Kinderkliniken Artikel

Gut vorbereitet ins Krankenhaus: Ambulante Operationen bei Kindern

Damit der OP-Tag möglichst reibungslos und stressfrei für alle - und insbesondere für den kleinen Patienten - abläuft, ist es enorm wichtig, dass Eltern gut auf diese Ausnahmesituation vorbereitet sind.

Emma ist drei Jahre alt. Sie hat einen Nabelbruch, der operiert werden muss. Emmas Eltern sind sich nicht sicher, ob sie diesen Eingriff ambulant vornehmen lassen sollen oder ob ihr Kind lieber ein paar Tage im Krankenhaus verbringen soll. "Viele Operationen erfordern heutzutage keinen Klinikaufenthalt mehr", sagt Dr. Peter Liedgens, Chefarzt der Kinderchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Bei Kindern können Eingriffe, wie z.B. die Behandlung des Leisten- und Nabelbruchs, der Vorhautverengung und des Leistenhodens ambulant durchgeführt werden. Die Erfahrung vieler Mediziner zeigt sogar, dass die meisten Kinder sich besser von einer OP erholen, wenn sie in gewohnter Umgebung sind. Es gibt bei ihnen in der Regel weniger Komplikationen, die Wundheilung verläuft besser und die psychische Belastung ist geringer. Damit aber auch der OP-Tag selbst möglichst reibungslos und stressfrei für alle - und insbesondere für den kleinen Patienten - abläuft, ist es enorm wichtig, dass Eltern gut auf diese Ausnahmesituation vorbereitet sind."

Ambulante Operation: Ja oder Nein?

"Kleinere Eingriffe sind zwar prinzipiell ambulant durchführbar, ob sie allerdings auch so durchgeführt werden sollten, muss individuell entschieden werden", so Dr. Liedgens. "Entscheidend ist dabei in erster Linie der Gesundheitszustand des Kindes. Die kleinen Patienten dürfen keine ernsthaften Grunderkrankungen haben. Starkes Übergewicht, Allergien, Asthma oder eine Zuckerkrankheit können im Einzelfall gegen das Verlassen der Klinik nach einer OP sprechen. Zu bedenken ist hier, dass bei Babys unter einem halben Jahr bestimmte Stoffwechselerkrankungen noch gar nicht zutage treten. Deshalb raten Narkoseärzte in diesem Alter von ambulanten Eingriffen ab. Und bei Kleinkindern, die zu früh zur Welt kamen, können im ersten Lebensjahr wichtige Organe wie die Lunge noch nicht richtig entwickelt sein, deshalb sollten Eingriffe bei ihnen ebenfalls in einer Klinik vorgenommen werden." Auch sonst spielt das Alter der Kinder bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle. "Besonders Zwei- bis Vierjährige empfinden einen Klinikaufenthalt oft als Bedrohung, denn sie sind noch nicht dazu in der Lage zu begreifen, warum das alles geschieht", erklärt der Kinderchirurg. "Ihnen fällt es schwer, beängstigende Eindrücke zu verarbeiten. Daher ist bei einem Eingriff in diesem Alter die ambulante OP zumeist die erste Wahl."


EKE - Der Kinderchirurg Dr. Peter Liedgens erkundigt sich nach dem Befinden seines kleinen Patienten

Kommunikationsmöglichkeit ist wichtig

Voraussetzung für jeden ambulanten Eingriff sind immer Eltern, die ausreichend Zeit haben, sich zu Hause um ihr Kind kümmern zu können. Es gibt natürlich auch Väter und Mütter, für die es eine starke psychische Belastung bedeutet, wenn sie nach der OP keinen Arzt in der Nähe wissen. "Wenn sich jemand mit einer solchen Situation überfordert fühlt, raten wir von der ambulanten Operation ab", erläutert Dr. Liedgens. "Ein entscheidender Punkt für eine optimale Nachsorge des Kindes ist, dass Eltern und Arzt miteinander kommunizieren können. Nur so kann der Arzt den Eltern Anweisungen geben, wie das Kind zu pflegen und worauf nach dem Eingriff zu achten ist. Kinder, deren Eltern kein Deutsch sprechen, sind daher oft besser im Krankenhaus aufgehoben." Außerordentlich hilfreich für einen ambulanten Eingriff ist es außerdem, wenn die Familie im Besitz eines Autos ist und zwei Erwachsene das Kind zur OP begleiten können. So kann sich auf der Rückfahrt eine Person voll und ganz auf das Kind konzentrieren und muss nicht zusätzlich auf den Verkehr achten.

