6. Januar 2012
Von Cornelia Scherpe
Viele Bewerber auf eine Ausbildungsstelle oder einen Beruf können es sich schwer vorstellen oder denken überhaupt nicht daran, doch tatsächlich können die persönlichen Spuren im Internet der Grund für gehäufte Absagen sein.

Viele Arbeitgeber nutzen die in einer Bewerbung angegebenen Daten und durchforsten erst einmal das Internet nach dem Charakter ihres Bewerbers. Inzwischen ist es eine völlig routinierte Aufgabe, die Bewerber so durchzuchecken. Personalprofis haben inzwischen sogar einen Namen für diese Recherche: B-Profil. Im B-Profil wird das über den Bewerber zusammengetragen, was er in der offiziellen Bewerbung vielleicht gern verschwiegen hat. Diese Informationen setzen sich dann aus Partybildern, Hobbys oder Kommentaren in Internet-Foren zusammen. Das kann schnell peinlich werden und sobald man dabei in ein negatives Licht gerückt wird, ist man raus.
Das Internet hat den Nachteil, dass es ein unendliches Gedächtnis hat. Jedes noch so alte Partyfoto kann plötzlich auf dem Monitor des potentiellen Chefs landen, dieser Tatsache muss man sich bewusst sein. Wer auf einem Bild im Netz wie ein rücksichtsloser Partygänger, Säufer und Frauen- beziehungsweise Männerschwarm aussieht, der muss befürchten, dass die eigene Bewerbungsmappe auf dem Stapel für die Absagen landet. Kein Chef möchte eine scheinbar unzuverlässige Kraft einstellen. Doch was kann man tun, um die eigenen Spuren im Netz zu verwischen?
Natrlich kann man sich bei einer Community abmelden und darauf bestehen, dass die Administratoren alle Daten löschen. Nicht nur der Nickname und die Adresse verschwinden, auch Kommentare und Bildinhalte. Wer diesen Schritt tut und sich in sozialen Netzwerken löscht oder auch die eigenen Homepage aufräumt, wähnt sich auf der sicheren Seite. Doch das ist leider ein Trugschluss, denn einige Suchmaschinen können auch auf den Zustand der Onlinepräsenzen vor ihrer letzten Aktualisierung zurück greifen. Es gibt sogar Adressen im Internet, die genau auf diese Rückführungen spezialisiert sind. Solche Informations-Zeitreisen sind für das Internet kein Ding der Unmöglichkeit.
Die aktuellste Idee aus Informatikerkreisen ist es, schon beim Einstellen von Bildern und Daten ein Verfallsdatum wie bei Lebensmitteln festzulegen. Wird dieses Datum überschritten, löscht eine spezielle Software die Information für das gesamte Onlinenetz. Die Idee ist gut, allerdings noch nicht weit verbreitet und sie schützt auch nicht davor, dass Freunde und Feinde Bilder kopieren und selbst veröffentlichen. Am Ende gibt es nur einen wirklichen Schutz: vorher nachdenken, welche Daten über einen selbst der Online-Welt in die Hände geraten sollen. Wer gar keine oder wenigstens kaum Spuren hinterlässt, der hat eine weiße Online-Weste und wird eher zum Bewerbungsgespräch geladen.
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