Alkoholabhängigkeit - Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Ursache der Alkoholabhängigkeit ist ein Stoff im Alkohol, der bei regelmäßigem Genuss abhängig macht. Wie die Erkrankung verläuft, hängt entscheidend von der Mitarbeit und Krankheitseinsicht des Patienten ab. Die Therapie der Alkoholabhängigkeit findet in den meisten Fällen im Krankenhaus statt. Lesen Sie alles Wissenswerte rund um die Alkoholabhängigkeit.

Die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit und wie man sie behandeln und ihr vorbeugen kann

Ursachen

Der Alkohol beinhaltet einen Stoff, der im menschlichen Körper das so genannte Dopamin ausschüttet. Dopamin wirkt entspannend auf den Körper und löst Glücksgefühle aus. Je mehr und regelmäßiger der Alkohol jedoch konsumiert wird, desto größere Mengen benötigt der Körper davon, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Risikofaktoren für eine Alkoholabhängigkeit gibt es viele. Oftmals ist es Einsamkeit, weshalb ein Betroffener zum Alkohol greift.

Anfangs vertreibt der Alkohol durch das Dopamin seine trüben Gedanken. Mit der Zeit benötigt der Patient jedoch immer mehr Alkohol, um diesen Rauschzustand zu erreichen.

Aber auch Probleme im Beruf oder im Privatleben können die Auslöser für eine Alkoholabhängigkeit sein. Psychische Probleme spielen bei der Entstehung einer Alkoholabhängigkeit wohl die wichtigste Rolle. Diese können bereits aus der Kindheit herrühren, wie zum Beispiel in Form von einem ständigen Wechseln von Erziehungspersonen oder einer fehlenden Bezugsperson.

Doch auch soziale Aspekte wie

  • Gewalterfahrungen
  • Armut
  • ein Schulabbruch

etc. können das Risiko deutlich steigern. Einige Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs können ebenfalls den Griff zum Alkohol fördern. Und ebenso genetische Faktoren können das Risiko, alkoholkrank zu werden, steigern. So ist das Risiko bei Familienangehörigen einer alkoholkranken Person drei- bis viermal höher als bei jemandem, in dessen Familie keine Alkoholprobleme vorkommen bzw. vorgekommen sind.

Konsumklassen

Je nachdem, wie viel Alkohol man zu sich nimmt, lässt sich der Konsum in verschiedene Klassen einteilen. Je höher der Konsum, desto höher natürlich auch das Risiko, alkoholkrank zu werden. Die Konsumklassen wurden in den letzten Jahren wie folgt definiert:

  • Risikoarmer Konsum: bis zu 12 g Reinalkohol täglich für Frauen, bis zu 24 g für Männer
  • Riskanter Konsum: mehr als 12 g und bis zu 40 g Reinalkohol täglich für Frauen, mehr als 24 g und bis zu 60 g für Männer
  • Gefährlicher Konsum: mehr als 40 g und bis zu 80 g Reinalkohol täglich für Frauen, mehr als 60 g und bis zu 120 g für Männer
  • Hochkonsum: mehr als 80 g Reinalkohol täglich für Frauen und mehr als 120 g täglich für Männer

Verlauf

Begibt sich der Betroffene in ärztliche Behandlung, ist dies oftmals der erste Schritt der Krankheitsbehandlung. Zuerst muss der Körper vom Alkohol entgiftet und anschließend in einer mehrmonatigen Behandlung entwöhnt werden.

Hält der Patient diese Behandlungen durch und wird auch anschließend nicht mehr rückfällig, stehen die Chancen oftmals gut, dass nur geringe Folgeerkrankungen bestehen bleiben. Lassen sich Alkoholiker jedoch nicht oder nur unzureichend behandeln, kann dies zu

führen. Die Alkoholiker verändern sich auch in ihrer Persönlichkeit. Sie werden depressiv und aggressiv.

Ein langfristiger und hoher Alkoholkonsum schädigt schließlich die Organe in einem derart großen Ausmaß, dass der Patient verstirbt. Viele Alkoholiker begehen auch Selbstmord, da sie sich aus ihrer Situation nicht mehr hinaussehen oder die großen Mengen Alkohol nicht mehr herbeischaffen können, die ihr Körper eigentlich "benötigen" würde.

Symptome

Eine Alkoholabhängigkeit zeigt sich durch ein unüberwindbares Verlangen nach Alkohol. Dabei kann der Betroffene nicht steuern, wie viel Alkohol er trinken möchte. Er muss immer einen bestimmten Alkoholpegel im Blut haben, um keine Entzugserscheinungen wie zum Beispiel zitternde Hände, Unruhe, Schlafstörungen usw. zu bekommen.

