Sehnen und Bänder - Sehnen verbinden Knochen mit Muskeln, Bänder verbinden Knochen mit Knochen

Muskulöse, männliche Beine, das rechte gebeugt stehend, das linke gebeugt nach hinten angehoben

Sehnen und Bänder sind Teil des Stütz- und Bewegungsapparats; sie dienen der Stabilität und ermöglichen zahlreiche Bewegungen

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Sehnen bezeichnet man die Verbindungen zwischen Muskeln und Knochen. Unter Bändern versteht man faserreiche Bindegewebsstränge, die vor allem zur Fixierung dienen.

Sehnen

Sehnen sind bindegewebige Faserzüge, durch die Muskeln und Knochen miteinander verbunden werden. Eine Sonderform stellen die Zwischensehnen dar, welche die Muskelbäuche eines Muskels verbinden.

Sehnen bezeichnet man auch nach ihrer jeweiligen Funktion als Ansatz- oder Ursprungssehnen. Jeder Muskel verfügt über Sehnen. Die Fasern der Sehnen sind entweder unmittelbar an einem Knochen verankert oder strahlen in die Knochenhaut hinein.

Für die Bewegung des menschlichen Skeletts ist es von Nöten, dass die Sehnen die Muskelkraft auf die Knochen übertragen. An einem Ende sind sie im Muskel fixiert, am anderen Ende am Knochen.

Aufbau und Arten

Umgeben werden Sehnen, die über mehrere Gelenke verlaufen, von Sehnengleitgewebe. An einigen Körperstellen gibt es zudem Sehnenscheiden, etwa am Handgelenk, wo eine hohe Spannung auf die Sehnen ausgeübt wird. Durch die Sehnenscheide wird die Reibung zwischen Knochen und Sehne vermindert.

Zusammengesetzt wird eine Sehne aus fixen Zellen sowie einer Interzellularsubstanz. In diese Substanz sind vor allem kollagene Fasern eingelagert, die den Sehnen zu ihrer Festigkeit verhelfen. Die dünne Sehnenhaut, die die Sehne umgibt, bezeichnet man als Peritendineum.

In den Sehnen gibt es nur sehr wenige Blutgefäße und Nerven, wodurch sie sich jedoch schlecht regenerieren können. Eine Sehne kann sowohl lang als auch kurz sein.

Es gibt zwei Arten von Sehnen. Zum einen dünne, breite und hautähnliche, die sich in den meisten Fällen an flachen Muskeln befinden; man bezeichnet sie als Aponeurosen oder Sehnenhäute. Zum anderen strangförmige, rundliche Sehnen.

Die bekannteste und größte Sehne des menschlichen Körpers ist die Achillessehne, der Ansatzpunkt der Wadenmuskulatur. Sie zählt zu den stärksten Sehnen und kann einer besonders großen Zuglast standhalten.

Achillessehne als stärkste Sehne des Menschen
Achillessehne als stärkste Sehne des Menschen

Funktion

Sehnen verbinden Knochen mit Muskeln. Wichtigste Funktion der Sehnen ist die Übertragung der Muskelkraft auf die Knochenteile.

Darüber hinaus wirken sie durch ihre Elastizität in gewissen Umfang federnd. So können sie Bewegungsenergie für kurze Zeit speichern und auch wieder freisetzen.

Durch eine Körperbewegung kommt es zum Zusammenziehen eines Muskels. Dieser Zug wird an die Sehne weitergeleitet, welche die Bewegung auf den Knochen übertragen. Auf diese Weise wird eine Bewegung eines Körperteils möglich.

Kürzere Fersen-Sehnen bewirken schnelle Beschleunig bei Sprintern

Sprinter mit blauen Laufschuhen und goldener Uhr in Startposition
Doping © Trevor Harris - www.fotolia.de

Amerikanische Biomechaniker haben herausgefunden, dass Leistungs-Sprinter häufig ein kürzeres Fersenbein besitzen als Nicht-Sportler. Bei Fersen mit verkürztem Hebelweg können höhere Kräfte übertragen und somit schnellere Beschleunigungen erzeugt werden.

In einer Untersuchungsreihe wurde anhand von Messungsergebnissen herausgefunden, dass die von den Sehnen zurückgelegten Wege bei Sprintern und Weitspringern um circa 25 Prozent kürzer sind, als bei Menschen, die keinen Leistungssport betreiben. Desweiteren besaßen die untersuchten Sprinter im Schnitt bis zu einen Zentimeter längere Zehen. Diese ermöglichen einen längeren Bodenkontakt der Füße und erlauben eine höhere Beschleunigung des Körpers.

Bänder

Als Bänder oder Ligamente bezeichnet man faserreiche Bindegewebsstränge, die bewegliche Teile des Skeletts miteinander verbinden und fixieren. Außerdem sorgen sie für die funktionelle Stabilität der Gelenke.

Aufbau

Zusammengesetzt werden Bänder in erster Linie von parallelfaserigem Bindegewebe. Dieses enthält eine Vielzahl von Kollagenfasern vom Typ I und hat nur einen geringen zellulären Anteil.

Zwischen den Kollagenfaserbündeln befinden sich nur ein paar einzelne zytoplasmaarme Fibrozyten. Einen kleinen Teil der Bänder bezeichnet man auch als elastische Bänder, da diese über einen hohen Anteil an elastischen Fasern verfügen und aus elastischem, straffen Bindegewebe bestehen.

Funktion

Wichtigste Aufgabe der Bänder ist die Verbindung und Fixierung der beweglichen Skelettteile. Während Sehnen stets Muskeln mit Knochen verbinden, stellen die Bänder immer nur eine Verbindung zwischen den Knochen her. Bei den Gelenken sorgen die Bänder dafür, dass die Beweglichkeit auf ein physiologisch erwünschtes Maß beschränkt wird, wodurch sie funktionelle Stabilität gewährleisten.

Wegen ihrer histologischen Eigenschaften können sich Bänder nur bedingt regenerieren. Sie verfügen über wenig Elastizität, sodass sie schnell überdehnt werden können.

Verletzungen und Erkrankungen von Sehnen und Bändern

Sowohl die Sehnen als auch die Bänder können durch Überbeanspruchung geschädigt werden.

Verletzungen der Sehnen

Sehnenzerrung/-überdehnung

Bei einer Sehnenüberdehnung bzw. Sehnenzerrung wird das Sehnengewebe überdehnt, also verlängert, ohne, dass es zu einer Störung des gleichmäßigen Verlaufs kommt. Es kommt zu einem kurzen, stechenden Schmerz; der Schmerzpunkt lässt sich dann ertasten.

Die betroffene Sehne sollte entlastet werden, um einen möglichen Riss zu vermeiden. Des Weiteren hat sich Kühlen als hilfreich erwiesen.

Verschiedene Achillessehnenprobleme grafisch dargestellt
Verschiedene Achillessehnenprobleme grafisch dargestellt
Sehnenriss

Eine der häufigsten Sehnenverletzungen ist die Sehnenruptur (Sehnenriss). Dabei kommt es zu einem Einriss oder sogar völligem Riss der Sehne. Verursacht wird ein solcher Riss zumeist durch eine plötzliche Überbelastung der betroffenen Sehne oder durch eine ruckartige Muskelkontraktion. In vielen Fällen ist die Sehne bereits degenerativ vorgeschädigt.

Zu den häufigsten Sehnenrupturen gehören:

Sehnenscheidenentzündung

Eine Erkrankung der Sehnen ist die Sehnenscheidenentzündung, die vor allem an den Handgelenken oder im Bereich des Sprunggelenks auftritt. Dabei kommt es zu:

Ursachen sind vor allem:

Sehnenscheidenentzündung am Fuss grafisch dargestellt
Sehnenscheidenentzündung am Fuss grafisch dargestellt

Verletzungen der Bänder

Bänderdehnung (Bänderzerrung)

Eine Mögliche Verletzung der Bänder stellt die Bänderdehnung oder auch Bänderzerrung dar. Sie entsteht bei einer übermäßigen Bewegung eines Gelenks, welche zu einer Verletzung des Bandapparats führt.

Bänderdehnungen zählen zu den typischen Sportverletzungen; besonders das Sprunggelenk sowie das Kniegelenk sind betroffen. Es kommt zu leichen Schwellungen und Schmerzen.

Das betroffene Gelenk sollte umgehend geschont werden. Zur Behandlung kommen mitunter Tapes sowie Schienen zum Einsatz, je nach Körperstelle.

Kinesio-Tape zur Therapie von Bänderdehnungen
Kinesio-Tape zur Therapie von Bänderdehnungen
Verstauchung

Bänder können auch von einer Verstauchung betroffen sein. Der Übergang von einer Dehnung zu einer Verstauchung ist meist fließend. Auch bei einer Verstauchung kommt es zur Überdehnung der Kollagenfasern.

Fuß, Knie und Handgelenk sind am häufigsten betroffen. Typische Merkmale sind eine Schwellung sowie ein Hämatom. Behandelt wird durch Kühlen, Hochlagern und Ruhigstellen.

Bänderriss

Zu den häufigsten Bänderverletzungen gehören auch Bänderrisse. Bei einer Bandruptur kommt es zu einem teilweisen oder völligen Riss eines Gelenkbandes. Vor allem der Kreuzbandriss am Knie ist weit verbreitet und tritt besonders bei sportlichen Aktivitäten wie z.B. Fußball oder Skifahren auf.

Verursacht wird eine Ruptur durch die gewaltsame Überstreckung eines Gelenks oder unmittelbare Gewalteinwirkung. Zu den Symptomen gehören lokale Schmerzen und Funktionsausfälle.

Neben dem Kreuzbandriss zählen zu den typischen Bänderverletzungen:

Angerrissene Außenbänder am Fuß grafisch dargestellt
Angerrissene Außenbänder am Fuß grafisch dargestellt

Sportverletzungen vermeiden - gezieltes Training lässt Sehnen wachsen

Grafik Füße rot markiert, Schmerzen am Gelenk
Fußschmerzen Mann © axel kock - www.fotolia.de

Sport fördert nicht nur das Wachstum der Muskeln. Durch gezielte Übungen können auch Sehnen wachsen. Wer die Bindegewebsbündel richtig stimuliert, kann die Sehnen deutlich belastbarer machen und das Risiko für Risse reduzieren. Wissenschaftler der Humboldt-Universität haben sogar einen konkreten Trainingsplan für stärkere Sehnen entwickelt.

Gezieltes Training der Sehnen

So sollten die Muskeln nicht zu schnell und zu intensiv stimuliert werden, denn das Wachstum der Sehnen dauert länger als der Muskelaufbau. Durch gezieltes Training lassen sich die Kollagenfasern um vier bis fünf Prozent verlängern. Zugleich werden sie stabiler und können dadurch bei der Bewegung größere Krafteinwirkungen abfedern, ohne zu reißen.

Wer die Dehnbarkeit seiner Sehnen erhöhen möchte, muss im Training regelmäßig bis an das Dehnungsmaximum gehen. Während der normalen Bewegung signalisiert die Sehne den Muskeln, wann sie diese Grenze erreicht haben – als Schutz vor Verletzungen. Im Training wird die Sehne durch das gezielte Stimulation im Maximalbereich zum Wachsen angeregt. Bis ein messbarer Effekt eintritt, sollten Sportler jedoch mindestens 10 Wochen trainieren. Dann ist die Muskelfeder um bis zu 10 Prozent stabiler.

Sehnen können durch leichten Sport geschützt werden

Modell eines Menschen, Fokus auf Muskeln
anatomy, muscles © adimas - www.fotolia.de

Probleme an den Sehnen entstehen oftmals durch eine Überbelastung, welche durch intensiven und ständigen Sport hervorgerufen werden kann.

Doch Britische Forscher sind nun der Meinung, dass Sport in Maßen den Sehnen sogar gut tun könnte. Die Ergebnisse der Studie wurden in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, wo es heißt, dass moderate Bewegung und leichter Sport, wie man ihn beispielsweise beim Joggen ausübt, die Sehnen schützen kann.

Hintergrund ist die Tatsache, dass durch Bewegung die Enzyme verringert werden, die den Stütz- und Bewegungsapparat schädigen können. Sehnenprobleme gehen auf eine zellulare Ebene zurück, welche dann zu den Schmerzen, der Steifheit und den häufig auftretenden Entzündungen führen kann.

Die Forscher weisen allerdings ganz klar darauf hin, dass es sich hierbei um Laboruntersuchungen handelt, welche an Zellen der Achillessehne des Menschen durchgeführt wurden. Weitere Versuche und klinische Forschungsarbeit sind notwendig, um diese Studie zu untermauern.

Bei Tendinopathie nicht sofort wieder trainieren - entzündete Sehnen brauchen viel Ruhe

Beine einer Frau in Laufschuhen, Joggerin hat Hand auf Unterschenkel, Schmerzen
Running and sport ankle sprain injury © Dirima - www.fotolia.de

Egal ob als Leistungssportler oder als Hobby-Sportler, bei jeder Trainingseinheit besteht die Gefahr, dass man sich verletzt. Gerade durch ungenügende Erwärmung und durch Überanstrengung können Muskeln und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine sehr schmerzhafte Verletzung ist dabei die Entzündung von Sehnen (auch Tenditis genannt) durch zu große Belastung. Damit diese Entzündungen der Tenditis schnell wieder verschwinden, beginnt der Arzt eine Therapie gegen diese Entzündungen. Dieses Krankheitsbild wird von den Medizinern eine Tendinopathie genannt. Eine solche Erkrankung ist im Grunde sehr gut zu therapieren, allerdings neigen viele Sportler dazu, sich nicht an die Anweisungen des Arztes zu halten. Die wichtigste Anweisung lautet dabei: kein Sport jeglicher Art mit dem verletzten Körperteil. Wer erst recht spät mit den Schmerzen zum Arzt geht, der muss im schlimmsten Fall mit einer Sportpause von einem Monat oder mehr rechnen. Wer wenige Tage nach den Sehnenschmerzen zum ersten Mal zum Arzt geht und eine schnelle Diagnose erhält, der fällt nur wenige Wochen für das Training aus.

Besonders häufig von einer Tendinopathie betroffen sind übrigens Ballspieler, wie Basketballspieler und Volleyballspieler.

Grundinformationen zu Sehnen und Bändern

  • Sehnen und Bänder - Sehnen verbinden Knochen mit Muskeln, Bänder verbinden Knochen mit Knochen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Nackte männliche Beine laufen von links nach rechts © unpict - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Sehnenscheidenentzündung am Fuß © bilderzwerg - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Probleme der Achillessehne © bilderzwerg - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Außenbänder angerrissen.Gerissene Kreuzbänder am Fuss © Henrie - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Kinesio-Taping Knie Gelenk quer © Nick Freund - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: achilles tendon with lower leg muscles © goa novi - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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