Fibromyalgie - Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Fibromyalgie beschreibt eine chronische Schmerzerkrankung. Die Schmerzen fallen sehr stark aus und können den gesamten Körper betreffen. Hinzu kommen viele Neben- sowie vegetative Symptome. Die Ursachen einer Fibromyalgie sind noch nicht geklärt. Häufig kann die Erkrankung nicht behandelt werden. Die Diagnose stellt meist der Orthopäde. Lesen Sie alles Wissenswerte über die Fibromyalgie.

Von Claudia Haut

Krankheitsbild

Bei der Fibromyalgie handelt es sich um eine chronische Schmerzerkrankung, die in vielen Fällen therapieresistent ist. Sie ist gekennzeichnet durch ein weit verbreitetes Schmerzbild der Muskeln und Gelenke und geht mit zahlreichen weiteren Beschwerden einher. Bei der Diagnoste muss eine Rheumatoide Arthritis ausgeschlossen werden.

Ursachen

Wodurch eine Fibromyalgie entsteht, konnte noch nicht eindeutig erwiesen werden. Häufig treten die starken Schmerzen jedoch nach einer Verletzung oder einer Operation auf, so dass Ärzte vermuten, dass sich diese Ereignisse auf das zentrale Nervensystem auswirken. Die Verarbeitung von Schmerzen ändert sich durch die Operation bzw. die Verletzung vermutlich.

Möglicherweise löst auch ein Virusinfektion die Fibromyalgie aus. Auch eine schlechte Durchblutung im Bereich der Muskeln kann der Auslöser einer Fibromyalgie sein.

Risikofaktoren

Die Ärzte sind sich jedoch sicher, dass es Risikofaktoren für die Erkrankung gibt. Dazu zählen

Die Fibromyalgie hängt vermutlich eng mit dem Schlaf in der Nacht zusammen. Fast alle Patienten mit einer Fibromyalgie können nachts nur schlecht schlafen. Umgekehrt kann man bei gesunden Personen durch nächtlichen Schlafentzug Symptome einer Fibromyalgie auslösen.

Verlauf

Die Fibromyalgie verursacht zwar keine körperlichen oder messbaren Veränderungen im menschlichen Körper, dennoch leiden die Patienten unter stärksten Schmerzen. Kann die Krankheit nicht frühzeitig geheilt werden, wird sie meist chronisch.

Die Patienten leiden dann Jahrzehnte unter ihren Schmerzen. In einigen Fällen bessern sich die Schmerzen nach vielen Jahren bei den älteren Menschen jedoch auch ohne jegliche Behandlung.

Symptome

Patienten mit einer Fibromyalgie haben über lange Jahre hinweg stärkste Schmerzen im Bereich der Muskeln. Die Schmerzen treten am gesamten Körper auf.

Die Patienten haben zusätzlich das Gefühl, als würden die schmerzenden Stellen auch geschwollen sein. Bewegen sich die Betroffenen, werden die Schmerzen stärker. Die hohe Schmerzempfindlichkeit zeigt sich besonders an bestimmten Schmerzdruckpunkten, den Tender Points.

Neben den Schmerzen treten weitere Symptome auf. Die Patienten fühlen sich müde, schlafen schlecht und können sich morgens kaum bewegen. Aufgrund der starken Schmerzen haben sie Angst und neigen zu Depressionen.

Weitere mögliche Nebensymptome sind

In einigen Fällen können auch verschiedenste vegetative Symptome wie

auftreten.

Diagnose

Der Arzt führt anfangs eine körperliche Untersuchung durch und nimmt auch Blut ab. Liegt eine Fibromyalgie in Kombination mit einer anderen Erkrankung, wie zum Beispiel Rheuma oder einer Schilddrüsenunterfunktion vor, sind Auffälligkeiten bei den Blutwerten zu erkennen. Eine Fibromyalgie alleine verändert die Blutwerte jedoch nicht.

