Leptospirose - Ursachen, Symptome und Behandlung

Als Leptospirose bezeichnet man eine hierzulande selten auftretende Infektionskrankheit. Sie kommt sowohl bei Menschen als auch bei Tieren vor.

Die Entstehung der Leptospirose und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Bei der Leptospirose handelt es sich um eine weltweit auftretende und meldepflichtige bakterielle Zoonose. In Deutschland kommt sie nur sehr selten vor.

In den meisten Fällen wird sie aus anderen Ländern eingeschleppt. Allerdings können hin und wieder auch hierzulande epidemieartige Ausbrüche auftreten.

Ursachen

Die Leptospirose zählt zu den saisonalen Krankheiten. So bricht sie vorwiegend im Sommer und im frühen Herbst aus.

Verantwortlich für Erkrankungen bei Menschen ist das Bakterium Leptospira interrogans, das zu den beweglichen Schraubenbakterien gehört. Leptospiren findet man in warmblütigen Tieren. Dazu gehören in erster Linie

Die Bakterien, die die Krankheit verursachen, werden über den Urin von infizierten Säugetieren ausgeschieden, wodurch sie ins Wasser oder in den Erdboden gelangen.

Kommt es zum Kontakt zwischen den kontaminierten Stellen und einem Menschen, besteht die Gefahr, dass sie über kleine Hautverletzungen in den menschlichen Organismus eindringen und sich dort verbreiten. Dabei sind die Leptospiren auch in der Lage, über gesunde Schleimhäute in den Körper zu gelangen.

Zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommt es jedoch nicht. Wird die Umgebung kalt und trocken, führt dies rasch zum Absterben der Erreger. In Deutschland sind jedes Jahr rund 40 bis 50 Menschen von einer Infektion mit Leptospiren betroffen.

Risikogruppen

Die Zeitspanne zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit, liegt zwischen fünf und vierzehn Tagen. Als besonders gefährdet gelten bestimmte Berufsgruppen wie

  • Tierwärter
  • Tierärzte
  • Bauern
  • Metzger
  • Schlachthofangestellte
  • Kanalarbeiter
  • Feldarbeiter und
  • Laborpersonal.

Aber auch

  • Wassersportler
  • Angler
  • Camper und sogar
  • Mountain-Biker

haben ein erhöhtes Risiko, an Leptospirose zu erkranken.

Verlauf

Wie eine Leptospirose verläuft, hängt von der Virulenz des Erregers ab und wie schnell mit einer antimikrobiellen Behandlung begonnen werden kann. Eine wichtige Rolle bei der Prognose spielen zudem das Alter des Patienten sowie mögliche Vorerkrankungen.

Bei etwa 90 Prozent aller Betroffenen ähnelt der Verlauf einer Leptospirose dem Ablauf einer Grippe. Leichte Verlaufsformen haben in der Regel eine positive Prognose. Bei schweren Formen wie Morbus Weil besteht die Gefahr von Leberschädigungen und Nierenversagen, was im schlimmsten Fall den Tod des Erkrankten zur Folge haben kann.

Symptome

Dann treten Symptome wie

auf. Zudem kann es an den Augen zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) kommen, die mitunter bis zu vier Wochen dauert.

Unterschieden wird bei der Leptospirose zwischen zwei Formen: der anikterischen sowie der ikterischen Leptospirose, bei der die Betroffenen unter Gelbsucht (Ikterus) leiden.

Ikterische Form

Bei der ikterischen Form der Leptospirose zeigt sich die Gelbsucht einige Tage nach der ersten Krankheitsphase. Weitere Beschwerden sind das Nachlassen der Urinproduktion sowie das Ausscheiden von blutigem Harn, wenn eine Beteiligung der Nieren besteht. Aber auch

sind im Bereich des Möglichen.

Morbus Weil

Als besonders gefährliche Form der Leptospirose gilt Morbus Weil, auch Weil-Krankheit genannt. Diese Variante wird von dem Erreger Leptospira icterohaemorrhagica verursacht. Das Tückische an der Weil-Krankheit ist, dass sich die Keime über die Blutbahn im ganzen Körper ausbreiten und dabei auch die Nieren und die Leber befallen.

Neben einer Gelbsucht besteht dann zudem die Gefahr von lebensbedrohlichem Nierenversagen. Mitunter kommt es bei Morbus Weil auch zu Beeinträchtigungen des Gehirns.

Diagnose

Diagnostiziert wird eine Leptospirose in der Regel durch die Symptome, die bei den Erkrankten bestehen. Zu Beginn der Krankheit ist auch ein Erregernachweis aus

möglich. Ebenfalls hilfreich für die Diagnose sind Antikörper, die der Organismus des Patienten herstellt, und die sich in Laboruntersuchungen nachweisen lassen. Nach dem Infektionsschutzgesetz ist eine Leptospirose namentlich meldepflichtig.

Abzugrenzen ist die Leptospirose mitunter von

Behandlung

Behandelt wird eine Leptospirose in der Regel mit Antibiotika wie Penicillin G, Ampicillin oder Doxyzyklin. Diese Mittel töten die Leptospiren wirksam ab.

Allerdings muss die antibiotische Therapie so schnell wie möglich beginnen, denn je später die Behandlung durchgeführt wird, desto mehr verschlechtert sich die Prognose. In der zweiten Krankheitsphase versprechen Antibiotika keinen Erfolg mehr. Stattdessen können nur noch die Symptome behandelt und der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden.

Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Infektion mit Leptospiren kommt, sollte man einige Vorbeugemaßnahmen ergreifen. So wird Kanalarbeitern und Laborpersonal empfohlen, Schutzkleidung anzulegen, während Schlachthöfe und Schweinezuchtbetriebe das Abwasser desinfizieren sollten.

Personen, die als besonders gefährdet gelten, können sich auch gegen die Erreger impfen lassen. Allerdings wird der Impfstoff in Deutschland nicht zur Verfügung gestellt. Im Bedarfsfall lässt er sich aber über Apotheken beziehen.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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