Mit der Zeit müssen die Betroffenen immer mehr Alkohol zu sich nehmen, um damit die gleiche Wirkung erzielen zu können. Starke Alkoholiker können keiner geregelten Tätigkeit bzw. keinem geregelten Tagesablauf mehr nachgehen, da der Alkohol ihr Leben bestimmt (Kontrollverlust). Die Motivation, etwas an ihrem Lebensstil zu ändern, ist nicht vorhanden.

Folgende körperliche Symptome können auf eine Erkrankung hinweisen:

Alkoholiker können von alleine meist nicht mehr aufhören, sie brauchen professionelle Hilfe. Bei sehr hohem Alkoholkonsum kann auch ein lebensgefährliches Koma drohen.

Erwartungshaltungen der Betroffenen

Für Alkoholkranke ist von Bedeutung, dass das Suchtmittel eine schnelle Wirkung erzielt und mögliche vorhandene Probleme oder Spannungszustände schnell mildert. Es kommt zu einem bestimmten Einnahmeverhalten, welches mitunter durch unterschiedliche Erwartungshaltungen mitbestimmt wird. Es werden sechs Erwartungshaltungen bezüglich der Wirkung von Alkohol unterschieden:

  1. Sichtweisen stellen sich positiver dar
  2. Das soziale und persönliche Wohlbefinden wird gesteigert
  3. Die Sexualität wird positiv beeinflusst
  4. Machtgefühle und Aggressionen werden verstärkt
  5. Das soziale Durchsetzungsvermögen wird verbessert
  6. Spannungen werden gelindert oder abgebaut

Dabei bestehen häufig Unterschiede im Geschlecht: während Frauen den Wunsch hegen, bestehende negative Umstände zu verringern, wollen Männer bestehende positive Umstände steigern.

Es ergeben sich drei zentrale Funktionen des Alkohols:

  1. Die Funktion der Befriedigung
  2. Die Funktion der Abwehr (z.B. von Ängste oder Depressionen)
  3. Die Funktion der Kompensation (z.B. eines mangelnden Selbstbewusstseins)

Diagnose

Wenn ein Patient seinem Arzt diese Symptome schildert, kann dieser meist sofort die Diagnose Alkoholabhängigkeit stellen. Ein klarer Hinweis auf eine Erkrankung ist, wenn der Alkoholmissbrauch trotz auftretender Probleme weitergeführt wird.

Zumeist mildern die Betroffenen ihre Alkoholsucht jedoch ab, so dass es für den Arzt schwierig sein kann, die Situation richtig einzuschätzen. Hier können dann oft die Angehörigen weiterhelfen.

Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung sowie eine Untersuchung des Blutes durch. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung kann der Arzt feststellen, ob die Alkoholabhängigkeit bereits Folgeerkrankungen wie Lebervergrößerung oder eine Leberentzündung, Herzrhythmusstörungen, hohen Blutdruck usw. verursacht hat.

Wird regelmäßig Alkohol konsumiert, sind die Leberwerte im Blut erhöht. Zusätzlich gibt es einen speziellen Wert im Blut, der angibt, ob der Patient in den letzten Tagen regelmäßig Alkohol konsumiert hat. Dies ist für den behandelnden Arzt ein weiteres Zeichen dafür, dass der Betroffene abhängig vom Alkohol ist.

CAGE-Fragebogen

Mitunter kann auch der so genannte CAGE-Fragebogen zum Einsatz kommen; dabei werden folgende Fragen gestellt:

  • Hatte der Betroffene jemals das Gefühl, er sollte seinen Alkoholkonsum einschränken? (Cut down)
  • Hat der Betroffene sich wegen der Kritik aus dem Umfeld bezüglich seines Trinkverhaltens geärgert? (Annoyed)
  • Hat der Betroffene sich wegen seines Trinkens jemals schlecht oder schuldig? (Guilt feelings)
  • Braucht der Betroffene am Morgen Alkohol, damit er erst Leistung bringen kann? (Eye opener

Erhält der Arzt eine positive Antwort, liegt meistens ein schädlicher Gebrauch von Alkohol vor; bei zwei positiven Antworten ist eine Alkoholerkrankung wahrscheinlich.

