Echolalie - Ursachen und Behandlung

Junge sitzt während Psychotherapie-Sitzung in einem Fußball-Sitzsack

Das Nachsprechen zuvor gehörter Wörter oder Sätze bei Babys oder infolge einer psychischen Erkrankung

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  • von Paradisi-Redaktion

Wiederholt ein Mensch zwanghaft Worte, die er zuvor von einer anderen Person gehört hat, ist von einer Echolalie die Rede. Wie ein Echo gibt die betroffene Person zuvor gesprochene Wörter oder Sätze wieder. Allerdings kann es dabei zu leichten Umformungen der Wörter kommen. Bei Babys gilt die Echolalie zwischen dem 9. und 15. Lebensmonat durchaus als normale Erscheinung, die der Entwicklung der Sprache dient. So lernen sie durch das Wiederholen von Wörtern das Sprechen leichter. Geht die Echolalie jedoch über das übliche Maß hinaus, kann sie auf einen frühkindlichen Autismus hindeuten. Sie kann aber ebenso bei erwachsenen Menschen auftreten, bei denen sie sich als Begleiterscheinung von psychischen Erkrankungen wie dem Tourette-Syndrom, Schizophrenie oder Dementia senilis zeigt. Mehr zur Echolalie erfahren Sie in diesem Artikel.

Umgangssprachlich wird die Echolalie gerne als "Papageiensprechen" bezeichnet, medizinisch auch als Echophrasie.

Verlauf der Echolalie

Die ersten Anzeichen der krankhaften Echolalie treten in der Regel im Alter zwischen 3 und 5 Jahren auf. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Bemerkbar macht sich die Echophrasie durch das unkontrollierte Wiederholen von bestimmten Wörtern oder sogar ganzen Sätzen. Als Quelle der Wiederholungen kommen nicht nur andere Menschen infrage, sondern auch TV-Sendungen, Radiosendungen oder Buchtexte.

Bei einer unmittelbaren Echolalie werden die wahrgenommenen Äußerungen umgehend wiederholt. Dabei dient das Gesagte als eine Form von Kommunikation. Im Falle einer verzögerten Echolalie wiederholen die Betroffenen das Gehörte frühestens nach 10 bis 15 Minuten. Es kann aber auch den ganzen Tag oder sogar einen Monat dauern. Meist ist die verzögerte Echophrasie mit anderen psychischen Störungen verbunden.

Ursachen einer Echolalie

Autismus

Die Echolalie zeigt sie sich bei rund 75 Prozent aller Kinder, bei denen ein frühkindlicher Autismus besteht. Das Sprachphänomen geht dabei über den Abschnitt des Kleinkindalters hinaus. Als besonders betroffen gelten Kinder, bei denen die Lautsprache unterdurchschnittlich entwickelt ist.

Tic-Störungen

Ein weiterer denkbarer Grund für eine Echolalie ist eine Tic-Störung wie das Tourette-Syndrom. Unter einer Tic-Störung werden unter anderem Äußerungen verstanden, die keinen Sinn ergeben und sich regelmäßig wiederholen. Beim Tourette-Syndrom liegen sowohl vokale als auch motorische Tics vor, zu denen unter anderem die Echolalie gehört. Sie kann aber auch im Rahmen von anderen Tic-Störungen auftreten.

Alzheimer

In manchen Fällen ist eine Demenzerkrankung wie Morbus Alzheimer für eine Echolalie verantwortlich. Sie tritt im fortgeschrittenen Stadium auf und beinhaltet sogar Wiederholungen von Worten, die der Patient zuvor selbst gesprochen hat. Allerdings können einige Patienten auch vollkommen verstummen.

Schizophrenie

Gelegentlich zeigt sich die Echolalie auch bei Personen, die an Schizophrenie erkrankt sind. Die Betroffenen leiden dabei nicht nur unter einer Echolalie, sondern auch unter weiteren Symptomen wie Denkstörungen, Antriebsstörungen, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen.

Globale Aphasie

Die Echolalie kann das Symptom einer globalen Aphasie sein. Dabei liegt eine Beeinträchtigung der Gehirnsprachzentren vor. Hervorgerufen wird sie durch Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlaganfälle oder Hirntumore.

