Das Kind im Alter von 3 bis 3,5 Jahren

Aufnahme von oben, Kleinkind klettert Holzleiter hinauf, unten steht Mutter

Die kindliche Entwicklung in einem Alter von 3 bis 3,5 Jahren

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  • von Paradisi-Redaktion

Mit drei Jahren erkennt das Kind die eigenen Gegenstände oder das eigene Wohnhaus wieder. Außerdem entwickeln die Kinder in diesem Alter ihren ganz eigenen Willen.

Inhaltsverzeichnis des Artikels

Das Kind kennt nun die eigenen Sachen

Das Kleinkind hat nun einen so großen Entwicklungssprung gemacht, dass es seine eigenen Spielsachen aus einem Berg anderer Spielsachen heraussuchen kann. Es weiß auch, welche Anziehsachen und Schuhe ihm gehören.

Gerade diese Fähigkeit ist nun für den Einstieg in den Kindergarten sehr wichtig. Trotzdem schadet es nicht, wenn man die Kleidungsstücke beschriftet.

Auch das Haus, in dem das Kind lebt, erkennt es nun sicher wieder, und einige Kinder wissen sogar schon, wie die Straße heißt, in der sie wohnen.

Zwischen drei und 3,5 Jahren lernen die Kindergartenkinder auch, Dinge nach der Größe zu sortieren. Zu Hause hilft das Kind jetzt vielleicht schon fleißig mit, große (Ess-)Löffel und kleine (Kaffee-)Löffel richtig in die Besteckschublade zu sortieren. Dabei weiß das Kind nun, dass es einen Unterschied gibt zwischen nur "einem Löffel" und "vielen Löffeln".

Sprachliche Fähigkeiten verbessern sich

Schauen die Eltern nun ein Bilderbuch mit ihrem Kind an, so kann es nun – je nach seinen sprachlichen Fähigkeiten – schon recht gut erzählen, was auf dem Bild zu sehen ist bzw. was dort geschieht. Nach und nach verbessert sich nun auch die Aussprache.

Es kommen die Buchstaben "r", "sch", "s", "z" und "x" dazu. Mit drei Jahren sprechen die meisten Kinder nun mindestens einen Satz mit drei Worten, viele jedoch auch schon ganze Sätze, und die Kinder bezeichnen sich im Satz selbst mit "ich" und nennen sich nicht mehr beim Namen.

Die Artikulation umfasst bis zu 200 Wörter; verstehen können Kinder über 1.000. In der Regel reden sie in diesem Alter besonders viel, gerne auch mit sich selbst. Taten und Gegenstände werden benannt und der Nachwuchs übt sich fleißig darin, sich seinen Mitmenschen verständlich zu machen.

Auch wenn komplexe Zusammenhänge jetzt noch nicht gänzlich begriffen werden und es grammatikalisch hier und da hapert - es ist umso wichtiger, sich mit seinem Kind zu unterhalten, denn auf diese Weise bekommt es später auch weniger sprachliche Probleme.

Das Kind entwickelt einen eigenen Kleidungsstil

Das dreijährige Kindergartenkind will nun mitbestimmen, welche Kleidungsstücke angezogen werden. So will es dann auch mal im Winter ein T-Shirt anziehen, das vielleicht auch so gar nicht zur Hose passt. Im Großen und Ganzen klappt das Anziehen nun schon ganz gut, lediglich bei Reißverschlüssen und Knöpfen muss noch geholfen werden.

Wie viel TV- und Computerkonsum Eltern ihren kleinen Kindern erlauben können

Die Sprachentwicklung von kleinen Kindern durch Vorlesen fördern, fernsehen nach dem 3. Lebensjahr

Junge Mutter liest kleiner Tochter etwas vor
Mother with little girl read book together © CandyBoxPhoto - www.fotolia.de

"Vermitteln Sie Ihrem Kind Spaß am echten Leben. Das ist die beste Methode, um Problemen mit dauerndem Fernsehen und Computerspielen entgegenzuwirken", erklärt Professor Helmut Lukesch, Leiter des Instituts für Experimentelle Psychologie der Universität Regensburg in der neuen Ausgabe des "HausArzt-PatientenMagazins".

Kindliche Sprachentwicklung durch Vorlesen fördern

Eltern von kleinen Kindern rät Lukesch, einige wissenschaftlich belegte Faustregeln bei der Medienerziehung zu beachten: So sollten Säuglinge und Kinder unter drei Jahren gar nicht fernsehen - Computerspiele kommen frühestens ab vier infrage.