Keine Überraschungspartien

Natürlich haben auch Eltern Angst, wenn ihr Kind operiert werden muss. Wenn sie aber ihrem Nachwuchs jetzt vermitteln, dass etwas Schreckliches passieren wird, kommen die Kinder völlig verängstigt ins Krankenhaus. Die Devise lautet deshalb: Positiv denken und eigene Befürchtungen nicht zeigen. Die Notwendigkeit des Eingriffs sollte dem Kind möglichst ruhig mitgeteilt werden. Auch ist es ratsam, nicht in Gegenwart des Kindes mit den Ärzten über mögliche Komplikationen, die bei Operationen auftreten können, zu sprechen. Wie viel ein Kind über den bevorstehenden Eingriff wissen sollte oder wissen will, können seine Eltern am Besten beurteilen. Grundsätzlich gilt: Das Kind nicht überfordern, aber auch nicht unterschätzen. Manchen Kindern muss vorher alles im Detail erklärt werden, anderen macht so eine Vorgehensweise Angst. Der Eingriff darf aber niemals eine komplette Überraschungspartie für das Kind werden. Kinder müssen zumindest wissen, dass sie gepiekst werden, dass sie eventuell etwas einnehmen müssen, was nicht so toll schmeckt, und dass sie nach der OP vorübergehend Schmerzen haben können. Auf Versprechen à la "Es tut gar nicht weh" sollte man verzichten. Sie können nicht eingehalten werden und führen beim Kind zu einem Vertrauensverlust.

Teddy muss mit

Wurde in der kinderchirurgischen Sprechstunde das Kind untersucht und der geplante Eingriff besprochen, ist am Tag vor der OP ein weiterer kurzer Besuch im Krankenhaus notwendig, um das Kind dem Narkosearzt vorzustellen. Für eine optimale Versorgung während des Eingriffs muss er über Vorerkrankungen, aber auch über Besonderheiten wie beispielsweise Allergien informiert sein. Am OP-Tag kommt das Kind mit seinen Eltern zum vereinbarten Termin in die Klinik. "Der kleine Patient muss an diesem Tag nüchtern sein, d.h. die letzte Nahrungsaufnahme sollte mehr als sechs Stunden zurück liegen", erklärt Dr. Liedgens. "Auch auf Bonbons oder Milch muss in dieser Zeit verzichtet werden. Klare Flüssigkeiten wie Tee und Wasser können bis zu zwei Stunden vor Narkoseeinleitung getrunken werden. Diese Vorschrift ist sehr wichtig, um das Risiko des Erbrechens bei der Narkoseeinleitung möglichst gering zu halten." Mitzubringen sind an diesem Tag Untersuchungsbefunde des Kinderarztes sowie OP- und Narkoseaufklärungsbogen. "Vergessen werden darf natürlich keinesfalls das Lieblingskuscheltier, der Schnuller oder sonstige Dinge, die dem Kind den Aufenthalt möglichst angenehm machen können", so der Arzt aus Essen. "Auch wenn man die Klinik nach einigen Stunden wieder verlässt, ist es doch sinnvoll, einen bequemen Jogginganzug für das Kind einzupacken. Je schneller Kinder das OP-Hemd nach dem Eingriff wieder ausziehen dürfen, um so eher gewinnen sie ein Stück ihrer gewohnten Normalität zurück."

