Cochlea-Implantat - Hörprothese für Gehörlose und Schwerhörige

Das Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese, die aus einem Sprachprozessor und einem Implantat besteht. Das Cochlea-Implantat kann Gehörlosen oder Menschen mit starker Hörminderung wieder zum Hören verhelfen, sofern die Patienten noch über einen funktionsfähigen Hörnerv verfügen. Es wird im Rahmen einer Operation unter Narkose implantiert. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über den Eingriff und wie das Cochlea-Implantat im Detail funktioniert.

Das Cochlea-Implantat kann Menschen mit starken Hörstörungen wieder zum Hören verhelfen

Was ist ein Cochlea-Implantat? - Merkmale und Wirkungsweise

Mithilfe des Cochlea-Implantats (CI) können Gehörlose und Ertaubte wieder hören, sofern ihr Hörnerv noch über Funktionstüchtigkeit verfügt. Das Implantat ersetzt die Funktion des Innenohrs.

Bei dem Verfahren wird der Hörnerv elektrisch stimuliert. Als erfolgversprechend gilt eine Therapie mit dem Cochlea-Implantat jedoch nur bei Kindern sowie bei erwachsenen Menschen, die noch nicht lange unter dem Hörverlust leiden.

Aufbau des Cochlea-Implantats

Im Gegensatz zu einigen anderen Implantaten, die trotz ihrer immensen Wirkung relativ simpel erscheinen, beschreibt das Cochleaimplantat eine umfangreiche Zusammensetzung aus

  • Magneten
  • Spulen
  • Energiequellen
  • Mikrofonen und
  • einem Empfänger.

Dieses wird dem Menschen sowohl in den Körper eingefügt, als auch an diesen angesetzt. Es handelt sich daher um eine Entwicklung, die ebenso extern wie intern arbeitet.

Die Entstehung des Gerätes wurde in den 1960er Jahren begonnen, wird aber bis in die heutige Zeit ständig fortgeführt. So haben sich zuletzt aber bereits deutliche Vorzüge eingestellt, die ein besseres Hören mit sich bringen. Ebenso ist der Aufwand der vorherigen Operation gesunken, wodurch sich für den Patienten ein relativ geringer Eingriff darstellt.

Zusammengesetzt wird das Cochlea-Implantat grundsätzlich von zwei Komponenten. Dabei handelt es sich um den Sprachprozessor und das Implantat.

Der Sprachprozessor im Cochlea-Implantat

Der Sprachprozessor stellt ein externes Teil dar, das aus einem Mikrofon und einem Prozessor besteht. Das Mikrofon ermöglicht die Aufnahme von Schall, während der Prozessor die zu übertragenden Audioinformationen zu digitalen Informationen umwandelt.

Durch das Nutzen von Radiowellen kann der Sprachprozessor die Informationen via Haut in Richtung Implantat weiterleiten. Damit der Sprachprozessor ausreichend Energie erhält, bedarf es zusätzlicher Akkus und Batterien. Durch den Sprachprozessor wird die Energieversorgung für das Implantat gewährleistet.

Funktionsweise des Cochlea-Implantats

Das Implantat ist mit einer Empfangsspule ausgestattet. Diese empfängt die elektrischen Signale, die der Sprachprozessor abgibt.

Das Implantat ist zum Dekodieren der Impulse in der Lage. Sie werden an einen Stimulator abgegeben, der ebenfalls Bestandteil des Implantats ist.

Nach den Instruktionen des Sprachprozessors werden an einzelne Elektroden innerhalb der Scala tympani (Paukentreppe) elektrische Ströme weitergeleitet. Durch transkutane Induktion erhält das Implantat seine Energieversorgung vom Sprachprozessor.

Den Sprachprozessor trägt der Patient wie ein Hörgerät hinter seinem Ohr, während das Implantat durch einen operativen Eingriff in die Ohrschnecke eingesetzt wird. Der Sprachprozessor sorgt für das Umwandeln der Schallschwingungen in elektrische Signale. Dadurch werden Pulswellen codiert und mit Radiowellen oder durch Induktion in Richtung Implantat weitergegeben.

