Hypophysenadenom - Klassifikation, Symptome und Therapie

Bei Hypophysenadenomen handelt es sich um gutartige Tumoren aus den parenchymatischen Zellen der Adenohypophyse oder Neurohypophyse. Sie zeigen sich in erster Linie in Einschränkungen des Gesichtsfeldes und Kopfschmerzen. Behandelt wird vorwiegend chirurgisch und medikamentös. Lesen Sie über die Klassifikation, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei Hypophysenadenomen.

Ein Überblick gutartiger Tumore im Hypophysenvorderlappen und Hypophysenhinterlappen

Hypophysenadenom - Merkmale und Klassifikation

Bei einem Hypophysenadenom handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der die Zellen des Hypophysenvorderlappens oder Hypophysenhinterlappens betrifft. Die Tumoren lassen sich abhängig von der Größe in Makro- und Mikroadenome einteilen. So werden sie als Mikroadenome bezeichnet, wenn sie einen Durchmesser von weniger als einem Zentimeter aufweisen.

Hypophysenadenome zählen zur Gruppe der Adenome. Bei Frauen treten sie häufiger auf als bei Männern. Am häufigsten erkranken Menschen zwischen 20 und 50 Jahren an einem Hypophysenadenom.

Radiologisch werden die Tumoren in folgende Grade eingeteilt:

  • Grad 0: klein, liegt innerhalb der Hypophyse
  • Grad I: geringgradig ausgebeult, intakter knöcherner Boden der Sella turcica
  • Grad II: intakter Boden, Vergrößerung der Sella turcia um mehr als 10 mm, nicht-invasiv
  • Grad III: knöcherner Boden teils zerstört, Tumor dringt teilweise in den Sinus sphenoidalis ein, invasiv
  • Grad IV: Boden vollständig zerstört, difusse Infiltration des Sinus

Hormonaktive und hormoninaktive Hypophysenadenome

Des Weiteren wird unterschieden, ob eine vermehrte Hormonproduktion der Tumoren vorliegt. Bei Ausschüttung von Hypophysenhormonen können die Tumoren durch die Nebenwirkungen erkannt werden.

Je nachdem, welche Hormone von einem Hypophysenadenom freigesetzt werden, unterscheidet man zwischen verschiedenen Adenomarten. Die immunhistochemische Klassifikation lautet:

  • Prolaktinom
  • Wachstumshormonproduzierendes Adenom
  • Mammosomatotropes Adenom
  • Azidophiles Stammzelladenom
  • Kortikotropes Adenom
  • Gonadotropes Adenom
  • Thyreotropes Adenom
  • Plurihormonales Adenom
  • Null-Zell-Adenom / Onkozytom

Symptome bei einem Hypophysenadenom

Die Symptome bei einem Hypophysenadenom hängen von der jeweiligen Adenomart ab. So kommt es bei einem Prolaktinom bei Männern zu Erektionsstörungen, während bei Frauen eine sekundäre Amenorrhoe, das Ausbleiben der Menstruation, und eine Galaktorrhoe, das Austreten von Flüssigkeit aus den Brustdrüsen, auftreten.

Bei einem ACTH-positiven Adenom leiden die Betroffenen unter Morbus Cushing, bei dem es zu einem gutartigen Tumor der Hirnanhangdrüse kommt. Ein typisches Merkmal von GH-positiven Adenomen ist Akromegalie, die mitunter zu Riesenwuchs führen kann.

Die seltenen TSH-positiven Adenome führen zu einer sekundären Schilddrüsenüberfunktion. Zu den weiteren möglichen Merkmalen zählen

  • Ausfälle im Gesichtsfeld
  • Kopfschmerzen
  • Einblutungen oder auch
  • Krampfanfälle.

Psychische Symptome bei einem Hypophysenadenom

Ein Hypophysenadenom wächst in der Regel sehr langsam. Die Wahrnehmung erster Symptome erfolgt manchmal erst nach einigen Jahren. Welche Anzeichen man dabei erkennt, ist unterschiedlich.

Oftmals kommt es zuerst zu Einschränkungen im Gesichtfeld. Selten können auch psychische Symptome auftreten. In diesem Zusammenhang wird meist von einer Depression gesprochen.

Diagnose: MRT mit Kontrastmittel beim Hypophysenadenom

Als beste Methode, ein Hypophysenadenom festzustellen, gilt die kontrastverstärkte Magnetresonanztomographie. Diese ist in der Lage, auch sehr kleine Tumore aufzuspüren.

Es kommen unterschiedliche Schnittebenen zur Anwendung, sodass man auch möglicherweise andere Tumorarten ausschließen oder erkennen kann. Bei Anwendung einer speziellen MRT-Technik lassen sich auch weitere Arterien untersuchen, für den Fall, dass man ein Aneurysma vermutet. Da der Tumor die Sehnerven beeinträchtigen kann, erfolgt oftmals zusätzlich eine Gesichtsfeldmessung.

Behandlung eines Hypophysenadenoms

Falls möglich, werden Hypophysenadenome auf operative Weise entfernt, was jedoch vom Gesundheitszustand des Patienten abhängig ist. Prolaktinome lassen sich auch mit dem Dopaminagonisten Bromocriptin behandeln.

Operation bei einem Hypophysenadenom

Der Botenstoff Dopamin verhindert eine übermäßige Produktion von Prolaktin. Wird das Mittel jedoch abgesetzt, besteht die Gefahr, dass der Tumor wieder wächst, sodass dann doch eine Operation erforderlich ist.

Bei dieser versucht man, den Tumor chirurgisch zu entfernen. Meist erfolgt der Eingriff durch die Nase. Ist der Tumor größer, kann auch durch die Schädeldecke operiert werden.

Nachsorge und Krankschreibung nach einer OP eines Hypophysenadenoms

Nach der Operation ist es sehr wichtig, die Hypophysenregion im Rahmen von bildgebenden Verfahren wie z.B. einem Kernspintomogramm zu untersuchen. Entweder wird diese Untersuchung unmittelbar nach der OP oder nach einigen Wochen durchgeführt.

Nach einem chirurgischen Eingriff muss der Hormonspiegel regelmäßig kontrolliert werden. So kann es notwendig sein, dem Patienten Cortisol, Schilddrüsenhormone oder Gonadotropine zu verabreichen.

Wie lange der Patient nach dem Eingriff krankgeschrieben ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. So kommt es immer auf die Art des Eingriffs sowie die allgemeine gesundheitliche Verfassung des Patienten an.

Bestrahlung bei einem Hypophysenadenom

Bei einem Hypophysenadenom kommt es zum Einsatz der Strahlentherapie, wenn weder Operation noch Medikamente keine Erfolge gezeigt haben. Mit der Strahlentherapie zu beginnen, gilt aufgrund der langen Wirkungslatenz nur selten als empfehlenswerte Alternative - radiochirurgische Behandlungen wirken stärker und schneller.

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