Durch Untersuchungen wie eine Röntgenaufnahme oder eine Ultraschalluntersuchung kann die Fibromyalgie nicht diagnostiziert werden, da die Erkrankung keine sichtbaren Veränderungen im Körper hervorruft. Im Rahmen seiner Diagnostik drückt der Orthopäde auf die Tender Points. Dabei handelt es sich um Sehnenansätze, zum Beispiel an den Schultern oder am Rücken.

Die Medizin kennt 18 Tender Points. Reagiert der Patient bei 11 Tender Points mit Schmerzen, liegt eine Fibromyalgie vor. Zusätzlich müssen die Schmerzen bereits seit mindestens drei Monaten andauern und an drei großen Stellen des Körpers vorkommen (wie oberhalb der Hüfte, rechte Körperhälfte usw.).

Behandlung

Da die auslösenden Ursachen einer Fibromyalgie nicht bekannt sind, gibt es keine einheitliche Therapie. Der Arzt geht bei seiner Behandlung auf jeden Patienten individuell ein.

Was bei dem einen Patienten als erfolgreich gewertet werden kann, kann bei dem anderen Patienten überhaupt nicht anschlagen. Die Therapie wird in drei Bereiche eingeteilt:

  • Basistherapie
  • weiterführende Behandlung und die
  • Langzeitbetreuung.

Zu Beginn der Behandlung klärt der Arzt den Patienten über die Erkrankung genau auf. Für viele Patienten ist es wichtig zu wissen, dass sich keine körperlichen Veränderungen durch die Krankheit entwickeln.

Basistherapie

Die Patienten erhalten Medikamente zur Schmerzlinderung und zur Behandlung ihrer Depressionen (Antidepressiva). Besonders wenn die Antidepressiva vor dem Schlafengehen eingenommen werden, wirkt sich dies positiv auf den Nachtschlaf aus. Dies wiederum bewirkt eine Schmerzlinderung.

Einigen Patienten hilft auch Akupunktur. Auch wenn sportliche Betätigung die Beschwerden verschlimmert, werden die Patienten angehalten, leichte Ausdauersportarten durchzuführen.

Zusätzlich werden physikalische Therapien wie Krankengymnastik oder Wärmebehandlungen durchgeführt. Auch zahlreiche Entspannungsmethoden, wie zum Beispiel

können hilfreich sein.

Weiterführende Behandlung

Bewährt hat sich auch eine psychotherapeutische Begleitbehandlung über mehrere Monate oder sogar Jahre. Zusammen mit der Bewegungstherapie kennzeichnet sie die Basistherapie.

Langzeitbetreuung

Die Langzeitbetreuung kommt zum Einsatz, wenn die Patienten trotz einer halbjährigen weiterführenden Behandlung in ihrem Alltag immer noch stark eingeschränkt sind. die Einige Fachkliniken haben sich auf die Behandlung von Fibromyalgie-Patienten spezialisiert.

Die Patienten erhalten hier eine umfassende Behandlung sowie Patientenschulungen, um mit ihrer Krankheit besser zurechtzukommen. Im Rahmen der Schulung erlernen die Patienten auch Entspannungsübungen, um in Stresssituationen gelassener zu reagieren.

Eine weitere Möglichkeit, die jedoch umstritten ist, besteht darin, die schmerzenden Stellen der Tender Points chirurgisch zu entfernen. Viele Patienten erfahren dadurch eine Erleichterung in Bezug auf ihre Schmerzen.

Die Wirkungsweise ist jedoch noch umstritten. Viele Ärzte gehen davon aus, dass sich auch durch die Entfernung nichts verändert und bei den Patienten nur der so genannte "Placeboeffekt" eintritt.

Vorbeugung

Da die Erkrankung noch nicht genau erforscht ist, kann man ihr nicht vorbeugen. Da jedoch ein Zusammenhang zwischen schlechtem Nachtschlaf und Fibromyalgie besteht, sollte man darauf achten, nachts regelmäßig und ausreichend zu schlafen.

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