Schilddrüsenvergrößerung - Ursachen, Symptome und Behandlung

Lange Zeit verursacht eine Schilddrüsenvergrößerung keine Beschwerden. Die Diagnose stellt der Hausarzt oder Internist. Meist ist Jodmangel die Ursache für eine Schilddrüsenvergrößerung. In vielen Fällen kann die Krankheit gut behandelt werden.

Die Entstehung einer Schilddrüsenvergrößerung und wie man die Struma bzw. den Kropf erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Eine Schilddrüsenvergrößerung wird auch als Struma oder Kropf bezeichnet. Dabei ist die Schilddrüse vergrößert, ohne, dass eine Abhängigkeit zur Stoffwechsellage besteht.

Bei der Struma handelt es sich um die weltweit häufigste Hormondrüsen-Erkrankung. Sie lässt sich nach unterschiedlichen Faktoren einteilen, dazu gehören

  • die Ausprägung: Struma diffusa (gleichmäßig vergrößert), Struma nodosa (vorhandene Knoten), Struma uninodosa (ein Knoten), Struma multinodosa (mehrere Knoten)
  • die Lage: eutope Struma (normale anatomische Lage), dystope Struma (hinter der Luftröhre, im Brustkorb oder untder der Zunge)
  • die Funktion: euthyreote Struma (normale Stoffwechselwerte), hypothyreote Struma (Schilddrüsenunterfunktion), hyperthyreote Struma und toxische Struma (Schilddrüsenüberfunktion)
  • nach dem Auftreten: endemische Struma (über 10 % der Bevölkerung sind betroffen), ansonsten sporadische Struma
  • nach der Klassifikation von Tumoren (Dignität): Struma maligna (bösartig) und blande Struma (nicht-entzündlich, gutartig)

Ursachen

Jod wird vom menschlichen Körper für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt. Wird dem Körper zu wenig davon zugeführt, leidet der Mensch unter einem Jodmangel. Jeder dritte Mensch leidet laut Statistiken darunter.

Durch den Jodmangel bildet sich dann der Kropf, die Schilddrüsenvergrößerung, da der Körper durch eine größere Schilddrüse versucht, die benötigte Menge an Schilddrüsenhormonen auszugleichen. In diesem Fall sind jedoch die im Blut zu bestimmenden Schilddrüsenwerte noch normal.

Risikogruppen und -faktoren

Besonders gefährdet für einen Jodmangel sind schwangere und stillende Frauen, da diese einen erhöhten Jodbedarf haben. Auch Kinder haben einen Mehrbedarf an Jod. Allgemein besteht im Süden Deutschlands eher ein Jodmangel, da hier zu wenig Fisch gegessen wird.

Eine Entzündung der Schilddrüse kann ebenfalls die Ursache einer Schilddrüsenvergrößerung sein. Auch ein bösartiger Tumor im Bereich der Schilddrüse vergrößert das Volumen der Schilddrüse. Zudem können Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Verletzungen der Schilddrüse eine Schilddrüsenvergrößerung hervorrufen.

Verlauf

Wie die Schilddrüsenvergrößerung genau behandelt wird, hängt von der Ursache der Krankheit ab. Teilweise reicht eine Medikamentengabe in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung aus, teilweise ist auch ein operativer Eingriff notwendig.

Wird die Schilddrüse während der Operation entfernt, so bedeutet dies für den Patienten, dass er lebenslang Hormone einnehmen muss, da die Schilddrüse diese nicht mehr bilden kann. Ein Risiko der Operation besteht darin, dass ein Nerv verletzt wird, der für die Stimme benötigt wird. Dies kann dazu führen, dass der Patient heiser wird.

In der Schwangerschaft empfehlen viele Frauenärzte die zusätzliche Einnahme von Jod, um einem Jodmangel durch den erhöhten Bedarf in dieser Zeit vorzubeugen. Anderenfalls können schwere Schäden beim ungeborenen Baby entstehen.

Symptome

Eine vergrößerte Schilddrüse ist mit bloßem Auge zu erkennen: Die Patienten haben einen verdickten Hals, einen so genannten Kropf. Erst wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist, haben die Patienten das Gefühl, als hätten sie einen Kloß im Hals.

Dadurch bestehen auch Beschwerden beim Schlucken. Einige Patienten haben durch die stark vergrößerte Schilddrüse auch das Gefühl, sie müssten ersticken. Wird die Schilddrüsenvergrößerung auch dann noch nicht behandelt, bemerken die Patienten ein unnormales Geräusch beim Einatmen.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) teilt die Struma in folgende Stadien ein:

  • Grad 0: keine Struma
  • Grad I: Struma ist tastbar
  • Grad I a: Struma ist bei normaler Kopfhaltung nicht tastbar, es wird ein kleiner Knoten bei normaler Strumagröße bemerkt
  • Grad I b: Struma ist tastbar und auch sichtbar, wenn der Hals zurückgebeugt ist
  • Grad II: Struma ist bei normaler Kopfhaltung sichtbar
  • Grad III: Struma ist sehr groß; es kommt zur Verdrängung anderer Organe im Bereich des Halses

Diagnose

Wenn ein Patient seinem Arzt diese Symptome schildert, fragt der Arzt nach den genauen Beschwerden sowie nach den Ernährungsgewohnheiten des Patienten. Dabei ist für den Arzt wichtig, wie oft der Patient in der Woche Fisch isst und ob zum Kochen jodiertes Speisesalz verwendet wird.

