrand eine meldepflichtige Erkrankung darstellt.

Im Falle von Hautmilzbrand führt man eine systemische Antibiotika-Therapie mit Penicillin G durch. Chirurgische Eingriffe dürfen jedoch nicht durchgeführt werden, da dabei die Gefahr einer Blutvergiftung besteht.

Außerdem müssen die Erkrankten während der Behandlung isoliert werden. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose bei Hautmilzbrand meist positiv. Ohne entsprechende Therapie kommt es jedoch bei 20 Prozent der Erkrankten zu Todesfällen.

Vorbeugung

Um Milzbrand vorzubeugen, sollte man sich nicht in die Nähe von mit Milzbrand infizierten Tieren begeben. Sofern dies aus Berufsgründen zwingend notwendig ist, sollten die Betroffenen unbedingt einen geeigneten Mundschutz tragen, um die Sporen nicht einatmen zu können.

Diese Masken verfügen über eine Porengröße von 0,6 Mikrometern. Dagegen erreichen die Sporen eine Größe von einem bis fünf Mikrometern.

Da der Milzbrand in Deutschland kaum mehr vorkommt, wird in der Regel auch die Schutzimpfung gegen diese Krankheit nicht mehr verabreicht. Wenn man Kontakt mit einem an Milzbrand infizierten Tier hatte, sollte man sich sofort in ärztliche Behandlung begeben und vorsorglich ein Antibiotikum einnehmen.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
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  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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