Der Speichel - Befeuchtung der Mundhöhle, antibakterielle Wirkung und wichtig für die Verdauung

Die Zunge eines weiblichen Mundes fährt über die Oberlippe

Man unterteilt die Drüsen des Speichels in kleine und große Speicheldrüsen

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Speichel oder Spucke bezeichnet man ein exokrines Sekret, das sich im Mund bildet. Dieses Sekret wird von den Speicheldrüsen produziert.

Anatomie

Unter dem Speichel (Saliva), der auch als Spucke bezeichnet wird, versteht man ein exokrines Sekret, das im Mund entsteht. Dieses Sekret wird von den Speicheldrüsen hergestellt und hat wichtige Aufgaben.

Zuständig für die Herstellung des Speichels sind die Speicheldrüsen (Glandulae oris), die sich in der Mundhöhle befinden. Man unterscheidet zwischen:

  1. den großen Speicheldrüsen wie der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) und der Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis)
  2. den kleinen Speicheldrüsen, die verstreut in der Mundschleimhaut liegen

Speichelherstellung

Mit einem Anteil von 90 Prozent stellen die großen Speicheldrüsen den überwiegenden Teil des Speichels her. Jeden Tag kommt es zu einer Produktion von 0,6 bis 1,5 Litern Speichel. Dabei hängt es von der jeweiligen Drüse ab, ob der Speichel wässrig (serös) oder schleimig (muktös) ist.

Während die Sekretion des wässrigen Speichels durch die Aktivität des parasympathischen Nervensystems angeregt wird, erfolgt die Anregung der Sekretion des schleimigen Speichels durch sympathische Aktivitäten. Sind wir beispielsweise aufgeregt, tritt der Sympathikus in Aktion und hemmt die Speichelsekretion.

Die Folge ist ein trockener Mund. Vor der Nahrungsaufnahme hingegen, wird besonders viel Speichel abgesondert.

Wässriger und schleimiger Speichel werden unterschiedlich hergestellt
Wässriger und schleimiger Speichel werden unterschiedlich hergestellt
Zusammensetzung

Beim Speichel handelt es sich um eine Flüssigkeit, die eine komplexe Zusammensetzung hat. Hauptbestandteil dieser Flüssigkeit ist Wasser, dessen Anteil 99 Prozent ausmacht. Darüber hinaus verfügt der Speichel über organische und anorganische Verbindungen.

Zu seinen physiologischen Bestandteilen gehören unter anderem:

  • das Polysaccharidgemisch Muzin
  • Peroxidasen
  • Lysozyme
  • Laktoferrin
  • Carboanhydrasen
  • Histatine
  • Statherine
  • Cystatine
  • prolinreiche Proteine

Zu den kleinmolekularen Speichelbestandteilen zählen:

Beim Menschen ist im Speichel zudem das Verdauungsenzym α-Amylase (Ptyalin) enthalten, welches Kohlenhydrate aufspalten kann. Dadurch beginnt die Verdauung der Nahrung die wir zu uns nehmen schon im Mund.

Speichel der Frau ändert seine Zusammensetzung mit den Jahren

Analyse der im Speichel enthaltenen Proteine - mögliche wertvolle Methode zur Krankheitsdiagnose

Arzt guckt junger Frau in den Mund
Allgemeinmedizin © ISO K° - photography - www.fotolia.de

US-amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass sich die Zusammensetzung von Proteinen im Speichel der Frau im Laufe ihres Lebens grundlegend verändert. Dazu wurde Speichel von Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren und 55 bis 65 Jahren analysiert und mehrere hundert verschiedene Eiweiße untersucht, die zum Beispiel zur Immunabwehr nötig oder bei der Übermittlung von Signalen beteiligt sind.

Gemeinsame und unterschiedliche Proteine

Insgesamt 532 verschiedene Proteine wurden analysiert. 266 Proteine kamen sowohl bei den jungen als auch bei den älteren Frauen vor. Doch 266 andere Proteine konnten nur entweder in der einen oder der anderen Altersgruppe nachgewiesen werden. Wenn für jede Altersgruppe die normale Speichelzusammensetzung bekannt ist, können diese Ergebnisse künftig bei der Diagnose von Krankheiten und Entwicklungsstörungen helfen.