Der Arzt tastet anschließend den Hals von außen ab und kann dabei meist den Kropf bereits ertasten. Dabei kann der Arzt auch feststellen, ob sich Knoten im Bereich der vergrößerten Schilddrüse gebildet haben. Für die Untersuchung steht der Arzt hinter dem Patienten.

Im Rahmen des Abtastens bittet der Arzt den Patienten auch zu schlucken, so dass er dabei die Bewegung des Kehlkopfes zusammen mit der Schilddrüse ertasten kann. Auch der Umfang des Halses wird gemessen.

Anschließend führt der Arzt eine allgemeine körperliche Untersuchung durch und untersucht die Schilddrüse durch Ultraschall.< Auch hier kann diagnostiziert werden, wie groß die Schilddrüse ist und ob sich bereits Knoten gebildet haben.

Im Rahmen der Diagnostik einer Schilddrüsenvergrößerung wird auch eine Szintigrafie angefertigt. Dadurch kann der Arzt die genaue Form der Schilddrüsenerkrankung feststellen sowie Knoten (so genannte kalte und warme Knoten) erkennen.

Zusätzlich wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt und die Schilddrüsenwerte bestimmt. Dadurch kann der Arzt zum Beispiel feststellen, ob eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse vorliegt. Teilweise sind weitere Untersuchungen notwendig, bis die Diagnose Schilddrüsenvergrößerung gestellt werden kann.

Diagnose nach Stadien

Wenn alle Untersuchungsergebnisse vorliegen, kann der Arzt die Struma in verschiedene Stadien einteilen. Dabei ist entscheidend, ob und wie die Schilddrüsenvergrößerung bereits am Hals zu sehen ist oder ertastet werden kann und ob der Patient bereits weitere Einschränkungen zum Beispiel beim Atmen hat. Die Stadien lauten wie folgt:

  • Grad 0: Diagnose nur per Ultraschall möglich
  • Grad I: Die Schilddrüse lässt sich bereits ertasten
  • Grad II: Die Schilddrüse ist tast- und sichtbar
  • Grad III: Starke Vergrößerung, auch aus der Ferne sichtbar

Behandlung

Medikamente und spezielle Ernährung

Besteht eine Schilddrüsenvergrößerung in Verbindung mit normalen Blutwerten, so genügt in der Regel die Einnahme von Jodtabletten. Zusätzlich müssen die Patienten ihre Ernährung umstellen und regelmäßig Fisch essen. Auch die Verwendung von jodiertem Speisesalz ist empfehlenswert.

Zeigt die medikamentöse Therapie mit Jod keinen Erfolg, so werden zusätzlich Schilddrüsenhormone verabreicht. In jedem Fall muss der Patient regelmäßig zu seinem Arzt in die Praxis und eine Kontrolle der Blutwerte sowie eine Schilddrüsensonografie durchführen lassen, um etwaige Veränderungen sofort feststellen zu können und die Therapie gegebenenfalls zu ändern.

Operation und Strahlentherapie

Ist die Schilddrüse stark vergrößert oder konnte der Arzt einen krebsverdächtigen Knoten diagnostizieren, so wird die Schilddrüse meist operativ entfernt. Erfolgt eine komplette Entfernung, so muss der Patient lebenslang Schilddrüsenhormonein Form von Tabletten einnehmen.

In einigen Fällen wird auch eine Bestrahlungstherapie durchgeführt. Während dieser so genannten Radiojodtherapie erhält der Patient radioaktives Jod verabreicht. Dieses lagert sich in der Schilddrüse ein.

Ziel der Therapie ist, die Größe der Schilddrüse erheblich zu minimieren. Teilweise kann dies jedoch eine Schilddrüsenunterfunktion zur Folge haben, die eine weitere Therapie nach sich zieht.

Vorbeugung

Wer einer Schilddrüsenvergrößerung vorbeugen möchte, sollte auf eine jodreiche Ernährung achten. Jod ist überwiegend in Fisch enthalten. Auch den meisten Salzsorten ist Jod beigemischt.

Beim Kauf von Mineralwasser sollte man ebenfalls auf den Jodgehalt achten. Viele Hersteller haben auch jodhaltige Zahnpasta im Angebot.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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