Um die Sprachentwicklung zu unterstützen, sei Vorlesen das Beste. "Es wird ja nicht nur ein Buch gelesen, die Eltern kommen ins Erzählen. So entsteht eine äußerst wertvolle Lernsituation", erläutert Lukesch.

Expertenvorschläge fürs kindliche Fernseh-Verhalten

Vorschulkinder ab drei Jahren sollten nicht länger als eine halbe Stunde täglich fernsehen oder vor dem Computer sitzen, für Sechs- bis Zehnjährige liegt das tägliche Limit bei einer Stunde Fernsehen oder (!) Computer. "Falls Kinder in diesem Alter fernsehen, ist es entscheidend, dass die Eltern das Programm gezielt auswählen und nach der Sendung wieder abschalten."

Filterprogramm für Computer

Außerdem rät der Medienexperte zu einem Filterprogramm auf dem Computer, das den Zugang zu ungeeigneten Internet-Seiten sperrt. Absolut tabu sollte ein eigener Fernseher oder Computer im Kinderzimmer sein. Ebenso das Einschalten der Geräte am Morgen, zum Beispiel vor der Schule, oder kurz vor dem Einschlafen.

Überwiegender Medienkonsum kann bei Kindern Suchtverhalten auslösen

Die Medien haben einen deutlichen Einfluss auf die seelische Entwicklung unserer Jugendlichen. Laut Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Berlin schaffen sich sozial vernachlässigte junge Menschen, vor allem durch Computerspiele ihre eigene, ihre Persönlichkeit anerkennende, Realität.

Suchtverhalten kristallisiert sich durch wenig Schlaf, Abnahme schulischer Leistungen und Vernachlässigung anderer Interessen heraus. Eltern sollten Rahmenzeiten für Fernsehen und Computer setzen und Alternativbeschäftigungen bieten. Sei es durch gemeinsame Aktivitäten oder durch musische Förderung oder Sport.

Kleinkinder - Täglich mehr als zwei Stunden vor dem Fernseher verursachen ungeahnte Langzeitschäden

Kleinkinder und Fernsehen - keine gute Idee! Doch leider beherzigen dies heutzutage nur die wenigsten Eltern, ist doch nichts einfacher, als seine Kinder vor dem Fernseher abzuladen und diesen als Babysitter zu missbrauchen.

Dabei raten Experten dringend von dieser Lösung ab, führt doch das vermehrte Fernsehen im Kindesalter häufig zu ungeahnten Langzeitschäden bei den Kleinen. Nachlassende schulische Leistungen, erhöhter Konsum von Fastfood und daraus resultierende gesundheitliche Beschwerden, wie beispielsweise Übergewicht, sind nur einige der Probleme, mit denen Kinder, die in frühem Alter vergleichsweise häufig vor dem Fernseher saßen, im späteren Alter zu kämpfen haben. Experten raten Eltern übrigens dazu, ihre Kinder täglich nicht länger als zwei Stunden vor den Fernseher zu setzen.

Smartphones und iPad als Spielzeug? Ab wann Kinder Medien nutzen sollten

Fünf junge Schüler mit Schulrucksack befassen sich alle mit ihrem Smartphone
elementary school students with smartphones © Syda Productions - www.fotolia.de

Vor allem Tablets wie das iPad sind auch für Kinder ein beliebtes Spielzeug geworden, auf dem sich die unterschiedlichsten Spiele spielen lassen. Zugleich dienen iPads auch gerne als Lernhilfe und schon für Grundschüler gehört ein eigenes Handy heute zur Grundausstattung. Viele Eltern fragen sich da, ab wann solche Geräte eigentlich für die Kleinen geeignet sind und wieviel Medieneinfluss sie vertragen.

Wissenschaftler meinen, dass es vor allem auf die Nutzungsdauer ankommt und die Intensivität der Nutzung. Wenn Kinder bereits perfekt mit dem iPhone umgehen können, aber nicht einmal selbst die Schnürsenkel binden können, läuft etwas falsch.

Auch Tablets oder Smartphone als Beruhigungsmittel für quengelige Kinder, die sich keine fünf Minuten lang selbst beschäftigen können, sind der falsche Weg.

