Tendovaginitis de Quervain - Ursachen, Symptome und Therapie

Bei der Tendovaginitis stenosans de Quervain handelt es sich um eine spezielle Form der Sehnenscheidenentzündung, die im Bereich des Handgelenks unterhalb des Daumens auftritt (erstes Strecksehnenfach) und sich durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Daumens bemerkbar macht. Die Tendovaginitis de Quervain betrifft besonders häufig Frauen und kann durch eine konservative Behandlung (Ruhigstellung) oder durch einen operativen Eingriff gut therapiert werden. Mehr über die Ursachen, Beschwerden und Therapie dieser Sehnenscheidenentzündung lesen Sie in diesem Artikel.

Sehnenscheidenentzündung auf der Daumenseite des Handgelenks

Definition

In der Medizin wird die Tendovaginitis de Quervain - vollständig eigentlich Tendovaginitis stenosans de Quervain - auch als Quervain-Krankheit oder Hausfrauendaumen bezeichnet. Gemeint ist damit eine Form der Sehnenscheidenentzündung, die in der Region des ersten Stecksehnenfachs am Handgelenk auftritt. Dabei kommt es typischerweise am Handgelenk unter dem Daumen zu Schmerzen.

Als Namensgeber der Tendovaginitis de Quervain fungierte der Schweizer Arzt Fritz de Quervain (1868-1940), von dem die Erkrankung erstmals im Jahr 1895 beschrieben wurde.

Anatomie

Im Handrücken sind sechs Sehnenfächer vorhanden. Das erste Sehnenfach wird von zwei Sehnen durchzogen. Dabei handelt es sich um die Sehne des langen Daumenabspreizmuskels sowie die Sehne des kurzen Daumenabspreizmuskels.

Beim gesunden Menschen können die beiden Sehnen glatt durch das Sehnenfach gleiten, das von Gleitflüssigkeit umgeben ist. Kommt es jedoch zu einer Verletzung oder sich wiederholenden Belastungen, droht eine Schwellung des Sehnenfachs. Dieser Vorgang hat wiederum eine Verengung der Sehnen zur Folge.

Darüber hinaus untergliedert sich das erste Sehnenfach wiederum in eine Scheidewand, die zwischen den Sehnen angesiedelt ist. Aus diesem Grund fällt der Platz schon von Natur aus gering aus.

Häufigkeit

Eine Tendovaginitis de Quervain zeigt sich vor allem bei Frauen. So ist das weibliche Geschlecht achtmal so oft betroffen wie das männliche Geschlecht. Vor allem bei Müttern von Babys im Alter zwischen 6 und 12 Monaten ist die Quervain-Krankheit häufig zu verzeichnen. Aus diesem Grund wird sie auch "Hausfrauendaumen" genannt. Gehäuft tritt das Leiden ab einem Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf.

Mutter trägt ihr Baby
Durch Überbeanspruchung der Daumenstrecksehnen beim Tragen des Babys sind Mütter besonders häufig von der Tendovaginitis de Quervain betroffen

Ursachen der Tendovaginitis de Quervain

Eine häufige Ursache der Tendovaginitis de Quervain sind Überbeanspruchungen des Handgelenks, bei denen es immer wieder zu streckenden und wegführenden Bewegungen des Daumens kommt.

Nicht selten werden die Daumenstrecksehnen durch das längere Anwinkeln der Hand eingeengt und in Mitleidenschaft gezogen. Dies passiert oft Müttern, die ihre Babys auf dem Arm tragen und gleichzeitig stützende Handbewegungen vornehmen. Dieser Vorgang bewirkt, dass die Sehnen gegen das Retinakulum-Band am Handgelenksrandbereich gepresst werden. Dies zieht wiederum Reizungen und Schwellungen nach sich.

Auch bei Männern sind in der Regel Überbeanspruchungen des Handgelenks der Grund für das Leiden. Es gibt aber auch Fälle, bei denen sich keine konkrete Ursache für die Quervain-Krankheit finden lässt.

Symptome der Tendovaginitis de Quervain

Bis sich eine Tendovaginitis de Quervain entwickelt, können Wochen oder sogar Monate vergehen. Bemerkbar macht sie sich durch Schmerzen auf der Handgelenkdaumenseite, die sich zunehmend verstärken. Besonders unangenehm sind die Schmerzen beim Bewegen des betroffenen Daumens.

