Hörprobleme bei Babys und Kleinkindern - Früherkennung durch Screening

Immer mehr Kinder leiden an mittel- bis hochgradigen Hörstörungen, schon Kleinkinder benötigen Hörgeräte. Hörschädigungen können zahlreiche Probleme nach sich ziehen wie Sprachstörungen und Schulschwierigkeiten. Eine Früherkennung ist deshalb enorm wichtig. Hörscreenings bei Neugeborenen geben Aufschluss, ob das Gehör geschädigt ist.

Von tausend Säuglingen werden ein bis drei Kinder mit Hörschädigungen geboren

Bis zu drei von 1.000 neugeborenen Kindern kommen mit mittelgradigen oder starken Hörstörungen zur Welt. Insbesondere Schwerhörigkeit sollte in den ersten zwölf Lebensmonaten behandelt werden, damit sich die Sprache altersgemäß entwickeln kann. Der Neugeborenen-Hörtest ist notwendig, um therapiebedürftige Hörschäden frühestmöglich zu erkennen und zu behandeln.

Ursachen für eine Hörminderung

Für eine Hörminderung bei Kindern kommen verschiedene Ursachen infrage. Schädigungen des Innenohrs mit Schwerhörigkeit können vererbt werden und sind angeboren. Diese Art Hörstörungen entstehen auch durch Infektionen bei Schwangeren wie Röteln oder Masern. Ebenso führt der Missbrauch von Medikamenten, Alkohol oder Drogen bei Neugeborenen zu Hörbeeinträchtigungen, genauso wie eine Unterversorgung mit Sauerstoff während der Geburt.

Hörstörungen treten jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt bei Kindern mit einem ursprünglich gesunden Gehör auf. So können Mittelohrentzündungen oder Mumps Schädigungen im Innenohr verursachen. Besonders häufig sind Kinder von der Mittelohrschwerhörigkeit betroffen. Diese Hörstörung, auch Paukenerguss genannt, entwickelt sich durch Ansammlungen von Schleim im Bereich des Mittelohrs.

Auch laute Geräusche durch Silvesterknaller und Spielzeugpistolen oder Stürze auf den Kopf können Auslöser für eine Hörminderung sein.

Hörschädigungen beeinträchtigen die Entwicklung

Leiden Babys oder Kleinkinder an einer Hörstörung, kann das die Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Gerade in den ersten Lebensmonaten ist der Hörsinn besonders wichtig, darüber hinaus findet in dieser Phase die Reifung der Nervenzellen in der Hörbahn statt.

Je später das eingeschränkte Hörvermögen entdeckt wird, desto schwieriger ist die Behandlung. Die Sprachentwicklung verzögert sich, Kinder haben es schwer, die Sprachdefizite wieder aufzuholen.

Auch soziale Kontakte leiden. Hörgeschädigte Kinder finden schwerer Freunde und ziehen sich häufig zurück. Umso wichtiger ist die Früherkennung von Hörproblemen und eine gezielte Behandlung.

Folgen nicht rechtzeitig erkannter Hörschäden

Vor Einführung des deutschlandweiten Neugeborenen-Hörtest 2009 wurde Schwerhörigkeit bei Kindern häufig erst im Alter zwischen zwei bis vier Jahren festgestellt. Eine späte Diagnosestellung hat fatale Folgen. Neben erheblichen Einschränkungen und Verzögerungen in der Sprachentwicklung kommt es bei Kindern mit spät diagnostizierten Hörstörungen außerdem zu Schwierigkeiten in der geistigen, bildungsbezogenen, emotionalen und psychosozialen Entwicklung. Das Hörscreening ist eine Kassenleistung und Teil der Kinderrichtlinien in den Regelungen für die Früherkennungsuntersuchungen.

Alle gesetzlich versicherten Kinder haben Anspruch auf ein Hörscreening innerhalb ihrer ersten Lebenstage. Die Folgen zu spät erkannter Hörstörungen lassen sich durch Maßnahmen zur Frühförderung und innovative Hörgerätetechnologien für Kinder vermeiden. Das Hörscreening für Neugeborene mit dem Ziel, Hörbeeinträchtigungen schon in den ersten drei Lebensmonaten festzustellen, schafft die Voraussetzung zur Einleitung frühzeitiger Therapiemaßnahmen mit individuellen Hörlösungen.

Hörscreenings bei Neugeborenen

Hörscreenings bei Neugeborenen werden kurz nach der Geburt durchgeführt und erfolgen meist am zweiten oder dritten Lebenstag. Ein Neugeborenen-Hörscreening ist völlig schmerzlos und erfordert nur wenige Minuten Zeit. Ärzte führen die Untersuchungen durch, während die Kleinen schlummern.

Nicht selten kommen Kinder schon mit einem Hörschaden auf die Welt
Nicht selten kommen Kinder schon mit einem Hörschaden auf die Welt

Bei dem Hörtest kontrolliert der Arzt die Funktion des Innenohrs und der feinen Haarsinneszellen am Außenohr. Am äußeren Ohr werden Sonden eingeführt, die akustische Impulse abgeben. Auf diese Weise lässt sich die Information messen, die das Innenohr weiterleitet. Das entstandene Echo gibt Aufschluss über die Beschaffenheit der Haarzellen.

Babys bestehen den Test, wenn ein Ohr in der Lage ist, die Geräusche zu erkennen. Bei einem auffälligen Befund, findet ein erneutes Hörscreening statt. Oft kommt es zu irreführenden Ergebnissen, weil sich beispielsweise noch kleine Mengen Fruchtwasser im Gehörgang befinden.

