Typische Fehler, beim Tragen mit Tragetuch und mögliche Risiken

Das Tragetuch ist eine gute Alternative zur Babytrage. Immerhin kann das Tragetuch individuell angepasst werden und das Baby kann mit ihm in verschiedenen Positionen getragen werden. Allerdings gibt es auch häufige Tragefehler, die dem Kind mitunter schaden können.

Wir informieren über die Vor- und Nachteile des Tragetuchs - manche Modelle können zu einer Gefahr für das Baby werden

Die Vorteile eines Tragetuchs

Es gibt sicherlich Eltern, die auf der Suche nach einer Alternative zum Kinderwagen sind, und bei ihrer Entscheidung zwischen einem Tragetuch und einer Babytrage schwanken.

Die Entscheidung fällt oft deshalb so schwer, weil sich viele Eltern die Handhabung eines an die fünf Meter langen Tuches extrem umständlich vorstellen. Wird es den Eltern jedoch, zum Beispiel von ihrer Hebamme, einmal genau erklärt, wie so ein Tuch gebunden werden kann, dann sind die Vorbehalte meist schnell verschwunden.

Individuelle Anpassung

Zudem hat ein Tragetuch tatsächlich auch Vorteile, die eine Babytrage nicht zu bieten hat.

  • Denn ein Tragetuch kann zum Beispiel immer ganz individuell angepasst werden. Das heißt auch, dass das Tuch praktisch mit dem Kind mitwachsen kann.

  • Zudem kann das Kind mit dem Tragetuch in verschiedenen Positionen getragen werden. Das ist vor allem für Neugeborene wichtig, die noch ganz andere Bedürfnisse haben als beispielsweise Babys ab dem sechsten Lebensmonat.

    Ihr Kopf und ihr Rücken brauchen noch viel Unterstützung. Es gibt Babytragen, die diese Unterstützung nicht bieten können.

Dennoch: höhere Belastung für die Eltern

Natürlich haben Tragetücher im Vergleich mit den Babytragen nicht nur Vorteile. Immerhin lastet das Gewicht des Kindes beim Tragen in einem Tuch immer nur auf den Schultern der Eltern, während durch einen Hüftgurt bei Babytragen das Gewicht des Kindes auch auf die Hüften der Eltern verteilt wird.

Gerade bei größeren, schweren Kindern ist das Tragen mit dem Tuch also eine größere Belastung für die Eltern. Allerdings lässt sich diese Belastung relativieren, indem das Kind dann einfach auf den Rücken der Eltern gebunden wird.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass das Tragetuch eine durchaus empfehlenswerte Tragevariante ist.

Häufige Tragefehler mit dem Tragetuch

Allerdings kommt es auch häufig zu Fehlern beim Tragen mit dem Tragetuch, die dem Kind unter Umständen richtig schaden können. Frisch gebackene Eltern sind häufig übervorsichtig.

Insbesondere Erstgebärende können oft noch nicht einschätzen, was ihr Baby so alles aushalten kann. Und so machen die Eltern dann auch häufig den Fehler, dass das Tragetuch zu locker gebunden wird.

Tuch zu locker wickeln

Dafür verantwortlich ist die Angst, das Kind könnte zu sehr eingeengt oder eingeschnürt werden. Allerdings sind Neugeborene die Enge noch aus dem Mutterleib gewöhnt und die Enge in dem Tuch vermittelt ihnen das Gefühl von Geborgenheit.

  • Wird das Tuch jedoch aus Sorge zu locker gebunden, dann wird der Rücken des Säuglings nicht ausreichend gestützt. Und das kann im schlimmsten Fall zu Haltungsschäden beim Kind führen.

Das Tuch sollte also gerade bei ganz kleinen Kindern immer ausreichend fest gebunden werden. Auch der Kopf muss unbedingt gut gestützt werden, da die Nackenmuskulatur des Kindes noch nicht stabil genug ist.

Kind in Fahrtrichtung tragen

Ein weiter Fehler ist das Tragen des Kindes "in Fahrtrichtung".

  • Wird das Kind mit dem Gesicht nach vorne getragen, dann fällt es nämlich in eine ungesunde Hohlkreuzstellung.
  • Außerdem kann es beim Säugling dadurch zu einer Reizüberflutung kommen.

Das Kind sollte also immer mit dem Gesicht zum Körper getragen werden.

Falsch einwickeln

Wird das Kind falsch in das Tragetuch eingebunden, dann kann es auch zu einem Hüftschaden kommen.

