Die Darmflora - Schützt die Darmschleimhaut und unterstützt die Verdauung und den Stoffwechsel

Grafik Magen mit Dünn- und Dickdarm

Die Intestinalflora ist ein komplexes bakterielles Ökosystem, das man z.B. durch Optimierung des Darmmilieus aufbauen und gesund halten kann

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Darmflora bezeichnet man die Gesamtheit der Mikroorganismen, die sich im Darm angesiedelt haben. Diese Bakterien sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Verdauung.

Unter der Darmflora versteht man Millionen von Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Dazu gehören vor allem Bakterien der Gruppen

  • Bacillus
  • Bacteroides
  • Escherichia coli
  • Enterokokkus

die ein wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil des Verdauungssystems sind.

Zu ihren Aufgaben gehört es, dem Organismus bei der Verdauung von Ballaststoffen zu helfen. Daher ist eine funktionierende Darmflora für die Gesundheit des Menschen sehr wichtig, da es sonst zu Verdauungsstörungen kommen kann.

Bezeichnung

Die Bezeichnung "Flora" ist eigentlich nicht korrekt. Sie entstand durch die frühere Auffassung, dass Mikroorganismen wie Bakterien zum Pflanzenreich gehören würden.

Bakterien bilden jedoch eine eigene Domäne. Daher müsste man die Darmflora eher als Darmmikroorganismengemeinschaft bezeichnen.

Aufbau

Der menschliche Darm stellt ein komplexes bakterielles Ökosystem dar. Dieses System wird bereits in den ersten Jahren des Lebens etabliert. Während die Besiedlungsdichte des Darms zunächst nur gering ausfällt, steigt sie im Laufe der Jahre immer mehr an.

Zu den ersten Mikroorganismen zählen z.B.:

  • Enterobakterien
  • Streptokokken
  • Escherichia coli

Zu den besiedelten Darmregionen gehören vor allem:

  • die mukosalen Oberflächen
  • die Muzinschicht
  • das Darmlumen

Dabei wird der Dickdarm deutlich mehr besiedelt als der Dünndarm. Bei einem gesunden erwachsenen Menschen liegt die Gesamtmasse der Flora im Darmtrakt bei einigen hundert Gramm.

Zu 99 Prozent besteht die Darmflora aus vier bakteriellen Stämmen. Diese heißen:

  • Actinobacteria
  • Bacteroidetes
  • Firmicutes
  • Proteobacteria

Als bekanntestes Bakterium der Darmflora gilt Escherichia coli, von dem es verschiedene Biovare gibt. Escherichia coli ist leicht zu kultivieren und wird deshalb in der Mikrobiologie häufig als Modellorganismus verwendet.

Darmbakterien helfen nicht nur bei der Verdauung

Grafik männlicher Körper mit Darm
männlicher körper mit darm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Jeder Mensch besitzt sehr viele Bakterien im Inneren des Darms. Was vielleicht eine etwas gruselige Vorstellung ist, wird bei genauerer Aufklärung aber weniger unheimlich, sondern faszinierend.

Insgesamt machen die Darmbakterien in uns im Schnitt zwei Kilo des Körpergewichts aus. Ihre Anwesenheit ist sehr wichtig, denn sie leben in Symbiose mit dem Menschen. Sie ernähren sich von den Dingen im Darm, sie helfen aber dadurch gleichzeitig dabei, dass wichtige Nährstoffe und co. so verarbeitet werden, dass der Körper sie aufnehmen und für das tägliche Leben einsetzen kann. Ohne die Darmbakterien wäre die Verdauung also kaum möglich.

Die kleinen Mikroorganismen tun aber noch mehr für uns. Sie sind ebenfalls wichtig für das menschliche Immunsystem. Dieses hat seinen „Hauptsitz“ tatsächlich im Verdauungstrakt. Hier befinden sich in einer Art Zentrale rund 70 Prozent aller Zellen, die für das Immunsystem wichtig sind. Nur wenn ein Angriff durch Erreger erfolgt, werden sie ausgeschickt, um am Ort des Problems zu wirken.

In der Zwischenzeit leben diese Zellen im Verdauungsapparat und verbringen einen Großteil der Zeit damit, mit den Darmbakterien zu interagieren. Auf verschiedenen Signalwegen kommunizieren sie mit den Organismen, was einer Art Gespräch gleich kommt. Auf diesem Wege werden Signale ausgetauscht und die Immunzellen lernen diverse Abwehrmechanismen zu aktivieren.

In gewisser Weise treten viele Darmbakterien als Trainer für das Immunsystem in Erscheinung. Sie bringen den Zellen bei, zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien zu unterscheiden.

Das Leben der Darmbakterien im menschlichen Körper

3-D-Grafik der Darmflora mit blauen, gelben und roten Darmbakterien auf den Darmzotten
Darmbakterien - 3d Render © fotoliaxrender - www.fotolia.de

Bis zu einer Billion Bakterien im Darm hat jeder Mensch, wir brauchen sie, damit unser Körper gesund bleibt und die Verdauung gut funktioniert. Wissenschaftler untersuchten jetzt in einer Studie die Darmbakterien von 37 Probanden über fünf Jahre hinweg. Sie stellten fest, dass sich trotz regelmäßiger Ausscheidung bestimmte Bakterienstämme dauerhaft im menschlichen Körper halten.

Insgesamt wiegen die Bakterienstämme zwei Kilogramm, mehr sogar als das menschliche Gehirn und deren Aktivität ist größer als die unserer Leber. Bereits mit der Geburt besiedeln die Bakterien den Körper eines Neugeborenen, später kommen weitere Keime dazu.

Zerstört werden kann die Darmflora und das natürliche Zusammenspiel von Körper und Bakterien nur, wenn medikamentös eingegriffen wird. Dies ist zum Beispiel bei Gabe von Antibiotika der Fall oder kann auch durch Mangelernährung hervorgerufen werden. Erst mit dem Tod des Menschen verlassen die Bakterien den Darm und beginnen mit der Zersetzung des menschlichen Körpers.

Die Darmflora bestimmt, wer eher zu Übergewicht neigt

Grafik männlicher Körper mit Dünndarm, weißer Hintergrund
männlicher körper mit dünndarm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Manche Menschen scheinen es beim Halten ihres Gewichts schwerer als andere zu haben. Während der eine offenbar mühelos schlank bleibt, reicht bei dem anderen ein Abend des Naschens und schon zeigt die Waage das gnadenlos an. Was man lange Zeit für reine subjektive Wahrnehmung gehalten hat, wurde in den letzten Jahren von der Forschung mehr und mehr bestätigt. Es gibt verschiedene Faktoren, die bei einem Menschen die Tendenz zum Übergewicht verstärken.

Inzwischen hat man auch erkannt, dass die Zusammensetzung der Darmflora eine entscheidende Rolle spielt. Jeder Mensch hat im Inneren seines Darms Millionen von Bakterien. Dabei handelt es sich auch nicht um schädliche Erreger, sondern um helfende Mikroorganismen. Sie unterstützen bei der Zersetzung der Nahrung und filtern die wichtigen Nährstoffe heraus.

Ernährungsumstellung kann helfen

Genau deswegen ist es aber so wichtig, dass man eine gute Zusammensetzung an Darmbakterien hat, denn ansonsten wird der Nahrungsbrei ungünstig aufgearbeitet. Die Darmflora entscheidet also wesentlich darüber, ob das Essen sich später auf die Taille legt oder nicht. Anders als bei genetischen Faktoren, die keiner ändern kann, haben Besitzer einer eher ungünstigen Darmflora aber die Möglichkeit, ihre Ernährung bewusst umzustellen und damit auch die Darmflora zu verändern.

Der Darm als Lebensraum wird von immer wieder ankommender Nahrung gestaltet und daher kann eine Umstellung langfristig auch den Lebensraum der Bakterien ändern. Ungebetene Gäste verschwinden auf diese Weise und förderliche Bakterien siedeln sich an. Statistisch gesehen hat jeder vierte Mensch eine ungünstige Darmflora. In einer dänischen Studie zeigten 25 Prozent der 292 Probanden um bis zu 40 Prozent weniger Darmbakterien. Genau diese Teilnehmer neigten auch zu Übergewicht.

Darmkrebsrisiko abhängig von Zusammensetzung der Bakterien im Darm

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms
menschlicher darm © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Wie hoch das Risiko an Darmkrebs zu erkranken ist, hängt offensichtlich auch mit der Zusammensetzung der Bakterien in der Darmflora zusammen. Dies stellten Forscher des amerikanischen Nationalen Krebsinstitutes fest, die dazu die Stuhlproben von Krebspatienten in den USA untersuchten und mit denen von gesunden Menschen verglichen.

Andere Darmflora bei Darmkrebskranken

Bei den Darmkrebspatienten wurden mehr Fusobakterien gefunden, die im Magen-Darm-Trakt und im Mundhöhlenbereich siedeln und Entzündungen des Darms mit beeinflussen. Auf der anderen Seite fanden sich bei den Patienten weniger Clostridien als bei gesunden Menschen. Die Clostridien helfen bei der Verdauung von Kohlenhydraten und pflanzlichen Fasern.

Darmkrebs könnte durch bestimmte Ernährung verhindert werden

Die Darmflora des Menschen ist ein eigener Mikroorganismus mit hunderten unterschiedlichen Bakterien, der maßgeblich von der Ernährung beeinflusst wird. Die Bakterien spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem des Menschen und bei der Versorgung mit Nährstoffen und Vitaminen. Die Forscher wollen nun in Erfahrung bringen, welchen konkreten Einfluss die Ernährung auf die Zusammensetzung der Darmbakterien hat. So können in Zukunft möglicherweise bessere Ernährungstipps zur Vermeidung von Darmkrebs gegeben werden.

Abwehrsystem im Magen-Darm-Trakt: Lymphotoxin dirigiert die Immunzellen

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms mit rotem Fadenkreuz
bauchschmerzen © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Der Magen-Darm-Trakt trägt entscheidend zu unserer Gesundheit bei. Er fungiert als Abwehrzentrale gegen schädliche Erreger und sorgt für ein immunologisches Gleichgewicht. Gesteuert werden die komplexen Prozesse von Lymphotoxin. Forscher fanden nun heraus, wie der Zellbotenstoff das Ensemble der Immunzellen dirigiert.

Lymphotoxine steuern Immunglobulin A (IgA)

Neben den natürlichen Darmbakterien sorgen lokale Immunzellen für die Abwehr von Keimen und Giftstoffen. Maßgeblich beteiligt ist das Immunglobulin A (IgA) in der Darmschleimhaut. In welchem Ausmaß der Körper dieses IgA produziert, hängt wiederum vom Befehl der Lymphotoxine ab.

In einer internationalen Studie konnten Wissenschaftler nachweisen, dass gesunde Abwehrzellen nach dem Kontakt mit Krankheitserregern reichlich Lymphotoxine bilden. Als Entzündungsbotenstoff bestimmen diese dann, wie viele Immunglobuline ausgeschüttet werden. Fehlen die Lymphotoxine, so wird auch kein IgA produziert und das Leistungsvermögen der Darmabwehr lässt nach.

Interessant sind diese Erkenntnisse nicht nur für die Forschung. Da manche Medikamente das Lymphotoxin im Darm binden, können sie die immunologische Balance stören. Ärzte sollten dies künftig beachten.

