Meningeom - Ursachen, Symptome und Behandlung

Senior in weißem Shirt hat Augen geschlossen und fasst sich an die Schläfen, drei Kreise schwirren um den Kopf

Meist gutartiger Tumor im Bereich der Hirnhaut

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Meningeom wird ein spezieller Gehirntumor bezeichnet, der durch entartete Zellen der mittleren Hirnhautschicht (Arachnoidea) entsteht. Diese Art von Hirntumor ist zumeist gutartig, ein bösartiger Verlauf tritt nur sehr selten auf. Die genaue Ursache für die Entstehung eines Meningeoms ist bislang unklar. Lesen Sie hier, in welche Schweregrade Meningeome unterteilt werden, durch welche Symptome sie sich äußern und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Das Meningeom (oder auch Meningiom) stellt einen meist gutartigen (benignen) Tumor der Hirnhaut dar. Zu seinen typischen Eigenschaften zählt sein nur langsam voranschreitendes Wachstum. Bösartige (maligne) Entartungen sind nur selten der Fall. Bei 20 bis 25 Prozent sämtlicher primärer Tumore handelt es sich um ein Meningeom. Der Tumor geht von den Meningen (Häuten) des Gehirns oder Rückenmarks aus.

Epidemiologie

Der Anteil der Mengingeome an den Gehirntumoren beträgt rund 15 Prozent. Besonders betroffen von dem Tumor sind Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Dabei leidet das weibliche Geschlecht doppelt so häufig unter ihm wie das männliche Geschlecht. Das Risiko, an einem Meningeom zu erkranken, steigt mit dem Alter an. Von 100.000 Menschen sind ungefähr sechs von einem Mengingeom betroffen.

Grade

Meningeome werden nach der "WHO-Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems" in drei unterschiedliche Grade unterteilt.

Nach der Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören 85 von 100 Meningeomen zum Grad I, was ein sehr langsames Wachstum bedeutet.

10 von 100 Meningeomen werden Grad II zugeordnet. Sie sind auch als atypische Meningeome bekannt.

Zum Grad III gerechnet werden die sehr selten auftretenden Meningeome, die einen bösartigen Verlauf nehmen. In der Medizin tragen sie auch die Bezeichnung "anaplastische Meningeome".

Im Unterschied zu den bösartigen Verlaufsformen entstehen durch die gutartigen Meningeome keine Metastasen (Tochtergeschwülste).

Ursachen

Ein Meningeom entsteht aus den Deckzellen der weichen Hirnhaut, von der das menschliche Gehirn überzogen wird. Diese mittlere Hirnhautschicht wird auch als Arachnoidea bezeichnet.

Beginnt eine Deckzelle ohne Kontrolle zu wachsen, führt dies zur Bildung eines Meningeoms. Aus welchen Gründen dies geschieht, konnte noch nicht vollständig abgeklärt werden. Ein größeres Risiko besteht aber bei Personen, bei denen in der Vergangenheit eine Bestrahlung erfolgte, um eine bösartige Krankheit zu behandeln. Als weiterer Risikofaktor gilt die Erbkrankheit Neurofibromatose Typ 2.

Zwischen Kopfverletzungen wie einem Schädeltrauma und einem Meningeom wird dagegen kein Zusammenhang gesehen.

Unter Umständen können sich bei einem Betroffenen gleich mehrere Meningeome bilden.

Neue Erkenntnis über Meningeome - diese Form des Hirntumors ist genetisch bedingt

Meningeome werden genetisch vererbt und entstehen durch eine bestimmte Genmutation

Grafik Gehirn auf schwarzem Hintergrund
gehirn © axel kock - www.fotolia.de

Den Forschern ist es gelungen, den Ursachen der Meningeome auf die Spur zu kommen. Bei diesen handelt es sich um eine Form des Hirntumors, wobei die Hirnhäute krankhaft zu wuchern beginnen. Warum dies geschieht, können die Ärzte nun erklären. Das Auftreten dieses Tumors ist offenbar genetisch bedingt. Ein fehlerhaftes Gen gibt den Zellen vermutlich einen Befehl zum Wachstum, sodass es zu Wucherungen kommt.

Genmutationen sind die Ursache der Erkrankung

Die These entstand nach einer Studie mit Erkrankten. Man stellte fest, dass das Risiko auf Meningeome um das 1,5-Fache höher ist, wenn eine gewisse Erbgutabweichung vorliegt. Nach dieser Abweichung suchen Forscher bereits seit über 60 Jahren, denn seit den 60ern des letzten Jahrhunderts wird eine genetische Ursache bereits vermutet.

