Der Speichel - Befeuchtung der Mundhöhle, antibakterielle Wirkung und wichtig für die Verdauung

Als Speichel oder Spucke bezeichnet man ein exokrines Sekret, das sich im Mund bildet. Dieses Sekret wird von den Speicheldrüsen produziert.

Man unterteilt die Drüsen des Speichels in kleine und große Speicheldrüsen

Anatomie

Unter dem Speichel (Saliva), der auch als Spucke bezeichnet wird, versteht man ein exokrines Sekret, das im Mund entsteht. Dieses Sekret wird von den Speicheldrüsen hergestellt und hat wichtige Aufgaben.

Zuständig für die Herstellung des Speichels sind die Speicheldrüsen (Glandulae oris), die sich in der Mundhöhle befinden. Man unterscheidet zwischen:

  1. den großen Speicheldrüsen wie der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) und der Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis)
  2. den kleinen Speicheldrüsen, die verstreut in der Mundschleimhaut liegen

Speichelherstellung

Mit einem Anteil von 90 Prozent stellen die großen Speicheldrüsen den überwiegenden Teil des Speichels her. Jeden Tag kommt es zu einer Produktion von 0,6 bis 1,5 Litern Speichel. Dabei hängt es von der jeweiligen Drüse ab, ob der Speichel wässrig (serös) oder schleimig (muktös) ist.

Während die Sekretion des wässrigen Speichels durch die Aktivität des parasympathischen Nervensystems angeregt wird, erfolgt die Anregung der Sekretion des schleimigen Speichels durch sympathische Aktivitäten. Sind wir beispielsweise aufgeregt, tritt der Sympathikus in Aktion und hemmt die Speichelsekretion.

Die Folge ist ein trockener Mund. Vor der Nahrungsaufnahme hingegen, wird besonders viel Speichel abgesondert.

Wässriger und schleimiger Speichel werden unterschiedlich hergestellt
Wässriger und schleimiger Speichel werden unterschiedlich hergestellt

Zusammensetzung

Beim Speichel handelt es sich um eine Flüssigkeit, die eine komplexe Zusammensetzung hat. Hauptbestandteil dieser Flüssigkeit ist Wasser, dessen Anteil 99 Prozent ausmacht. Darüber hinaus verfügt der Speichel über organische und anorganische Verbindungen.

Zu seinen physiologischen Bestandteilen gehören unter anderem:

  • das Polysaccharidgemisch Muzin
  • Peroxidasen
  • Lysozyme
  • Laktoferrin
  • Carboanhydrasen
  • Histatine
  • Statherine
  • Cystatine
  • prolinreiche Proteine

Zu den kleinmolekularen Speichelbestandteilen zählen:

Beim Menschen ist im Speichel zudem das Verdauungsenzym α-Amylase (Ptyalin) enthalten, welches Kohlenhydrate aufspalten kann. Dadurch beginnt die Verdauung der Nahrung die wir zu uns nehmen schon im Mund.

Aufgaben

Doch die Vorverdauung ist nur eine von mehreren wichtigen Aufgaben des Speichels.

Befeuchtung der Mundhöhle

Der Speichel erfüllt eine Vielzahl von wichtigen Aufgaben. Wichtigste Funktion ist vor allem die Befeuchtung der Mundhöhle. Auf diese Weise werden wichtige Eigenschaften wie

erst ermöglicht. Ebenso wird das Riechen dadurch beeinflusst.

Antibakterielle Wirkung

Stoffe wie Lysozym, Laktoferrin und Immunglobulin A sorgen für eine antibakterielle Wirkung des Speichels. Histatin wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus.

Durch den Speichel werden auch die löslichen Substanzen der verzehrten Nahrungsmittel aufgelöst. Es entsteht beim Essen ein feuchter Brei (Chymus), der leicht heruntergeschluckt werden kann und sich für die Magenverdauung eignet.

Zahngesundheit

Darüber hinaus ist der Speichel wichtig für die Zahngesundheit, denn durch eine Verminderung der Speichelherstellung steigt das Risiko für Karies. Zudem dient der Speichel als Puffer bei Nahrungsmittelsäuren, die sonst unsere Zähne angreifen könnten.

Auf die Funktion des Zahnschutzes gehen wir im Folgenden etwas genauer ein...

Der Speichel als aktiver Zahnschutz

Wie wohl schon jedes Kind weiß, ist es vor allem der Zucker, der unseren Zähnen schadet. Und Zucker lauert tatsächlich überall. Selbst im deftigen Aufschnitt verbirgt er sich; sogar vermeintlich gesundes Essen wie fertiger Krautsalat kann viel davon enthalten.

Auch sonst gibt es unzählige Lebensmittel, die jede Menge versteckten Zucker beinhalten. Da man diese Speisen oft nicht auf den ersten Blick als "Zuckerbomben" erkennen kann, oder weil man einfach nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten möchte, sollte an anderer Stelle bewusst Zucker eingespart werden.

Das bedeutet, dass man möglichst auf ungesüßte Getränke setzen sollte. Ideal für die Zahngesundheit sind Wasser und ungesüßte Tees.

Selbst gesunde Fruchtsäfte können den Zähnen schaden. Denn die enthalten nicht nur Zucker, sondern auch Säuren, die die Zahnsubstanz schädigen können.