Als Richtlinien gelten im allgemeinen, dass Kinder bis zum Grundschulalter lediglich eine halbe Stunde pro Tag vor dem Computer oder Fernseher verbringen sollten. Bei Kindern bis 10 Jahren ist eine ganze Stunde schon in Ordnung.

Allerdings sollten pädagogische Beschäftigungen mit iPad oder Computer nicht dazu gerechnet werden. Überdies haben die meisten Kinder auch von sich aus den Drang nach frischer Luft und Bewegung: Sie werden das iPad schon von alleine weglegen, um draußen zu spielen.

Trockenwerden wird zum Thema

Die meisten Kinder sind nun schon zumindest tagsüber sauber. Dennoch ist es auch völlig normal, wenn sich ein Kind von seiner Windel noch nicht trennen kann oder will. Je weniger es zum Klogehen gedrängt wird, desto schneller wird es sauber.

Trotzdem können die Eltern ihr Kind immer mit zur Toilette nehmen, wenn sie selbst gehen. So sieht das Kind, dass nichts Schlimmes passiert und es völlig normal ist, dass man auf die Toilette geht und nicht in die Windel macht.

Das Trockenwerden wird ab 3 Jahren zum grossen Thema - vorallem der Eltern
Das Trockenwerden wird ab 3 Jahren zum grossen Thema - vorallem der Eltern

Ungeliebtes Geschäft - Babys zeitig an den Gang zur Toilette heranführen

Teddy sitzt in einem Töpfchen, daneben ein Stapel Windeln
A teddy bear in a white potty next to stack of diapers © zoeytoja - www.fotolia.de

Es bringt gar nichts, Kleinkinder zu frühzeitig an den Gang zur Toilette zu gewöhnen. Das haben Forscher des Children's Hospital of Philadelphia in den USA nachgewiesen.

Wie die Apothekenzeitschrift BABY und die ersten Lebensjahre berichtet, erwies es sich, dass Jungen im Schnitt mit drei Jahren und zwei Monaten die Toilette benutzen können und Mädchen etwa zwei Monate früher. Versuchen Eltern den Kleinen die Sauberkeit vorher anzutrainieren, zieht sich der Prozess nur in die Länge.

Die Folge: Die Spätstarter sind im Durchschnitt genauso schnell sauber. Der Leiter der Studie, Nathan Blum, glaubt, dass zu frühes Üben sowohl für die Eltern als auch für die Kinder frustrierend ist und dadurch den Lernprozess eher behindert.

Bewegung steht an erster Stelle

Zu merken, dass das Kind immer mobiler wird, macht nicht nur den Eltern eine große Freude, sondern auch dem Kind selbst. Es wird immer selbstbewusster und probiert neue Dinge aus. Kann es sicher laufen, wird diese Fähigkeit auch ausgiebig genutzt - Eltern sollten hier an die nötigen Sicherheitsvorkehrungen in der Wohnung achten.

Kinder: Langeweile hat fünf postitive Eigenschaften

Kleiner Junge angeschnallt im Kindersitz im Auto schaut sich ein Buch an
Kindersitz © bilderbox - www.fotolia.de

Laut einem Bericht der Zeitschrift "ELTERN" müssen sich Eltern gelangweilter Kinder keine Sorgen machen, da Langeweile bei Kindern fünf positive Eigenschaften hat.

Zunächst wird die Fantasie des Kindes durch die Ruhezeit belebt. Das Gehirn kann auf neue Gedanken kommen. Zweitens ist es den Eltern so möglich, ihre Kinder zu mehr Verantwortung zu motivieren. Darüber hinaus ist Entscheidungsfreiheit hilfreich bezüglich des Wiederfindens der eigenen Interessen.

Als vierter Punkt kommt hinzu, dass das Kind durch die Langeweile neue Kräfte sammeln kann, somit wird die Unternehmungslust gesteigert. Schließlich kommt es zur Förderung der Reife, da die Ratschläge der Eltern dem Kind helfen, Langeweile selbst zu meistern.

Förderungsmöglichkeiten

Sicher sind die Diskussionen für die Eltern nervenaufreibend, wenn das Kind bei winterlichen Temperaturen nur mit einem T-Shirt das Haus verlassen möchte. Helfen alle Diskussionen nichts, sollte man das Kind kurzärmelig nach draußen gehen lassen. Spätestens dann merkt es, dass Mama und Papa Recht haben und eine Jacke nicht schadet.

Wenn das Kind nun ständig "Warum-Fragen" stellt, dann sollte es von den Eltern möglichst viele Antworten darauf erhalten. Es hinterfragt alles, und nur wenn es umfassende Antworten erhält, kann es daraus auch lernen.

Selbst hingegen sollte man seinem Sprössling nicht allzu viele Fragen stellen, ansonsten kann es sich überfordert fühlen und abweisend reagieren. Man sollte hierbei stets auf den Umfang des Wortschatzes achten; hilfreich ist das simple Erzählen von Etwas - auf diese Weise wird das Kind ganz locker zum Sprechen angeregt.

Ängste nehmen

Dieses Alter ist auch ganz typisch für die Entwicklung von diversen Ängsten - wie etwa vor dem Alleineschlafen oder dem berühmten Monster unter dem Bett. Fürchtet sich der Nachwuchs in der Dunkelheit, hilft man ihm am besten, indem man seine Ängste ernstnimmt und ihm in einem ruhigen Moment erklärt bzw. auch zeigt, dass es sich vor nichts fürchten muss und dass es kein Monster gibt. Hilfreich ist auch das Aufstellen eines kleinen Nachtlichts neben dem Bett.

Grenzen aufzeigen

Kinder im dritten Lebensjahr sollten unbedingt die Möglichkeit bekommen, ausreichend neue Erfahrungen zu sammeln - dafür sind Freiräume wichtig. Allerdings testen sie jetzt auch häufig Grenzen aus; läuft etwas nicht so, wie sie es sich vorstellen, reagieren sie schnell mit Wutausbrüchen und trotzigen Reaktionen.

Auch diese Erfahrung sollten sie machen, allerdings benötigen sie auch Regeln - diese müssen sie kennen und im von den Eltern gewünschten Moment auch befolgen. Es geht keinesfalls darum, das Kind zu bestrafen; vielmehr soll es lernen, dass bestimmte Verhaltensweisen mit bestimmten Konsequenzen verbunden sind. Außerdem geben Regeln den Kindern Sicherheit.

Nicht nur auf die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes kommt es an

Bei der Einschulung ist die seelische Entwicklung des Kindes ein wichtiger Faktor

Mutter gibt kleiner Tochter Kuss am ersten Schultag
Erster Schultag - Mutter und Kind © Kzenon - www.fotolia.de

Ist mein Kind fit für die Schule? Diese Frage stellen sich alle Eltern von kleinen Vorschulkindern. Aber nicht allein das Alter ist entscheidend.

Seelische Entwicklung ist genauso wichtig

Friederike Schnelle-Merkel, Schulärztin aus Hamburg, erklärt im Apothekenmagazin "Baby und Familie", genauso wichtig wie die körperlichen Voraussetzungen seien die seelischen. Ein Kind müsse in der Lage sein, sich mehrere Stunden außerhalb des Elternhauses wohlzufühlen, um sich in eine Gruppe einzuordnen. Sie warnt davor, ein Kind speziell auf einen Schuleignungstest vorzubereiten. Das Ergebnis solle echt und unverfälscht sein – nur so entstehe ein realistisches Bild.

Auch die Grundschullehrerin Verena Stahl aus München weist in dem Elternmagazin darauf hin, dass bei einem frühen Einschulungstermin die individuellen Fähigkeiten des Kindes gesehen werden müssen. Für besonders aufgeweckte Kinder kommt er durchaus infrage.

Aber sie betont, dass es nicht nur auf die geistige Entwicklung ankommt. Die Kleinen müssen sich im Klassenverband durchsetzen können – und das fällt sehr jungen Kindern oft schwer. Verena Stahl rät, das immer mit der Kindergärtnerin, der Schulärztin und der Grundschule, die infrage kommt, zu besprechen.

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    genervte kinder beim lernen © Picture-Factory - www.fotolia.de

    Die Frage, warum es überhaupt notwendig ist, die Ursache für besondere Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen zu diagnostizieren, wird immer wieder diskutiert. Kritische Stimmen stellen in Frage, welchen Sinn medizinische Diagnosen machen, wenn als "Therapie" nur ein pädagogischer Förderansatz in Frage kommt.

