16. August 2006
In jedem Menschen steckt ein Narzisst. Wenn wir uns nicht selbst lieben würden, dann könnten wir keine Beziehung zu anderen Menschen eingehen. Wenn das gesunde Selbstwertgefühl jedoch in extremen Egoismus umschlägt, dann wird der Narzissmus zu einer Schranke zur Außenwelt.
Wenn man sich selbst liebt, dann zeigt sich das an einem sicheren und bestimmten Auftreten. Ohne eine Prise Narzissmus wären wir von Unsicherheit und könnten uns in der Gesellschaft kaum behaupten. Wenn diese gesunde Selbstliebe jedoch in Selbstüberschätzung, Egoismus, Überheblichkeit und Neid umschlägt, dann dient das persönliche Umfeld allein zur Selbstbestätigung. Die Umwelt liefert immer neue Impulse für die verzerrte Wahrnehmung der eigenen Person, die sich in fortwährender Konkurrenz zu anderen sieht.
Hinter dieser verzerrten Selbstwahrnehmung steckt nicht etwa ein zu starkes Ego, sondern große Unsicherheiten. Narzissten haben ein mangelndes Selbstwertgefühl. Sehr schnell fühlen sie sich unsicher, zurückgewiesen und gekränkt. Um schmerzliche Zurückweisung zu vermeiden, werden Situationen umgangen, die das Bild von der eigenen Person ins Wanken bringen könnten. Aus diesem Grund gestalten sich Beziehungen zu anderen Menschen sehr schwierig. Narzissten suchen immerzu nach Bestätigung, Anerkennung und Bewunderung. Auf Dauer können nahe stehende Personen die eigenen Ansprüche jedoch nicht zurückschrauben. Fordern sie selbst Aufmerksamkeit ein, dann fühlen sich Narzissten in ihrer Sonderstellung bedroht. Wenn der Freund oder Partner die Erwartungshaltung nicht erfüllen kann, dann ist die Bindung nicht von langer Dauer.
Diese Unsicherheiten und Abhängigkeiten sind nur schwer auszumachen. Auf Fremde und ferne Bekannte wirken Narzissten als sehr selbstsicher, erfolgreich und zielstrebig. Schnell kann sich dieser erste Eindruck ins Negative umschlagen. Da Menschen mit narzisstischem Charakter unentwegt von sich reden und ihre Vorzüge betonen, werden sie schon bald als eingebildet und arrogant empfunden. Menschliche Regungen wie Anteilnahme, Mitleid und Hilfsbereitschaft scheint ihnen fremd zu sein. Andere Menschen werden als Bedrohung und Konkurrenz wahrgenommen. Dieser Umstand macht es den Narzissten unmöglich, offen auf Fremde zuzugehen.
Die Neigung, Menschen emotional auszubeuten, die Labilität der Emotionen und die Angst vor der Zurückweisung schränken die Narzissten in vielen Lebensbereichen stark ein. Dennoch empfinden die Betroffenen ihren Charakterzug nicht zwangsläufig als Belastung. Solange die Selbstwahrnehmung mit der vermeintlichen Realität übereinstimmt, fühlen sich die betroffenen Personen durchaus gut. Wenn dieser Abgleich der Wahrnehmungen und Realität nicht vereint werden kann, dann können schwere Angststörungen und Depressionen die Folge sein. In diesem Fall spricht man von einer narzisstischen Störung.
Bevor der Narzissmus zum bestimmenden und gleichermaßen isolierenden Faktor im Leben wird, sollten sich Betroffene Hilfe suchen. Neben der klassischen Psychotherapie können auch Selbsthilfegruppen und spezialisierte Einrichtungen bei der Bewältigung der Sucht nach Anerkennung behilflich sein.
Ich habe den krankhaften Narzissmus meines Vaters bis vor ein paar
Tagen ertragen müssen. Hört sich vielleicht etwas komisch an, ist ab...
...nur weil es menschen gibt die sich selbst lieben und schätzen, deshalb gleich alls kranke einzuschtuffen? und nur weil paar mit Dr. oder Pr...
Hallo, der Artikel beschreibt, den Narzißten sehr gut. Und mir gefällt auch, dass Sie ihm zu einem Psychotherapeuten/in schicken würden. Aber ...
Ich scheine auch in den Bereich zu fallen, naja, was will man schon an sich ändern, wenn man sich so liebt ;).
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