16. Oktober 2006
Das Beziehen einer gemeinsamen Wohnung ist für viele Pärchen ein wichtiger erster Schritt in die gemeinsame Zukunft. Doch längst bedeutet das Zusammenziehen nicht mehr, dass man sich auf den Partner festgelegt hat. Denn das Beziehen einer gemeinsamen Wohnung ist vor allem eine gute Möglichkeit, auszutesten, ob man wirklich zusammenpasst.
Eines Tages schleicht sich vielleicht bei einem der Beziehungspartner das Gefühl ein, dass etwas geschehen muss, um die Ernsthaftigkeit der Partnerschaft zu besiegeln. Das Zusammenziehen wird gern als Beweis dafür angesehen, dass man einander liebt und sich gänzlich zum Partner bekennt. Auf der anderen Seite entscheiden sich immer mehr Pärchen für eine gemeinsame Wohnung um auszutesten, inwiefern man den Alltag gemeinsam bewältigen kann. Zumeist zeigt sich schon nach kurzer Zeit, ob die anfängliche Leidenschaft auf der Strecke bleibt und dem Alltagstrott Platz macht. Wenn jedoch das Projekt der gemeinsamen vier Wände gelingt, so kann die Beziehung an der Erfahrung reifen und sich entwickeln.
Doch nicht immer klappt das Zusammenleben auf Anhieb. Wichtig ist, das Mittelmaß zwischen Individualität und Zugeständnissen an den Partner zu finden. Gerade wenn sich Pärchen dazu entscheiden, eine gemeinsame Wohnung zu nehmen, ist die Gefahr groß, die eigene Person aus den Augen zu verlieren. Die Balance zwischen dem Ich und dem Wir muss gewissermaßen neu erlernt werden. Wie viel Zeit die Partner miteinander verbringen können, ohne sich zu sehr auf den Partner zu fixieren, ist dabei von Paar zu Paar unterschiedliche und muss erst ausgetestet werden.
Wenn Paare zusammenleben, müssen sich beide immer wieder arrangieren. Kleine Reibereien sind häufig vorprogrammiert - sei es die offene Zahnpastatube, die verstreuten Klamotten auf dem Boden oder die seltsam anmutende Musikgeschmack des Partners. Kompromisse gehören zum friedlichen Zusammenleben. Dabei sollte jeder für sich abstecken, wo er einen Schritt auf den Anderen zugehen möchte und was ihm wirklich wichtig ist. Auf der anderen Seite sollte immer abgewogen werden, ob man etwa wegen der verstreuten Socken auf dem Boden ein Fass aufmachen sollte oder ob nicht das eben zum Paket dazugehört. Beide Partner müssen dazu bereit sein, an dem Miteinander zu arbeiten, tolerant zu sein und Freiräume einzugestehen. Getrennte Aktivitäten etwa können die Beziehung bereichern. Frischer Input sorgt für neuen Gesprächsstoff und schürt die Vorfreude auf gemeinsame Stunden.
Wer sich übrigens nicht sicher ist, ob er bereit fürs Zusammenziehen ist, kann im Vorfeld die Feuerprobe in einem gemeinsam angemieteten Ferienhäuschen machen. Irgendwann fällt die anfängliche Zurückhaltung und der Alltag mit all seinen kleinen Ecken und Kanten hält Einzug. Wenn die Testzeit jedoch ohne gravierende Auseinandersetzungen und miese Laune vorüberzieht, steht dem gemeinsamen Nest nichts mehr im Weg.
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