Der Darm kann schmecken - Zellen im Darm sind in der Lage, Geschmacksstoffe zu erkennen

Grafik männlicher Körper mit Dickdarm und Dünndarm
transparenter körper mit dickdarm und dünndarm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Jeder gesunde Mensch verfügt von Geburt an über die Fähigkeit, die Geschmacksstoffe in seiner Nahrung über die Zunge zu erkennen. Bis vor einiger Zeit dachte man, dass allein die Zunge dazu in der Lage ist, doch dann fanden Forscher heraus, dass auch direkt in den Atemwege diverse Rezeptoren vorhanden sind, die den Bittergeschmackstoff erkennen.

Nun legen neuste Erkenntnisse sogar noch einen obendrauf: Auch der Darm ist in der Lage, die Nahrung zu schmecken.

Allerdings geht es dabei im Detail deutlich anders zu, als beim Schmecken auf der Zunge. Mit "Genuss" im Sinne des Essens hat der Magen nichts am Hut. US-amerikanische Forscher konnten vielmehr nachweisen, dass es einzelne Zellen direkt im menschlichen Darm gibt, die Bitterstoffe wahrnehmen können.

Warum können die Darmzellen "schmecken"?

Diese speziellen Schleimhautzellen erkennen den Geschmack, um damit den Körper gesund halten zu können. Im Detail konnte man den Zweck der Fähigkeit zwar noch nicht aufschlüsseln, doch man vermutet, dass durch die Geschmacksrezeptoren wohl Schadstoffe erkannt werden sollen.

Man geht davon aus, dass so auf Signalstoffe von körperfeindlichen Bakterien reagiert werden kann und wichtige Informationen an die Immunzellen weitergegeben werden. Die Fähigkeit zu Schmecken hat also in diesem Fall indirekt etwas mit den Abwehrkräften zu tun.

Zudem sind andere Darmzellen, die zur Produktion von Hormonen vorhanden sind, in der Lage, einen weiteren Geschmacksstoff zu erkennen: Süßes. Der Rezeptor für das Süße hat vermutlich die wichtige Funktion, den Blutzucker mit zu regulieren. Auch hier ist der Zweck im Detail aber noch nicht analysiert.

Anzahl bestimmter Bakterien in der Darmflora hängt auch von der Klimazone ab

3-D-Grafik von Darmbakterien, dargestellt in blau und pink, im Hintergrund die Darmflora mit Darmzotten
Darmbakterien - 3d Render © fotoliaxrender - www.fotolia.de

Amerikanische Forscher fanden bei einer Studie heraus, dass das Übergewicht durch bestimmte Bakterien im Verdauungstrakt beeinflusst wird.

Vorkommen der Bakterien ist abhängig von den Breitengraden

Doch die Anzahl dieser Bakterien hängt aber auch von der Region ab, wo der jeweilige Mensch lebt. So stellten die Forscher fest, dass in den höheren Breitengraden, also im kalten Norden, diese Bakterien häufiger vorkommen, so dass die dort lebenden Menschen häufiger übergewichtig sind. Aber dies hat in der Kälte auch den Vorteil, dass durch das Fett weniger an Körperwärme verloren geht.

Verantwortliche Bakterienstämme

Zu den Bakterien, die also für das Übergewicht verantwortlich sind, gehören unter anderem die beiden Stämme Firmicutes und Bacteroidetes. Die Forscher hatten bei ihrer Studie die Daten aus verschiedenen anderen Studien analysiert, an denen über 1.000 Menschen aus 23 Ländern teilnahmen.

So wichtig ist eine gesunde Darmflora

3-D-Grafik der Darmflora mit vielen verschiedenfarbigen Bakterien auf den Darmzotten
Darmflora © Alex - www.fotolia.de

Der menschliche Darm, oft auch als zweites Gehirn benannt, wird täglich durch eine Nahrungsaufnahme und verschiedene Getränke mal mehr, mal weniger strapaziert.

Mikroorganismen kümmern sich um die Verdauung

Die meisten Menschen denken hierbei nur selten über ihren Darm und dessen Darmflora nach, dabei spielt besonders die Darmflora eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Als wahres Paradies, bedingt durch die feucht-warmen klimatischen Bedingungen, zeigt sich der Darm als Heimatstätte zahlreicher Mikroorganismen. Millionen Kleinstlebewesen, die wiederum nur durch ein Mikroskop erkennbar sind, sorgen dafür, dass mit der Verdauung alles reibungslos funktioniert und das Wohlbefinden des Menschen vorhanden ist.

Gesunde Ernährung zur Unterstützung der Darmflora

Forscher beschäftigen sich schon lange mit dem Darm und folgerichtig auch mit der Darmflora, die gerade durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung deutlich beeinflusst wird. So empfehlen Wissenschaftler und Ernährungsexperten auf eine ballaststoffreiche Nahrungsaufnahme zu achten, da die im Darm befindlichen Bakterien Ballaststoffe zerlegen und zu einem großen Teil in Energie umwandeln. Desweiteren lässt sich eine gesunde Darmflora auch durch den regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse, Vollkornprodukte wie etwa Vollkornbrot, Vollkornbrötchen oder Vollkornnudeln sowie Naturjoghurt unterstützen.

Ungünstig für den Darm und das persönliche Wohlbefinden sind hingegen Nahrungsmittel die viel Zucker oder Fett enthalten. Zudem sollte mit der Einnahme von Antibiotika sehr vorsichtig umgegangen werden, da dieses Medikament die Darmflora deutlich stören und folgend sogar das Immunsystem schwächen kann.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Zu guter Letzt lässt sich der Darm durch die Aufnahme von mindestens 2-2,5 Liter Wasser, zuckerfreie Säfte oder Tee in seiner gesunden Funktion bestens unterstützen. Wer diese Tipps beachtet leistet einen wichtigen Beitrag zur eigenen Gesundheit, weshalb man doch öfters über das "zweite Gehirn" nachdenken und für dessen Gleichgewicht sorgen sollte.

Hunderte unbekannte Bakterienarten und Viren im menschlichen Darm gefunden

Grafik eines Darms mit sichtbaren Bakterien und Erregern unter einer Vergrößerungslupe
Vector intestines with bacteria, germs and magnifier © PrettyVectors - www.fotolia.de

Dänische Wissenschaftler haben im menschlichen Darm 500 bisher noch unbekannte Bakterienarten entdeckt. Für ihre Untersuchung werteten sie Stuhlproben aus. Damit hat sich die Zahl der bekannten Mikroorganismen im Verdauungsorgan mehr als verdoppelt.

Außerdem stießen die Forscher bei ihren Analysen auf mehr als 800 Bakteriophagen – das sind Viren, die Bakterien befallen. Diese könnten eine realistische Alternative zu Antibiotika sein, die bei immer mehr Keimen wirkungslos sind.

Einfluss von Bakteriophagen auf die Darmflora

Doch anders als das Medikament, das üblicherweise viele Bakterienarten bekämpft, wirken Viren wesentlich selektiver. Sie befallen und töten in der Regel nur einige wenige Bakterienarten ab. Ob Bakteriophagen wirklich die Zusammensetzung der Darmflora grundsätzlich verändern können, ist jedoch erst in Ansätzen erforscht.

Auswirkung auf Psyche des Menschen

Darmbakterien haben Einfluss auf die Gesundheit und sogar die Psyche des Menschen. So unterscheidet sich die Darmflora gesunder Menschen von der von Menschen mit Asthma, Übergewicht oder Diabetes vom Typ 2.

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern: Auch die Darmflora ist geschlechtsspezifisch

Grafik Organe mit Dickdarm hervorgehoben
dickdarm illustration © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Zwischen Männern und Frauen besteht mehr als nur der "kleine" Unterschied im Bezug auf die Geschlechtsorgane. Diverse Studien haben bereits gezeigt, dass männliche und weibliche Menschen aus biologischer Sicht diverse Unterschiede haben und entsprechend angepasste Therapien benötigen. Dies trifft neuesten Erkenntnissen zufolge auch auf die Darmflora zu.

Bisher ging man in der Medizin davon aus, dass diese bei gesunden Menschen vergleichbar ist und zwar unabhängig vom Geschlecht. Nur Dinge wie Krankheiten, Medikamenteneinnahme und falsche Ernährung verändern die Darmflora individuell.

Doch die Medizinbücher müssen umgeschrieben werden. Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass auch bei identischer Ernährung (gleiche Lebensmittel in gleicher Menge) die Darmflora eines Mannes anders als die einer Frau aufgebaut ist. Es finden sich nicht nur unterschiedliche Konzentrationen der gleichen Mikroorganismen, sondern teils auch völlig andere Bakterienarten.

Zusammensetzung der Darmflora vermutlich Geschlechterabhängig

Die Zusammensetzung muss also auch vom Geschlecht abhängen. Wie genau dies zustande kommt, kann man bisher nicht sagen, doch die Forscher haben eine Theorie. Sie vermuten, dass die spezifischen Geschlechtshormone eine entscheidende Rolle spielen. Zwar kommen sowohl bei der Frau als auch beim Mann immer Testosteron und Östrogene vor, doch die Menge hängt vom Geschlecht ab. Männer haben bekanntermaßen mehr Testosteron und Frauen mehr Östrogene. Die Mikroorganismen reagieren vermutlich auf die Konzentrationen der Botenstoffe. Einige werden gefördert, andere gehemmt und entsprechend bildet sich eine geschlechtsspezifische Darmflora aus.

Dieses Wissen könnte in Zukunft sehr wichtig werden. Ernährungswissenschaftler müssen demnach je nach Geschlecht andere Ratschläge für ein ideales gesundes Leben geben und auch Medikamente könnten auf das Geschlecht angepasst werden. Die Möglichkeiten der Therapie werden dadurch zwar komplizierter, dafür jedoch auch individueller und daher zielsicherer.

Aufgaben

Die Mikroorganismen der Darmflora haben unterschiedliche Wirkungen auf den Organismus des Menschen. Dazu gehören:

  • die Versorgung mit Vitaminen
  • die Unterstützung der Verdauung von Bestandteilen der Nahrung
  • die Immunmodulation
  • die Anregung der Darmperistaltik
  • die Versorgung der Darmepithelschicht mit Energie
  • die Produktion von bestimmten Fettsäuren wie z.B. Essigsäure
  • die Detoxifizierung von Xenobiotika

Auch das Gewicht des Körpers wird von der Darmflora beeinflusst, was eine Rolle bei Adipositas (Fettsucht) spielen kann. Eine weitere wichtige Funktion der Darmbakterien ist die Herstellung des lebenswichtigen Vitamin K, welches vom Organismus nicht selbst produziert werden kann.

Eine unangenehme Nebenwirkung der Bakterien ist allerdings, dass durch sie bei der Verdauung von Ballaststoffen, Gase wie Methan und Wasserstoff entstehen, wodurch es zu übelriechenden Blähungen bei der Ausscheidung der Gase kommen kann.

