22. April 2010
Als Darmflora bezeichnet man die Gesamtheit der Mikroorganismen, die sich im Darm angesiedelt haben. Diese Bakterien sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Verdauung.
Unter der Darmflora versteht man Millionen von Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Dazu gehören vor allem Bakterien der Gruppen Bacillus, Bacteroides, Escherichia coli und Enterokokkus, die ein wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil des Verdauungssystems sind. Zu ihren Aufgaben gehört es, dem Organismus bei der Verdauung von Ballaststoffen zu helfen. Daher ist eine funktionierende Darmflora für die Gesundheit des Menschen sehr wichtig, da es sonst zu Verdauungsstörungen kommen kann.
Die Bezeichnung Flora ist eigentlich nicht korrekt. Sie entstand durch die frühere Auffassung, dass Mikroorganismen wie Bakterien zum Pflanzenreich gehören würden. Bakterien bilden jedoch eine eigene Domäne. Daher müsste man die Darmflora eher als Darmmikroorganismengemeinschaft bezeichnen.
Der menschliche Darm stellt ein komplexes bakterielles Ökosystem dar. Dieses System wird bereits in den ersten Jahren des Lebens etabliert. Während die Besiedlungsdichte des Darms zunächst nur gering ausfällt, steigt sie im Laufe der Jahre immer mehr an. Zu den ersten Mikroorganismen zählen z.B. Enterobakterien, Streptokokken und Escherichia coli. Zu den besiedelten Darmregionen gehören vor allem die mukosalen Oberflächen, die Muzinschicht und das Darmlumen. Dabei wird der Dickdarm deutlich mehr besiedelt als der Dünndarm. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen liegt die Gesamtmasse der Flora im Darmtrakt bei einigen hundert Gramm. Zu 99 Prozent besteht die Darmflora aus vier bakteriellen Stämmen. Diese heißen Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Als bekanntestes Bakterium der Darmflora gilt Escherichia coli, von dem es verschiedene Biovare gibt. Escherichia coli ist leicht zu kultivieren und wird deshalb in der Mikrobiologie häufig als Modellorganismus verwendet.
Die Mikroorganismen der Darmflora haben unterschiedliche Wirkungen auf den Organismus des Menschen. Dazu gehören die Versorgung mit Vitaminen, die Unterstützung der Verdauung von Bestandteilen der Nahrung, die Immunmodulation, die Anregung der Darmperistaltik, die Versorgung der Darmepithelschicht mit Energie, die Produktion von bestimmten Fettsäuren wie z.B. Essigsäure sowie die Detoxifizierung von Xenobiotika. Auch das Gewicht des Körpers wird von der Darmflora beeinflusst, was eine Rolle bei Adipositas (Fettsucht) spielen kann.
Eine weitere wichtige Funktion der Darmbakterien ist die Herstellung des lebenswichtigen Vitamin K, welches vom Organismus nicht selbst produziert werden kann. Eine unangenehme Nebenwirkung der Bakterien ist allerdings, dass durch sie bei der Verdauung von Ballaststoffen, Gase wie Methan und Wasserstoff entstehen, wodurch es zu übelriechenden Blähungen bei der Ausscheidung der Gase kommen kann.
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