Bisher haben Mediziner vor allem Blut für die Analyse von Krankheiten verwendet. Doch auch durch die Untersuchung des Speichels können wichtige Informationen über Entwicklung und Gesundheitszustand des Organismus gewonnen werden. Er kann ebenfalls bei der Diagnose von Krankheiten wie Lupus, dem Sjögren-Syndrom und anderen Autoimmunerkrankungen helfen.

Aufgaben

Doch die Vorverdauung ist nur eine von mehreren wichtigen Aufgaben des Speichels.

Befeuchtung der Mundhöhle

Der Speichel erfüllt eine Vielzahl von wichtigen Aufgaben. Wichtigste Funktion ist vor allem die Befeuchtung der Mundhöhle. Auf diese Weise werden wichtige Eigenschaften wie

erst ermöglicht. Ebenso wird das Riechen dadurch beeinflusst.

Antibakterielle Wirkung

Stoffe wie Lysozym, Laktoferrin und Immunglobulin A sorgen für eine antibakterielle Wirkung des Speichels. Histatin wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus.

Durch den Speichel werden auch die löslichen Substanzen der verzehrten Nahrungsmittel aufgelöst. Es entsteht beim Essen ein feuchter Brei (Chymus), der leicht heruntergeschluckt werden kann und sich für die Magenverdauung eignet.

Gesunder Mund durch den Speichel

Speichelflüssigkeit sorgt für die Zahngesundheit und für ein ökologisches Gleichgewicht im Mund

Nahaufnahme Unterer Teil des Gesichts einer Frau, lächelnder Mund, makellose, weiße Zähne, helle Haut, Hintergrund weiß
Beautiful young woman teeth. Isolated over white background. © Kurhan - www.fotolia.de

Täglich produziert der Mensch zirka einen Liter Speichelflüssigkeit, die zu 99 Prozent aus Wasser besteht, aber das entscheidende eine Prozent sorgt für das ökologische Gleichgewicht im Mund. Der Speichel sorgt für die Gleitfähigkeit der Speisen und ist auch für die Gesundheit der Zähne wichtig, unter anderem schützt er gegen Karies, da im Speichel bestimmte Mineralien enthalten sind.

Entstehung von Speichel

Der Speichel wird in den Speicheldrüsen, die sich in der Mundschleimhaut befinden und auch von den Ohrspeichel-, Unterkiefer- und Unterzungendrüsen produziert. Wenn zu wenig Speichel hergestellt wird, so kann das auch an den Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten liegen, die eine Mundtrockenheit auslösen und somit ein dauerhaftes Problem darstellen.

Anregung der Speichelproduktion

Als Hilfe kann man Kaugummi kauen oder zuckerfreie Bonbons lutschen, die die Speichelproduktion anregen sollen, dazu soll man auch öfters Flüssigkeit zu sich nehmen, damit der Mund feucht bleibt. Atmen sollte man grundsätzlich nur durch die Nase, weil ansonsten bei der Mundatmung die Schleimhäute besonders schnell trocken werden.

Zahngesundheit

Darüber hinaus ist der Speichel wichtig für die Zahngesundheit, denn durch eine Verminderung der Speichelherstellung steigt das Risiko für Karies. Zudem dient der Speichel als Puffer bei Nahrungsmittelsäuren, die sonst unsere Zähne angreifen könnten.

Auf die Funktion des Zahnschutzes gehen wir im Folgenden etwas genauer ein...

Der Speichel als aktiver Zahnschutz

Wie wohl schon jedes Kind weiß, ist es vor allem der Zucker, der unseren Zähnen schadet. Und Zucker lauert tatsächlich überall. Selbst im deftigen Aufschnitt verbirgt er sich; sogar vermeintlich gesundes Essen wie fertiger Krautsalat kann viel davon enthalten.

Auch sonst gibt es unzählige Lebensmittel, die jede Menge versteckten Zucker beinhalten. Da man diese Speisen oft nicht auf den ersten Blick als "Zuckerbomben" erkennen kann, oder weil man einfach nicht auf bestimmte Lebensmittel verzichten möchte, sollte an anderer Stelle bewusst Zucker eingespart werden.

Das bedeutet, dass man möglichst auf ungesüßte Getränke setzen sollte. Ideal für die Zahngesundheit sind Wasser und ungesüßte Tees.