Beschwerden und Erkrankungen der Darmflora

Beschwerden durch ein Ungleichgewicht der Bakterien

Bei einer Über- oder Unterbesiedelung von Bakterien im Darm kann es zu Veränderungen der Darmflora in ihrer Zusammensetzung kommen. Eine Störung der Darmflora hat oftmals zahlreiche Beschwerden zur Folge, wie:

Wird die Flora des Dünndarms gestört, kann ein Blähbauch ohne abgehende Darmgase auftreten. Bei Störungen der Dickdarmflora kommt es hingegen zu einem Blähbauch mit abgehenden Darmgasen.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum es zu einem Ungleichgewicht der Darmflora kommen kann. Möglich ist beispielsweise gechlortes Leitungswasser; durch das Chlor werden Bakterien bekämpft, was auch die Darmflora beeinträchtigen kann.

Gleiche Wirkung wird Fluoriden zugeschrieben. Diese kommen hierzulande vor allen Dingen in Zahncremes oder auch in Salz zur Anwendung.

Natürlich spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle: zu viel Zucker und ungesundes Fett erhöht das Risiko einer Erkrankung an Morbus Crohn. Auch eine Übersäuerung sowie der Verzehr von Lebensmittelzusatzstoffen können ein Ungleichgewicht in der Darmflora begünstigen. Und letztlich ist noch Stress als Auslöser zu nennen.

Beschwerden durch die Einnahme von Medikamenten

Die Darmflora kann auch durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten durcheinander gebracht werden. Bei der Verabreichung von Antibiotika werden nämlich nicht nur die schädlichen Bakterien abgetötet, sondern auch die nützlichen.

Tritt der Fall ein, dass die schädlichen Bakterien nicht auf das Antibiotikum ansprechen, können diese sich ungehindert ausbreiten, wodurch die Gefahr von schweren Darmentzündungen und Durchfall besteht, was oftmals wiederum eine Behandlung mit Antibiotika nötig macht.

Auf diese Weise kommt es zu einem Teufelskreis, denn oft infizieren sich die Patienten immer wieder aufs Neue mit dem hochansteckenden Keim. Besonders betroffen davon sind ältere Menschen.

Auch die Antibabypille oder andere Hormonpräparate können sich negativ auf die Darmflora auswirken. Das Risiko, chronisch entzündliche Darmerkrankungen zu erleiden, steigt dadurch an.

Besonders sparsam mit Antibiotika im Kindesalter: Die Darmflora wird auf Dauer verändert

Verschieden farbige Kapseln und Tabletten in offener rechter Hand
medikamente © Digitalpress - www.fotolia.de

Der übermäßige Einsatz von Antibiotika steht bereits seit einiger Zeit in der Kritik. Immer wieder betonen Mediziner, dass durch den leichtsinnigen Einsatz die Resistenzen steigen. Benötigt man die Medikamente in einem Notfall dann wirklich, können sie viel zu oft nicht mehr helfen. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Antibiotika greifen nicht nur die krankmachenden Bakterien an, sondern auch die hilfreichen Darmbakterien. Die Medikamente können schlicht nicht zwischen beiden unterscheiden und daher kann die übermäßige Einnahme von Antibiotika auf Dauer auch der Darmflora beschädigen.

Amerikanische Studie

Nun hat eine Studie aus den USA gezeigt, dass vor allen Dingen bei den Jüngsten die Einnahme von Antibiotika zum Problem werden kann. Man hatte mit 22 Kindern gearbeitet, wobei das Älteste bereits 19 Jahre und das Jüngste gerade einmal einen Monat alt war. Alle Kinder hatten schon Antibiotika nehmen müssen und nun untersuchten die Forscher mittels der "funktionellen Metagenomik" eine Stuhlprobe von jedem Kind. Man untersuchte, ob die Darmflora sich bei den Kindern bereits so verändert hatte, dass es Resistenzen gegen 18 der bekanntesten Antibiotika gibt.

Alarmierende Ergebnisse

Die Ergebnisse überraschten sogar die Forscher, denn es wurden extrem viele gefunden. Gegen 14 der 18 Antibiotika waren die Kinder bereits resistent. Die zweite Überraschung: Die Resistenz begann offenbar schon sehr früh, denn schon die jüngsten Teilnehmer waren betroffen.

Und es gab eine weitere schlechte Überraschung: Viele Kinder zeigten sogar Resistenzen auf Mittel, die sie noch nie eingenommen hatten. Belegen kann man dies, da ausnahmslos alle Kinder gegen das Antibiotikum "Chloramphenicol" resistent waren. Doch dieses wird in der modernen Medizin gar nicht mehr eingesetzt. Manche Kinder waren sogar gegen ein ganz neues Antibiotikum immun, das noch gar nicht offiziell am Markt ist.

Nützliche Darmbakterien sterben bei häufigem Antibiotika-Gebrauch ab

Verdauung und Immunabwehr können durch häufige Antibiotika-Einnahme beeinträchtigt werden

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms mit rotem Fadenkreuz
bauchschmerzen © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Antibiotika gehören zu den wichtigsten medizinischen Errungenschaften der Menschheit. Diese Medikamente machen es möglich, dass Menschen auf der ganzen Welt bei schweren bakteriellen Erkrankungen Hilfe haben. Doch eine Studie zeigt nun die Langzeitschäden durch Antibiotika und lässt Bedenken aufkommen.

Darmflora kann sich auf Dauer verändern

Getestet wurde das Antibiotikum "Ciprofloxacin". Drei Probanden nahmen das Mittel drei Mal täglich über zehn Monate hinweg. Bereits nach der ersten Verabreichung stellten die Wissenschaftler fest, dass die nützlichen Darmbakterien durch Ciprofloxacin um ein Drittel ihrer Population dezimiert worden waren. Dies ist insofern noch unbedenklich, da die Bakterien sich nach einiger Zeit wieder erholen und ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

Bedenklich wird es jedoch, wenn die Antibiotika-Verabreichung andauert, wie im Versuch mit den drei Teilnehmern. Ein halbes Jahr nach der ersten Einnahme von Ciprofloxacin bekamen die Probanden das Mittel erneut. Als dann Stuhlproben untersucht wurden, zeigte sich, dass die Darmbakterien sich nicht wieder erholen konnten.

Die Darmflora hatte sich auf Dauer verändert. Das ist sehr gefährlich, geben die Forscher zu denken, denn die Bakterien sind für den Menschen von besonderer Wichtigkeit, da sie sowohl bei der Verdauung, als auch beim Aufbau des Immunsystems helfen.

Antibiotika schaden der Darmflora dauerhaft

Die langfristige Einnahme von Antibiotika kann einen schädlichen Einfluss auf die Darmflora haben

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms
menschlicher darm © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Krankheitserregende Bakterien können, wenn sie sich im Menschen ansiedeln und vermehren, zur großen Gefahr werden. Bei diversen bakteriellen Krankheiten verschreibt der Arzt dann die Einnahme von Antibiotika. Diese Medikamente greifen die feindlichen Bakterien an und zerstören sie. Allerdings sind Antibiotika auch für den Menschen gefährlich und bergen einige Nebenwirkungen.

Veränderungen des Darmmilieus durch langfristige Medikamenteneinnahme

Forschungen haben nun erbracht, dass ein zu häufiger Gebrauch der Medikamente der menschlichen Darmflora auf Dauer schaden kann. Die Untersuchung von Patienten ergab, dass auch mehrere Monate und sogar Jahre nach der Einnahme der Mittel die Darmflora dieser Menschen sich verändert hatte. Diese Veränderungen waren zum Teil nicht unbedenklich. Bei einigen war die Zahl der nun resistenten Bakterien auffällig erhöht.

Nachteile der Antibiotikaeinnahme

Bakterien, die von Antibiotika nicht vernichtet wurden, konnten sich nun effektiver vermehren, da ihre anderen Feinde ausgelöscht wurden. Dies kann dann gefährlich werden, wenn andere Bakterien, neue Krankheitserreger, den Körper befallen und durch einen Gentransfer die Resistenz von den heimischen Bakterien lernen. Neue immune Bakterienstämme können dann zur gesundheitlichen Gefahr werden.

Steigende Zahl der Volkskrankheiten: Grund könnte die schwächer werdende Darmflora sein

Moderne Lebensweise minimiert die Anzahl der wichtigen Mikroorganismen im Darm

3-D-Grafik der Darmflora mit blauen, gelben und roten Darmbakterien auf den Darmzotten
Darmbakterien - 3d Render © fotoliaxrender - www.fotolia.de

Die Zahl der Infektionskrankheiten nimmt in Industriegesellschaften immer weiter zu. Die Abwehrkräfte der Menschen werden insgesamt schwächer. Woran das liegen könnte, ist eine Frage, mit der sich Forscher weltweit beschäftigen.

Eine Theorie, die sich als sehr wahrscheinlich herausgestellt hat: Die menschliche Darmflora war früher gesünder. Heute verkümmert sie immer mehr.

Weniger nützliche Bakterien durch moderne Lebensweise

Im menschlichen Darm leben unzählige Mikroorganismen. Diese Bakterien helfen nicht nur bei der Verdauung, sie sind ein wesentlicher Bestandteil des Immunsystems. Sie erkennen feindliche Bakterien und bekämpfen diese.

Doch die moderne Lebensweise hat den Menschen stark verändert, was sich auch auf die Mikroorganismen auswirkt.

  • Auf der einen Seite nimmt der Konsum von Ballaststoffen immer weiter ab. Studien haben jedoch gezeigt, dass eine ballaststoffreiche Ernährung wichtig für die Bakterien ist. Ihre Anzahl nimmt immer stärker ab, wenn man dem Körper Ballaststoffe vorenthält.

  • Auf der anderen Seite nehmen die Menschen in westlichen Zivilisationen viel zu viele Antibiotika. Diese Medikamente bekämpfen zwar bei Infektionen die bösartigen Erreger, doch sie können nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Daher wird auch die Darmflora zerstört und regeneriert sich nur langsam.

In einem aktuellen Experiment mit Mäusen zeigten Forscher eindeutig, wie wichtig die richtige Ernährung ist. Man nahm gesunde Tiere und fütterte eine Gruppe ballaststoffreich, die andere ballaststoffarm. Die Zahl der Darmbakterien wurde über Stuhlproben regelmäßig überprüft.

Schwache Darmflora wird weitergegeben

Die Menge der Mikroorganismen ging in der Gruppe mit schlechter Ballaststoffversorgung stark zurück. Eine erschreckende Erkenntnis kam hinzu, als diese Tiere sich vermehrten. Es stellte sich heraus, dass die schwache Darmflora von den Muttertieren an die Jungen weitergegeben wurde. Es ist wahrscheinlich, dass dies auch bei Menschen der Fall ist.

Die ungewöhnliche Idee der Forscher: Ab und an nach dem Kontakt zum Haushund, nach der Gartenarbeit etc. das Händewaschen bewusst wegzulassen.

Sind Darmbakterien für Diabetes und Übergewicht verantwortlich?

Stethoskop und Spritze auf einem blauen Blatt mit der Aufschrift "Diabetes"
Diabetes concept © Minerva Studio - www.fotolia.de

Das Apothekenmagazin "Diabetes Ratgeber" berichtet von Forschungsergebnissen amerikanischer Wissenschaftler, die bei Tierversuchen einen Zusammenhang zwischen den Bakterien im Darm und Übergewicht und Diabetes erkannten.

In einem Tierversuch hatten die Forscher die Darmbakterien von übergewichtigen auf gesunde Mäuse übertragen. Diese litten im Anschluss ebenso an Übergewicht und wiesen einen hohen Blutzuckerspiegel auf.

