12. Mai 2007
Eine Veröffentlichung des Robert-Koch Institutes zeigt, dass psychische Erkrankungen als Ursache für eine frühzeitige Berentung ganz vorn rangieren.
Stolze 24,4 Prozent der Männer und 35,53 Prozent der Frauen lassen sich wegen psychischen Problemen früh berenten. Damit hat sich die Anzahl in den letzten 20 Jahren vervierfacht. Die Wissenschaftler streiten sich über die Ursachen dieser Entwicklung.
Gesundheitswissenschaftler Dr. Wolfgang Hien vom Forschungsbüro Arbeit, Gesundheit und Biografie der Universität Bremen geht davon aus, dass die Arbeitsbedingungen der ausschlaggebende Grund für die stärker belastete Psyche sind. Ein wichtiger Punkt seien die verminderten Handlungs- und Entscheidungsspielräume für Arbeitnehmer.
In einer Studie vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) im Jahr 2005 wurden mehr als 30000 Arbeitnehmer zu diesem Thema befragt. Ein Drittel der Befragten gab an, am Arbeitsplatz unter Hektik, Zeit- und Termindruck zu leiden - die Folgen der zunehmenden Arbeitsintensitäten bei vielen Betrieben. Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer fühlt sich vom Leistungsdruck oder Arbeitstempo belastet. Ein Drittel klagt über ein schlechtes Verhältnis zu den Kollegen oder dem Chef. Weitere Faktoren für das zunehmende gesundheitliche Risiko sind die steigenden Arbeitslosenzahlen und die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes.
Dieser Studie steht der jährliche Fehlzeiten-Report gegenüber, der keine Zunahme an Krankmeldungen aufzeigen kann. Christian Vetter, Mitherausgeber des im WIdO jährlich erscheinenden Fehlzeiten-Reports, meint, dass jedoch keine Entwarnung gegeben werden kann. Denn ein Grund für die geringen Krankmeldungen könnte wiederum die angespannte Lage am Arbeitsmarkt sein. Viele Arbeitnehmer gehen lieber krank zur Arbeit um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden.
Zur Prävention psychischer Erkrankungen muss stärker in betriebliche Programme investiert werden. 91 Prozent der befragten Betriebs- und Personalräte räumen laut der, im Jahr 2004 vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) durchgeführten, Betriebsrätebefragung zu Gesundheitsbelastungen und Prävention am Arbeitsplatz ein, dass in den letzten fünf Jahren psychische Arbeitsbelastungen wie Zeitdruck, Arbeitsintensität und Verantwortungsdruck zugenommen haben. Die Maßnahmen der Prävention sind jedoch bisher recht kurzsichtig und setzen vor allem beim Arbeitnehmer an. An den Arbeitsverhältnissen wurde seither nicht viel geändert. Einige Betriebe haben jedoch einen Anfang gemacht und das Mitspracherecht der Beschäftigten bei der Arbeitsgestaltung ausgeweitet. "Die fehlende Möglichkeit, bei der Arbeit eigene Entscheidungen zu treffen, drückt massiv auf die Psyche", so Gesundheitswissenschaftler Wolfgang Hien.
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