Selbst gesunde Fruchtsäfte können den Zähnen schaden. Denn die enthalten nicht nur Zucker, sondern auch Säuren, die die Zahnsubstanz schädigen können.

Dauer des Kontakts der Zähne mit dem Zucker

Vor allem sollte aber auf Süßigkeiten verzichtet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um weiche Schokolade oder um ein klebriges Karamellbonbon handelt, zumindest, wenn es um die Zuckermenge geht.

Wenn es um die Dauer des Kontakts der Zähne mit dem Zucker geht, dann ist es besser, wenn der Zucker so kurz wie möglich im Mund verbleibt. Daher ist es auch günstiger, bei der Schokolade einmal richtig zuzugreifen, statt über einen längeren Zeitraum immer mal wieder ein kleines Stück zu sich zu nehmen.

Auch die zähen Karamellbonbons bedeuten echten Stress für den Schutzmantel der Zähne, ebenso Eis, das verhältnismäßig kurz im Mund bleibt. Bei letzterem schädigt nicht nur der enthaltene Zucker die Zähne, sondern auch die Kälte.

Wer dennoch nicht auf Süßigkeiten verzichten möchte, der sollte nach dem Verzehr unbedingt die Zähne putzen. Doch nicht nur das gründliche Zähneputzen hält unsere Zähne gesund, auch der Speichel leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Speichel schützt die Zähne

Der Speichel ist für den aktiven Zahnschutz unverzichtbar. Er fließt ständig um die Zähne und reinigt sie so. Zudem enthält der Speichel wichtige Mineralien, die den Zahn gesund erhalten.

Darüber hinaus schützt der Speichel die Zähne auch vor aggressiven Säuren, indem er sie neutralisiert. Aus diesem Grund läuft uns auch schon beim Gedanken an besonders saure Speisen buchstäblich das Wasser im Munde zusammen.

Diese Reaktion des Körpers ist durchaus sinnvoll, da bei sauren Speisen nämlich auch mehr Speichel benötigt wird, um die enthaltenen Säuren zu neutralisieren. Wer nun denkt, auch nach dem Verzehr saurer Lebensmittel sei es ratsam sofort die Zähne zu putzen, der handelt falsch.

Denn in diesem Fall sollte man dem Speichel mindestens zehn Minuten Zeit geben, die im Mund befindlichen Säuren zu neutralisieren. Zusammen mit der noch im Mund befindlichen Säure (die die Zahnoberfläche angreift) kann das Zähneputzen den Zähnen nämlich zusätzlich schaden.

Weitere Funktionen

Weitere Funktionen sind:

Geschmackstoffe entwickeln sich erst im Mund

Aroma- und Geschmacksentwicklung wird durch Bakterien im Speichel ausgelöst

Geöffneter Mund, der in einen grünen Apfel beißt
Zahnpflege 01 © Mikel Wohlschlegel - www.fotolia.de

Durch die Bakterien im Mund kommt es erst zu dem eigentlichen Geruch und dem Geschmack von Zwiebeln, Paprika und Trauben, die von den Bakterien in sogenannte Alkanthiole umwandelt werden. Dies haben Schweizer Forscher entdeckt, wobei schon im Speichel geringe Mengen wahrgenommen werden können.

Geschmacksumwandlung erst im Mund

Geruchlose Bestandsteile von Nahrungsmitteln können in flüchtige Stoffe umgewandelt werden, die einen Nachgeschmack bewirken, wie die Wissenschaftler schon früher feststellten, besonders beim Wein ist dies bei der Beurteilung ein Kriterium für die Qualität. Aber auch bei Zwiebeln, Paprika und natürlich den Trauben gibt es die sogenannten Cystein-Schwefel-Verbindungen, die erst im Mund umgewandelt werden, wie die Wissenschaftler nachwiesen.

Schwefelverbindungen verflüchtigen sich

Sie haben dabei die Verbindungen in keimfreien oder unbehandelten Speichel untersucht, so waren nach vier Tagen nur weniger als 15 Prozent der Schwefelverbindungen verschwunden. Bei einer Kombination mit dem unbehandelten Speichel waren aber schon zwei Stunden danach 20 Prozent und ein Tag später sogar 80 Prozent verschwunden.