Eltern sollten daher darauf achten, dass das Kind in der so genannten "Anhock-Spreiz-Haltung" sitzt. Das bedeutet, dass die Beine gespreizt sein müssen und die Knie sollten sich etwa auf Höhe des Bauchnabels des Kindes befinden. Sitzt das Kind in dieser Position, dann sitzt es richtig.

Damit es nicht zu diesen oder anderen Tragefehlern kommen kann, empfiehlt es sich, einen Kurs zu besuchen, in dem sämtliche Bindetechniken und andere wichtige Details (zum Beispiel von Hebammen) genau erklärt werden.

Erstickungsgefahr durch Sicherheitsmängel

Buntes Tragetuch
Beim Kauf der Modelle aufpassen das die Materialien das Kind nicht ersticken können

Neben den Tragefehlern können jedoch auch andere Umstände gefährlich für das Baby werden, denn einige Modelle weisen gravierende Mängel auf: das Kind kann ersticken. In den USA sind deshalb mehrere Tragehilfen verboten worden.

Zwei Drittel der Eltern weltweit tragen ihren Nachwuchs nah am Körper. Auch in Deutschland haben sich Tragetücher und andere Tragehilfen längst etabliert. Sie vermitteln dem Baby Geborgenheit, und durch die angehockte Haltung unterstützen sie die gesunde Entwicklung der Hüftgelenke. Manche Tragehilfen bergen aber auch Risiken – von Schäden für den kindlichen Rücken bis zum Erstickungstod.

Tod durch Ersticken

Allein im Jahr 2009 kam es in den USA zu 14 Todesfällen im Zusammenhang mit Tragehilfen. Drei Modelle wurden wegen gravierender Sicherheitsmängel vom Markt genommen. Die amerikanische Verbraucherzentrale für Produktsicherheit (CPSC) warnt deshalb vor einem nachlässigen Umgang mit den Babytragen. Drei Modelle wurden in den USA vom Markt genommen. In Deutschland sind vergleichbare Produkte aber weiter im Handel.

Gefahr droht vor allem von sogenannten Slings: Tragehilfen, die einfach über die Schulter gelegt werden und in den das Baby wie in einer Hängematte liegt. Aufgrund ihrer schlaufenartigen Konstruktion bringen die Tragen das Kind in eine stark gebeugte Position, in der das Kinn auf die Brust gedrückt wird.

Speziell kleine Babys haben noch keine ausreichend kräftige Nackenmuskulatur, um ihren Kopf aus dieser gekrümmten Haltung zu befreien: sie bekommen nicht mehr ausreichend Luft – und können auch nicht durch Schreien auf sich aufmerksam machen.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Tuch selbst. Auch hier verhindert die schwache Nackenmuskulatur, dass Babys ihren Kopf wegdrehen können, wenn sich das Tuch auf ihr Gesicht presst.

Im schlimmsten Fall drückt sich der Stoff so fest auf Mund und Nase, dass das Kind erstickt. Da dies völlig lautlos geschieht, merken die Eltern oft nichts davon.

Welche Babys sind besonders gefährdet?

  • Am höchsten ist das Erstickungsrisiko für Kinder mit Atemwegsinfekten, da diese ohnehin schlecht Luft bekommen.
  • Wie die amerikanischen Erfahrungen zeigen, sind aber auch Frühgeborene besonders gefährdet sowie alle Kinder mit einem schlaffen Muskeltonus.
  • Zudem scheint ein niedriges Geburtsgewicht das Risiko für den Erstickungstod zu erhöhen.

Babys sicher und gesund tragen

Generell empfehlen Kinderärzte das Tragetuch, weil es die gesunde Entwicklung der Hüftgelenke fördert. Für das Kind ist sind Tragehilfen aber nur vorteilhaft, wenn es die richtige Haltung einnehmen kann. Wenn die Beine herunterhängen oder der Rücken überstreckt wird, kann das zu Schäden am Halteapparat führen.

  • Damit das Kind vom Tragen wirklich profitiert, sollte es sich in einer aufrechten Haltung befinden - mit dem Gesicht zum Erwachsenen.

  • Eltern sollten außerdem darauf achten, dass sie das Gesicht ihres Kindes immer sehen können. Mund und Nase müssen frei sein. Speziell wenn das Kind schläft ist eine Kontrolle wichtig, denn der in Relation zum Körper schwere Kopf fällt schnell nach vorn.

  • Dieselben Vorsichtsmaßnahmen gelten auch im Autokindersitz. Modelle, in denen das Kind eine stark gebeugte Haltung einnehmen muss, sind potenziell gefährlich.

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Quellenangaben
  • Momma loves her little girl © Jeanne Hatch - www.fotolia.de
  • hautnah © Uschi Hering - www.fotolia.de

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