Bei einem bestätigten negativen Testergebnis werden die Nervenreaktionen und die Verarbeitung von akustischen Reizen im Gehirn mit der Hirnstammaudiometrie (BERA) gemessen. Liegt eine Hörschädigung vor, informiert der Arzt über Behandlungsmöglichkeiten und empfiehlt beispielsweise das Einsetzen eines Hörimplantats.

Einfache Hörtests in verschiedenen Lebensphasen

In der Regel entdecken die Eltern eine eventuelle Hörstörung. Es gibt eine Reihe Anhaltspunkte, um herauszufinden, ob Kinder schlecht hören. Anhand einfacher Hörtests können Eltern auch zu Hause das Hörvermögen in verschiedenen Lebensphasen kontrollieren.

  • Säuglinge zwischen der 4. und 6. Lebenswoche schrecken bei lauten Geräuschen auf
  • Etwa ab dem 3. bis 4. Lebensmonat sollten Babys brabbeln und sich der Geräuschquelle zuwenden
  • Babys zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat lauschen aufmerksam und beginnen Silben aneinanderzureihen
  • Im Alter von 10 bis 12 Monaten sollten Kinder auch auf leiseres Ansprechen aus der Entfernung reagieren
  • Ab etwa dem 2. Lebensjahr verstehen Kinder auch ins Ohr geflüsterte Worte und Sätze

Wann wird der Neugeborenen-Hörtest durchgeführt?

Im Gegensatz zu älteren Kindern lassen sich bei Neugeborenen Hörstörungen nur schwer beurteilen, da sie an Tests zur Überprüfung des Gehörs nicht aktiv mitwirken können. Das Hörscreening für Säuglinge kann zwischen dem zweiten und fünften Tag nach der Geburt oder kurz vor der Entlassung aus der Klinik erfolgen. Bei der Durchführung des völlig schmerzfreien Hörtestes müssen die Kinder nicht einmal wach sein. Zum Einsatz kommt häufig die OAE-Testmethode (Messung otoakustischer Emissionen).

Wie funktioniert die OAE-Messung?

Bei der OAE-Messung wird eine Sonde mit einem winzigen Mikrofon in den äußeren Gehörgang geführt, die leise Klick-Geräusche erzeugt. Die Schallwellen dieser Klick-Töne gelangen über das Innenohr bis zur Hörschnecke. Die feinen Haarzellen in der Hörschnecke reagieren üblicherweise mit Schwingungen, die sie wieder zurück zum äußeren Ohr leiten. Bei dem Prozess misst das Mikrofon die Stärke der Schallwellen. Erhält die Sonde kein Signal, handelt es sich oft um eine Funktionsstörung der Haarzellen.

Allerdings ist ein auffälliger Befund der Hörmessung nicht zwangsläufig ein Zeichen für Schwerhörigkeit. Ist der Säugling unruhig oder macht Sauggeräusche, können die Signale verzerrt werden. Der OAE-Hörtest gilt zwar als genau, doch nicht immer können Hörschäden und deren Ausprägung eindeutig diagnostiziert werden.

In einigen Fällen erkennen Mediziner irrtümlich eine Hörstörung, obwohl der Säugling über ein gutes Gehör verfügt. Durch Folgeuntersuchungen lässt sich eine Fehldiagnose jedoch in aller Regel schnell berichtigen. Die Messung der otoakustischen Emissionen dauert nur ein paar Minuten.

Ist die OAE Früherkennungsuntersuchung empfehlenswert?

Nicht alle Experten halten die OAE-Testmethode für empfehlenswert, da es bei der ersten Messung oft zu falschen Ergebnissen kommt, was Eltern verunsichert und beunruhigt. Grundsätzlich rät das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) zum Hörscreening für Neugeborene, da Hörbeeinträchtigungen durchschnittlich frühzeitiger diagnostiziert werden. Durch eine rechtzeitige Diagnosestellung ist eine effektive Frühförderung möglich, um Defizite in der Sprachentwicklung und andere negative Auswirkungen zu verhindern. Idealerweise sollte das Hörscreening in Verbindung mit der U2-Früherkennungsuntersuchung erfolgen.

Ist der Hörtest für Neugeborene in den ersten Tagen nach der Geburt aus bestimmten Beweggründen nicht möglich, empfehlen Experten, das Screening spätestens im Rahmen der U3-Untersuchung bei einem Kinderarzt nachzuholen.

Effektive Versorgung bei Hörschädigungen

Bei Hörschädigungen ist heute eine effektive Versorgung gewährleistet.

Babys und Kleinkinder werden in pädaudiologischen Praxen behandelt, die individuelle Hörsysteme anpassen und auch die Weiterbetreuung in den Folgejahren übernehmen. Hörgeräteakustiker, die sich auf Hörsysteme für Kinder spezialisiert haben, verfügen über fundiertes Fachwissen und garantieren eine optimale Behandlung. Inzwischen arbeiten Pädakustiker flächendeckend in ganz Deutschland.

Für Kinder gibt es Hörgeräte, die hinter dem Ohr getragen werden. Hochmodernes Zubehör wie FM-Anlagen (drahtlose Signalübertragung) ermöglichen den Stimmentransfer von Eltern oder Lehrern auf das Hörsystem.

Besonders wichtig ist die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Um Minderwertigkeitsgefühle zu vermeiden, sollten Eltern ihrem Nachwuchs das Hörgerät als modisches Accessoire näherbringen und ihnen klarmachen, wie wichtig gutes Hören ist. Es gibt heute zudem poppig bunte Hörsysteme, die Kids mit Stolz tragen.

Wenn die Kleinen frühzeitig lernen, offen mit ihrer Hörminderung umzugehen, lassen sich unangenehme Situationen am besten vermeiden.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Quellenangaben
  • happy mother with newborn baby © Vladimir Melnik - www.fotolia.de
  • newborn © Renata Osinska - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema