Erfrierungen - Ursachen, Symptome, Ausprägungsformen, Behandlung und Vorbeugemöglichkeiten

Erfrierungen sind Schädigungen des menschlichen Gewebes, die durch starke Kälteeinwirkung entstehen. Häufig treten sie auch in Zusammenhang mit einer Unterkühlung (Hypothermie) auf. Man unterscheidet drei Erfrierungsklassifikationen. Auch sind unterschiedliche Schweregrade möglich. Informieren Sie sich über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Erfrierungen.

Die Entstehung von Erfrierungen und wie man sie erkennen und behandeln kann

Erfrierung - Eine Definition

Erfrierungen oder Unterkühlungen? DIe Unterschiede

Während bei Erfrierungen lokale Schäden des Gewebes auftreten, sinkt bei Unterkühlungen die Kerntemperatur des menschliches Körpers, was meist auf niedrige Außentemperaturen, verbunden mit nasser oder nicht zureichender Kleidung zurückzuführen ist.

Besonders betroffen von Erfrierungen oder Unterkühlungen sind vom Rumpf entfernte Gliedmaßen wie Finger und Zehen sowie Nase und Ohren, da sich dort die Blutgefäße zusammenziehen.

Auf diese Weise soll noch genug Blut für die inneren Organe, die für die Lebenserhaltung von besonderer Bedeutung sind, bereitgestellt werden, was Kreislaufzentralisation genannt wird. Dadurch entsteht jedoch eine unzureichende Durchblutung bei den betroffenen Gliedmaßen, wodurch es zu Erfrierungen kommen kann.

Kälteverbrennung

Wenn es zu einem beschränkten direkten Kontakt mit sehr kalten Substanzen, wie flüssigem Sauerstoff oder Trockeneis kommt, was bei schlecht isolierten Transportbehältern oder technischen Unfällen geschehen kann, spricht man von einer Kälteverbrennung, da die Symptome ähnlich denen einer Verbrennung sind.

Erfrierungsklassifikationen

Die Hautschädigungen fallen bei einer Erfrierung unterschiedlich aus. Entscheidend dabei ist, ob lediglich die oberste Hautschicht oder auch das tieferliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird.

Bei Erfrierungen unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Klassifikationen:

  1. der oberflächlichen Erfrierung (T33)
  2. der Erfrierung mit Gewebsnekrose (T34)
  3. der Erfrierung unter Beteiligung mehrerer Körperregionen (T35)

Darüber hinaus gibt es verschiedene Schweregrade. Bei einer Erfrierung von Grad I kommt es zu einer Abkühlung der erfrorenen Stelle, typische Symptome sind:

Im Normalfall treten nach einer Abheilung keine späteren Folgen auf.

Bei einer Erfrierung von Grad II zeigt sich die Schwere des erlittenen Schadens erst nach der Wiedererwärmung. Dieser Schweregrad tritt zumeist bei Händen und Füßen auf und es kommt zu Rötungen der Haut, Blasenbildung und Schwellungen.

Wenn die auftretenden Blasen von heller Farbe sind, besteht eine gute Aussicht auf Heilung. Bei blutigen Blasen muss mit einem länger dauernden Heilungsprozess gerechnet werden. Wenn die Blasen reißen und Gewebeflüssigkeit austritt, können Keime in die entstandenen Wundflächen eindringen und es besteht die Gefahr von Infektionen.

Bei Erfrierungsgrad III, der auch Frostbrand genannt wird, treten trockene, bereits abgestorbene Hautstellen, die man als Nekrosen bezeichnet, auf. Die Haut ist dabei eingetrocknet und schwarz. Das Unterhautzellgewebe wird hart.

Erst nach Tagen oder gar Wochen lässt sich das genaue Ausmaß einer solchen Erfrierung ermitteln. Betroffene Körperstellen sind meistens die Füße, die neben der Kälte auch noch dem Druck von oftmals zu engen Schuhen ausgesetzt sind.

Auch nach der Wiedererwärmung sind die betroffenen Hautstellen gefühllos. Später entsteht eine Furche zwischen dem abgestorbenen und dem noch lebenden Gewebe, die man auch Demarkationsfurche nennt.

Erfrierungen von Grad II und Grad III müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Ursachen von Erfrierungen

Durch das Zusammenwirken von

  • kalten Temperaturen
  • Wind und
  • Feuchtigkeit

wird das Gewebe nur noch unzureichend durchblutet. Dies kann eine Schädigung oder sogar das Absterben des Gewebes zur Folge haben.

Zu den Hauptursachen von Erfrierungen gehört vor allem unpassende Kleidung. Besonders bei Temperaturen, die unter dem Gefrierpunkt liegen, besteht die Gefahr einer Erfrierung.

In Kriegszeiten kamen Erfrierungen, die sogar zum Tode führten, in kalten Regionen häufig vor. Heutzutage treten sie in Deutschland jedoch nur sehr selten auf.

Gesteigertes Risiko, eine Erfrierung zu erleiden

Zu den besonders von Erfrierungen betroffenen Gruppen gehören Bergsteiger. Auch Wintersportler und Motorschlittenfahrer zählen zu den Risikogruppen. Eine besondere Gefahrenquelle ist der Windchill-Effekt, da bei hohen Windgeschwindigkeiten sogar Lufttemperaturen, die über dem Gefrierpunkt liegen, zu Erfrierungen im Gesicht führen können.

Auch Alkohol im Freien kann eine Gefahrenquelle darstellen. Akute Alkoholvergiftungen begünstigen die Entstehung von Erfrierungen. Durch den Alkohol entsteht eine länger anhaltende Hautdurchblutung, die schließlich die Wärmezufuhr vom Inneren des Körpers her erschöpft, was zu einer Unterkühlung führen kann.

Weitere Ursachen für Unterkühlungen oder Erfrierungen sind:

Verlauf von Erfrierungen

Erlittene Erfrierungen können im weiteren Verlauf zu Spätfolgen führen wie:

Bei Erfrierungen dritten Grades kann es im schlimmsten Fall zu einer Amputation der betroffenen Gliedmaßen kommen.

Richtige Erste Hilfe bei Erfrierungen

Mögliche Schäden hängen auch von einer sachgemäßen Behandlung ab. Falsche Erste Hilfe kann mehr schaden als nutzen.

Keinesfalls sollten die betroffen Stellen bewegt, massiert oder durch ein zu heißes Bad abrupt erwärmt werden. Ein unterkühlter Körper sollte langsam aufgewärmt werden.

  • Beim Auftreten von Erfrierungen muss rasch ein Notarzt gerufen werden.
  • Wichtig ist, die betroffenen Körperstellen nicht zu bewegen und eine Erwärmung durch Körperwärme zu versuchen.
  • Auf den Einsatz einer Wärmflasche oder auf das Reiben der erfrorenen Stellen sollte man lieber verzichten.
  • Die verletzten Hautstellen können mit einem warmen und sauberen Tuch oder einem sterilen Verband bedeckt werden.
  • Bis der Notarzt eintrifft, gilt es, die betroffene Person zu beruhigen und zu beobachten.

Treten Erfrierungen und Unterkühlung gleichzeitig auf, sind zunächst Maßnahmen gegen die Unterkühlung zu ergreifen.

Symptome einer Erfrierung

Zu den typischen Symptomen von Erfrierungen gehören:

  • ein starkes Kältegefühl in Händen oder Füßen
  • das Empfinden zu kleine Schuhe zu tragen
  • blaurote Flecken auf der Haut

Die betroffenen Körperteile fühlen sich zuerst weich an und schmerzen wie Nadelstiche. Im weiteren Verlauf fühlen sich die erfrorenen Stellen hart und gefühllos an. Die Grenze zwischen noch gesundem oder erfrorenem Gewebe kann nicht deutlich erkannt werden.

Diagnose von Erfrierungen

Um eine Diagnose zu stellen, erfolgt zunächst die Befragung des Betroffenen und das Erkennen der typischen Erfrierungssymptome. Kommen Unterkühlungen hinzu, erfolgt eine Messung der Körperkerntemperatur. Auch ein EKG oder eine Analyse der Blutgase kommen zur Ermittlung einer Hypothermie infrage.

Behandlung von Erfrierungen

Kommt es zu Erfrierungen oder Unterkühlungen, sollte schnellstens Hilfe erfolgen. Der Körper sollte dabei langsam erwärmt werden.

Betroffene Körperpartien werden in ein lauwarmes Wasserbad, das langsam erhitzt wird, getaucht. Die Wassertemperatur darf am Ende höchstens 38 Grad Celsius betragen.

Durch Erfrierungen entstandene Blasen dürfen nicht geöffnet werden, sondern müssen steril abgedeckt werden. Die erfrorenen Körperstellen sind unbedingt vor weiterer Kälte zu schützen. Nasse Kleider sollte man so schnell wie möglich durch trockene auswechseln.

Außerdem sollte die betroffene Stelle hoch gelagert und keinem Druck oder zuviel Bewegung ausgesetzt werden. Zu den Behandlungsmöglichkeiten beim Arzt oder in der Klinik gehören Schmerzmittel, die dem Patienten entweder durch eine Spritze oder durch eine Infusion verabreicht werden.

Durch Erfrierungen entstandene Blasen werden mit sterilen Verbänden sowie antibiotischen Salben behandelt. Außerdem verabreicht man dem Patienten intravenöse Infusionen zur Erweiterung der Blutgefäße oder zur Hemmung der Blutgerinnung.

Abgestorbenes Gewebe bildet in der Regel trockenen Schorf. Dieser fällt nach einigen Wochen oder gar Monaten von selbst ab. Bei großflächigen Erfrierungen mit sehr tiefen Schädigungen des Gewebes kann im schlimmsten Fall eine Teilamputation nötig sein.

Vorbeugung von Erfrierungen

Damit es nicht so weit kommt, empfehlen sich einige leicht durchzuführende Vorbeugemaßnahmen. Die beste Maßnahme ist das Tragen von den Temperaturen angemessener Kleidung sowie umsichtiges Verhalten. Bei starkem, kaltem Wind sollte auch das Gesicht gut geschützt werden. Nasse Kleidungsstücke sollten so rasch wie möglich gewechselt werden.

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