14. Dezember 2004
Bakterien, so genannte Chlamydien, beschäftigen zunehmend die Ärzte. Nach Untersuchungen der Universitätsfrauenklinik in Freiburg sind in Deutschland etwa 1,1 Million Menschen mit Chlamydia trachomatis (Ct) infiziert.
(dgk) Die Infektion ist damit 50 bis 100 Mal häufiger als der Tripper.* Meist sind die Infektionen symptomlos oder -arm, jedoch deshalb keineswegs harmlos. Aus diesem Grund kommt der rechtzeitigen Früherkennung eine besondere Bedeutung zu, betont Professor Dr. Eiko Petersen, Leiter der Sektion "Gynäkologische Infektiologie" der Universitätsfrauenklinik Freiburg.
Chlamydien werden durch Geschlechtsverkehr, sehr viel seltener durch Schmierinfektion (Kontaktinfektion) übertragen, deshalb können sich auch Kinder bei der Geburt infizieren. Fast 90 Prozent der Frauen und Männer haben nach der Infektion mit Chlamydien nur geringfügige oder gar keine Beschwerden. Folgende Symptome können Hinweis auf eine Infektion sein:
Bei Männern ist die Entzündung der Harnröhre das häufigste Symptom. Das Harnlassen kann trotz gleichzeitigem Harndrang erschwert sein. In der Harnröhre entsteht ein ziehender Schmerz. Es kommt zu eitrigem Ausfluss. Bei Männern kann die Infektion nur wenig aufsteigen und zu einer Entzündung des Nebenhodens führen.
Bei Frauen kommt es zu vermehrtem gelbklebrigem Ausfluss, Zwischenblutungen und Kontaktblutungen. Die Infektion beschränkt sich zunächst auf den Gebärmutterhals und die Harnröhre. Sie kann jedoch in die Gebärmutterhöhle und in die Eileiter aufsteigen. Dies führt zu einer langwierigen Infektion der Eileiter (so genannte Adnexitis). Diese Entzündung geht meist nur mit mäßigen Bauchschmerzen einher. Bei 10 bis 20 Prozent kommt es auch zu einer Entzündungsreaktion in der Umgebung der Leber (Perihepatitis), das zu Schmerzen in der rechten Schulter führt. Auch ein chronischer Befall der Gelenke, häufig Kniegelenk, mit erheblichen Beschwerden ist möglich.
Die Erreger sind bei Frauen häufiger als bislang angenommen die Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Der Gynäkologe Petersen schätzt, dass bundesweit etwa 100.000 Frauen aufgrund einer Chlamydieninfektion keine Kinder bekommen können. Bei Schwangeren ist zusätzlich das Baby gefährdet: Die Erreger werden in etwa 40 Prozent auf die Augen des Neugeborenen übertragen, wo sie eine Entzündung (Konjunktivitis) verursachen. Seltener sind eine Lungenentzündung oder eine chronische Genitalinfektion.
Die Chlamydien wandern langsam vom Muttermund über die Gebärmutterschleimhaut bis in die Eileiter, wo sie bei etwa 40 Prozent der infizierten Frauen nachgewiesen werden können. Hier richten sie erhebliche Schäden an: Als Folge einer Eileiterentzündung entstehen Vernarbungen und der Eileiter ist nicht mehr durchgängig. Die Konsequenzen: Sterilität und Eileiterschwangerschaften. Bei bestehender Sterilität gibt es nur noch mit Hilfe der modernen Fortpflanzungsmedizin Hoffnung auf ein eigenes Kind. Aber auch während einer Schwangerschaft ist die Infektion mit Chlamydien gefährlich.
Eine rechtzeitig behandelte Chlamydieninfektion zieht in der Regel keine Folgeschäden nach sich. Seit 1995 gibt es deshalb für alle Schwangeren einen Chlamydienvorsorgetest. Die Ergebnisse sind allerdings mehr als unsicher, da in der Regel billige Schnelltests zum Einsatz kommen. Besser und zuverlässiger sind die so genannten PCR-Tests. Diese innovativen Testverfahren, die auf dem so genannten Genamplifikationsverfahren beruhen, sind in Deutschland jedoch im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge nicht zugelassen, da sie anfänglich deutlich teurer waren und werden deshalb bis heute nicht von den Krankenkassen bezahlt.
"Wichtig ist vor allem, dass bei Paaren beide Partner untersucht und behandelt werden", betont Petersen. "Die frühzeitige Diagnose ist mittels innovativer Testmethoden möglich und könnte helfen, Folgekrankheiten – und somit auch Folgekosten – zu vermeiden bzw. zu reduzieren". Petersen rät besonders Frauen zwischen 15 und 25 Jahren sowie 20- bis 30-jährigen Männern insbesondere bei Partnerwechsel, sich mindestens einmal im Jahr untersuchen zu lassen. Wird eine Infektion erkannt, ist eine mindestens zehntägige Antibiotikabehandlung (mit Doxicyclin, in der Schwangerschaft mit Makroliden oder Amoxicillin) – auch in der Schwangerschaft – unumgänglich. Die Therapie kann aber nur erfolgreich sein, wenn der Sexualpartner der Patientin mitbehandelt wird. Petting schützt nicht vor der Übertragung von Chlamydien, da sie auch im äußeren Genitalbereich vorkommen können. Petersen zum Vorsorgetipp: "Den besten Schutz bieten immer noch Kondome, wenn sie konsequent getragen werden."
* Fünf von hundert Teenagern und zehn Prozent aller 17-jährigen Mädchen leiden an einer Chlamydieninfektion. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Berliner Untersuchung an insgesamt 92 Schulen, initiiert von der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V. (ÄGGF) unter Leitung von Dr. Gisela Gille und und Dr. Christine Klapp. (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., Presse-Information Nr. 9, 15.9.2004)
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