Vom Träger des Implantats können die Signale entschlüsselt werden, sodass sie bis zur Cochlea (Hörschnecke) gelangen. An dieser Stelle wird der Hörnerv von den elektrischen Impulsen stimuliert. Die Signale gehen in Richtung Gehirn, von dem die Informationen wie ein natürliches Geräusch verarbeitet werden.

Gehör beim Menschen
Das menschliche Ohr und Gehör mit Sitz des Hörnervs

Wie läuft das normale Hören ab?

Von einem gesunden Ohr werden Schallwellen aufgefangen und via Gehörgang bis zum Trommelfell weitergegeben. Dabei entstehen mechanische Schwingungen. Durch die drei Gehörknöchelchen, die sich im Mittelohr befinden, dem Steigbügel, Hammer und Amboss, werden die Schwingungen zum ovalen Fenster weitergeleitet.

Hinter dem ovalen Fenster ist das Innenohr mit der Hörschnecke angesiedelt. Dabei handelt es sich um einen Knochenhohlraum in Spiralform.

Darin untergebracht ist das Sinnesorgan, das ein gewundenes Schlauchsystem bildet, das ebenfalls mit Flüssigkeit gefüllt ist. Dort liegen auch die Sinneszellen mit ihren feinen Härchen, die in die Flüssigkeit übergehen.

Wird die Flüssigkeit durch Schallwellen zum Schwingen gebracht, hat dies zur Folge, dass die Reize via Hörnerv in Richtung Gehirn weitergegeben werden. Dort lassen sich die Signale in akustische Informationen umwandeln.

Es ist keine Seltenheit, dass ein Mensch im Zuge

  • des Alters
  • von Krankheiten oder
  • chronischen Lärms

nur noch bedingt sein Gehör nutzen kann. Im Regelfall fällt dieses jedoch nicht gänzlich aus. Wahrscheinlicher ist es, dass Worte und Signale nur noch gedämpft wahrgenommen werden, sehr leise also, zuweilen verzerrt und bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Zur akustischen Unterstützung kommt dabei ein Hörgerät zum Einsatz. Bei ihm handelt es sich nicht um ein Implantat, da es nach seiner Verwendung restlos vom Körper entfernt werden kann.

In schwerwiegenden Situationen aber, die den Betroffenen oft an die Grenzen der Taubheit führen, wird auf das so genannte Cochleaimplantat zurückgegriffen. Mit ihm soll das Hören nahezu uneingeschränkt möglich sein.

Voraussetzungen für ein Cochlea-Implantat

Damit ein Cochlea-Implantat eingesetzt werden kann, müssen der Hörnerv und die zentrale Hörbahn noch intakt sein. Liegt eine Schädigung des Hörnervs vor, ist alternativ die Wiederherstellung der Hörfähigkeit durch ein auditorisches Hirnstammimplantat möglich.

Indikationen: Wann wird ein Cochlea-Implantat eingesetzt?

  • Cochleärer Taubheit (Beeinträchtigungen der Haarzellen innerhalb der Hörschnecke)
  • Vererbte oder prälinguale Taubheit im Kindesalter, bei der die Hörschädigung schon vor dem Erlernen der Sprache besteht
  • Postlinguale Ertaubung mit Gehörlosigkeit nach dem Erlernen der Sprache
  • Schwerhörigkeit, die sich auch durch das Anlegen eines Hörgeräts nicht bessert

Im Gegensatz zu Kindern ist bei taub geborenen Erwachsenen das Einsetzen eines Cochlea-Implantats normalerweise nicht sinnvoll, weil ihr Gehirn das Erkennen und Einordnen von akustischen Signalen niemals erlernt hat. Daher gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass diese Fähigkeiten noch entstehen.

Das Cochlea-Implantat kann auf beiden Ohren getragen werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, besser zu erkennen, aus welcher Richtung die Geräusche stammen. Der Patient ist auf diese Weise in der Lage, unerwünschte Geräusche besser von erwünschten Geräuschen zu trennen.

