Fernsehen kann bei Kindern negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung und Gesundheit haben

Kinder lieben digitale Medien. Schon jeder zweite Neunjährige hat einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer. Die Auswirkungen des Fernsehens auf die Kinderentwicklung können gravierend sein. Kleinere Kinder leiden häufiger unter Aufmerksamkeitsstörungen; zudem können Schlafqualität und später auch Schulnoten darunter leiden. Kinder sollten den Umgang mit dem Fernseher früh lernen. Lesen Sie, wie das Fernsehen die Kinderentwicklung negativ beeinflussen kann und holen Sie sich Tipps zum richtigen Umgang mit Nachwuchs und Fernsehgerät.

Exzessiver Medienkonsum führt zu Schlafmangel und schlechten Schulnoten

Jedes zweite Kind hat eigenes Fernsehgerät

Ob Smartphone, Tablet, Spielekonsole oder TV - eine Kindheit ohne digitale Medien ist kaum noch möglich. Schon Dreijährige möchten gerne eine eigene Flimmerkiste haben.

Auch wenn Eltern diesem Wunsch meist eine Zeit lang widerstehen - sobald ins Wohnzimmer ein größeres TV einzieht, wandert das Altgerät oft zu den Kindern. Ärzte und Psychologen warnen: der Fernseher im Kinderzimmer kann negative Einflüsse auf Gesundheit und schulische Leistungen haben.

Laut einer Umfrage unter 2000 Schülern lebt bereits jeder zweite Neunjährige in einem Raum mit Fernseher. Mehrere Untersuchungen zeigen dabei: der eigene Fernseher erhöht den Medienkonsum. Wenn ein TV im Kinderzimmer steht, schaut der Nachwuchs durchschnittlich eine halbe Stunde länger auf den Bildschirm als ohne eigenes Gerät.

Neben dem Fernsehprogramm locken Videospiele. Besitzt der Sprössling eine eigene Konsole, spielt er mit dem eigenen TV rund eine halbe Stunde mehr pro Tag - zudem häufig Spiele, die erst für ein höhere Altersgruppe freigegeben sind. Manche Kritiker sehen den Fernseher im Kinderzimmer daher als Grundstein für mehr Mediengewalt und ein gesteigertes Aggressionspotential.

Die Folgen für die Kinderentwicklung: macht exzessives Fernsehen dumm?

Dass Fernsehen grundsätzlich dumm macht, ist ein Vorurteil. Exzessiver Medienkonsum hat aber einen nachweislichen Einfluss auf die Schulnoten und die Entwicklung.

Vor allem Kleinkinder zwischen ein und drei Jahren werden durch häufiges Bildschirmflimmern in ihrer Entwicklung gebremst. In einer Langzeitstudie konnten amerikanische Wissenschaftler nachweisen, dass Fernsehkonsum vor dem dritten Lebensjahr die Entstehung einer Aufmerksamkeitsstörung begünstigt.

Kinder, die früh und viel fernsehen, fallen im Grundschulalter häufiger durch Lernschwierigkeiten auf. Auch die Rechen-, Sprach- und Lesekompetenz von kleinen Fernsehfans fällt gegenüber Gleichaltrigen ab. Sie bringen weniger Grundlagen mit und können sich neues Wissen aufgrund von Konzentrationsstörungen schlechter aneignen. Mit jeder täglichen TV-Stunde steigt das Risiko für eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) um 10 Prozent.

Wie Kinder das Fernsehen erleben

Fernsehen macht Spaß. Schon Einjährige begeistern sich für das Bildschirmflimmern; Bilder und Wörter können sie allerdings noch nicht zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen.

Erst Dreijährige sind in der Lage, einige Minuten die Handlungsabläufe zu verfolgen. Die meisten Sendungen für Kleinkinder sind deshalb in kurze und zusammenhanglose Sequenzen unterteilt.

Wenn zu viele dieser Schnipsel aufeinanderfolgen, gerät die kindliche Sinnesverarbeitung an ihre Grenzen. Vor allem abendliches Fernsehen führt so zu einer schlechteren Schlafqualität.

Bis zum Alter von acht bis zehn Jahren gehen Fiktion und Realität ineinander über. Was auf Erwachsene harmlos wirkt, kann Kinder verwirren oder ängstigen.

Geschichten aus dem Fernsehen haben für sie die gleiche Wertigkeit wie reale Erlebnisse. So nehmen Kinder Werbebotschaften für bare Münze und glauben, fiktive Handlungen oder Personen seien ein Abbild vom wirklichen Leben.

Tipps zum Umgang mit Kindern und dem Fernseher

Bei kaum einem Erziehungsthema gehen die Meinungen so sehr auseinander wie bei der Frage, ob und wie viel Kinder fernsehen sollen oder dürfen. Regelmäßig wird sowohl in Erzieher- als auch in Privatkreisen heiß und kontrovers diskutiert.

Eines ist sicher: Die Verantwortung für den Fernsehkonsum von Kindern liegt ausschließlich und alleine bei den Erziehungsberechtigten. Kein Kind kann ohne Anleitung ein vernünftiges und gesundes Fernsehverhalten entwickeln, da die gebotenen Reize einfach zu vielfältig und zu allgegenwärtig sind. Als Eltern sollten Sie also genau steuern, wie viel und vor allem auch welche Inhalte Ihr Kind konsumiert.

Das richtige Alter: Medien sinnvoll nutzen

Sehr kleine Kinder müssen überhaupt noch nicht fernsehen. Sie werden mit dem Fernsehen nur dadurch vertraut, dass sie den Fernsehkonsum ihrer Eltern entdecken

Wenn möglich, sollten Sie also tagsüber nur wenig und nur gezielt fernsehen. Ein Kleinkind vor dem Fernseher zu "parken", damit man ungestört etwas arbeiten kann, ist ebenfalls der falsche Weg. Wenn Sie etwas putzen müssen, so lassen Sie Ihr Kind lieber dabei helfen.

Fernsehen ist nicht förderlich für die Kreativität. Kinder müssen auch lernen, sich selbst zu beschäftigen.

Tipp: Der Fernseher sollte kein fester Bestandteil des Kinderalltags werden!

Vor dem Fernseher lassen sie sich nur berieseln. Das TV-Gerät wird zum festen Alltagsbegleiter; dies führt dazu, dass der Nachwuchs später mehr und mehr auf Animation angewiesen ist. Fördern Sie Ihr Kind lieber dadurch, dass sie etwas mit ihm spielen oder basteln oder Freunde besuchen.

Verbieten können Eltern die moderne Technik nicht. Sie sollten jedoch versuchen, die negativen Konsequenzen von Fernsehkonsum zu vermeiden. Die erste Regel dabei lautet: sparsam dosieren.

  • Für Kinder unter drei Jahren sollte Fernsehen nicht als Babysitter genutzt werden, schon gar nicht als Einschlafritual
  • Bis zum Grundschulalter ist eine halbe Stunde Fernsehen am Tag empfohlen
  • Sechs- bis Zehnjährige dürfen eine Stunde schauen

Wenn Ihr Kind fern sieht, dann achten Sie darauf, dass es sich altersgerechte Sendungen ansieht. Begrenzen Sie die Fernsehzeit.

Schon bei kleinen Kindern kann man dies durch ein Gespräch tun. Wenn Ihr Kind eine Sendung sehen möchte, dann vereinbaren sie mit ihm, dass der Fernseher danach wieder ausgeschaltet wird. Auch kleine Kinder können Regeln akzeptieren und lernen, sich daran zu halten.

Die richtigen Sendungen

Aber auch die Inhalte entscheiden. Neben Klassikern wie der "Sesamstraße" und der "Sendung mit der Maus" gibt es zahlreiche neue Formate für Kinder. Und wie Studien nahelegen, kann dosierter Medienkonsum die kognitive Entwicklung sogar fördern. Informative Kindersendungen und interaktive Programme aus dem Bereich des Edutainment schulen die Aufmerksamkeit und das logische Denken.

Bei Kleinkindern sollten Eltern sich mit auf das Sofa setzen und das Gesehene besprechen. Ältere Kinder können anschließend über die Sendung berichten. So wissen Eltern, was ihr Nachwuchs erlebt - und das Kind trainiert seine sprachliche Ausdrucksfähigkeit.

Sehen Sie also möglichst gemeinsam mit Ihrem Kind fern. So haben Sie nicht nur die Kontrolle darüber, was Ihr Kind konsumiert, sondern im Anschluss auch einen interessanten Gesprächsstoff. Wenn das Programm so sinnarm ist, dass Sie mit Ihrem Kind nicht darüber sprechen können, dann sollten Sie sich überlegen, ob Ihr Kind diese Sendung weiterhin ansehen sollte.

Viele Sendungen aus dem Kinderprogramm bestehen aus lauten Geräuschen, unzusammenhängenden Handlungen und schnellen Schnitten. Kinder sind davon oftmals überfordert. Dagegen lieben fast alle Kinder Tiere.

Im Nachmittagsprogramm gibt es sehr schöne und wertvolle Tiersendungen, bei denen Ihr Kind etwas lernen kann, und die auch für Erwachsene noch interessant sind. Wählen Sie statt einem lauten Comic lieber ein solches Programm.

Neues Fernsehen heißt YouTube

In vielen Familien ist die Diskussion um den eigenen Fernseher mittlerweile nur noch ein Nebenthema. Über Smartphone und Tablet sind mediale Inhalte jederzeit abrufbar, auch abends unter der Bettdecke.

Die Eltern bekommen davon meist gar nichts mit. Statt über TV-Serien zu sprechen, tauschen Jugendliche sich morgens über die neuesten Videos bei YouTube und Co. aus.

Damit das Gehirn der Kinder abends zur Ruhe kommt, empfehlen Psychologen deshalb, nicht nur den Fernseher aus dem Kinderzimmer zu räumen, sondern auch das Handy auszuschalten. Wenn ein TV-Gerät im Zimmer steht, schlafen Kinder 18 Minuten weniger pro Nacht. Jede Stunde, die sie mit Computerspielen oder Videos verbringen, kostet vier Minuten Schlaf.

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