10. Januar 2008
Von Annett Biermann
Die Kaufsucht wird fachsprachig auch Onimanie genannt und ist eine psychische Störung. Sie äußert sich in einem zwanghaften Kaufen von Gütern und Dienstleistungen und wird wie die Spielsucht nicht als eigenständige Krankheit angesehen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine Zwangsstörung bzw. eine Impulskontrollstörung.

Entscheidend für die Diagnose einer Kaufsucht ist, dass der Betroffenen nicht kauft um die Güter zu besitzen, sondern um den Drang der Kaufhandlung zu befriedigen. Gekauft werden meist bestimmte Warengruppen, sodass der Betroffene z.B. Schuhe kauft, die er gar nicht benötigt und diese dann unausgepackt in der Wohnung lagert.
Der Betroffene ist sich seines sinnlosen Handelns durchaus bewusst und doch kann er sich nicht zusammenreißen. Typisch für eine Kaufsucht ist der ständige Drang, die Kaufhandlung zu wiederholen. Der Betroffene verliert völlig die Kontrolle, wenn er Gelegenheiten zum Kaufen bekommt. Teilweise unterbrechen Kaufsüchtige auch ihre derzeitige Tätigkeit, nur um Einkaufen gehen zu können.
Wird er von Außen am Kaufen gehindert, entwickelt er Entzugserscheinungen, wie Schweißausbrüche, Zittern und auch Depressionen. Durch die Kaufhandlung glaubt der Betroffene, dass er durch materielle Dinge eine gewisse Anerkennung bekommt. Im weiteren Verlauf der Erkrankung löst allerdings nur die Kaufhandlung selbst für einen kurzen Augenblick Glücksmomente aus, dann fällt er in ein tiefes Loch und kann nur noch glücklich sein, wenn er wieder kauft.
Die Ursachen für eine Kaufsucht sind Ängste, Depressionen, eine innere Leere und ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Durch den Kauf sollen diese negativen Gefühle in den Griff bekommen werden. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Teufelskreis, denn negative Gefühle führen zu Kaufen und Kaufen führt nach kurzer Zeit zu Schuldgefühlen, die wieder mit Kaufen bewältigt werden sollen.
In den Industrienationen ist ungefähr ein Prozent der Bevölkerung von der Kaufsucht betroffen. Studien zufolge sind rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung von dieser Krankheit betroffen, wovon 90 Prozent Frauen sind.
Bei der Kaufsucht handelt es sich um eine psychische Störung der Persönlichkeit, die durch ein vermindertes Selbstwertgefühl gekennzeichnet ist. Durch das sinnlose Kaufen von Gütern und Dienstleistungen will der Betroffene seine Frustration verdrängen. Die Folgen einer unbehandelten Kaufsucht sind sehr schwerwiegend, denn es treten nicht nur Ängste und Schuldgefühle auf, sondern vor allem finanzielle Probleme.
Es dauert oft Jahrzehnte, bis sich der Betroffene eine Kaufsucht eingestehen kann bzw. es auch der Umwelt auffällt. Die verheerenden Folgen sind meist eine totale Überschuldung bis hin zu einer kompletten Insolvenz. Nicht selten werden die Betroffenen auch kriminell, um sich Geld zu beschaffen.
Betroffene, die sich ihrer Sucht und den individuellen Ursachen bewusst sind, können manchmal aus eigenen Kräften eine Entwöhnung schaffen. Zunächst gilt es, die Ursachen wie ein unbefriedigendes Arbeitsumfeld oder eine schwierige Beziehung zum Partner oder zu den Eltern, zu beseitigen, denn verschwindet der Zwang zum Kaufen meist von selbst. Hilfreich sind hierbei allerdings ergänzende Psychotherapien oder Selbsthilfegruppen. Dann muss sich der Betroffenen nicht alleine mit all seinen Problemen auseinander setzten, sondern kann sich mit Gleichgesinnten austauschen.
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