6. März 2008
(pgk) Natürlich und pflanzlich – das kann doch nicht schaden, nur nutzen. So denken offenbar manche Eltern, die ihren Kindern beispielsweise aus Angst vor einer Milchallergie Sojamilch zu trinken geben. Auch wenn eine Mutter ihren Säugling nicht stillen kann, greift sie gerne auf entsprechende sojahaltige Säuglingsanfangsnahrung aus dem Drogerie- oder Supermarktregal zurück.

Doch die Gabe von Sojamilchprodukten an Säuglinge ist durchaus mit Risiken behaftet. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): "Sojanahrung für Säuglinge sollte nur nach ärztlicher Empfehlung gegeben werden!"
Was ist der Grund für diese Vorsicht? Soja enthält sogenannte Phytoöstrogene – vornehmlich die Isoflavone Genistein und Daidzein. Dabei handelt es sich um Naturstoffe, die in ihrer chemischen Struktur Ähnlichkeit mit dem weiblichen Hormon Östrogen haben und wie weibliche Sexualhormone wirken. Hinzu kommt, dass diese Isoflavone nach Angaben des BfR in Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß in relativ hohen Mengen enthalten sind. So wurden bei Säuglingen, die mit Sojanahrung ernährt wurden, deutlich höhere Isoflavon-Konzentrationen im Blut nachgewiesen als bei Säuglingen, die gestillt wurden oder Kuhmilchnahrung erhielten. Außerdem enthält Sojanahrung neben Isoflavonen manchmal auch Phytat – einen natürlichen Pflanzeninhaltsstoff, der die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen beeinflusst.
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei der Säuglingsernährung mit Sojamilch tatsächlich hormonelle Effekte auftreten können: bei Mädchen beispielsweise eine zu früh einsetzende Ausbildung der Geschlechtsmerkmale; bei Jungen wird befürchtet, dass die Hoden geschädigt werden. Die Grundlage für diese Annahmen bilden bislang allerdings nur Tierversuche. Wie sich die erhöhte Zufuhr an Isoflavonen bei Säuglingen auswirkt, ist deshalb nicht abschließend geklärt. Bei Versuchstieren gab es aber Hinweise, dass sich eine hohe Isoflavon-Zufuhr auf die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane, auf das Immunsystem und die Schilddrüse auswirkt.
Das BfR betont zwar, dass sich Ergebnisse aus dem Tierversuch grundsätzlich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen lassen. Aus Vorsorgegründen schließt sich das BfR aber der Empfehlung der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin an, wonach Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß kein Ersatz für Kuhmilchprodukte sei. Nicht oder nicht voll gestillte Säuglinge sollten sie nur in begründeten Ausnahmefällen und nach ärztlicher Empfehlung bekommen. Sojanahrung für Säuglinge sei nicht für die Ernährung gesunder Säuglinge gedacht. Sojanahrung sollte – vor allem über einen längeren Zeitraum – nur dann Säuglingen gegeben werden, wenn dies aus medizinischen Gründen geboten ist.
Solche medizinische Gründe sind nach Mitteilung des BfR zum Beispiel die seltenen Fälle von angeborenem vererbtem Laktasemangel und die ebenfalls seltene Stoffwechselstörung Galaktosämie. Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) sei dagegen in der Regel kein Grund, laktosefreie Soja-Säuglingsnahrung zu verwenden. Auch Säuglingen mit Kuhmilchallergie – so empfiehlt die Ernährungskommission – sollte zumindest bei Behandlungsbeginn keine Sojanahrung gegeben werden. Gegebenenfalls können in solchen Fällen sogenannte speziell aufbereitete Eiweißhydrolysate verwendet werden. Sojaeiweiße dagegen können allergische Reaktionen auslösen und beugen also – entgegen manchen Annahmen – allergischen Erkrankungen keineswegs vor.
Quellen:
LME Aktuell - Lebensmittel und Ernährung, 12.11.2007, Sojaprodukte: Natur mit Risiken und Nebenwirkungen, http://lme.agrar.de/20071112-00000/
Bundesinstitut für Risikobewertung, Mitteilung 21/2007, 19.11.2007, Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte, http://www.bfr.bund.de/cd/10328
Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Das Vorgehen bei Säuglingen mit Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie, http://www.dgkj.de/775.html
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