Industrieländer sind anfälliger für Darmerkrankungen

Durch die richtige Ernährung kann man sich vor Darmerkrankungen schützen

Mikroskopisches Bild von Bakterien auf blauem Hintergrund
bacillus bacteria © Yang MingQi - www.fotolia.de

Die Wissenschaftler von der Universität Florenz haben die Ernährung von Kindern aus Florenz in Italien mit der Ernährung von Kindern aus Burkina Faso in Afrika verglichen. Durch den Vergleich der Bakterien in den Därmen der Kinder fand man heraus, dass bestimmte Bakterienarten vermehrt bei den afrikanischen Kindern auftraten.

Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass die Nahrung in den Industrieländern meistens sehr viel Stärke, Fette und Zucker beinhaltet, während die Nahrung in Afrika zumeist aus Getreide und Gemüse besteht, welche viele Ballaststoffe und Stärke beinhalten. Man schließt daraus, dass unsere Ernährung uns anfälliger gegen Darmkrankheiten oder Übergewicht machen kann.

Gefundene Bakterienarten

Die beiden Bakterienarten, die man in den Därmen der afrikanischen Kinder vorfand, waren Actinobacteria und Bacteroidetes. Bei den italienischen Kindern fand man die ebenfalls dominierenden Stämme Firmicutes und Proteobacteria vor. Besonders auffällig war der Vergleich von Firmicutes und Bacteroidetes, da die unterschiedliche Menge auch beim Vergleich von übergewichtigen Menschen zu normalgewichtigen Menschen aufgetreten ist.

Während die Kinder gestillt wurden, verhielt sich ihre Darmflora fast gleich, doch als sie feste Nahrung zu sich genommen haben, bildeten sich nur bei den afrikanischen Kindern weitere Bakterien, die sonst unverdauliche Pflanzenstoffe auch verdauen konnten und daraus sogar Energie erzeugten um den Darm vor einer Entzündung zu schützen.

Also hat die gesunde Darmflora nichts mit den hygienischen Bedingungen oder dem Klima zu tun, sondern nur mit der richtigen Ernährung. Deswegen seien dann Darm- oder Autoimmunerkrankungen besonders in den Industrieländern verbreitet.

Darmflora leidet unter einem ständigen Fastfoodkonsum

Hilfreiche Darmbakterien werden durch zu viel Fast Food beeinflusst - Krankheitsrisiko steigt an

Grafik männlicher Körper mit Dickdarm und Dünndarm
männlicher körper mit dickdarm und dünndarm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Dass Fastfood auf Dauer nicht das Gesündeste ist, das sagen Mediziner und das schlechte Gewissen einem schon länger. An der Universität in Florenz fand man nun heraus, dass die sündigen Leckereien nicht nur dem Gewicht schaden, sondern auch der Darmflora.

Größere Ansiedlung von Bakterien, die dem Darm schaden

Getestet wurden Stuhlproben von Kindern aus den westlichen Nationen und von Kindern aus Afrika. Die Kinder aus den Industriestaaten kommen bereits sehr früh in Kontakt mit Pizzen, Burgern und Pommes. Ihre Ernährung ist damit sehr viel fettreicher.

Die Kinder aus Afrika nehmen weniger tierische Fette zu sich, denn in ihren Städten kennt man fast nur Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse. Diese Unterschiede in der Ernährung schlagen sich entschieden auf die Darmflora nieder.

Ballaststoffe lassen sich im Essen der westlichen Regionen zu selten finden und das hat Folgen. Die Darmbakterien, die bei der Verdauung behilflich sind, können schlechter siedeln. Daher bildet sich Boden für krankheitserregende Bakterien, die die Darmflora stark beschädigen können. Diese Belastung fördert Krankheiten wie das Reizdarmsyndrom.

Unglaublicher Trick von Parasiten - sie befreunden sich mit dem Immunsystem

Protein "HES" kurbelt T-Zellen-Produktion an, sodass Immunabwehr geschwächt wird

Grafik Immunabwehr - Nackter Mann richtet seine Hand gegen grüne Viren aus der Luft
immune abwehr © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

"Aus Feind mach Freund" - so denkt es sich eine Form von Darmwürmern und befreundet sich mit dem menschlichen Immunsystem um zu überleben. Diese List ist unglaublich, doch sie funktioniert. Forscher fanden heraus, dass die Würmer ein Protein herstellen, dass das Immunsystem dazu bringt, die Würmer nicht als Bedrohung zu sehen. So können sich die Darmwürmer in Ruhe im Körper ansiedeln und vermehren.

Funktion des Proteins

Dieses Protein nannten die Forscher "HES". Es führt dazu, dass der Mensch mehr T-Zellen produziert. Diese Zellen helfen dem Abwehrsystem, indem sie steuern, wie aktiv die Immunabwehr wird. Wenn das Immunsystem zu aktiv wird, greift es die körpereigenen Zellen mit an, dies sollen die T-Zellen verhindern.

Je mehr T-Zellen da sind, desto inaktiver ist also die Abwehr. Das Protein der Darmwürmer führt nun dazu, dass so viele T-Zellen gebildet werden, dass die Abwehr quasi gen Null geht.

Forscher haben an Mäusen bereits getestet, dass die Darmwürmer wieder problemlos bekämpft werden, sobald die T-Zellen von den Wissenschaftlern ausgeschaltet wurden.

Darm- und Mundflora von Rheumapatienten stark verändert

Vor allem größere Menge an Prevotella-Bakterien ist bei Rheumapatienten vorfindbar

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms mit rotem Fadenkreuz
bauchschmerzen © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Von Autoimmunkrankheiten ist die Rede, wenn körpereigenes Gewebe durch das Immunsystem angegriffen wird. Wenn Autoimmunkrankheiten entstehen, spielt die Körperflora dabei eine wichtige Rolle. Dies ist eine These, die Forscher aus Atlanta nun mittels einer Studie beweisen konnten.

Rheuma: größere Menge und andere Zusammensetzung der Bakterien

Dabei ging es um die Autoimmunkrankheit Rheuma. Gesunde Menschen haben in ihrer Darm- und Mundflora Bakterien, das ist völlig normal. Bei Patienten, die unter Rheuma leiden, ist die Menge an Erregern jedoch viel größer, zudem setzt sie sich anders zusammen, so die Forscher.

Bakterien bei Rheuma-Patienten sind für verschiedene Entzündungen, wie beispielsweise Zahnfleischentzündungen, im Körper zuständig. Für die Studie wurden ein paar Rheuma-Patienten, ein paar Menschen mit Schuppenflechte sowie gesunde Patienten untersucht. Das Erbgut in Mund- und Darmflora wurde dabei verglichen.

Vor allem Prevotella-Bakterien wurden bei Rheuma- und Schuppenflechte-Patienten gefunden; eine viel größere Menge als bei der gesunden Kontrollgruppe. Nun wollen die Forscher mittels weiteren Studien herausfinden, ob man den Verlauf der Krankheit durch Antibiotika beeinflussen kann.

Fühlen mit dem Bauch - Krankheiten des Darms können unser gesamtes Verhalten beeinflussen

Anatomie - Hellbraune Grafik des menschlichen Darms mit rotem Fadenkreuz
menschliches verdauungssystem © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Der Spruch vom Bauchgefühl ist keineswegs weit her geholt. Dass wir ein weitverzweigtes Nervennetz in Magen und Darm haben, ist schon länger bewiesen. Nun konnten Forscher aber sogar zeigen, dass unser Bauch auch unser Verhalten aktiv steuern kann, besonders dann, wenn mit ihm etwas nicht stimmt.

Mäuseversuche zeigten, dass Tiere mit gestörter Darmflora eine gesteigerte Aktivität eines Proteins im Hirn hatten. Dies bewirkt nachweisliche Verhaltensänderungen. Die Einnahme von Antibiotika reizte den Darm der Tiere. Setze man die Medikamente bei ihnen ab, normalisierte sich auch recht schnell ihr Verhalten. Darmkrankheiten können uns also stark verändern. Wenn die Darmbakterien nicht im Gleichgewicht sind, verändert sich die Hirnchemie und somit auch unser Verhalten.

Diese Erkenntnis erklärt zum ersten Mal, warum viele Reizdarm-Patienten oft Angststörungen entwickeln, oder depressiv verstimmt sind. Diese neue Erkenntnis sollte therapeutisch genutzt werden, empfehlen die Forscher. In manchen Fällen könnten Magen-Darm-Leiden keine Nebenerscheinung von Verhaltensproblemen sein, sondern genau umgekehrt.

Bakterien und Pilze können zu Darmentzündungen führen

Grafik Darm mit Bakterien
darm mit e-coli bacteria © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Im Darm von Tieren und Menschen befinden sich viele Bakterien, wobei es gute und schlechte dabei gibt. Aber zugleich können sich im Darm auch noch Pilze ansiedeln und diese können zusammen mit den schlechten Bakterien zu Darmentzündungen, wie beispielsweise Colitis ulcerosa, führen.

Amerikanische Forscher in Los Angeles haben nun besonders die Auswirkungen von Pilzen im Darm auf die Darmkrankheiten untersucht. Wenn schädliche Pilze sich im Darm ansiedeln, so wird mit Hilfe eines Rezeptors, das Dectin-1, dem Immunsystem mitgeteilt, dass dieses den schädlichen Pilz bekämpfen soll. Bei ihren Experimenten mit Labormäusen fanden die Forscher im gesamten Magen-Darm-Trakt über 100 verschiedene Pilze vor, die meisten im Enddarm. Besonders häufig war ein Hefepilz vorhanden, der bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem zu Darmerkrankungen führen kann. Nachdem die Forscher das Gen, welches für den Rezeptor Dectin-1 zuständig ist, ausgeschaltet hatten, so vermehrten sich auch diese Hefepilze und es kam bei den Tieren zu Darmerkrankungen. Aber auch im Darm von anderen Säugetieren, wie Hund, Kaninchen und Meerschweinchen sowie beim Menschen, fanden die Forscher aufgrund von Stuhlproben viele Pilze.

Bei weiteren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass es beim Menschen auch verschiedene Varianten der Dectin-1-Gene gibt, wobei eine bestimmte Variante häufiger bei den Menschen auftritt, die an Darmentzündungen erkrankt sind, wobei aber nicht diese Gene als Ursache gelten. Diese Studien sollen zukünftig auch für bessere Behandlungsmethoden bei Darmerkrankungen sorgen.

Eine kranke Darmflora kann zu Depressionen führen

Schwarz-weiß Bild Frau hockt im dunklem leeren Zimmer an kahler Wand Depression Borderline Trauer
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Manchmal schlägt die Psyche auf den Körper. Das haben viele schon erlebt, wenn sie beispielsweise durch viel Stress Kopfschmerzen bekommen oder durch Angst und Wut Magenprobleme verspüren. Nun haben Forscher aber auch einmal mehr belegt, dass es andersherum funktioniert. Wer öfter Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt hat, der verändert dadurch sein Verhalten. Die Erkenntnis, dass die Darm-Gehirn-Achse nicht nur in eine Richtung funktioniert, ist eine kleine Revolution.