Implantation des Cochlea-Implantats

Voruntersuchungen vor Implantation eines Cochlea-Implantats

Bevor das Cochlea-Implantat operativ eingesetzt wird, sind einige Voruntersuchungen notwendig. Dabei wird der Grund für die Taubheit ermittelt und ob Hörnerv und Hörbahn funktionell und morphologisch integrierbar sind. Zu diesem Zweck finden eine Computertomographie (CT) sowie eine Magnetresonanztomographie (MRT) statt.

Weitere Voruntersuchungen bestehen aus verschiedenen Hörprüfungen wie ein Sprachaudiogramm oder eine Hörschwelle sowie einer objektiven Hörprüfung. Falls erforderlich, können zudem ein subjektiver Promontoriumstest sowie eine Elektrochochleographie durchgeführt werden.

Von Bedeutung sind außerdem die psychosoziale Situation sowie der allgemeine Sprachentwicklungsstand des Patienten.

Ablauf der Operation zur Implantation eines Cochlea-Implantats

Der Patient erhält vor der Operation zumeist eine Vollnarkose.

Erster Schritt der Implantation ist das Vornehmen eines Hautschnitts auf der Rückseite des Ohrs von 5 bis 8 Zentimetern. Nach dem Freilegen der Schädelknochen fräst der Chirurg eine Vertiefung aus, in der er später den externen Sprachprozessor anbringt.

Außerdem legt der Operateur einen Kanal zum Mittelohr hin an sowie eine Öffnung zum Innenohr. Durch diesen Zugang wird eine Elektrode in der Scala tympani implantiert.

Die Verankerung des Implantats erfolgt in einem gesonderten Knochenbett auf der Ohrrückseite. Schon während der Implantation testet der Arzt das Cochlea-Implantat sowie die Hörnervfunktionen.

Kosten des Cochlea-Implantats und Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Für die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat muss mit Kosten um die 40.000 Euro gerechnet werden; dabei sind die Rehabilitationsmaßnahmen mit eingerechnet. In der Regel kommen die gesetzlichen Krankenkassen dafür auf.

Was muss nach der Implantation eines Cochlea-Implantats beachtet werden?

Ist die Implantation erfolgreich verlaufen, darf der Patient die Klinik schon kurz darauf wieder verlassen. Zur postoperativen Kontrolle finden eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie statt.

Dadurch kann die Position des Implantats kontrolliert werden. Auch auf die Wundheilung wird genau Acht gegeben, um denkbare Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

Basistherapie nach der Implantation eines Cochlea-Implantats

Im Rahmen der Basistherapie erfolgt eine medizinische Nachbetreuung. Das Implantat wird eingestellt und der Sprachprozessor optimiert.

Zu diesem Zweck finden regelmäßig Hörtests und Sprachtests statt. Ferner erfolgt ein konsequentes Hör-Sprach-Training.

Bei den meisten Patienten ist es erforderlich, die Einstellungen für das Implantat mehrere Male zu verändern und individuell anzupassen, um das gewünschte Resultat zu erzielen. Ebenso sind technische Kontrollen von Wichtigkeit.

In manchen Fällen tun sich die Patienten schwer mit dem Cochlea-Implantat und haben Probleme bei der Verarbeitung der Sinneseindrücke, denen sie nun ausgesetzt sind. Es besteht die Gefahr, dass der Behandlungserfolg darunter leidet. Oft wird zur Unterstützung eine psychologische Betreuung vorgenommen.

Nachsorge für Patienten mit Cochlea-Implantat

Für den Rest seines Lebens muss sich der Patient nach dem Einsetzen des Cochlea-Implantats einer Nachsorge unterziehen, die in einer entsprechenden Klinik stattfindet. In regelmäßigen Intervallen werden dabei die Leistungen des Patienten beim Hören und Sprechen überprüft, um seine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.