Bei einem Geruch-Test stellten die Testpersonen fest, dass der Geruch erst nach dem Trinken wahr genommen wurde, was zeigt, dass der Speichel eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Aromas spielt.

Der Speichel bestimmt individuelle Geschmackswahrnehmung

Koch Lehrling probiert das selbstgekochte Gericht
Koch Lehrling probiert das selbstgekochte Gericht © bilderbox - www.fotolia.de

Forscher aus den USA haben nun herausgefunden, dass unser Speichel maßgeblich bestimmt, wie wir eine Nahrung wahrnehmen. Das Enzym Amylase befindet sich in jedem Speichel, allerdings kann die Konzentration von Individuum zu Individuum verschieden sein.

Hat ein Mensch viel Amylase, so wird er eine stärkehaltige Nahrung als schleimig bezeichnen. Besitzt er weniger Amylase, so wird er das Wort „crèmig“ zur Beschreibung wählen.

Dieses Ergebnis geht auf eine Studie mit über 70 Speichelproben zurück, in denen man den Amylasegehalt feststellte und durch Sensoren beobachtete, wie die Stärke in der Nahrung sich bei Kontakt mit dem Enzym veränderte. Je mehr Amylase man hat, desto schneller wird die Stärke von ihr zersetzt und je nachdem wie schnell dieser Prozess vonstattengeht, hat man ein andere Geschmackswahrnehmung. Ob man viel oder wenig Amylase im Speichel hat, ist übrigens vor der Geburt an genetisch festgelegt.

Gesunde Beeren: Worin liegt ihr Geheimnis?

Neue Forschungen beweisen, dass die Anthocyane selbst weit weniger effektiv sind, als angenommen

Zwei frische Brombeeren auf auf weißem Hintergrund
blackberry © April D - www.fotolia.de

Bislang wurde angenommen, dass von den Anthocyanen in roten und blauen Beeren eine gesundheitsfördernde Wirkung ausgeht, doch neue Forschungen beweisen nun, dass die Anthocyane selbst weit weniger effektiv sind, als gedacht. Mark Failla von der Ohio State University stellte fest, dass sich die Anthocyane meistens schon beim ersten Kontakt mit Speichel im Mundraum zersetzten und somit keine besondere Wirkung haben können.

Die anthocyanreiche Brombeere

Trotzdem ist erwiesen, das beispielsweise Extrakte aus der Brombeere, die besonders viele Anthocyane enthält, helfen können, das Wachstum von Hautkrebszellen aufzuhalten. Auch Entzündungsreaktionen können gedämpft und das Gewebe vor freien Radikalen geschützt werden. Die Frage ist nun jedoch, was eigentlich diesen Schutz auslöst, wenn es nicht die Anthocyane selbst sind.

Abbauprodukte entscheidend?

Die Forscher vermuten, dass es tatsächlich Abbauprodukte der Anthocyane sind, die eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. In diesem Fall sind Früchte besonders wirkungsvoll, deren Anthocyane möglichst schnell im Körper abgebaut werden können. Sind es jedoch tatsächlich die Anthocyane selbst, sollten Nahrungsmittel entwickelt werden, die sie vor dem Speichel und seiner Wirkung schützen, beispielsweise Süßigkeiten oder Gelee.

Erkrankungen der Speicheldrüsen

Die Speicheldrüsen, die für die Bildung des Speichels verantwortlich sind, können durch verschiedene Erkrankungen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Entzündung der Speicheldrüsen

Eine davon ist die Sialadenitis, eine Entzündung der Speicheldrüsen. Dabei kommt es zu einer schmerzhaften Anschwellung der erkrankten Speicheldrüse. Verursacht wird die Entzündung durch bestimmte Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken. Darüber hinaus kann ein verminderter Speichelfluss die Erkrankung begünstigen.

Speichelzysten

Eine weitere Beeinträchtigung der Speicheldrüsen sind Speichelzysten, die sich durch Risse an den Ausführungsgängen der Drüsen entwickeln können.

Speichelsteine

Die Bildung von Speichelsteinen bezeichnet man als Sialolithiasis. Dabei kommt es zu schmerzhaften Schwellungen sowie zu einer Behinderung des Speichelabflusses.

