20. Juni 2011
Unter der progressiven Muskelentspannung versteht man ein spezielles Verfahren zur Entspannung. Dabei werden bestimmte Muskelgruppen bewusst angespannt.
Die progressive Muskelentspannung (PME) wird auch als progressive Muskelrelaxation (PMR), progressive Relaxation (PR) oder Tiefenmuskelentspannung bezeichnet. Sie ist ein spezielles Entspannungstraining.
Sinn der progressiven Muskelentspannung ist es, eine tiefe Entspannung für den gesamten Körper zu bewirken, indem man bestimmte Muskelgruppen bewusst anspannt. Die progressive Muskelentspannung wurde von dem amerikanischen Mediziner und Physiologen Edmund Jacobson (1885–1976) entwickelt. Dieser begann seine Studien bereits im Jahr 1908. Nach über zwanzig Jahren intensiver Forschungsarbeit brachte Jacobson 1929 schließlich ein Buch über die progressive Muskelentspannung heraus. Allerdings richtete sich sein Werk speziell an Mediziner, weswegen man Jacobson riet, zusätzlich eine Fassung zu veröffentlichen, die auch für Laien verständlich war. Daher erschien im Jahr 1934 ein weiteres Buch über die progressive Muskelentspannung mit dem Titel "You Must Relax". In Deutschland musste man sich allerdings bis 1990 gedulden, bis Jacobsons Werk herauskam.
Im Laufe der Jahre wurde Jacobsons Verfahren weiterentwickelt, da es zu unübersichtlich und zu zeitintensiv war. So wurde die Methode, die heute üblich ist, trotz Weiterentwicklung deutlich vereinfacht. In Deutschland setzte sich die progressive Muskelentspannung durch, als sie im Jahr 1987 die Kassenzulassung erhielt. Seither gehört die progressive Muskelrelaxation zur Grundversorgung der Krankenkassen und ist mittlerweile das am häufigsten durchgeführte Entspannungsverfahren. Einige Kassen bieten sogar Kurse an, die zur Stressbewältigung oder zum Vorbeugen von Krankheiten dienen. Durch die Vereinfachung des Verfahrens kann die progressive Muskelentspannung leicht erlernt und jederzeit angewandt werden. Auch für Kinder und Jugendliche ist sie gut geeignet. Aufgrund ihrer Wirksamkeit setzt man die Entspannungsmethode auch häufig in Reha-Kliniken ein.
Die progressive Muskelentspannung eignet sich besonders für Menschen, bei denen andere Entspannungsmethoden nicht funktionieren. Das Verfahren fördert das Körperbewusstsein der ausführenden Person. Bei dem systematischen entspannenden Training der Muskeln kommt es zu einem Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Dieser Wechsel ermöglicht ein bewussteres Wahrnehmen der verschiedenen Zustände des Körpers, wodurch sich physische Verspannungen schon bei Beginn erkennen und lösen lassen. Darüber hinaus dient die progressive Muskelentspannung zum Abbau von Erregung und körperlicher Unruhezustände wie Herzrasen, Zittern und Schweißausbrüchen.
Eingesetzt wird die progressive Muskelentspannung zumeist im Rahmen von Verhaltenstherapien, bei denen Angststörungen behandelt werden. Zu den weiteren Anwendungsgebieten gehören Stresszustände, Kopfschmerzen, arterielle Hypertonie und Schlafstörungen. Nicht zur Anwendung kommen darf die Methode bei Blutphobien oder akuten Magen-Darm-Krankheiten. Auch für sozial gehemmte und regressive Kinder eignet sie sich nicht.
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