Risiken eines Cochlea-Implantats

Durch das operative Implantieren eines Cochlea-Implantats bestehen einige allgemeine medizinische Risiken:

  • Infektionen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Nervenschädigungen
  • Schwindelgefühle
  • Das unerwünschte Stimulieren von Geschmacks- und Gesichtsnerven
  • Mittelohrinfektionen
  • Eine Hirnhautentzündung (Meningitis) nach der Operation
  • Unverträglichkeiten mit dem Material
  • Technische Probleme wie Defekte am Implantat

Das Einsetzen der Geräte sollte ausschließlich von kompetenten Fachärzten vorgenommen werden. Das filigrane Hantieren an den Nerven führt nämlich im Zweifelsfalle zu Beeinträchtigungen des Geschmackssinnes. Daneben können die Gesichtsnerven beschädigt werden, wodurch sich auch optische Entstellungen ergeben dürften.

Leben mit Cochlea-Implantat: Vor- und Nachteile

Das Cochlea-Implantat bietet den Vorteil, dass die Betroffenen mit ihm besser hören können als mit einem Hörgerät. In Umgebungen mit vielen Geräuschen ist für sie eine bessere Orientierung möglich, sodass sie Gesprächen leichter folgen können.

Mithilfe des Implantats nehmen die Patienten Geräusche wahr, die sie zuvor nicht hören konnten. Im Alltag fühlen sie sich dank ihrer neuen Hörfähigkeiten sicherer. Außerdem sind sie in der Lage zu telefonieren oder Musik zu hören.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile. So ist es notwendig, das Implantat beim Schlafen zu entfernen.

Gleiches gilt beim Ausüben von Sportarten wie Kampfsport oder Schwimmen. Durch hochfrequente Signale, Elektrostatik oder intensive Magnetfelder drohen Reizungen der Hörnerven.

Zum optimalen Wahrnehmen des Tons von Audio- und TV-Geräten bedarf es mitunter weiterer externer Mikrofone. Außerdem ist reichlich Zeitaufwand für die Pflege und Wartung des Cochlea-Implantats erforderlich.

Das Sprachverständnis lässt sich manchmal selbst durch intensiviertes Training nicht komplett wiederherstellen. Einige Patienten haben zudem optische Probleme mit dem Implantat, weil es ihnen äußerlich zu auffällig erscheint.

Erfolg des Implantates hängt nicht selten von einigen Details ab. Die Meinungen der Betroffenen sind zudem verschieden.

Auch der relativ geringe Aufwand wird zuweilen noch als Hindernis angesehen, das die Resultate nicht wert gewesen sei. Dennoch setzt die Cochleatherapie gegenwärtig den Maßstab auf dem Gebiet, gehörgeschädigten oder sogar tauben Menschen wieder den Zugang zur Wahrnehmung von Worten und Klängen zu ermöglichen.

Welche Vor- und Nachteile auftreten, ist letztlich individuell unterschiedlich. Sie hängen u.a. davon ab, wie lange der Hörverlust vor der Implantation bestand, wie schwer er ausfiel und wie der Zustand des Innenohrs ist. Auch medizinische Kriterien und wie lange das Implantat täglich getragen wird, spielen eine Rolle.

Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Cochlea-Implantat Versorgung einschließlich zentral-auditorischer Implantate, AWMF online, 2012, www.awmf.org, abgerufen am 10.12.2019
  • Marion Hermann-Röttgen: Cochlea-Implantat, TRIAS, 2010
  • Julia Stephanie, Margot Ingrid Hochgesand: Komplikationen nach Cochlea-Implantat-Versorgung bei Erwachsenen, Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2018
  • Malte Benedict Richters: Objektiver und subjektiver Hörgewinn der Cochlea-Implantat-Versorgung, Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2018
  • Thomas Lenarz: Cochlea-Implantat - Ein praktischer Leitfaden für die Versorgung von Kindern und Erwachsenen, Springer Berlin Heidelberg, 1998
  • Elisabeth Calcagnini Stillhard: Das Cochlear-Implant. Eine Herausforderung für die Hörgeschädigtenpädagogik, Edition SZH/SPC, 1994
  • Tanja Dedy: Mein Weg zum Cochlea Implantat: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, Independently published, 2018, ISBN 1983309060

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