6. Juli 2011
Um jemanden im sprichwörtlichen Sinne über den Tisch zu ziehen, sind Taktik und Tricks erforderlich. Beim Fingerhakeln, welches den Grundstein für das Sprichwort legte, ist das nicht anders. Im Hinblick auf das Verletzungsrisiko ist es ohnehin ratsam, sich auf Fingerhaklerwettkämpfe vorzubereiten.
In Bayern kann das Fingerhakeln als Volkssport Nummer eins bezeichnet werden. Doch es werden regelmäßig Deutsche Meisterschaften ausgetragen, so dass es auch Norddeutschen zusteht, an derartigen Wettkämpfen teilzunehmen. Ohne entsprechende Vorbereitung ist das K.O. allerdings vorprogrammmiert.
Das Fingerhakeln verlangt körperliche und geistige Fähigkeiten. Nicht umsonst werden zu Wettkämpfen nur Hakler zugelassen, die über einen guten Leumund und einen festen Charakter verfügen. Zum Hakeln bedarf es also mehr als Kraft. Es kommt darauf an, den Gegner vor und während des Hakelns richtig einzuschätzen, den Dehnungsschmerz im Zugfinger zu überwinden und dennoch einen möglichst neutralen Gesichtsausdruck zu präsentieren oder besser einen, der den Gegner einschüchtert.
Vor einem Wettkampf ist es notwendig, dass der Hakler seinen Körper trainiert. Ohne eine dicke Hornhaut an der Innenseite des Zugfingers kommt es regelmäßig zu schmerzhaften Verletzungen. Dünne Haut reißt einfach ab. Ebenso können Bänder und Sehnen reißen, Gelenke auskugeln. Die aufzuwendende Kraft stammt nur teilweise aus dem Zugfinger, der größte Teil ist Schulterkraft. Zum Training hängen sich Hakler gern an Deckenhaken. Mit dem Zugfinger natürlich. Dort verbleiben sie, solange die Kraft reicht. Und obendrein bildet sich die benötigte Hornhaut. Andere Hakler verwenden Möbelstücke, Wandhalterungen, Regale, an die sie sich hängen.
Um ein Abrutschen des Zugfingers während des Wettkampfes zu verhindern, wird dieser mit Magnesiumpulver eingerieben. Andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Beim Einhakeln empfiehlt es sich, mit der Hand eine Faust zu ballen und diese mit dem Daumen abzudecken. So wird eine bessere Kraftverteilung erzielt. Außerdem sollten die Möglichkeiten einer optimalen Sitzposition nach den Regeln des Fingerhakelns genutzt werden. Das bedeutet, dass der Hakler sich mit einer Hand und einem Schienbein an der Tischkante abstützt. Ohne ein entsprechendes Abstützen ist der Wettkampf sofort verloren. Das Ziehen sollte kontrolliert erfolgen, wobei sich der Hakler nicht nur auf seine Fingerkraft, sondern auf die des gesamten Armes und der Schulter konzentriert. Dann kann es heißen: "Beide Hakler fertig, zieht!"
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