Gänsehaut - Ursachen und Behandlung

Die Gänsehaut kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. In der Regel ist diese nicht behandlungsbedürftig.

Die Entstehung von Gänsehaut und wie man sie behandeln und lindern kann

Ursachen

Wenn ein Mensch

  • friert
  • besonders gerührt ist
  • sich vor etwas stark ekelt oder auch
  • äußerst ängstlich ist,

bildet sich eine Gänsehaut am Körper des Menschen. Meist findet sich diese an den Armen und Beinen.

Jedes Körperhaar wächst aus dem so genannten Haarbalg. Dieser Haarbalg besitzt Muskeln, die vom vegetativen Nervensystem aus gesteuert werden. Wenn das vegetative Nervensystem nun in den genannten Situationen den Befehl zur Kontraktion gibt, stellen sich die Körperhärchen auf und durch die Erhebung entsteht auch die typische Unebenheit der Haut.

Bei einigen Menschen reicht es auch schon aus, an einen für sie Ekel erregenden Gegenstand oder eine Angst auslösende Situation nur zu denken und schon richten sich die Körperhärchen auf und die Haut wird pickelig. Das Aussehen erinnert an eine gerupfte Gans oder ein gerupftes Huhn; in der Schweiz heißt Gänsehaut nämlich Hühnerhaut.

Dann kennen wir noch die Gänsehaut, die bei bestimmten Geräuschen entsteht, zum Beispiel beim Kratzen der Gabel auf dem Teller oder beim Knistern von Styropor. Bei Vielen löst auch das Quietschen der Kreide auf der Tafel eine Gänsehaut aus.

Das ist aber bei jedem Menschen verschieden, jeder reagiert auf andere Geräusche. Je nach persönlichen Erfahrungen werden diese Geräusche als unangenehm im limbischen System, eines der ältesten Bestandteile unseres Gehirns, abgespeichert und rufen dann, wenn man sie wieder hört, die Reaktion einer Gänsehaut hervor.

Die Gänsehaut ist ein Überbleibsel unserer Vorfahren, als der menschliche Körper noch behaart war. Durch das Aufrichten der Haare entsteht ein Luftpolster auf der Haut, das den Körper wärmt.

Positive und negative Erfahrungen

Die Bildung einer Gänsehaut kann sowohl in einer positiven als auch in einer negativen Situation entstehen und willentlich meist nicht beeinflusst werden. Bei großer Kälte zittert der Mensch stark.

In fast allen Fällen steckt hinter der Bildung einer Gänsehaut ein Reflex und keine Erkrankung. Die Gänsehaut muss in diesen Fällen nicht ärztlich behandelt werden.

Erkrankungen

Lediglich bei Patienten, die zum Beispiel einen Drogenentzug durchmachen, ist die Gänsehaut ein Symptom. Wenn Drogenabhängige einen Entzug machen und der Körper somit die Droge nicht mehr erhält, reagiert er mit diversen Symptomen. Dazu gehört auch die Gänsehaut.

Einige Patienten, die unter starkem Untergewicht leiden, wie dies zum Beispiel bei Patienten mit Magersucht der Fall ist, bemerken ebenfalls die häufigere Bildung einer Gänsehaut.

Komplikationen

Komplikationen sind bei Gänsehaut (Cutis anserina) nicht zu befürchten. So handelt es sich dabei um einen ganz natürlichen Vorgang. Durch Kälte oder psychogene Trigger kommt es zur Kontraktion der Haarmuskeln (Musculus arrectores pilorum) innerhalb der größeren Hautareale. Die Kontraktion führt dazu, dass sich die Wollhaare aufrichten und sich Pseudopapeln bilden.

Wann zum Arzt?

Da Gänsehaut normalerweise keinen Krankheitswert hat, ist deswegen auch kein Arztbesuch nötig.