Einige Patienten haben außerdem Schwierigkeiten damit, nach Gegenständen zu greifen und sie festzuhalten. Manchmal sind die schmerzhaften Beschwerden derart stark, dass sich die Hand nicht mehr gebrauchen lässt. Die Schmerzen treten besonders dann auf, wenn der Daumen zum kleinen Finger hin bewegt wird. Gelegentlich strahlen die Schmerzen auch vom Daumen bis zum Unterarm oder sogar bis zur Schulter aus.

Nicht selten zeigt sich die Quervain-Krankheit zur gleichen Zeit an beiden Handgelenken. Die betroffene Region reagiert sehr empfindlich auf Druck. In den meisten Fällen kann auch eine Schwellung ertastet werden.

Bei ausgeprägten Beschwerden zeigt sich mitunter ein Reiben, dass die Patienten fühlen und hören können. Im Spätstadium sind die Sehnen oft komplett blockiert und lassen sich nicht mehr beugen.

Diagnose der Tendovaginitis de Quervain

Führen die Beschwerden den Patienten zu einem Arzt, befasst sich dieser zunächst mit dessen Krankengeschichte. Anschließend werden unterschiedliche Tests vorgenommen, zu denen vor allem der Finkelstein-Test zählt. Bei diesem Verfahren bildet der Patient um den Daumen herum eine Faust. Ist die Faust geschlossen, wird das Handgelenk rasch zur Daumenspitze hin gekippt. Setzen dabei starke Schmerzen ein, gilt dies als Indiz für die Quervain-Krankheit.

Arzt untersucht eine Frau am Handgelenk
Untersuchung des Daumen- und Handgelenks beim Arzt

Weitere Untersuchungen

Im Normalfall bedarf es keiner weiteren Untersuchungen, um die Tendovaginitis de Quervain zu diagnostizieren. Als durchaus sinnvoll gilt jedoch das Anfertigen von Röntgenaufnahmen, um eine mechanische Gelenkblockade festzustellen oder auszuschließen. Bei unklaren Fällen gelangt zumeist eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) zum Einsatz.

Differentialdiagnose

Als wichtig gilt eine Differentialdiagnose, um eine Rhizarthrose, eine Arthrose des Handgelenks oder eine Styloiditis radii auszuschließen.

Therapie der Tendovaginitis de Quervain

Die Behandlung der Tendovaginitis de Quervain kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen. In der Regel findet zunächst eine konservative Therapie statt, da eine Operation nach Möglichkeit vermieden werden soll.

Konservative Therapie

Im Rahmen der konservativen Therapie werden Daumen und Handgelenk ruhiggestellt. In den meisten Fällen reicht diese Maßnahme bereits zur Besserung der Beschwerden aus. Wahlweise wird entweder eine Spezialschiene oder ein fester Tapeverband angelegt. Wichtig ist außerdem, dass der Patient konsequent Bewegungen vermeidet, die Schmerzen nach sich ziehen.

Schiene am Handgelenk
Daumen und Handgelenk werden durch eine Schiene ruhiggestellt

Gegen die Schmerzen erhält der Erkrankte Medikamente, die schmerzstillend und entzündungshemmend wirken. Um eine Entzündung zu bekämpfen, werden mitunter Antiphlogistika in Salbenform dargereicht, die örtliche Effekte entfalten.

Führt diese Maßnahme nicht zur Besserung der Schmerzen, werden Kortisonspritzen verabreicht. Dies erfolgt normalerweise zusammen mit der Gabe eines örtlich wirkenden Betäubungsmittels. Dabei ist jedoch Acht zu geben, dass die Sehnen nicht durch die Injektionen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Weil die Wirkstoffe durch diese Behandlung unmittelbar bis zum Zielort gelangen und eine bessere Konzentration erreichen, lassen sich die Beschwerden meist effizient bekämpfen. Die Injektionen dürfen jedoch nicht häufiger als drei Mal pro Halbjahr appliziert werden, weil sonst das Risiko einer Schädigung der Sehnen besteht.

Operative Therapie

Eine Operation findet bei der Quervain-Krankheit in der Regel erst dann statt, wenn die konservative Behandlung erfolglos bleibt oder die Schmerzen beim Patienten sehr stark ausgeprägt sind. Gleiches gilt bei einer schweren Verlaufsform der Sehnenscheidenerkrankung.

Der chirurgische Eingriff erfolgt in den meisten Fällen ambulant. Dabei wird zunächst das Armnervengeflecht einer Anästhesie unterzogen. Im Anschluss an die Operation darf der Patient wieder nach Hause gehen.