Die Flora im menschlichen Darm war für die körperliche Gesundheit schon immer ein wichtiger Aspekt, doch nun scheint sie auch für die psychische Gesundheit wichtig zu sein. Wer also an Depressionen leidet, sollte nicht nur an seelische Probleme denken, sondern sollte auch einmal die Darmgesundheit untersuchen lassen. Eine gestörter Bakterienhaushalt im Darm kann dazu führen, dass depressive Verstimmungen und Angststörungen auftreten. Auch eine niedere Stressschwelle ist möglich, sodass bereits wenig Stress auf Arbeit oder im Privatleben zu heftigen Stressreaktionen führen kann.

Diese Erkenntnis vertieft das bisherige Wissen über die Wirkung des Körpers auf die Psyche und könnte der Medizin zu neuen Therapieoptionen verhelfen. Im menschlichen Verdauungstrakt leben mehr als 800 Bakterienarten. Je nachdem wie dieser Lebensraum besiedelt ist, können positive und negative Effekte für die Seele entstehen. Für die Medizin könnte das bedeuten, dass ein direkter Eingriff auf die Darmflora in naher Zukunft auch bei Depressionen, Phobien und Burnout bekämpft.

Die Wechselwirkung zwischen Darmflora und Stoffwechselerkrankung

Die Europäische Union fördert das über fünf Jahre angelegte multizentrische Forschungsprojekt "METACARDIS" mit über 12 Millionen Euro. Dabei untersuchen die Wissenschaftler die Wechselwirkung zwischen der Darmflora und Herz- oder Stoffwechselerkrankung.

Das Herzstück der Studie ist eine exakte Analyse der Stuhl­proben mit ge­netischer Untersuchung der Darmkeime sowie Messungen zahlreicher Stoffwechsel­produkte. Außerdem wollen die Forscher herausfinden, wie die Darmflora therapeutisch beeinflussbar ist und welche Eigenschaften der Darmflora auf ein erhöhtes Erkrankungs­risiko hinweisen.

Bislang gilt es noch als unklar, in welchen Verhältnissen und mit welchen Bakterienstämmen sich eine gesunde Darmflora zusammensetzt.

Zu viel Ei schlägt aufs Herz, da die Darmflora das enthaltene Lecithin ungünstig verarbeitet

Spiegeleier mit Speck und Toastbrot
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Menschen sollen nicht zu viel rotes Fleisch zu sich nehmen, denn das enthaltene Carnitin kann dem Herz schaden. Auch von einem zu regelmäßigem Eikonsum - sei es als Frühstücksei oder Rühr- und Spiegelei - raten viele Ärzte ab. Doch warum eigentlich?

Forscher haben jetzt im Detail herausgefunden, weshalb Ei diese Wirkung auf den Menschen hat. Schuld ist die Darmflora. Die dort lebenden Darmbakterien verarbeiten das im Ei enthaltene Lecithin auf eine ungünstige Weise. Es entsteht beim Abbau des ankommenden Nahrungsbreis ein Molekül, das der Medizin bereits relativ gut bekannt ist. Dieses Molekül TMAO wird bereits seit einiger Zeit mit Arteriosklerose in Verbindung gebracht. Es kann also den Gefäßen schaden und damit auch das Herz belasten.

Im Experiment mit Tieren konnte nachvollzogen werden, wie TMAO das Herz-Kreislauf-System der Versuchstiere belastete und zu diversen Krankheiten führte. In einer Probandenstudie kam man zu einem ähnlichen Ergebnis: Bei 4.007 Menschen wurde der TMAO-Spiegel im Plasma gemessen und es zeigte sich, dass bei viel TMAO das Risiko für Herzprobleme um das 2,5-Fache erhöht war.

Die Forscher, denen diese Erkenntnis gelang, schlagen auch eine Therapiemöglichkeit vor. Es wäre durch die Vergabe von Antibiotika möglich, die verantwortlichen Darmbakterien zu töten und damit diesen Prozess aufzuhalten. Allerdings ist die Einnahme von Antibiotika für diesen Zweck mehr als bedenklich, da zum einen Resistenzen gefördert werden und zum anderen auch die gesunde Darmflora angegriffen wird.

Die gesündere Alternative wäre es, auf zu viel rotes Fleisch zu verzichten. Die Bakterien, die TMAO herstellen, sind nämlich „Fleischliebhaber“ und siedeln sich an, wenn man viel Carnitin zu sich nimmt. Indem wenig davon zugeführt wird, ändert sich auch die Darmflora langfristig.

Darmpilze als unterschätzte Gesundheitsgefahr

Grafik Magen mit Dünn- und Dickdarm
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Die meisten Menschen haben schon davon gehört, dass im menschlichen Verdauungssystem viele Organismen leben. "Freundliche" Bakterien helfen sogar bei der Verdauung und tragen so zur Gesundheit bei.

Der Darmpilz Candida albicans

Es gibt jedoch auch Erreger, die das Potenzial haben, den Menschen krank zu machen und auch diese nisten sich schnell im Darmtrakt ein. Ein sehr bekannter "Bösewicht" trägt den Namen "Candida albicans" und gehört zu den Darmpilzen. 80 Prozent aller Menschen tragen diesen in sich. Bereits bei Säuglingen kann der Darmpilz nachgewiesen werden und in der Mehrheit aller Fälle ist das Leben damit auch kein Problem. Da die Zahl der nützlichen Mikroorganismen größer ist, halten sie den Pilz in Schach und viele Menschen bemerken Zeit ihres Lebens keine Symptome.

Anitbiotikaeinnahme kann Pilzinfektion auslösen

Problematisch wird es allerdings, wenn das Gleichgewicht sich zu Gunsten der Darmpilze verschiebt. Das kann geschehen, wenn man Antibiotika nimmt, da die Medikamente nicht nur feindliche Bakterien abtöten, sondern auch jene Helfer im Darm. Außerdem ist eine zucker- und fetthaltige Ernährung ungünstig, da der Pilz sich so ideal ernähren kann, während die nützlichen Bakterien auf Obst, Gemüse und Vollkorn warten.

Pilzbefall in Bluttest nachweisbar

Haben die Pilze einmal die Gelegenheit dazu, so vermehren sie sich extrem stark und können die Schleimhäute für sich einnehmen. Das führt beim Betroffenen dann zu Problemen beim Stuhlgang und zu häufigen Blähungen. Da der Darmpilz auch ungünstig auf die Leber wirkt, kann der Befall in einem Bluttest nachgewiesen werden.

Pilzvergiftung kann lebensgefährlich sein

Bei einem ungünstigen Verlauf kann die Infektion dann sogar lebensgefährlich werden. Gerade Menschen mit chronischen Krankheiten oder mit einem schwachen Immunsystem müssen befürchten, dass sich eine Pilzvergiftung einstellt. Diese Sepsis ist alles andere als harmlos, da schwere Entzündungen im schlimmsten Fall Organversagen mit sich bringen.

Die Beeinflussung der Darmflora auf Krankheiten - Darmbakterien können auch Negatives bewirken

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms mit rotem Fadenkreuz
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In unserem Körper lebt eine Vielzahl an Bakterien, die an wichtigen Funktionen in unserem Organismus beteiligt sind. Besonders im Darm siedeln sich die Keime an, sie produzieren Vitamine, helfen bei der Verdauung und sorgen dafür, dass alles rund läuft. Doch wie im Laufe der vergangenen Jahre herausgefunden wurde, haben die Darmbakterien auch ihre Schattenseiten, denn sie sind Forschern zufolge ebenso an zahlreichen Erkrankungen beteiligt.

Diabetes, Übergewicht und Autoimmunkrankheiten

Viele Zusammenhänge seien Wissenschaftlern zufolge noch nicht ganz klar, jedoch scheint die Darmflora sich auch an der Entstehung von Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Allergien sowie psychischen Störungen zu beteiligen, auch Autoimmunerkrankungen werden in diesem Zusammenhang genannt. Die Bakterien als alleiniger Verursacher der Zuckerkrankheit und Co. anzusehen, wäre jedoch falsch - sie würden vielmehr ein wenig dazu beitragen, so die Forscher.

Die bisherigen Untersuchungen zu diesem Thema wurden größtenteils an Mäusen durchgeführt, sodass nicht klar ist, inwieweit dies auf den Menschen übertragbar ist. Auch könne nicht eindeutig gesagt werden, ob Veränderungen in der Darmflora als Krankheitsauslöser oder Krankheitsfolge anzusehen sind.

Trinken bis zum Rausch beschädigt die Darmbarriere

Anatomie - Grafik des menschlichen Darms
menschlicher darm © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Gegen ein Gläschen in gemütlicher Runde von Zeit zu Zeit ist nichts einzuwenden, doch viele Menschen trinken immer öfter bis zu einem Rausch.

Schädigung der Leber bei starken Alkoholkonsum

In der Medizin geht man dann von einem Rauschzustand aus, wenn innerhalb von 120 Minuten die Konzentration von Alkohol im Blut auf mehr als 0,08 g/dl angestiegen ist. Bei Männern tritt dieser Zustand im Schnitt nach fünf stärkeren Alkoholgetränken ein. Bei Frauen reichen meist schon vier dieser Getränke. Der Rausch ist gefährlich für die Zurechnungsfähigkeit und die Leber, was den meisten Menschen durchaus bewusst ist.

Beeinträchtigung der Schutzfunktion

Nun haben Forscher herausgefunden, dass das Rauschtrinken auch einen Einfluss auf die Darmbarriere hat. Diese soll im gesunden Zustand sowohl feindliche Bakterien als auch innere Gifte davon aufhalten, in die Blutbahnen zu gelangen. Doch unter starken Alkoholkonsum wird die Barriere geschwächt und dies wiederum kann nachhaltig der Gesundheit schaden.

Übertritt von Bakterien ins Blut und Immunreaktionen

Die Erkenntnis kommt aus einer Studie mit 25 Probanden. Diese tranken einen Fruchtsaft-Wodka-Mix und zwar in einer Menge von 2 Milliliter je Kilogramm Gewicht. So konnten die Forscher sicher gehen, dass jeder Teilnehmer gerechnet auf sein Gewicht die gleiche Dosis intus hatte.

Der Alkoholspiegel im Blut lag nach einer Stunde bei 0,8 Promille. Nun sah man sich an, welche Substanzen aus dem Darm in die Blutgefäße übertraten. Die Forscher fanden die DNS und Kohlenhydrate, die nur von Bakterien stammen können. Dies bedeutet, dass eindeutig Erreger übergetreten waren. Darauf reagierte auch das Immunsystem der Probanden.

Die Forscher konnten nachweisen, dass es zu einer gestiegenen Abwehrreaktion kam. Die Reaktion der Immunzellen sorgte für Entzündungsreaktionen, die indirekt auch der Leber schaden können. Die gestörte Darmbarriere ist also ein weiterer Grund, es mit dem Trinken nicht zu übertreiben.

Forscher klären, warum Botox vom Darm in die Blutbahnen übergehen kann

Nahaufnahme Frau bekommt Botox Behandlung an Mund
beauty treatment, botox injection © starush - www.fotolia.de

Die meisten kennen Botox aus der Schönheitschirurgie. Hier wird das Gift genutzt, um Gesichtszüge zu verändern. Diese Wirkung funktioniert, da das Botulinumtoxin die Signale in Nervenzellen hemmt. Sie können nicht normal übertragen werden, was auch die Mimik einschränkt und so Bewegungsfalten abmildert.

Botulinumtoxin überwindet den Magen-Darm-Trakt und gelangt ins Blut

Die Gifte werden in der Natur von Bakterien hergestellt und diese Bakterien kann man auch über die Nahrung aufnehmen. Der Magen-Darm-Trakt ist allerdings ein relativ abgeriegeltes System und vernichtet feindliche Bakterien und Gifte recht effektiv. Der Magensaft zerstört viele Körperfeinde in Zusammenarbeit mit der Bauchspeicheldrüse und dem Körper freundlich gesonnenen Bakterien.

Allerdings ist Botulinumtoxin offenbar in der Lage, den Angriffen gekonnt zu entgehen. So kann es bei einer Lebensmittelvergiftung mit Botulinumtoxin durchaus zum Tode des Betroffenen kommen. Forscher wollten im Detail herausfinden, wie das Gift den Verdauungstrakt überwindet uns ins Blut gelangt. Man fand heraus, dass das Gift über spezielle Andockstellen verfügt. Es kann sich so direkt an die Dünndarmwand setzen. Dort wird ein ungiftiger Bestandteil abgegeben und wandert unbeschadet durch die Wand des Dünndarms hindurch. Ist er auf der anderen Seite angekommen, beeinflusst er die Zellen von dieser Seite aus so, dass nun auch der Rest hindurch wandern kann. Nun kann das Gift in die Blutgefäße übergehen und durch den Körper wandern.

Positiver Nutzen für zukünftige Therapien

Diese Erkenntnis zeigt nicht nur die Gefährlichkeit des Giftes, sondern eröffnet für diverse Krankheiten eine neue Strategie. Mediziner wollen sich das Gesehene zunutze machen. Der ungiftige Teil, der die Wand des Dünndarms kurzzeitig durchlässig macht, könnte für Therapien genutzt werden. Setzt man ihn gemeinsam mit Medikamenten ein, können diese effektiver als jetzt arbeiten. So würden beispielsweise Mittel gegen Hepatitis C endlich besser vom Darm in das Blut übergehen.

Wenn Stress auf den Magen schlägt: Das Bauchhirn wird häufig unterschätzt

Ausschnitt Männerkörper, er drückt sich mit Händen an den Bauch, Bauchschmerzen
Es drückt im Bauch © Doris Heinrichs - www.fotolia.de

Viele Menschen kennen das Gefühl: In einer besonders stressigen Situation treten auf einmal Bauchkrämpfe oder unangenehme Blähungen auf - oder sogar spontaner Durchfall, der sie zwingt, alle paar Minuten die Toilette aufzusuchen. Schuld daran ist das sogenannte "Bauchhirn": Im Darm befinden sich rund 100 Millionen Nervenzellen, die ähnlich aufgebaut sind wie die Nervenzellen des Gehirns - und genau wie dieses Signale zu übermitteln. Erkennt das Bauchhirn beispielsweise ein verdorbenes Nahrungsmittel, schickt es entsprechende Signale an das mit ihm verbundene Großhirn: Dem Menschen wird übel.

Auch bestimmte Stimmungen können Durchfall, Blähungen und Verstopfungen auslösen

Auch für Stimmungen ist das Bauchhirn erstaunlich empfänglich. Erkennt es eine Situation als besonders stressig oder beängstigend, will es sie ähnlich loswerden wie ein verdorbenes Lebensmittel und produziert den entsprechenden Durchfall. In anderen Fällen kann es zu Blähungen oder Verstopfungen kommen.

Manchmal führt dies bei sensiblen Menschen zum sogenannten Reizdarmsyndrom, von dem Schätzungen zufolge fast jeder Fünfte betroffen ist: Der Darm hat sich hier gewissermaßen selbständig gemacht und produziert immer wieder Beschwerden wie Durchfall, Krämpfe oder Verstopfungen, ohne dass ein medizinischer Grund vorliegt.

Krank und kein Appetit? Körper füttert Darmbakterien mit Zucker

Grafik Bauchraum mit Leber im Zentrum, Darm und Lunge im Hintergrund
menschliche leber © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Ein kranker Körper braucht seine ganze Energie, um eine Krankheit zu besiegen. Essen und Verdauen sind dann Anstrengungen, die der Körper nicht gebrauchen kann. Es ist daher in einem solchen Fall nicht ungewöhnlich, keinen Appetit zu haben.

Doch die natürliche Abwehrreaktion hat auch ihre Schattenseite: Selbst nützlichen Darmbakterien können dabei ihre Lebensgrundlage verlieren. Doch US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Körper im Krankheitsfall vorsorgt.

Körpereigene Versorgung der Darmflora

Bei Versuchen mit Mäusen entdeckten sie, dass kranke Tiere als Reaktion auf den Angriff eines Erregers im Darm bestimmte Fucose-Zuckermoleküle vermehrt freisetzen, die den Darmbakterien die fehlende Energie liefern. Der Körper greift auf eigene Reserven zurück, um die nützliche Darmflora zu schützen. Einige typische negative Folgen einer Infektion lassen sich so verhindern.

Weitere Tests sollen nun zeigen, ob die gezielte Zuckerfreisetzung im geschwächten Körper lediglich eine mittelfristig sinnvolle Notmaßnahme ist - und ob sie möglicherweise gefahrlos und gezielt ausgelöst werden kann, um die Abwehrkräfte zu stärken.

Jetlag bringt Darmflora durcheinander – mit Folgen für Gewicht und Gesundheit

Gerät Tag- und Nachtrhythmus der inneren Uhr aus der Balance, können gesundheitliche Probleme auftreten

Weißer Analogwecker, dahinter Person schlafend auf weißem Kissen
still sleeping © Dmitry Ersler - www.fotolia.de

Der Stoffwechsel arbeitet nach einem festen Tag- und Nachtrhythmus. Durch Jetlag gerät die innere Uhr jedoch aus dem Takt und auch die Darmflora kommt durcheinander. Auf Dauer steigt dadurch das Risiko für:

Das legt eine neue Studie vom Weizmann Institute of Science nahe.

Wie die Forscher heraus fanden, ändert sich im Wechsel von hellen und dunklen Tagesphasen auch die Zusammensetzung der Darmbakterien. Bei nachtaktiven Nagern stehen in der Dunkelphase etwa die Energieversorgung und Nahrungsverwertung im Vordergrund Bei Helligkeit dominieren dagegen Bakterien, die die Entgiftung regulieren.

Der Rhythmus des menschlichen Organismus'

Im menschlichen Organismus ist der Rhythmus gegenläufig: tagsüber sind Stoffwechselwege aktiv, die mit Energieversorgung und Wachstum assoziiert werden. Nachts laufen Entgiftungs- und Regenerationsprozesse ab. Ändert sich der Hell-Dunkel-Wechsel, gerät das System aus der Balance.

Beim Jetlag kann fettes Essen zum Beispiel leichter zu Übergewicht führen, da die Nahrung unmittelbar in Körperfett umgesetzt wird. Zudem steigt der Blutzuckerspiegel und damit das Risiko für eine Glukoseintoleranz sowie spätere Diabetes.

Probiotische Therapie

Übergewicht und gesundheitliche Probleme sind jedoch kein Schicksal. Um die mikrobielle Gemeinschaft trotz Schichtarbeit oder Jetlag in Balance zu halten, lässt sich möglicherweise etwas tun. Die Forscher empfehlen etwa eine mikrobielle oder probiotische Therapie. Erfahrungen damit liegen bisher allerdings nicht vor.

Darmflora bei Neugeborenen: Risiko auf eine Allergie ist im Stuhl ablesbar

Laboruntersuchungen zeigen eine tragende Rolle der Zusammensetzung der Fäkalflüssigkeit für spätere Allergien

Wissenschaftler mit blauen Schutzhandschuhen hält Petrischale mit Bakterienkultur
Agarplatte besiedelt mit Bakterien im Labor © Alexander Raths - www.fotolia.de

Im Mutterleib ist ein Ungeborenes gut geschützt. Der Darm ist noch völlig frei von allen Keimen und entwickelt erst in den ersten Wochen nach der Geburt seine eigene Darmflora. Wie diese am Ende aufgebaut ist, spielt eine entscheidende Rolle für das kindliche Allergierisiko. Das belegt einmal mehr eine Studie aus den USA.

Kann zu viel Hygiene schaden?

Jeder Mensch hat eine individuelle Darmflora mit Bakterien und Pilzen. Diese Mikroorganismen siedeln sich nach der Geburt an und kommunizieren mit dem noch jungen Immunsystem. Die Abwehrkräfte lernen, welche Organismen gut tun und daher toleriert werden und worauf sie mit Abwehrreaktionen reagieren müssen.

Da bei einer Allergie das Immunsystem überreagiert und eigentlich harmlose Dinge zum Allergieauslöser macht, besteht seit Jahren die Vermutung, dass zu viel Hygiene im Kindesalter zu einem höheren Allergierisiko führt. Auch die aktuelle US-Studie sieht dies so.

Die Forscher durften von 298 Säuglingen mehrere Stuhlproben analysieren. Die Kinder waren vier Wochen alt, als die erste Proben entnommen und eingefroren wurde. Danach entnahm man jeden Monat bis zum alter von elf Monaten eine Probe. Die Kinder wurden außerdem bis zum vierten Lebensjahr regelmäßig untersucht, um eine Allergie frühzeitig festzustellen.

Danach taute man die Stuhlproben auf und sah sich die Zusammensetzung der Mikroorganismen an. Tatsächlich bestand ein Zusammenhang zwischen dem Allergierisiko und der Zusammensetzung der Stuhlproben.

Stuhlproben geben Aufschluss über Allergierisiko

Bereits die Stuhlproben, die vier Wochen nach der Geburt entnommen worden waren, zeigten deutliche Unterschiede. Waren viele Pilze der Gruppen

  • "Candida" und
  • "Rhodotorula"

im Stuhl und dafür wenige "gute" Bakterienstämme, entwickelten die Kinder später viel häufiger eine Allergie. Von elf Säuglingen mit der ungünstigen Zusammensetzung bekamen sechs Kinder eine Allergie. Das Risiko war damit um das 3-Fache größer als bei den anderen Kleinkindern.

In Laboruntersuchungen zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Fäkalflüssigkeit eine tragende Rolle für spätere Allergien hat. Kommen viele kurzkettige 12,13-DIHOME-Fettsäuren vor, kommt es viel schneller zu einem Anstieg der T-Helferzellen und es wird mehr Interleukin 4 freigesetzt. Das bedeutet eine starke Immunreaktion.

Tipps für eine gesunde Darmflora

Um eine in Mitleidenschaft gezogene Darmflora wieder aufzubauen, sollte man sich für einige Monate gesund ernähren und dabei Nahrung mit reichlich Ballaststoffen zu sich nehmen. Außerdem ist es ratsam, auf zucker- und fetthaltige Lebensmittel zu verzichten. Auf diese Weise wird die Darmflora nach einiger Zeit wieder voll funktionsfähig.

Des Weiteren sind folgende Tipps zu beherzigen:

  • Antibiotika-Behandlungen sollten wenn möglich vermieden werden
  • Nach einer unvermeidbaren Antibiotika-Behandlung sollte eine Darmsanierung durchgeführt werden
  • Wer Leitungswasser trinkt, sollte sichergehen, dass dieses chlorfrei ist
  • Hormonpräparate sollten gemieden werden
  • Zahncremes und Salz mit Fluoriden sollten gemieden werden
  • Auf Fertigprodukte sollte verzichtet werden
  • Bio-Lebensmittel sollten bevorzugt werden
  • Stress sollte so gut wie möglich vermiden werden

Stoffwechselprobleme mit Ballaststoffen beheben: Effektiv gegen Divertikulitis

Grafik Magen mit Dünn- und Dickdarm
stomach © Agnieszka Steinhagen - www.fotolia.de

In Deutschland werden insgesamt gesehen zu wenige Ballaststoffe konsumiert. Dabei helfen diese, vielfältige Beschwerden des Körpers zu lindern oder sogar zu vermeiden, darunter die sogenannte Divertikelkrankheit.

Bei dieser bilden sich kleine Schleimhautausstülpungen im Darm (die Divertikel), die bei rund einem Drittel der Betroffenen zu Entzündungen führen können. Insgesamt leiden in Deutschland etwa 30-45 Prozent der Bevölkerung unter Divertikulitis.

Ernährungsumstellung statt OPs und Antibiotika

Eine neue Leitlinie der DGVS und der DGAV empfiehlt nun, weniger auf Antibiotika und auf chirurgische Eingriffe zu setzen, sondern stattdessen Patienten zu einer ballaststoffreicheren Ernährung zu raten.

Ihrer Ansicht nach ist ein Ballaststoffmangel ein großer Risikofaktor für die Entstehung der Divertikulitis. Empfohlen werden u.a. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst.

Weiterhin rät die neue Leitlinie behandelnden Ärzten dazu, bei diffusen Schmerzen im Unterbauch, vor allem wenn sie auf der linken Seite auftreten, öfter und schneller an die Divertikelkrankheit zu denken.

Derzeit werden Divertikel meist nur zufällig bei Darmspiegelungen entdeckt. Nur in schweren Fällen mit heftigen Beschwerden wird jedoch eine Therapie mit Antibiotika und eine mögliche operative Entfernung der Divertikel empfohlen - viele Menschen leben auch jahrelang problemlos mit den Ausstülpungen im Darm.

Veränderte Darmbakterien sollen Entzündungen bekämpfen

3-D-Grafik von Darmbakterien, dargestellt in blau und pink, im Hintergrund die Darmflora mit Darmzotten
Darmbakterien - 3d Render © fotoliaxrender - www.fotolia.de

Unsere Darmbakterien, die sehr nützlich sind, könnten, so die Meinung von Forschern, in Zukunft selber Medikamente gegen Entzündungen im Darm herstellen.

Man hat jetzt bei Mäusen erste Erfolge feststellen können, so wurden von britischen Wissenschaftlern Bakterien genetisch verändert, die dann in Zusammenarbeit mit einem bestimmten Zucker die Mittel gegen die Darm-Entzündungen herstellten. Als Ergebnis stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Entzündung verringerte und auch die Darmschleimhaut erholte sich. Nebenwirkungen konnte man keine bemerken.

Zurzeit ist es immer ein Problem, dass die Wirkstoffe bis in den Darm gelangen, denn viele werden bei dem Verdauungsprozess schon zersetzt, so dass sie nicht die volle Wirkung entfalten können. Aus diesem Grunde beschäftigt man sich schon lange mit der Idee, dass die nötigen Medikamente vor Ort hergestellt werden. Schon vor neun Jahren hat man dies bei Mäusen schon gemacht, doch wurden dann andauernd diese Mittel produziert.

Jetzt wurde die Produktion von außen her mit dem pflanzlichen Zucker Xylan gesteuert. Noch ist aber nicht geklärt und die Meinungen sind unterschiedlich, ob man dies Verfahren auch beim Menschen anwenden kann.

Ein gesunder Darm mit der Hilfe der medizinischen Heilhefe

Hefe kann das Ungleichgewicht von negativen und positiven Darm-Bakterien ausgleichen

Grafik männlicher Körper mit Dickdarm und Dünndarm
männlicher körper mit dickdarm und dünndarm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Der Darm des Menschen unterliegt vielen funktionellen Schwankungen, die oftmals auf einem Ungleichgewicht der Darmflora basieren. Schätzungen von Experten zufolge, gehen jährlich rund 40 Millionen Durchfallerkrankungen auf diese Tatsache zurück. Darminfektionen zeigen sich dann zumeist von gleich auf jetzt und beinhalten die Symptome von Durchfall, Fieber und auch Übelkeit.

Überhand von ungesunden über gesunde Bakterien ist häufig die Ursache von Darminfektionen

Während so mancher Betroffener nur kurzfristig und sehr selten eine Darminfektion bekommt, ist es für viele andere schon fast ein Normalzustand. Unterschiedliche Ursachen können hierbei der Auslöser sein, wobei sehr oft ungesunde Darmbakterien die Oberhand über die wertvollen gesunden Bakterien im Darm bekommen und entzündliche Prozesse auslösen. Als ein sanftes Mittel gegen dieses Ungleichgewicht in der Darmflora gilt die Hefe, die bereits vor hundert Jahren schon bei gleichen Beschwerden zum Einsatz kam.

In der Wirkung balanciert sie die Darmflora mit ihren gesunden Bakterien wieder aus, hemmt Entzündungen, stärkt das Immunsystem des Darms, macht bakterielle Toxine unschädlich und reguliert den Mineralstoff- und Wassergehalt im Darm. Präparate mit der medizinischen Hefekönnen hier eine sinnvolle Ergänzung im Rahmen der Ernährung sein, da die wertvollen Inhaltsstoffe der Saccharomyces boulardii (medizinische Hefe) all die genannten positiven Aspekte selbst schon bei Kleinkindern aufzeigen kann.

Immun-Abwehr: Darm kann Bakterien zählen

Grafik eines Darms mit sichtbaren Bakterien und Erregern unter einer Vergrößerungslupe
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Wissenschaftler an der Uni Bern haben herausgefunden, dass der Darm ein wahrer Rechenkünstler ist. Das Immunsystem des Verdauungsorgans kann die Bakterienbelastung "zählen" und entsprechend ab einem bestimmten Grad Gegenmaßnahmen einleiten.

Die Forscher veränderten gezielt den Stoffwechsel eines gutartigen Darmbakteriums, damit dieses nach wenigen Stunden im Darm wieder aus dem Körper entfernt werden konnte. Nachdem die Bakterien eingesetzt worden waren, reagierte der Darm jeweils auf die Keime so, als seien es übliche Bakterien, die es einzudämmen gelte. Nachdem die Bakterien verschwunden waren, nahmen auch die Antiviren, die der Darm gebildet hatte, sehr schnell ab. Der Darm richtet sich dabei nach der Konzentration von Immunglobulin A und auch nach der Anzahl der Bakterien - er kann als tatsächlich zählen.

Mit Probiotika die Darmflora im Gleichgewicht halten

Milchprodukte - Käse, Milch und Himbeerjoghurt
milk, yogurt, cheese © Olga Lyubkina - www.fotolia.de

In unserem Darm gibt es Billionen von Mikroorganismen, die dafür sorgen dass unsere Darmflora, die nebst Verdauung auch der Stärkung unseres Immunsystems dient, im Gleichgewicht bleibt. Schätzungen zufolge kommt es jährlich bei 40 Millionen Deutschen zu einem Ungleichgewicht der Darmflora, verursacht durch verschiedene Infekte; dabei kommt es aufgrund von zu vielen unnützlichen Mikroorganismen zu entzündlichen Reaktionen in der Darmflora.

Die Folge sind Verdauungsstörungen, Durchfall und oftmals auch Fieber und Übelkeit. Erkrankt ein Mensch an den oben beschriebenen Symptomen, so wird ihm meistens ein Mittel gegen Durchfall und Co. verschrieben. Doch um solchen Infekten auf Dauer vorzubeugen, muss man dafür sorgen, dass die Darmflora wieder ins Gleichgewicht kommt. Das Schlüsselwort hierfür lautet Probiotik; vor allem die Heilhefe Saccharomyces boulardii, wie bereits mehrere Studien bewiesen haben, eignet sich hervorragend.

Sie blockiert die Entstehung von schädlichen Bakterien und somit Entzündungen im Darm, macht Toxine unschädlich, stärkt das Immunsystem und fördert den Aufbau einer gesunden Darmflora.

Mit Probiotika eine Pilzinfektion vermeiden

In unserer Darmflora befindet sich eine Vielzahl von Bakterien und Pilzen, die wichtig für unseren Körper sind - sie wehren Krankheitserreger ab und sorgen für ein starkes Immunsystem. Eine Art dieser Pilze ist der so genannte Candida albicans.

Kommt es jedoch zu einer Veränderung seiner Lebensbedingungen, sei es beispielsweise durch eine zuckerreiche Ernährung, bestimmte Medikamente wie beispielsweise Kortison oder die Einnahme von Antibiotika, so kann sich dieser Pilz enorm vermehren. Die Auswirkung: der eigentlich nützliche Pilz schadet unserem Körper. Die Fähigkeit, zu einer Pilzinfektion führen zu können, wird von Medizinern als fakultativ pathogen beschrieben.

Um die Vermehrung der Erreger und die daraus resultierende Infektionskrankheit zu vermeiden, wird der Verzehr von Probiotika empfohlen.

Wie sich die Darmflora durch die Ernährung beeinflussen lässt

Grafik des menschlichen Dickdarms, Lage im Körper und Vergrößerungsausschnitt
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Wissenschaftler unterscheiden die Menschen aufgrund ihrer Darmflora in zwei verschiedene Typen, was durch die heutige Mikrobiom-Forschung erst möglich ist. So gibt es einmal den Bacteroides-Entero-Typ und den Prevotella-Entero-Typ, wobei die Ernährung der ersten Gruppe vorwiegend aus Proteinen und tierischen Fetten besteht. Die Menschen, die sich überwiegend mit Kohlenhydraten ernähren, gehören somit zur zweiten Gruppe, wobei hierzu auch die Veganer zählen.

In einer Studie wollte man herausfinden, ob sich die Darmflora, das heißt also auch der Typ, durch eine andere Ernährung verändern lässt. So bekamen 10 gesunde Probanden eine dementsprechende einseitige Diät und schon nach einem Tag stellte man eine Veränderung der Darmflora fest. Jedoch kam es auch nach zehn Tagen nicht zu einer Typ-Änderung. Aber aufgrund einer gezielten Ernährung könnte die Darmflora beeinflusst werden und beispielsweise bei einer Erkrankung durch Morbus Crohn auch eine Linderung der Beschwerden erreicht werden, wie die Forscher glauben.

Die richtige Darmflora herstellen - unser Darm denkt mit

Graue 3-D-Grafik eines Menschen mit Magenschmerzen, Magen-Darm-System mit rot hervorgehobenem Magen
Silhouette junges Mannes mit Magenschmerzen - 3D Illustration © ag visuell - www.fotolia.de

Bei jedem Mensch herrscht im Darm Hochbetrieb. Auch wenn der Gedanken manchem vielleicht nicht so ganz geheuer ist, doch innerhalb des Verdauungstraktes leben Millionen kleine Lebewesen, die uns helfen, wichtige Nährstoffe aus der Nahrung zu gewinnen und den Rest für die Ausscheidung vorbereiten. Die Darmflora ist daher sehr nützlich. Doch Forscher finden mehr und mehr heraus, dass sie nicht nur nützlich, sondern auch intelligent ist.