Neurologen sind nun endlich einen konkreten Schritt weiter. Bei 1.633 Patienten nahmen sie Blut und untersuchten darin die DNA. Eine gesunde Kontrollgruppe wurde ebenfalls untersucht. Bei den Menschen mit Meningeom fand man gehäuft Mutationen im MLLT10-Gen. Offenbar erhöht das Gen aber auch bei Abweichung nicht in jedem Fall die Krebswahrscheinlichkeit.

Weitere Studien sollen das verdächtige Gen nun weiter untersuchen.

Röntgen der Zähne kann Meningeom fördern

Zahnärztin sitzt am Schreibtisch und betrachtet ein Röntgenbild der Zähne, darunter ein blaues Klemmbrett
Woman dentist looking at teeth x-ray in dental clinic office © Stasique - www.fotolia.de

In der Regel wurde jeder von uns mindestens einmal in seinem Leben geröntgt, die meisten wohl auch öfter. Nicht nur nach Unfällen oder bei unklaren Beschwerden wird diese Untersuchung oft nötig, sondern auch bei Kontrollen beim Zahnarzt. Aller paar Jahre möchte jeder Zahnmediziner ein aktuelles Röntgenbild beider Kiefer, damit er sehen kann, dass auch mit den Wurzeln alles in Ordnung ist. Nun hat eine Studie gezeigt, dass dieses Verfahren eine Schattenseite haben kann. Wer häufig am Schädel geröntgt wird, dessen Risiko auf einen Hirntumor steigt.

In der US-Studie zeigte sich eine besondere Gefahr für ein Meningeom. Dabei handelt es sich um einen sehr langsam wachsenden Tumor, der aus Zellen der Hirnhautschicht entsteht. Das moderne Röntgen ist dabei eigentlich ungefährlich, denn seit einigen Jahren wird die Strahlendosis streng überwacht. Besonders in Amerika wurde früher jedoch gern zum Röntgenapparat gegriffen und auch die Belastung durch die Strahlen war deutlich höher als in Deutschland. Die Studie zeigt also weniger die Gefahr der aktuellen Röntgenaufnahmen, als vielmehr die Nachwirkungen von früher.

In der Studie wurden 1.433 Menschen mit einem Meningeom untersucht. 1.350 Probanden zählten als Kontrollgruppe. Alle Teilnehmer wurden eingehend zu ihrer Geschichte als Zahnarzt-Patient befragt und dabei zeigte sich, dass besonders jene mit dem Hirntumor früher überdurchschnittlich oft geröntgt wurden waren. Das errechnete Risiko lag tatsächlich zwischen 40 und 90 Prozent.

Symptome

Die Beschwerden, die durch ein Meningeom entstehen, hängen von der genauen Position des Tumors ab.

Bildet sich ein Meningeom zum Beispiel innerhalb des Rückenmarkskanals, führt dies zu Beschwerden, wenn das Rückenmark oder bestimmte Nervenwurzeln vom Tumor zusammengedrückt werden. Bemerkbar macht sich dies durch:

  • Sensibilitätsstörungen oder Missempfindungen
  • Beweglichkeitsstörungen der Gliedmaßen
  • Lähmungen

Wächst ein Meningeom in Richtung Riechrinne, führt dies oft zu Störungen des Geruchssinns. Vielen Betroffenen fällt allerdings gar nicht auf, dass sie im Laufe der Zeit immer weniger riechen.

In manchen Fällen werden auch die Hirnhäute durch den Tumor in Mitleidenschaft gezogen, was einen Krampfanfall zur Folge haben kann. Weitere denkbare Symptome sind:

Mitunter erfolgt das Wachstum des Meningeoms derart langsam, dass sich das Gehirn an seine Entstehung anpasst, wodurch wiederum Beschwerden ausbleiben. Dann lässt sich die Erkrankung meist nur zufällig durch ein bildgebendes Untersuchungsverfahren entdecken.

Diagnose

Kommt es durch ein Meningeom zu Beschwerden, gilt ein Neurologe als bester Ansprechpartner. Zu Beginn der Untersuchung möchte er wissen, welche Beschwerden bestehen, seit wann sie auftreten und ob der Patient unter bestimmten Vorerkrankungen leidet.

Nach der Erfassung der Krankengeschichte nimmt der Arzt eine neurologische Untersuchung vor, in deren Rahmen er die Nerven, die Augen sowie den Geruchssinn kontrolliert.

