Die Darmflora - Schützt die Darmschleimhaut und unterstützt die Verdauung und den Stoffwechsel

Als Darmflora bezeichnet man die Gesamtheit der Mikroorganismen, die sich im Darm angesiedelt haben. Diese Bakterien sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Verdauung.

Die Intestinalflora ist ein komplexes bakterielles Ökosystem, das man z.B. durch Optimierung des Darmmilieus aufbauen und gesund halten kann

Unter der Darmflora versteht man Millionen von Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Dazu gehören vor allem Bakterien der Gruppen

  • Bacillus
  • Bacteroides
  • Escherichia coli
  • Enterokokkus

die ein wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil des Verdauungssystems sind.

Zu ihren Aufgaben gehört es, dem Organismus bei der Verdauung von Ballaststoffen zu helfen. Daher ist eine funktionierende Darmflora für die Gesundheit des Menschen sehr wichtig, da es sonst zu Verdauungsstörungen kommen kann.

Bezeichnung

Die Bezeichnung "Flora" ist eigentlich nicht korrekt. Sie entstand durch die frühere Auffassung, dass Mikroorganismen wie Bakterien zum Pflanzenreich gehören würden.

Bakterien bilden jedoch eine eigene Domäne. Daher müsste man die Darmflora eher als Darmmikroorganismengemeinschaft bezeichnen.

Aufbau

Der menschliche Darm stellt ein komplexes bakterielles Ökosystem dar. Dieses System wird bereits in den ersten Jahren des Lebens etabliert. Während die Besiedlungsdichte des Darms zunächst nur gering ausfällt, steigt sie im Laufe der Jahre immer mehr an.

Zu den ersten Mikroorganismen zählen z.B.:

  • Enterobakterien
  • Streptokokken
  • Escherichia coli

Zu den besiedelten Darmregionen gehören vor allem:

  • die mukosalen Oberflächen
  • die Muzinschicht
  • das Darmlumen

Dabei wird der Dickdarm deutlich mehr besiedelt als der Dünndarm. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen liegt die Gesamtmasse der Flora im Darmtrakt bei einigen hundert Gramm.

Zu 99 Prozent besteht die Darmflora aus vier bakteriellen Stämmen. Diese heißen:

  • Actinobacteria
  • Bacteroidetes
  • Firmicutes
  • Proteobacteria

Als bekanntestes Bakterium der Darmflora gilt Escherichia coli, von dem es verschiedene Biovare gibt. Escherichia coli ist leicht zu kultivieren und wird deshalb in der Mikrobiologie häufig als Modellorganismus verwendet.

Aufgaben

Die Mikroorganismen der Darmflora haben unterschiedliche Wirkungen auf den Organismus des Menschen. Dazu gehören:

  • die Versorgung mit Vitaminen
  • die Unterstützung der Verdauung von Bestandteilen der Nahrung
  • die Immunmodulation
  • die Anregung der Darmperistaltik
  • die Versorgung der Darmepithelschicht mit Energie
  • die Produktion von bestimmten Fettsäuren wie z.B. Essigsäure
  • die Detoxifizierung von Xenobiotika

Auch das Gewicht des Körpers wird von der Darmflora beeinflusst, was eine Rolle bei Adipositas (Fettsucht) spielen kann. Eine weitere wichtige Funktion der Darmbakterien ist die Herstellung des lebenswichtigen Vitamin K, welches vom Organismus nicht selbst produziert werden kann.

Eine unangenehme Nebenwirkung der Bakterien ist allerdings, dass durch sie bei der Verdauung von Ballaststoffen, Gase wie Methan und Wasserstoff entstehen, wodurch es zu übelriechenden Blähungen bei der Ausscheidung der Gase kommen kann.

Beschwerden und Erkrankungen der Darmflora

Beschwerden durch ein Ungleichgewicht der Bakterien

Bei einer Über- oder Unterbesiedelung von Bakterien im Darm kann es zu Veränderungen der Darmflora in ihrer Zusammensetzung kommen. Eine Störung der Darmflora hat oftmals zahlreiche Beschwerden zur Folge, wie:

Wird die Flora des Dünndarms gestört, kann ein Blähbauch ohne abgehende Darmgase auftreten. Bei Störungen der Dickdarmflora kommt es hingegen zu einem Blähbauch mit abgehenden Darmgasen.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum es zu einem Ungleichgewicht der Darmflora kommen kann. Möglich ist beispielsweise gechlortes Leitungswasser; durch das Chlor werden Bakterien bekämpft, was auch die Darmflora beeinträchtigen kann.

Gleiche Wirkung wird Fluoriden zugeschrieben. Diese kommen hierzulande vor allen Dingen in Zahncremes oder auch in Salz zur Anwendung.

Natürlich spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle: zu viel Zucker und ungesundes Fett erhöht das Risiko einer Erkrankung an Morbus Crohn. Auch eine Übersäuerung sowie der Verzehr von Lebensmittelzusatzstoffen können ein Ungleichgewicht in der Darmflora begünstigen. Und letztlich ist noch Stress als Auslöser zu nennen.