Wann zum Arzt?

Bei Babys und Kleinkindern gilt es bis zum zweiten Lebensjahr nicht als ungewöhnlich, Gehörtes zu wiederholen. Setzt sich die Echolalie über das Kleinkindalter jedoch fort und ist intensiv ausgeprägt, wird empfohlen, sich an einen Kinderarzt, Psychologen oder Neurologen zu wenden, um einem möglichen Autismus auf die Spur zu kommen. Für eine Entwicklungsstörung spricht dabei auch, dass das Kind gehen kann, bevor es das Sprechen lernt. Außerdem vermeiden betroffene Kinder Blickkontakte, isolieren sich und lächeln nie.

Diagnose einer Echolalie

Der Arzt befasst sich zunächst mit der Krankengeschichte des Patienten. Dazu befragt er die Eltern des betroffenen Kindes zum Beispiel, wie die Schwangerschaft verlaufen ist und ob ähnliche Fälle in der Familie schon einmal auftraten.

Um mögliche Anomalien festzustellen, .

Zur weiteren Diagnosestelleung nimmt der Arzt eine neurologische Untersuchung vor. Darüber hinaus können diverse Untersuchungen wie Bluttests, eine Elektroenzephalographie oder eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) des Gehirns erfolgen. Zum Nachweis von eventuellen Anomalien des Gehirns findet eine Magnetresonanztomographie (MRT) statt. Um einen Hörverlust als Ursache für die Sprachstörungen auszuschließen, wird zudem ein Hörtest durchgeführt.

Behandlung einer Echolalie

Die Behandlung einer Echolalie ist zeitaufwendig und nicht einfach. So gibt es bislang keine speziellen Medikamente, mit denen sich die Sprachstörung wirksam behandeln lässt. Allerdings werden Arzneimittel, die zum Lindern der Symptome dienen, verabreicht, wenn die Echolalie durch ein Tourette-Syndrom oder eine Schizophrenie hervorgerufen wird.

Die Therapie der Echophrasie erfolgt in der Regel durch einen Psychotherapeuten oder Neurologen. Meist geht es nicht um die Heilung des Leidens, sondern lediglich um seine Besserung.

Im Rahmen der unterschiedlichen Maßnahmen zur Behandlung von Autismus werden die kommunikativen und sozialen Eigenschaften der Patienten gefördert. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Logopädie, die Sprachtrainings abhält.

Unterstützung durch die Eltern

Wird die Echolalie durch Autismus ausgelöst, sind auch die Eltern zur Unterstützung der Behandlung ihres Kindes wichtig. So wird empfohlen, mit dem Kind stets ruhig und deutlich zu sprechen, ohne dabei laut zu werden. Sie sollten klar mit "Ja" oder "Nein" auf Fragen antworten und Stresssituationen vermeiden. Da die Eltern die meiste Zeit mit dem Kind verbringen, sind Geduld und die richtige Kommunikation von großer Bedeutung. Dazu gehört auch das regelmäßige Hinzufügen von neuen Wörtern und Sätzen. Auch das Verwenden von Bildern kann die Kommunikation erleichtern. Dabei sollte auch herausgefunden werden, was das Kind mit seinen wiederholten Phrasen ausdrücken möchte. Mit reichlich Geduld kann sich auch ein autistisches Kind einen Wortschatz aneignen, der auf die jeweilige Situation zutrifft.

Prognose bei einer Echolalie

Handelt es sich nicht um eine krankhafte Echolalie, fällt die Prognose der Sprachstörung günstig aus. In der Regel endet sie spätestens bis zum vierten Lebensjahr des Kindes.

Sind jedoch krankhafte Auslöser wie Autismus oder Schizophrenie für die Echophrasie verantwortlich, hängen die Aussichten von den Behandlungsmethoden und welche Resultate sich mit ihnen erzielen lassen, ab. In der Regel benötigen die Betroffenen für den Rest ihres Lebens Fürsorge, weil sie ohne Hilfe anderer Menschen nicht allein für sich sorgen können.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Boy and psychological session © Photographee.eu - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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