Die Mikroorganismen können in verschiedenen Mengen und auch Zusammensetzungen vorkommen und dies entscheidet mit darüber, welche Stoffe in den Organismus gelangen und welche nicht. Dicke Menschen haben daher eine andere Darmflora als schlanke Personen. Doch wie entscheidet sich, welche Bakterien in welcher Anzahl im Darm leben? Hier kommt der Darm selbst in Spiel, denn dieser scheint sehr genau zu wissen, worauf es ankommt.

Forscher haben herausgefunden, dass die Schleimhaut vor Ort aktiv dazu beiträgt, dass manche Bakterienarten stärker gebildet werden als andere. Dafür kann sie sogar gezielt Nährstoffe abgeben, die eine Art eher zur Ernährung nutzt als andere. Der Darm wirkt also wie ein Sponsor und verschafft einigen Arten so bessere Lebensbedingungen.

Wie entscheidend dieses Sponsoring ist, erläutern die Forscher mit einer Metapher. Das Innere des Darms sei wie ein Land im Kriegszustand. Viele verschiedene Mikroorganismen müssen dort um ihr Überleben kämpfen und so gibt es von einigen mehr als von anderen. Indem die Darmschleimhaut sich aktiv einmischt, kann sie das Gleichgewicht zugunsten einiger Bakterien verschrieben. Ein gesunder Darm wird dabei immer jene Organismen fördern, die der Gesundheit des Körpers helfen.

Darmflora wird durch sportliche Bewegung positiv beeinflusst

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Wie eine Studie aus Irland zeigt, wird durch Bewegung die Darmflora wesentlich verbessert, was sich auf die allgemeine Gesundheit positiv auswirkt. Eine gute Darmflora ist zudem für den Stoffwechsel wichtig und wirkt sich auch auf ein gutes Immunsystem aus.

Studie zur Auswirkung der Ernährung auf den Darm

Für ihre Studie haben die Forscher von 40 aktiven Rugby-Spieler und 46 gesunden Männer im gleichen Alter die Blut- und Stuhlproben näher untersucht. Zudem sollten die Teilnehmer in den vier Wochen der Studie einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie Angaben zu ihrer Ernährung und den sportlichen Aktivitäten eintragen sollten. Die Profisportler nahmen nicht nur mehr Nahrung zu sich, sondern auch mehr Proteine, aber auch mehr Obst und Gemüse. Dafür verzichteten die Sportler mehr auf Snacks.

Positive Effekte auf den Stoffwechsel

Im Endergebnis zeigte sich, dass die Sportler einen besseren Stoffwechsel und niedrigere Entzündungswerte nachweisen konnten. Zudem fanden sich im Darm mehr unterschiedliche Darmbakterien, die für eine bessere Verwertung der aufgenommenen Nahrung sorgen.

Wenn der Bauch das Gehirn manipuliert: Die Darmflora bestimmt, was wir essen

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Die menschliche Darmflora fasziniert die Wissenschaft schon lange. Schließlich tummeln sich Milliarden von Bakterien im Darmtrakt, die den Menschen auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Unterschiedliche Mikroben haben dabei unterschiedliche Bedürfnisse - und manchen von ihnen gelingt es sogar, das menschliche Gehirn so zu beeinflussen, dass ihre Wünsche, z.B. nach Zucker, erfüllt werden.

Wie dies genau funktioniert, wollten nun Forscher der University of California in San Francisco erforschen, die dazu mehrere Experimente mit Mäusen durchführten. Bei Mäusen, deren Darm völlig bakterienfrei war, zeigten sich beispielsweise geänderte Geschmacksrezeptoren für Fettiges und Süßes.

Der Darmkeim Escherichia coli ist dagegen in der Lage, das Hormon Dopamin zu produzieren, das nach der Befriedigung einer Sucht für positive Gefühle sorgt. Einem Milchsäurebakterium gelang es dagegen, die Ausschüttung von Stresshormonen zu begrenzen.

Einflussnahme anhand von prä- und probiotischen Lebensmitteln

Die Forscher hoffen, dass sich aus diesen Erkenntnissen irgendwann eine Therapie entwickeln lässt, um beispielsweise den Heißhunger auf Süßes oder fettigen Junk Food zu reduzieren und so gegen das grassierende Übergewicht anzugehen. So lässt sich die Darmflora unter anderem mit prä- und probiotischen Lebensmitteln beeinflussen, mit Antibiotika oder neuerdings mit der Transplantation von Fäkalien.

Eine erkrankte Darmflora lässt sich auch mithilfe der so genannten fäkalen Transplantation behandeln...

Funktion und Wirkung der fäkalen Transplantation

Bei der fäkalen Transplantation handelt es sich um eine Stuhltherapie. Das heißt, dass eine Stuhlprobe von einem gesunden Menschen in den Darm eines erkrankten Menschen verpflanzt wird. Auf diese Weise lässt sich eine kranke Darmflora erfolgreich behandeln. Dieses ungewöhnliche Verfahren wird auch als

  • Stuhltransplantation
  • Stuhlverpflanzung
  • Fäkaltherapie
  • fäkale Bakterientherapie oder
  • Ekel-Therapie

bezeichnet.

Übertragung der Darmflora

Um eine Clostridium-difficile-assoziierte Kolitis wirksam zu behandeln, überträgt man die Darmflora eines gesunden Spenders durch dessen Stuhl auf den Patienten. Durch die Zufuhr von nützlichen Darmbakterien kann sich dessen Darmflora wieder erholen und die pathogenen Keime erfolgreich bekämpfen.

Erstmals durchgeführt wurde eine Übertragung der Darmflora im Jahr 1958 im amerikanischen Denver. Dabei behandelten die Ärzte erfolgreich eine fulminante pseudomembranöse Enterokolitis.

Trotz des positiven Verlaufs der Stuhltransplantation geriet die ungewöhnliche Therapie zunächst wieder in Vergessenheit, da sie nicht selten Ekelgefühle bei den Patienten hervorrief. Mittlerweile greifen jedoch immer mehr Mediziner auf diese Behandlungsform zurück.

Ablauf einer fäkalen Transplantation

Um den geschädigten Darm eines Patienten mit nützlichen Bakterien zu besiedeln, wird die Stuhlprobe eines gesunden Spenders benötigt. Diese untersucht man vor der Transplantation gründlich, damit keine schädlichen Mikroorganismen übertragen werden.

Der Stuhl des Spenders wird mit einer Kochsalzlösung vermischt. Anschließend bringt man die Lösung mit einem Koloskop, ähnlich wie bei einer Darmspiegelung, in den Dickdarm des Patienten ein. Alternativ lässt sich der Stuhl auch über eine Magensonde in den Zwölffingerdarm verabreichen.

Nach der Prozedur sollen sich die zugeführten Darmbakterien im Darm des Patienten verbreiten und diesen besiedeln. Auf diese Weise können die schädlichen Clostridien vertrieben werden.

Ob die Fäkaltherapie erfolgreich verläuft, lässt sich erst nach einigen Wochen genau sagen. In vielen Fällen erholt sich die Darmflora wieder und weiterer Durchfall bleibt aus.

Trotz ihrer erfolgreichen Anwendung lässt sich die fäkale Transplantation in Deutschland noch nicht routinemäßig anwenden. Zuvor sind noch weitere wissenschaftliche Studien nötig Zahlreiche Ärzte hoffen jedoch, dass sich mit der Stuhltransplantation in Zukunft noch weitere chronische Darmerkrankungen heilen lassen.

Wichtig ist was hinten rauskommt: Stuhltransplantation wieder im Kommen

Anatomie - Grafik des menschlichen Magens mit einem Teil des Darms
stomach © Agnieszka Steinhagen - www.fotolia.de

Kaum jemand redet gerne über das, was hinten rauskommt, dabei sind Darmprobleme wie Durchfall, Blähungen oder blutiger Stuhl weit verbreitet.

Während sich akute Beschwerden meist mit leichten Medikamenten behandeln lassen oder sogar von alleine wieder verschwinden, stehen Patienten mit chronischen Magen-Darm-Beschwerden oft vor einem jahrelangen Leidensweg. Viele Medikamente verursachen Nebenwirkungen und manchmal sehen die Ärzte nur noch eine Operation als Ausweg.

Doch seit einiger Zeit erlebt eine uralte Behandlungsmethode ihre Renaissance: Die Stuhltransplantation. Weil dies bei empfindlichen Personen jedoch zumeist schnell Ekelgefühle hervorruft, wird sie heute lieber als Stuhltherapie bezeichnet, doch der Vorgang ist der Gleiche.

Wie geht der Arzt bei einer Stuhltransplantation vor?

Einem kranken Menschen wird der Stuhl eines gesunden Menschen zugeführt. Die in diesem Stuhl enthaltenen Bakterien sollen dann im Darm des Patienten eine heilende Wirkung entfalten.

Für den Transfer wird der gespendete Kot aufbereitet und dann im Rahmen einer Darmspiegelung direkt in den Dickdarm eingeführt. Bei Menschen, die unter einer Infektion mit Clostridien litten und bei denen Antibiotika nichts ausrichten konnten, zeigten sich bereits erste Behandlungserfolge.

Allerdings steht die Stuhltherapie noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Forscher hoffen außerdem, die notwendigen Bakterien irgendwann im Labor züchten zu können - die Spende des Stuhls wäre dann überflüssig.

Mann wird Kot seiner Frau eingesetzt, dies könnte ihm das Leben retten

Der 33-jährige Amerikaner Jerry Grant hat eine seltene Durchfallerkrankung, die sich Clostridium difficile nennt und ihm ein normales Leben kaum ermöglicht. Seit mehreren Monaten hat er mit rektalen Blutungen zu kämpfen. Nun setzen ihm seine Ärzte den Kot seiner Ehefrau ein, was ihm das Leben retten könnte, denn die Erkrankung kann auch tödlich enden.

Durch die eher ungewöhnliche Maßnahme kann gewährleistet werden, dass die Fäkalien von Grants Frau die Bakterien in seiner Darmflora ersetzen, die sein Körper nicht bilden kann. Auf diese Weise soll seine Verdauung gefördert und die Blutungen könnten aufhören.

Neue Therapie mit Fäkalien soll Heilungsprozess beschleunigen

Grafik männlicher Körper mit Dickdarm und Dünndarm
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Während bei einem Baby der Darm so gut wie steril ist, tummeln sich darin über 1000 Bakterien bei Erwachsenen. Nichts desto trotz ist rund die Hälfte der Darmflora bei jedem Menschen gleich, während die andere Hälfte unterschiedlich ausfällt.

Somit hängt die Gesundheit eines Menschen natürlich auch von den im Darm vorhandenen Mikroorganismen ab, wo Wissenschaftler ansetzen. Falls der Darm falsch besiedelt ist, führt man beispielsweise Probiotika hinzu oder versucht es mit der fäkalen Mikrobiota-Transplantation.

Dabei werden die entnommenen Fäkalien mit Kochsalz oder Milch verdünnt und anschließend gefiltert sowie homogenisiert. Zuletzt wird die Flüssigkeit mittels einer so genannten Duodenalsonde dem Patienten wieder verabreicht.

Die Behandlung ist viel versprechend, da bei den Patienten nach sechs Wochen die Insulinsensitivität viel besser und keine Gewichtsveränderung festzustellen war.

Grundinformationen und Hinweise zur Darmflora

  • Die Darmflora - Schützt die Darmschleimhaut und unterstützt die Verdauung und den Stoffwechsel

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