Behandlung

Wird die Alkoholabhängigkeit diagnostiziert, findet meist zu Beginn eine so genannte Entziehung im Krankenhaus statt. Oftmals werden die Patienten in einer lebensgefährlichen Situation mit einem hohen Alkoholpegel in das Krankenhaus eingeliefert.

Während der stationären Behandlung erhält der Patient keinen Tropfen Alkohol mehr, was somit zu massiven Entzugserscheinungen beim Betroffenen führt. Risiken dieses Entzuges können Krampfanfälle oder psychische Erkrankungen sein.

Die Patienten werden rund um die Uhr ärztlich überwacht und erhalten Medikamente gegen die starken körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen. Ist die akute Behandlung abgeschlossen, folgt eine mehrmonatige Entwöhnungsbehandlung. Die Behandlung findet in speziellen Suchtkliniken statt.

Während dieser Langzeittherapie soll der Betroffene mit Hilfe von Ärzten und Therapeuten lernen, von seinem Suchtmittel dauerhaft los zu kommen. Auch während dieser Behandlung erhält der Patient noch Medikamente, um die Entzugserscheinungen zu mildern. Hier erhält der Patient auch Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

Ein regelmäßiger Kontakt zu anderen Betroffenen, wie man ihn in Alkohol-Selbsthilfegruppen erhält, ist für die dauerhafte Alkoholabstinenz von entscheidender Bedeutung. Hier werden die Betroffen langfristig betreut und können sich gegenseitig stärken, nicht wieder rückfällig zu werden.

Gesprächsmethode nach BRENDA

Wichtig im Rahmen der Behandlung sind auch Gesprächstherapien; für ein Erstgespräch wird dabei häufig auf die Methode nach BRENDA zurückgegriffen. Diese setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • B: Biopsychosoziale Auswertung
  • R: Report (Bericht des Patienten)
  • E: Empathie
  • N: Needs (Auswertung der Bedürfnisse)
  • D: Direkter Rat
  • A: Auswertung der Reaktion

Die biopsychosoziale Auswertung beträgt in etwa 20 Minuten und soll dazu dienen, mögliche Konsequenzen des Alkoholkonsums, sowohl im privaten, als auch im beruflichen Bereich, ausgearbeitet werden. Anschließend berichtet der Patient über die Beziehung zwischen den erwähnten Konsequenzen, der Alkoholeinnahme sowie abstinenten Phasen.

Beim Punkt "Empathie" gilt es, dem Patienten deutlich zu machen, dass man ihm nicht nur zuhört, sondern ihn auch versteht. Danach wird gemeinsam aufgelistet, welche Behandlungen und Hilfemaßnahmen als Nächstes notwendig sind; dabei sollten auch Prioritäten gesetzt werden.

Der direkte Rat sollte klar und in kurzen Sätzen formuliert werden: es geht um das wichtigste Therapieziel und von Bedeutung ist auch, dass dieses erreichbar ist. Der Ratschlag sollte aus positiven Sätzen bestehen. Der letzte Punkt beschreibt die individuelle Einschätzung des Arztes bzw. Therapeuten, ob der Patient die Therapie sowie deren Ziele auch annehmen kann.

Auch nach der Behandlung der Alkoholabhängigkeit muss der trockene Alkoholiker sein Leben umstellen. Er darf keine Lebensmittel oder Getränke mit Alkohol mehr zu sich nehmen, da er sonst sofort rückfällig werden würde. Auch nur die geringste Menge Alkohol, wie sie zum Beispiel in Pralinen enthalten ist, kann für einen Rückfall ausreichend sein.

Vorbeugung

Um einer Alkoholabhängigkeit vorzubeugen, sollte man niemals regelmäßig Alkohol in großen Mengen trinken. Alkohol sollte immer nur in Maßen und auch dann nur hin und wieder genossen werden.

Eltern sollten ihren Kindern so früh wie möglich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Suchtmittel Alkohol lehren. Oftmals wird der Grundstein für den Alkoholismus bereits in der Jugend gelegt, da in diesem Alter der regelmäßige Alkoholkonsum oftmals als etwas völlig Normales angesehen wird. Wer Probleme hat, sollte diese nicht mit Alkohol ertränken, sondern sich entsprechende ärztliche oder therapeutische Hilfe suchen.

Quellen:

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  • Michael Soyka und Miriam Bahlmann: Praxisratgeber Alkoholabhängigkeit, Uni-Med, Bremen, 2000, ISBN 3895994472
  • Johannes Lindenmeyer: Ratgeber Alkoholabhängigkeit, Hogrefe-Verlag, 2003, ISBN 3801717607
  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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