Hypersalivation und Hyposalivation

Möglich ist auch eine zu große Menge Speichel an Speichel (Hypersalivation). Dies kann zum Beispiel bei Epilepsie oder bei Tollwut auftreten. Das Gegenteil von einer Hypersalivation ist eine Hyposalivation, eine verminderte Speichelsekretion. Insbesondere ältere Menschen leiden häufig unter dieser Mundtrockenheit.

Nachlassender Speichelfluss im Alter

Der Speichel schützt die Zähne natürlich nur bedingt vor allen schädlichen Einflüssen, dennoch sollte man dafür Sorge tragen, dass der Speichelfluss möglichst aktiv bleibt. Mit zunehmendem Alter lässt dieser jedoch nach.

Ursachen

Die Ursachen dafür sind dabei nicht nur das zunehmende Alter, sondern auch Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, oder Medikamente (zum Beispiel Entwässerungstabletten, Antidepressiva oder Herz-Kreislaufmedikamente).

Vorbeugung

Damit die Speichelproduktion trotz allem nicht zu sehr nachlässt, sollte man immer ausreichend trinken. Besonders ältere Menschen, bei denen das Durstempfinden meist geringer ausgeprägt ist, trinken zu wenig. Das mindert die Speichelproduktion zusätzlich zu den bestehenden Erkrankungen und der damit verbundenen Medikation.

Angesichts dieser Misere sollten ältere Menschen besonders auf eine angemessene Flüssigkeitszufuhr achten. Aber auch junge und gesunde Menschen können die Speichelproduktion mit ungesüßten Getränken positiv beeinflussen und so ihren natürlichen Zahnschutz aktivieren.

Ebenso Babys sollten natürlich ausreichend trinken. Und für sie ist es sogar besonders wichtig, dass sie ungesüßte Getränke zu sich nehmen. Ansonsten ist die so genannte "Nuckelflaschenkaries", also Karies in ganz jungen Jahren, fast schon vorprogrammiert.

Botox stoppt nicht nur Falten, es kann auch den Speichelfluss regulieren

Nahaufnahme Frau bekommt Botoxspritze in Lippen
botox shot in the lips © Valua Vitaly - www.fotolia.de

Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, ist den meisten Menschen ein Begriff. Das Mittel wird verabreicht, um störende Falten im Gesicht wegzuzaubern. Doch Botox kann noch mehr.

Im Grunde ist der Stoff ein Nervengift. Dieses Gift kann gezielt eingesetzt werden, um neurologische Probleme zu beseitigen. In einem Versuch mit 130 Probanden fanden Forscher aus den Niederlanden heraus, dass übermäßiger Speichelfluss durch das Nervengift gestoppt werden kann. Die Teilnehmer litten an neurologischen Krankheiten, oder waren teilweise gelähmt, sodass überdurchschnittlich viel Speichel in ihrem Mund war.

Mehr als 50 Prozent der Testpersonen hatten für mehr als ein halbes Jahr keine Probleme mehr mit dem Speichelfluss, nachdem sie Botox gespritzt bekommen hatten. Bei einigen hielt der Erfolg sogar acht Monate vor. Das Mittel wurde dafür gezielt in die Speicheldrüsen injiziert, wodurch diese teilweise gelähmt wurden.

Speichelproben könnten Blutproben bald ersetzen

Mann mit offenem Mund bekommt DNA Probe abgenommen
police detective or forensic scientist takes dna sample swab © Leah-Anne Thompson - www.fotolia.de

Viele Menschen haben gemischte Gefühle, wenn sie beim Arzt zur Blutabnahme sind. Manche fürchten sich vor dem Stich in die Vene und andere haben tatsächlich oft das Pech und müssen die kommenden Tage mit einem unschönen blauen Fleck herumlaufen.

Doch Blutproben sind derzeit noch notwendig, damit viele Werte des Menschen zuverlässig bestimmt werden können. Allerdings könnte sich dieser Standard bald verändern. In einigen Jahren könnte es zur Norm geworden sein, dass zum Gesundheitscheck nicht mehr auf Blut, sondern auf Speichel gesetzt wird.

Statt eine Nadel im Arm tolerieren zu müssen, reicht es für die Patienten dann, den Mund zu öffnen und sich etwas Speichel abstreichen zu lassen. Diese Vorstellung dürfte für viele sehr beruhigend sein.