    Erklärungsversuche

    "Täglich werden uns Kinder mit Lese- und Rechtschreibstörung oder Rechenstörung vorgestellt, die bereits eine Odyssee durch das Schulsystem durchlaufen haben, ohne dass ihnen geholfen wurde. Oftmals verschärft sich die Situation für die Kinder, weil sie als dumm und faul abgestempelt werden, da sie in der Rechtschreibung – trotz intensiven Übens – kaum Fortschritte machen", erklärt Prof. Dr. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München.

    "In meiner langjährigen Erfahrung in der Diagnostik von Kindern mit einer Legasthenie hat sich immer wieder gezeigt, wie wichtig es für Kind und Eltern ist, die Ursache für die massiven Probleme beim Lesen und Schreiben zu verstehen."

    "Wissenschaftlich können wir das Störungsbild gut nachvollziehbar erklären, schulisch wird meist nicht hinreichend darauf eingegangen. Die Kinder haben sich oftmals schon selber aufgegeben, weil sie trotz guter Begabung keine wirklichen Fortschritte machen“, so Prof. Schulte-Körne.

    Leitlinien zur Diagnose

    Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. hat Leitlinien zur Diagnose von Lese-/Rechtschreibstörungen (Legasthenie) entwickelt, um sicherzustellen, dass jedem Kind individuell geholfen werden kann.

    Voraussetzung dafür ist die Durchführung einer spezifischen Diagnostik, die alle Aspekte der kindlichen Entwicklung berücksichtigt. "Ein Kind mit einer Legasthenie ist nicht krank und entwickelt sich genauso gut wie andere Kinder auch. Es kann allerdings seelisch krank werden, wenn man es weder anerkennt noch individuell fördert und damit ein Schulversagen vorprogrammiert", verdeutlicht Prof. Schulte-Körne.

    Therapieansätze

    Die Therapie von legasthenen Kindern beruht auf einem pädagogischen und/oder einem therapeutischen Ansatz. Da die betroffenen Kinder oft Schulängste und depressive Symptome entwickeln, muss die psychische Belastung durch psychotherapeutische Ansätze rechtzeitig behandelt werden.

    Zusätzlich ist die individuelle Einzelförderung durch in der Legasthenie-Förderung erfahrene Therapeuten ein Muss.

    Fehleranalyse und Fördermaßnahmen

    "Wenn in der Schule die Probleme der Kinder ernst genommen werden, über eine Fehleranalyse die individuellen Schwächen festgestellt und umgehend eine passgenaue Fördermaßnahme eingeleitet wird, kann in vielen Fällen Schülern schon in der Schule geholfen werden", erläutert Prof. Dr. Günther Thomé, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Universität Frankfurt.

    "Als Sprachwissenschaftler und -didaktiker weiß ich, wie komplex der Schriftspracherwerb ist. Manche Kinder finden einen schnellen Zugang und andere scheitern. Erst durch die Kenntnis der Ursachen von Lese- oder Rechtschreibproblemen und den Austausch mit anderen Fachdisziplinen kann individuell auf die Situation eines betroffenen Kindes reagiert werden."

    "Wir müssen dafür sorgen, dass Lehrkräfte entsprechend qualifiziert werden, um eine individuelle schulische Förderung durchführen zu können. Sie müssen aber auch die schulischen Grenzen kennen und rechtzeitig - gemeinsam mit den Eltern - dafür sorgen, dass bei Bedarf außerschulische Hilfe in Anspruch genommen wird", fordert Prof. Thomé.

    Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V

    Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., und renommierte Wissenschaftler beziehen Stellung zur Frage, welchen Sinn medizinische Diagnosen zu Legasthenie und Dyskalkulie haben.

    Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., kämpft seit seinem 35jährigen Bestehen für eine qualifizierte Förderung in den Schulen, um den SchülerInnen mit Förderbedarf individuell zu helfen.

    Leider ist es bis heute nicht gelungen, eine ausreichende Anzahl von Pädagogen anforderungsgerecht zu qualifizieren und genügend Förderstunden bereitzustellen. Probleme in der Rechtschreibung dürfen nicht dazu führen, dass begabte SchülerInnen aussortiert werden.

    Weitere Informationen zu diesem Thema sind unter dem Menüpunkt „Förderung“ auf der Website des Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. unter www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

    Stress in der Kindheit beeinflusst genetisch die Entwicklung

    Forscher des Max Planck Instituts für Psychiatrie in München fanden in einer Studie heraus, dass stressvolle, traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit, die Entwicklung des Kindes auf molekularer Ebene langfristig schädigen kann. Für die Studie wurden Mäusebabys täglich für mehrere Stunden von ihren Müttern getrennt.