Ablauf der Operation

Zu Beginn des Eingriffs wickelt das medizinische Personal zum Schutze des Arms eine Binde um den Oberarm. Anschließend erfolgt das Anlegen einer Manschette, die aufgepumpt wird. Durch dieses Vorgehen lässt sich der Blutfluss in Richtung Operationsregion anhalten. Die Operation findet anschließend bei einer sogenannten Blutleere statt. Die anatomischen Strukturen lassen sich durch die Durchblutungsverminderung besser voneinander abgrenzen. Das Risiko von Komplikationen wie Verletzungen der Blutgefäße, Nerven oder Sehnen kann durch dieses Vorgehen deutlich minimiert werden.

Nach dem Desinfizieren und Abdecken der betroffenen Hautstelle nimmt der Operateur einen drei bis fünf Zentimeter langen Hautschnitt unter dem Daumen an der Handgelenksinnenseite vor. Nächster Schritt des Eingriffs ist das Spalten des Strecksehnenfachs. Verfügt der Patient zwischen den Sehnen über eine zusätzliche Scheidewand, erfolgt auch deren Durchtrennung. Falls erforderlich, entfernt der Chirurg außerdem entzündlich verändertes Gewebe.

Durch die vorgenommenen Schnitte ist es möglich, beide Sehnen in die vordere Richtung zu bewegen. Außerdem lassen sich bestehende Verklebungen lösen. Schließlich überprüft der Arzt, ob die Sehnen wieder über genügend Freiheit in ihrem Gleitlager verfügen.

Den letzten Schritt der Operation stellt das Überprüfen der Unversehrtheit der kleinen Nervenäste an der Oberfläche dar. Ist dies der Fall, kann das Verschließen der Wunde erfolgen. Diese erhält einen sterilen Kompressionsverband.

Nach der Operation

Schon kurz nach der Operation sind die typischen schmerzhaften Beschwerden der Tendovaginitis de Quervain in den meisten Fällen zurückgegangen. Die behandelte Hand darf der Patient zwar wieder bewegen, doch keinen schweren Belastungen aussetzen.

Bis der Verband erstmals gewechselt wird, dauert es eine Woche. Nach etwa 14 Tagen schließt sich das Ziehen der Fäden an. Der Patient braucht danach keinen Verband mehr anzulegen.

Nachbehandlung

Damit der Betroffene wieder die volle Beweglichkeit von Daumen und Handgelenk zurückerhält, führt er regelmäßige Übungen durch. Diese erfolgen zumeist unter kaltem Wasser. Auf diese Weise wird zugleich ein schmerzlindernder und abschwellender Effekt erreicht. Eine Physiotherapie ist normalerweise nur dann erforderlich, wenn erhebliche Bewegungseinschränkungen vorliegen.

Zur Behandlung der Operationsnarbe empfiehlt sich die Verwendung einer fetthaltigen Salbe. Dadurch erlangt die Narbe mehr Elastizität. Es kann allerdings einige Monate in Anspruch nehmen, bis die OP-Narbe keine Beschwerden mehr verursacht.

Spätestens acht Wochen nach der Operation verspürt der Patient keine Schmerzen mehr durch die Quervain-Krankheit.

Komplikationen

Durch die Operation besteht mitunter das Risiko von Komplikationen:

  • Blutungen in der Operationsregion
  • Infektionen
  • Gefühlsstörungen durch Verletzungen der Sehnen oder Nerven
  • Schwellungen der Weichteile

Schlimmstenfalls kommt es zur Entwicklung des Schmerzsyndroms Morbus Sudeck, das mit der Versteifung der Gelenke und Muskelschrumpfung einhergeht. Die genaue Ursache der Sudeck'schen Krankheit liegt bislang im Dunkeln.

Prognose

Ist keine Rheumaerkrankung für das Auftreten der Tendovaginitis de Quervain verantwortlich, fällt die Prognose günstig aus. Fast immer gehen die schmerzhaften Beschwerden nach der konservativen Behandlung oder dem chirurgischen Eingriff nach kurzer Zeit wieder zurück.

Vorbeugung der Tendovaginitis de Quervain

Um Sehnenscheidenentzündungen wie der Quervain-Krankheit vorzubeugen, wird empfohlen, häufiger eine Pause von monotonen Bewegungen zu machen und für mehr Abwechslung bei den Bewegungsabläufen zu sorgen. Vor intensiven Beanspruchungen des Handgelenks sind Aufwärm- und Dehnübungen hilfreich.

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Quellenangaben
  • Closeup on business woman with wrist pain © Alliance - www.fotolia.de
  • mother's kiss © Franz Pfluegl - www.fotolia.de
  • Douleur de la main chez l'adulte © JPC-PROD - www.fotolia.de
  • Handgelenkbandage und Physiotherapeut © sunnychicka - www.fotolia.de

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