Nächster Schritt sind Untersuchungen durch bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT). Dabei wird mitunter ein Kontrastmittel in eine Vene injiziert. Das Kontrastmittel bewirkt eine Anreicherung im Meningeom, wodurch dieses sich auf den angefertigten Bildern als helle Struktur identifizieren lässt. Durch CT und MRT erhält der Arzt Gelegenheit, das präzise Ausmaß sowie die exakte Position des Tumors zu bestimmen.

Bei manchen Patienten kann außerdem eine Angiographie (Röntgenuntersuchung der Blutgefäße) im Kopfraum Sinn machen. Dabei erlangt der Arzt Informationen darüber, mit welchen Gefäßen der Tumor in Verbindung steht, was bei einer anschließenden Operation von Bedeutung ist. Ferner lässt sich durch die Angiographie erkennen, ob spezielle Gefäße von dem Meningeom verlegt werden.

Arzt betrachtet eine CT-Aufnahme des Gehirns
Bildgebende Verfahren sind wichtige Untersuchungsmethoden bei der Diagnose eines Meningeoms

Behandlung

Nicht immer ist eine umgehende Therapie des Meningeoms erforderlich. Wenn der Tumor nur sehr klein ist und keine Symptome hervorruft, reicht zunächst einmal eine Beobachtung aus. Zu diesem Zweck findet regelmäßig eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie statt, um das Wachstum des Tumors einschätzen zu können.

Die Behandlung des Meningeoms richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Dabei spielen die Lage des Tumors, sein Ausmaß und die Geschwindigkeit seines Wachstums eine entscheidende Rolle.

Operative Entfernung des Tumors

Handelt es sich um ein Meningeom von WHO Grad I oder II, bei dem Krankheitssymptome bestehen, erfolgt in der Regel die operative Entfernung des Tumors. Dabei wird der Versuch unternommen, das Meningeom vollständig herauszuoperieren. Wichtig für den Eingriff sind aber bestimmte Kriterien wie:

  • Der Allgemeinzustand des Patienten
  • Das Lebensalter
  • Der Umfang des Tumors
  • Die Beschwerden des Betroffenen

Wird das Meningeom stark durchblutet, gilt es als sinnvoll, die angrenzenden Blutgefäße vor der chirurgischen Intervention zu verschließen, um größere Blutverluste durch die Operation zu verhindern, was Mediziner als Embolisation bezeichnen.

Die Entfernung eines Meningeoms ist nicht frei von Risiken. So besteht die Gefahr, dass durch den Eingriff Blutgefäße, Nerven oder weitere Hirnstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden, wodurch wiederum bleibende Hirnschäden drohen. Aus diesem Grund lässt sich der Tumor nicht bei jedem Patienten entfernen. In solchen Fällen ist dann eine Strahlentherapie notwendig.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung findet nicht nur statt, wenn sich ein gutartiges Meningeom nicht komplett entfernen lässt, sondern auch dann, wenn es sich um eine seltene bösartige Geschwulst handelt.

Bei kleineren Tumoren, deren Durchmesser im Maximum drei Zentimeter beträgt, kommt eine Einzeitbestrahlung zur Anwendung. Dabei handelt es sich um eine radiochirurgische Methode mit einem Linearbeschleuniger. Dieses Verfahren gilt als sinnvoll bei schwer zugänglichen Tumoren. Gleiches ist bei umfangreichen Rezidiven sowie bei Patienten, bei denen ein ausgeprägtes Operationsrisiko besteht, der Fall.

Verlauf

Bei den meisten Patienten nimmt das Meningeom einen günstigen Verlauf. Nicht selten genügt es auch, den gutartigen Tumor einfach zu beobachten. Aber auch im Falle von chirurgischen Eingriffen fällt die Prognose meist positiv aus. Nur bei 13 von 100 Tumoren kommt es zu einem ungünstigen Verlauf.

In einigen Fällen wächst das Meningeom nach der Behandlung erneut, was medizinisch als Rezidiv bezeichnet wird. Daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen unverzichtbar. Die erste Kontrolluntersuchung erfolgt normalerweise sechs Monate nach der Operation. Sofern kein Resttumor vorhanden ist, werden die weiteren Untersuchungen im Abstand von einem Jahr vorgenommen. Später genügen Kontrolluntersuchungen alle zwei Jahre.

Vorbeugung

Präventive Maßnahmen gegen ein Meningeom gibt es nicht. Grundsätzlich wird empfohlen, unnötige Bestrahlungen und chemische Stoffe zu meiden.

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Quellenangaben

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  • Bildnachweis: medizin ct © pix4U - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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