Allein in den USA werden von der Regierung derzeit 57 Millionen Dollar in mehrere Studien investiert, die sich mit der Speichelprobe als neuen Standard beschäftigen. Viele Mediziner sind inzwischen davon überzeugt, dass die Zusammensetzung des Speichels ebenso wie die des Blutes genaue Auskunft über den Gesundheitszustand eines Menschen gibt. Bei einer Verbesserung oder Verschlechterung der Lage verändert sich auch diese Zusammensetzung und mit den richtigen Analysen kann man so die Gesundheit genau nachverfolgen.

Auch eine winzige Probe an Speichel enthält neben DNS und RNS viele Eiweiße, eventuell Viren, Bakterien und diverse Säuren. Dank diverser Testgeräte können Forscher daher darin wie in einem offenen Buch lesen. Anders als bei Blutproben kann die Auswertung auch sofort erfolgen, da der Speichel nicht erst ins Labor geschickt werden muss.

Allerdings kann es noch etwas dauern, bis die entsprechenden Geräte zur Analyse in den einzelnen Praxen Einzug gehalten haben. Laut Experten ist der Wandel aber so gut wie feststehend.

Kuriositäten zum Speichel

Krebszellentod durch Zecken-Speichel

Forscherin entdeckte zufällig, dass Krebszellen mit Speichel einer Zeckenart abgetötet werden können

Zecke in Haut vom Menschen festgesaugt, Gefahr von Meningitis
zecke © Maria.P. - www.fotolia.de

Zecken sind vielfach als Überträger der Erkrankungen Borreliose und FSME gefürchtet. Doch laut einer Molekularbiologin namens Ana Marisa Chudzinski-Tavassi, tätig am Butantan-Institut in São Paulo, kann der Speichel der Zeckenart Amblyomma cayennense Krebszellen abtöten. Während gesunde Zellen von dem Protein mit dem Namen Faktor X nicht angegriffen werden, scheint sich dagegen dieses Protein in der Krebstherapie tatsächlich zu bewähren.

Rein zufällig kam die Forscherin auf die Wirkung der Spucke von den Spinnentieren, denn eigentlich lag der gerinnungshemmende Faktor des Speichels im Fokus der Untersuchungen. Tests an Laborratten ergaben, dass ein vorhandener Tumor nach nur sechs Wochen verschwunden war. Nun sollen weitere Forschungen dazuführen, ein Medikament aus dem Speichel der Zecken herzustellen, das in der Folge gezielt in der Krebsbehandlung eingesetzt werden kann.

Auch wenn die Molekularbiologin ein Patent auf den Speichel und das effektive Protein gestellt hat, geht sie nicht davon aus, dass ein Medikament in Brasilien hergestellt werden kann, weil hierzu die Mittel und Möglichkeiten auch hinsichtlich der Finanzen für Entwicklung und Studien nicht vorhanden sind.

Neues Schmerzmittel aus dem Speichel der Seeschnecken

In der Medizin wird der Speichel der Seeschnecken schon als Schmerzmittel, das stärker als Morphium wirkt, eingesetzt, aber nur mittels Injektionen ins Rückenmark. Doch jetzt will man auch versuchen, dies als Pille herzustellen. So haben Forscher in Australien nun eine Möglichkeit gefunden um diesen Speichel, der Conotoxine enthält, trotz seines chemischen Aufbaus als feste Substanz herzustellen und zwar mit Hilfe von Aminosäuren.

In naher Zukunft sollen dann die neuen Pillen auch in einer klinischen Studie auf ihre Wirksamkeit getestet werden.

Geld läßt Wasser im Mund zusammenlaufen

Nicht nur Essen regt Speichelfluss an, auch Hunger nach Objekten aktiviert Belohnungssystem

Ausschnitt eines silbernen Sportwagens
sportwagen © mammitzsch - www.fotolia.de

Das Ansehen köstlicher Gerichte verursacht einen Speichelfluss und ist seit rund 100 Jahren bekannt. Damals hatte der Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow den Speichelfluss im Rahmen eines Versuchs nachgewiesen. Er hatte Hunden das Futter serviert und ließ zugleich eine Glocke klingeln. Ein paar Versuche später genügte nur das Klingeln und schon fingen die Hunde zu speicheln an.