Dauer des Kontakts der Zähne mit dem Zucker

Vor allem sollte aber auf Süßigkeiten verzichtet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um weiche Schokolade oder um ein klebriges Karamellbonbon handelt, zumindest, wenn es um die Zuckermenge geht.

Wenn es um die Dauer des Kontakts der Zähne mit dem Zucker geht, dann ist es besser, wenn der Zucker so kurz wie möglich im Mund verbleibt. Daher ist es auch günstiger, bei der Schokolade einmal richtig zuzugreifen, statt über einen längeren Zeitraum immer mal wieder ein kleines Stück zu sich zu nehmen.

Auch die zähen Karamellbonbons bedeuten echten Stress für den Schutzmantel der Zähne, ebenso Eis, das verhältnismäßig kurz im Mund bleibt. Bei letzterem schädigt nicht nur der enthaltene Zucker die Zähne, sondern auch die Kälte.

Wer dennoch nicht auf Süßigkeiten verzichten möchte, der sollte nach dem Verzehr unbedingt die Zähne putzen. Doch nicht nur das gründliche Zähneputzen hält unsere Zähne gesund, auch der Speichel leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Speichel schützt die Zähne

Der Speichel ist für den aktiven Zahnschutz unverzichtbar. Er fließt ständig um die Zähne und reinigt sie so. Zudem enthält der Speichel wichtige Mineralien, die den Zahn gesund erhalten.

Darüber hinaus schützt der Speichel die Zähne auch vor aggressiven Säuren, indem er sie neutralisiert. Aus diesem Grund läuft uns auch schon beim Gedanken an besonders saure Speisen buchstäblich das Wasser im Munde zusammen.

Diese Reaktion des Körpers ist durchaus sinnvoll, da bei sauren Speisen nämlich auch mehr Speichel benötigt wird, um die enthaltenen Säuren zu neutralisieren. Wer nun denkt, auch nach dem Verzehr saurer Lebensmittel sei es ratsam sofort die Zähne zu putzen, der handelt falsch.

Denn in diesem Fall sollte man dem Speichel mindestens zehn Minuten Zeit geben, die im Mund befindlichen Säuren zu neutralisieren. Zusammen mit der noch im Mund befindlichen Säure (die die Zahnoberfläche angreift) kann das Zähneputzen den Zähnen nämlich zusätzlich schaden.

Weitere Funktionen

Weitere Funktionen sind:

Erkrankungen der Speicheldrüsen

Die Speicheldrüsen, die für die Bildung des Speichels verantwortlich sind, können durch verschiedene Erkrankungen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Entzündung der Speicheldrüsen

Eine davon ist die Sialadenitis, eine Entzündung der Speicheldrüsen. Dabei kommt es zu einer schmerzhaften Anschwellung der erkrankten Speicheldrüse. Verursacht wird die Entzündung durch bestimmte Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken. Darüber hinaus kann ein verminderter Speichelfluss die Erkrankung begünstigen.

Speichelzysten

Eine weitere Beeinträchtigung der Speicheldrüsen sind Speichelzysten, die sich durch Risse an den Ausführungsgängen der Drüsen entwickeln können.

Speichelsteine

Die Bildung von Speichelsteinen bezeichnet man als Sialolithiasis. Dabei kommt es zu schmerzhaften Schwellungen sowie zu einer Behinderung des Speichelabflusses.

Hypersalivation und Hyposalivation

Möglich ist auch eine zu große Menge Speichel an Speichel (Hypersalivation). Dies kann zum Beispiel bei Epilepsie oder bei Tollwut auftreten. Das Gegenteil von einer Hypersalivation ist eine Hyposalivation, eine verminderte Speichelsekretion. Insbesondere ältere Menschen leiden häufig unter dieser Mundtrockenheit.

Nachlassender Speichelfluss im Alter

Der Speichel schützt die Zähne natürlich nur bedingt vor allen schädlichen Einflüssen, dennoch sollte man dafür Sorge tragen, dass der Speichelfluss möglichst aktiv bleibt. Mit zunehmendem Alter lässt dieser jedoch nach.

Ursachen

Die Ursachen dafür sind dabei nicht nur das zunehmende Alter, sondern auch Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, oder Medikamente (zum Beispiel Entwässerungstabletten, Antidepressiva oder Herz-Kreislaufmedikamente).

Vorbeugung

Damit die Speichelproduktion trotz allem nicht zu sehr nachlässt, sollte man immer ausreichend trinken. Besonders ältere Menschen, bei denen das Durstempfinden meist geringer ausgeprägt ist, trinken zu wenig. Das mindert die Speichelproduktion zusätzlich zu den bestehenden Erkrankungen und der damit verbundenen Medikation.

Angesichts dieser Misere sollten ältere Menschen besonders auf eine angemessene Flüssigkeitszufuhr achten. Aber auch junge und gesunde Menschen können die Speichelproduktion mit ungesüßten Getränken positiv beeinflussen und so ihren natürlichen Zahnschutz aktivieren.

Ebenso Babys sollten natürlich ausreichend trinken. Und für sie ist es sogar besonders wichtig, dass sie ungesüßte Getränke zu sich nehmen. Ansonsten ist die so genannte "Nuckelflaschenkaries", also Karies in ganz jungen Jahren, fast schon vorprogrammiert.

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