Spielerische Herangehensweise

Auf der Kinderstation wird das Kind auf die Operation vorbereitet. Dazu gehören beispielsweise das Wiegen und das Aufkleben eines Pflasters mit einer betäubenden Salbe an der Stelle des Arms, an der später gepiekst wird. Manchmal wird dem Kind vor dem Eingriff ein Beruhigungsmittel verabreicht, damit es möglichst entspannt zur OP fahren kann. "Alle Vorgänge werden so gut es geht spielerisch an das Kind herangetragen, damit erst gar keine Angst aufkommt", betont Dr. Liedgens. "Die Eltern können ihr Kind bis zur Tür des Operationssaals begleiten. Aus hygienischen und organisatorischen Gründen dürfen sie nicht mit hinein. Eltern müssen an diesem Punkt sehr tapfer sein und keine Tränen zeigen. Sie sollten ihrem Kind vielmehr versichern, dass sie nicht weggehen und die ganze Zeit in der Nähe warten."

Positive Erfahrungen mitnehmen

Nach der Operation werden die Kinder in den Aufwachraum gebracht. Hier wird das Allgemeinbefinden des Patienten noch einige Zeit beobachtet. "Eltern sollten sich nicht durch Schläuche und Kabel, die zu Überwachung an ihrem Kind befestigt sind, verängstigen lassen", rät der Kinderchirurg. "Und sollte es wider Erwarten zu irgendeiner Art von Zwischenfall kommen, beispielsweise das ein Kind erbrechen muss, sollten Eltern nicht in Panik geraten. Nur wenn die Erwachsenen dies beherzigen, können sie dem Kind die Ruhe vermitteln, die es in dieser Situation benötigt."

Nach dem Aufwachraum wird das Kind noch für einige Zeit auf die Kinderstation gebracht. Hier kann es richtig ausschlafen. Die Eltern sollten aber am Bett sitzen bleiben, damit jemand da ist, wenn der kleine Patient in der fremden Umgebung aufwacht. Auch wenn das Kind jetzt wieder trinken darf, sollten die Eltern es nicht dazu drängen. Um einem Erbrechen aus Unverträglichkeit vorzubeugen, wird zunächst nur mit winzigen Schlucken der Mund befeuchtet. "Vergessen Sie nicht, ihr Kind jetzt zu loben und ihm zu sagen, wie tapfer es war", empfiehlt Dr. Liedgens. "Haben Eltern und Krankenhauspersonal ihren Job gut gemacht, wird das Kind nach der überstandenen Operation eine positive Erfahrung mitnehmen können: Das Gefühl, eine schwierige Situation gut gemeistert zu haben – und das stärkt das Selbstwertgefühl."

Das Kind nicht überschätzen

Der Arzt wird für die ersten Tage zu Hause den Eltern genaue Instruktionen geben. Ist etwas unklar, sollten die Eltern den Arzt so lange fragen, bis sie sich ihrer Aufgabe gewappnet fühlen. Eltern müssen wissen, wie sie mit Schmerzen des Kindes umgehen können und worauf sie achten sollen. Das notwendige Verbandsmaterial und Medikamente für die Versorgung des Kindes werden in der Regel von der Klinik mitgegeben. Die Weiterbehandlung nach der OP erfolgt entweder durch den Kinderarzt oder das Krankenhaus. "Sollten irgendwelche Probleme auftreten, sind wir selbstverständlich rund um die Uhr in der Klinik für die Eltern und ihr Kind zu erreichen", versichert Dr. Liedgens und gibt den Eltern noch den abschließenden Rat: "Überschätzen Sie ihr Kind in den ersten Tagen nicht und muten Sie ihm nicht zuviel zu. Auch wenn ein Kind nach ein paar Stunden wieder fit scheint, dauert es noch Tage, bis sich der Organismus von der OP und der Narkose erholt hat. Ambulante Eingriffe funktionieren heute in den allermeisten Fällen zwar möglichst sanft und schonend – Operationen bleiben sie aber allemal."

Quellenangaben

  • EKE - Elisabeth-Krankenhaus Essen

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LESERMEINUNGEN (1)

Gut erklärt

Ich finde es sehr gut wie das alles hier erklärt wird denn, es ist sehr gut zu verstehen.

  • Lesermeinung von Anne-Kathrin
  • 12.10.12 18:33

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