Nun hat der Wissenschaftler David Gale von der Nortwestern University einen vergleichbaren Test durchgeführt um herauszufinden ob die Wörter "Hunger" und "Speichelfluss" auf einer körperlichen Basis basieren oder nur Metaphern sind. Nach den Tests zeigte sich, dass es tatsächlich eine physiologische Grundlage existiert. Bei seinen Versuchen bekamen die Probanden Baumwollrollen in den Mund gelegt, wie es sie beim Zahnarzt gibt. Das Gewicht der Rollen wurde im Anschluss taxiert.

Auch andere Objekte aktivieren Belohnungssystem

Die Menschen, welche Geldscheine anschauten und denen vorher gesagt wurde, dass sie machtlos seien zeigten einen stärkeren Speichelfluss als die Kontrollgruppe. Bei Statussymbolen verhielt es sich ähnlich.

Die Männer, denen vorher gesagt wurde dass sie in Kürze eine attraktive Frau kennenlernen würden, zeigten beim Ansehen eines Sportwagens einen Speichelfluss gleicher Stärke. Laut Gale aktivieren alle Objekte das Belohnungssystem des Gehirns, wenn sie betrachtet werden egal ob sie biologisch sind oder nur in der Vorstellung existieren.

Frust oder Notwendigkeit? - Warum Fußballer ständig spucken

Fußballteam in roten Trikots im Kreis auf Fußballfeld
Soccerteam © L.F.otography - www.fotolia.de

Spucken gehört zum Fußball wie Irokesen-Frisuren und stramme Waden. Kaum hat der Stürmer seine Position eingenommen, spuckt er beherzt auf das Grün. Normalerweise sind Spuckaktionen nicht tischfein und gehören diskret erledigt. Beim Fußball scheint Spucken aber ein Brauch mit Tradition zu sein und stört den geneigten Zuschauer wenig. Doch warum spucken Fußballer ständig? Ist es Frust oder Notwendigkeit? Muss die Spuckerei auf dem Feld wirklich sein?

Medizinische Argumente für eine feuchte Aussprache

Fremder Speichel sorgt für Ekel und Widerwillen bei den lieben Mitmenschen. Kein Wunder, denn Spucke ist eine echte Virenschleuder und schon einzelne Speichelfäden lösen Fluchtinstinkte aus. Fußballer interessiert das nicht – sie halten mit Inbrunst das Spielfeld feucht. Thomas Deitmer, Chefarzt der HNO Klinik Dortmund, liefert medizinische Argumente für die feuchte Aussprache von Fußballern.

Bei der rasanten Jagd auf das Rund steigt der Blutdruck, die Verdauung fährt auf Sparmodus, der Spieler atmet durch den Mund. Durch die Mundatmung trocknen die Schleimhäute schneller aus, die Speichelproduktion vermindert sich. Folge: Der verbleibende Speichel wird zäher und mutiert zu einer schleimigen Konsistenz. Diesen unappetitlichen Schleim wollen die Spieler verständlicherweise so schnell wie möglich entsorgen. Doch warum spucken Fußballer schon, wenn sie gerade erst den Platz betreten?

Mein Revier, mein Ball, meine Spucke

Sportpsychologen sind sich sicher, dass Fußballspieler nicht aus Jux und Dollerei in der Welt herumspucken. Vielmehr geht es darum, wie der Rüde von nebenan das Revier zu markieren und sich gegen negative Gedanken zu wehren. Clevere Zuschauer beobachten, dass der Fußballer öfter in hohem Bogen auf den Rasen spuckt, wenn er frustriert ist. Spuckende Spieler können sich durchaus mit medizinischen Erklärungen herausreden, doch letztlich ist die Speichelabgabe wohl eher einem Frustrationsgefühl zuzuschreiben.

Fraglich bleibt, warum Handballer und Eishockeyspieler der Spuckliebe weniger frönen. Wahrscheinlich, weil sie ihren Frust einfach herunterschlucken.

Grundinformationen zu Speichel

  • Der Speichel - Befeuchtung der Mundhöhle, antibakterielle Wirkung und wichtig für die Verdauung

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  • Bildnachweis: lips © victorpr - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: close up of lips of baby girl © Freefly - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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