Behandlung

Normalerweise muss die Gänsehaut nicht behandelt werden. Wenn sich der Betroffene warme Kleidungsstücke anzieht, verschwindet die Gänsehaut sofort wieder. Auch wenn die Situation vorüber ist, in der der Mensch stark gerührt war, bildet sich die Gänsehaut umgehend wieder zurück.

Lediglich als Symptom eines Entzuges können dem Patienten Medikamente gegen die Gänsehaut verordnet werden. Die Medikamente wirken dann jedoch nicht speziell gegen die Gänsehaut, sondern gegen die allgemeine Entzugssymptomatik.

Selbsttherapie und Vorbeugung

Wer häufig unter Gänsehaut leidet, kann einige Tipps befolgen, um sie zu vermeiden. Dazu gehört zum Beispiel die Auswahl der passenden Kleidung.

Kleiden nach dem Zwiebelprinzip

Da der Mensch heutzutage über kein Fell mehr verfügt, um sich vor Kälte zu schützen, benötigt er entsprechende Kleidung. Empfohlen wird dazu das Kleiden nach dem so genannten Zwiebelprinzip. Das heißt, dass man anstelle eines einzelnen dicken Pullovers mehrere dünnere Kleidungsstücke übereinander anzieht, wodurch mehrere Schichten entstehen. Dadurch kommt es zu einer isolierenden Luftschicht.

Wird es im Verlauf des Tages wärmer oder werden körperliche Anstrengungen vorgenommen, braucht man nur einen Teil der Kleidung abzulegen wie beim Schälen einer Zwiebel. So ist durch das Zwiebelprinzip eine Anpassung an wechselnde Wetterverhältnisse möglich, was wiederum Frieren und Gänsehaut vermeidet.

Naturmaterialien tragen

Um sich vor Wind und Kälte besser zu schützen, empfiehlt sich das Tragen von Naturmaterialien wie

  • Daunen
  • Wolle oder
  • Schaffell.

Diese natürlichen Materialien haben die Eigenschaft, Feuchtigkeit nach außen abzuwehren, Körperwärme zurückzuhalten und zumeist atmungsaktiv zu sein. Dagegen kommt es durch das Tragen von Kunstfasern, in denen rasch Schweißbildung entsteht, leichter zu Gänsehaut.

Viel frische Luft

Geht man viel an die frische Luft, selbst wenn es draußen kalt ist, lässt sich der Körper leichter an unterschiedliche Temperaturreize gewöhnen. Außerdem wird das Abwehrsystem abgehärtet.

Letztlich friert der Betroffene nicht mehr so rasch und leidet auch nicht unter Gänsehaut. Wichtig ist jedoch, die Kleidung den jeweiligen Wetterverhältnissen anzupassen.

Hausmittel

Wechselbäder

Als bewährtes Mittel gegen Gänsehaut gelten Fußwechselbäder. Dazu füllt man je eine Schüssel mit kaltem und warmem Wasser. Die Temperaturen sollten ca. 15 Grad Celsius für das kalte und 35 Grad für das warme Fußbad betragen. Dann beginnt man für etwa drei Minuten mit dem warmen Fußbad und gibt die Füße anschließend etwa 20 Sekunden lang in das kühle Wasser. Dieser Wechsel wird mehrmals wiederholt.

Nach dem Ende des Fußbads trocknet man die Füße ab, zieht sich warme Socken an und schlüpft unter eine Decke. Schon kurz darauf lässt sich eine angenehme Durchblutung der Füße verspüren.

Ingwerwasser

Eine weitere Methode gegen Frieren und Gänsehaut ist das Trinken von heißem Ingwerwasser. Auf diese Weise entsteht im Körper ein angenehm warmes Gefühl.

Vollbad

Gegen Gänsehaut eignet sich auch ein warmes Vollbad. Als optimale Wassertemperatur werden 38 Grad Celsius empfohlen. Das Bad hilft nicht nur gegen Gänsehaut, sondern wirkt zugleich auch entspannend.

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