Hormonmangel - Ursachen, Diagnose und Therapie

Hormone sind für den menschlichen Körper überaus wichtig. Manchmal kann es jedoch zu einem Hormonmangel kommen.

Ein Hormonmangel kann sich im Laufe des Alters manifestieren, doch auch verschiedene Störungen und Erkrankungen können Auslöser sein

Hormone: Entstehung und Funktion

Bei Hormonen handelt es sich um biochemische Botenstoffe. Sie werden von bestimmten Zellen hergestellt und abgegeben, die sich in den Drüsen der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) befinden.

Zu den wichtigsten Hormonen gehört das männliche Geschlechtshormon Testosteron, von dem pro Tag sechs Milligramm in den Hoden entstehen. Da dieses Hormon schon nach kurzer Zeit wieder abgebaut wird, ist eine ständige Erneuerung erforderlich. Bei Frauen spielt vor allem Estrogene eine wichtige Rolle natürlich gibt es viele weitere Hormone, die für beide Geschlechter von Bedeutung sind.

Steuerungsmechanismus

Die Steuerung dieses Vorgangs der Hormonerneuerung erfolgt im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns. Der Hypothalamus koordiniert und überwacht das gesamte Hormonsystem bei Männern und Frauen.

Im Abstand von zwei bis vier Stunden werden im Hypothalamus so genannte Freisetzungshormone gebildet, die die Hypophyse zum Ausstoß von Botenstoffen anregen, die ihrerseits dafür sorgen, dass weitere Drüsen Hormone herstellen und ins Blut abgeben.

Kommt es zum Anstieg des Hormonspiegels im Körper, wird die Produktion der Freistellungshormone vom Hypothalamus wieder verringert. Auf diese Weise bleibt der Hormonspiegel im Gleichgewicht.

Die Hormonproduktion wir im Gehirn gesteuert
Die Hormonproduktion wir im Gehirn gesteuert

Der Hormonmangel

Ab einem Alter von 40 Jahren verringert sich die Produktion von Hormonen wie Testosteron jedoch allmählich um ca. 1–2 Prozent, was ganz natürlich ist. Ein altersbedingter Hormonmangel hat verschiedene Konsequenzen.

  • Wenn die Steuerungsfunktion der Hormone ausfällt, können Zellen und Organe nicht mehr gut zusammenarbeiten.
  • Wenn die Regelungsfunktion der Hormone ausfällt, kann sich das Organsystem immer weniger gut an unterschiedliche Anforderungen anpassen.
  • Wenn die Aufbau- und Regenerationsfunktion der Hormone ausfällt, können Organe und das Gewebe verschleißen.

Am Alterungsprozess sind zahlreiche Hormone beteiligt. Es folgt ein entsprechender Überblick mit einigen aus einem Hormonmangel resultierenden Folgen/Beschwerden.

Doch auch unabhängig vom Alter kann ein Mangel an Hormonen auftreten.

Hormonmangel bei Männern

Dazu gehört zum Beispiel eine Unterfunktion der hormonellen Aktivität der männlichen Hoden, was man in der Medizin als Hypogonadismus bezeichnet. Dabei leiden die Betroffenen unter

Verantwortlich für den Hormonmangel sind entweder die Hoden oder Störungen in der Hypophyse.

Eine weitere Ursache für Hormonmangel bei Männern können angeborene Chromosomenstörungen wie beim Klinefelter-Syndrom sein. In diesem Fall verfügt das Erbgut der Betroffenen über zwei X-Chromosomen. Normal ist aber nur ein X-Chromosom.

Bei Jugendlichen kann es durch einen Hormonmangel zu einer verzögerten Pubertät kommen, was man als Pubertas tarda bezeichnet. Bei einer fehlenden Pubertät spricht man vom Kallmann-Syndrom.

Hormonmangel bei Frauen

Frauen sind vor allem in den Wechseljahren von einem Hormonmangel betroffen. Betrifft dieser das Östrogen, ist Scheidentrockenheit ein mögliches Symptom. Die entsprechenden Hormonrezeptoren im Bereich der Scheide und des Beckenbodens werden nicht mehr ausreichend mit Östrogen versorgt, was eine Verzögerung der Zellerneuerung zur Folge hat.

Die Vaginalhaut wird dünner und empfindlicher; die Durchblutung verschlechtert sich. Dadurch verliert das Gewebe an Elastizität und Feuchtigkeit.

Doch auch im gebärfähigen Alter kann ein Hormonmangel bei Frauen im Bereich des Beckenbodens auftreten. Ursache ist hier oft eine zu niedrig dosierte Antibabypille(Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat). Durch den Östrogenmangel kommt es bei betroffenen Frauen ebenfalls zu einer trockenen Scheide, was zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie einer erhöhten Anfälligkeit von Scheiden- und Harnwegsinfekten führen kann.

Diagnose

Um einen Mangel an dem Hormon Testosteron zu diagnostizieren, wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, bei der man den Testosteronwert misst. Als Richtwert für erwachsene Männer gelten 12–35 nanomol/l. Liegen die Werte unterhalb vom 10 nanomol/l, ist eine medizinische Behandlung nötig.

Weiterhin misst man bestimmte Eiweißstoffe (Globuline), von denen das Testosteron in der Leber gebunden wird, sowie Nebennierenrindenhormone wie Androsteronsulfat und DHEA (De-Hydro-epi-androsteron).

Für die Diagnose eines Östrogenmangels wird eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt. So lassen sich zum Beispiel Störungen der Eileiter feststellen. Eine Hormonanalyse zeigt den Hormonstatus der Patientin.

Behandlung

Zur Behebung eines Hormonmangels führt man dem Patienten bzw. der Patientin das entsprechende Hormon zu. Dazu können

  • Tabletten
  • Injektionen
  • Gels oder
  • Pflaster, die man auf die Haut aufklebt,

verabreicht werden. Zu den angenehmsten Behandlungsmethoden gehört das Tragen von Hormonpflastern, die über den Tag verteilt eine bestimmt Menge des Hormons abgeben.

Bei einem Testosteronmangel ist es möglich, Implantate, bei denen es sich um Zylinder aus reinem Testosteron handelt, in die Bauchdecke einzusetzen. Der enthaltene Wirkstoff wird über 4-6 Monate von den Implantaten abgegeben. Ist der Testosteronzylinder nach diesem Zeitraum aufgebraucht, kommt es allerdings wieder zum Absinken des Hormonspiegels, sodass die Beschwerden erneut auftreten können.

Bei einer Hormontherapie muss stets auf eine präzise Einstellung sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen geachtet werden, um Nebenwirkungen und Risiken vorzubeugen. In der Regel wird der Hormonspiegel nach einigen Wochen des Therapiebeginns kontrolliert und je nach Anfangswerten anschließend noch weitere Male.

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Quellenangaben
  • taking vitamin © Suprijono Suharjoto - www.fotolia.de
  • Anatomy of male active brain © pankajstock123 - www.fotolia.de
  • Woman medicine # 2 © Giorgio Gruizza - www.fotolia.de
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