Beschwerden durch die Einnahme von Medikamenten

Die Darmflora kann auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten durcheinander gebracht werden. Bei der Verabreichung von Antibiotika werden nämlich nicht nur die schädlichen Bakterien abgetötet, sondern auch die nützlichen.

Tritt der Fall ein, dass die schädlichen Bakterien nicht auf das Antibiotikum ansprechen, können diese sich ungehindert ausbreiten, wodurch die Gefahr von schweren Darmentzündungen und Durchfall besteht, was oftmals wiederum eine Behandlung mit Antibiotika nötig macht.

Auf diese Weise kommt es zu einem Teufelskreis, denn oft infizieren sich die Patienten immer wieder aufs Neue mit dem hochansteckenden Keim. Besonders betroffen davon sind ältere Menschen.

Auch die Antibabypille oder andere Hormonpräparate können sich negativ auf die Darmflora auswirken. Das Risiko, chronisch entzündliche Darmerkrankungen zu erleiden, steigt dadurch an.

Tipps für eine gesunde Darmflora

Um eine in Mitleidenschaft gezogene Darmflora wieder aufzubauen, sollte man sich für einige Monate gesund ernähren und dabei Nahrung mit reichlich Ballaststoffen zu sich nehmen. Außerdem ist es ratsam, auf zucker- und fetthaltige Lebensmittel zu verzichten. Auf diese Weise wird die Darmflora nach einiger Zeit wieder voll funktionsfähig.

Des Weiteren sind folgende Tipps zu beherzigen:

  • Antibiotika-Behandlungen sollten wenn möglich vermieden werden
  • Nach einer unvermeidbaren Antibiotika-Behandlung sollte eine Darmsanierung durchgeführt werden
  • Wer Leitungswasser trinkt, sollte sichergehen, dass dieses chlorfrei ist
  • Hormonpräparate sollten gemieden werden
  • Zahncremes und Salz mit Fluoriden sollten gemieden werden
  • Auf Fertigprodukte sollte verzichtet werden
  • Bio-Lebensmittel sollten bevorzugt werden
  • Stress sollte so gut wie möglich vermiden werden

Eine erkrankte Darmflora lässt sich auch mithilfe der so genannten fäkalen Transplantation behandeln...

Funktion und Wirkung der fäkalen Transplantation

Bei der fäkalen Transplantation handelt es sich um eine Stuhltherapie. Das heißt, dass eine Stuhlprobe von einem gesunden Menschen in den Darm eines erkrankten Menschen verpflanzt wird. Auf diese Weise lässt sich eine kranke Darmflora erfolgreich behandeln. Dieses ungewöhnliche Verfahren wird auch als

  • Stuhltransplantation
  • Stuhlverpflanzung
  • Fäkaltherapie
  • fäkale Bakterientherapie oder
  • Ekel-Therapie

bezeichnet.

Übertragung der Darmflora

Um eine Clostridium-difficile-assoziierte Kolitis wirksam zu behandeln, überträgt man die Darmflora eines gesunden Spenders durch dessen Stuhl auf den Patienten. Durch die Zufuhr von nützlichen Darmbakterien kann sich dessen Darmflora wieder erholen und die pathogenen Keime erfolgreich bekämpfen.

Erstmals durchgeführt wurde eine Übertragung der Darmflora im Jahr 1958 im amerikanischen Denver. Dabei behandelten die Ärzte erfolgreich eine fulminante pseudomembranöse Enterokolitis.

Trotz des positiven Verlaufs der Stuhltransplantation geriet die ungewöhnliche Therapie zunächst wieder in Vergessenheit, da sie nicht selten Ekelgefühle bei den Patienten hervorrief. Mittlerweile greifen jedoch immer mehr Mediziner auf diese Behandlungsform zurück.

Ablauf einer fäkalen Transplantation

Um den geschädigten Darm eines Patienten mit nützlichen Bakterien zu besiedeln, wird die Stuhlprobe eines gesunden Spenders benötigt. Diese untersucht man vor der Transplantation gründlich, damit keine schädlichen Mikroorganismen übertragen werden.

Der Stuhl des Spenders wird mit einer Kochsalzlösung vermischt. Anschließend bringt man die Lösung mit einem Koloskop, ähnlich wie bei einer Darmspiegelung, in den Dickdarm des Patienten ein. Alternativ lässt sich der Stuhl auch über eine Magensonde in den Zwölffingerdarm verabreichen.

Nach der Prozedur sollen sich die zugeführten Darmbakterien im Darm des Patienten verbreiten und diesen besiedeln. Auf diese Weise können die schädlichen Clostridien vertrieben werden.

Ob die Fäkaltherapie erfolgreich verläuft, lässt sich erst nach einigen Wochen genau sagen. In vielen Fällen erholt sich die Darmflora wieder und weiterer Durchfall bleibt aus.

Trotz ihrer erfolgreichen Anwendung lässt sich die fäkale Transplantation in Deutschland noch nicht routinemäßig anwenden. Zuvor sind noch weitere wissenschaftliche Studien nötig Zahlreiche Ärzte hoffen jedoch, dass sich mit der Stuhltransplantation in Zukunft noch weitere chronische Darmerkrankungen heilen lassen.

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