    Infolge der Belastung setzte ihr Körper vermehrt Stresshormone aus, welche die Gene der Tiere veränderten und wiederum zu Verhaltensänderungen im späteren Leben der Mäuse führte. Es zeigte sich, dass die Tiere, im Vergleich zu ihren Altersgenossen, weniger belastbar waren und ein schlechteres Erinnerungsvermögen hatten.

    Anhand dieser Tierstudie könnte eventuell begründet werden, warum Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen gesammelt haben, im Erwachsenenalter öfter zu Depressionen neigen.

    Kleinkinder sollten in ihrer Entwicklung nicht verglichen werden

    Auch wenn die Entwicklung jedes Kleinkindes in bestimmten Stadien erfolgt, läuft diese nicht bei jedem Kind gleich schnell ab. Nur weil das Nachbarskind bereits laufen und sprechen kann, heißt das nicht, dass der eigene, gleichaltrige Sprössling dies auch können sollte.

    Denn die Entwicklung eines Kindes hängt vor allem von der Umwelt und den Genen ab, wie Dr. Heinz Krombholz vom Münchener Staatsinstitut für Frühpädagogik weiß. Eltern sollten ihre Kinder daher nicht mit anderen vergleichen.

    Das alte Klischee: Sind die erstgeborenen Kinder tatsächlich klüger?

    Das "Project Talent" aus den USA gibt Aufschluss über den Einfluss des Geburtszeitpunktes innerhalb der Familie

    Ein Baby und drei kleine Kinder Kopf an Kopf auf dem Rücken liegend
    happiness child 2 © Tatyana Gladskih - www.fotolia.de

    Man hört es im Freundes- und Bekanntenkreis, liest es in Elternratgebern und irgendwann ist es in den Köpfen vieler Familien eingepflanzt: der oder die Erstgeborene eines Paares ist schlauer und allgemein kompetenter als die jüngeren Geschwister.

    Spielt der Geburtszeitpunkt eine Rolle?

    Sigmund Freud, selbst Erstgeborener mit sieben Geschwistern, war bereits davon überzeugt. Er begründete es (ähnlich wie Ratgeber heute) mit der Vermutung, dass Eltern dem ersten Kind ganz besondere Aufmerksamkeit schenken; es überdurchschnittlich fördern und dieses Kind später die jüngeren Geschwister mit betreut. Es wird daher klüger und verantwortungsvoller.

    Alfred Adler, wie Freud Psychotherapeut, aber ein zweitgeborenes Kind, war der gegenteiligen Meinung. Er sah jüngere Geschwister als die "besseren". Immerhin würden diese unter den Neurosen der älteren Geschwister leiden und lernen, sich besser durchs Leben zu kämpfen. Wer hat nun Recht und spielt die Reihenfolge der Geburt überhaupt eine so große Rolle?

    Erziehung und individuelle Persönlichkeit

    Bisher konnte die Frage nie wissenschaftlich eindeutig beantwortet werden, da einfach große Langzeitstudien fehlten. In den USA begann 1960 das "Project Talent" und sammelte tausende Daten von Kindern. Die Studie achtete auf viele Faktoren, wie Familiengröße, Bildung und Persönlichkeitsmerkmale. Die Daten von 272.003 damals gesammelten Kindern wurden nun ausgewertet und zeigen deutlich: Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man

    ist. Weder der IQ, noch die sozialen Kompetenzen sind bei den großen Geschwistern nennenswert überlegen. Es gab eine winzige Tendenz, die jedoch statistisch ohne Relevanz ist und nach Aussagen der Forscher im Alltag überhaupt nicht spürbar wird.

    Im Durchschnitt liegt der IQ der Erstgeborenen gerade einmal einen Punkt über den jüngeren Geschwistern. Es entscheidet also nicht der Zeitpunkt der Geburt, sondern die Erziehung und die individuelle Persönlichkeit über die Entwicklung.

    Grundinformationen und Hinweise zur Kinderentwicklung

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    Quellenangaben

    • Bildnachweis: Mutiges Kleinkind © Sven Bähren - www.fotolia.de
    • Bildnachweis: 4 Colored Stick Notes Colored Pins Mix © Jan Engel - www.fotolia.de
    • Bildnachweis: girl in pot © Maya Kruchancova - www.fotolia.de

    Autor:

    Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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