Die Bildung von Metastasen (Metastasierung) - Ursachen, Formen, Ausweitung und Untersuchung

Bei Metastasen handelt es sich um die räumlich abgetrennten Tochtergeschwülste von Krebstumoren. Sie entstehen durch die Verschleppung von lebensfähigen Tumorzellen.

Durch die Bildung von Tochtergeschwülsten verschlechtern sich die Heilungschancen deutlich

Definition

Sprechen Mediziner von Metastasen, sind damit Absiedelungen von bösartigen Krebstumoren in räumlich entferntes Gewebe gemeint. Dieser Vorgang wird auch als Metastasierung bezeichnet.

Gelegentlich verwendet man den Begriff "Metastase" auch für die Absiedlung von Krankheitserregern wie Bakterien von einem Infektionsherd in andere Organe. In der Regel kommt die Bezeichnung jedoch in der Onkologie zur Anwendung.

Prognose im Fall von Tochtergeschwülsten

Häufig werden Metastasen auch Tochtergeschwülste genannt. Durch Metastasen verschlechtern sich die Aussichten auf Heilung einer Krebserkrankung deutlich. In vielen Fällen sind die Heilungschancen bei einer Metastasierung von der Art des Tumors und an welchem Ort er auftritt, abhängig.

Manchmal ist es durchaus möglich, Tumore wie zum Beispiel Lymphome, trotz der Bildung von Tochtergeschwülsten wirksam mit Medikamenten zu behandeln. Andererseits können auch aggressive Krebstumore ohne Metastasenbildung so lebensbedrohlich sein, dass sie tödlich verlaufen.

Mögliche Entstehungsursachen

Die genauen Abläufe der Metastasierung konnten bislang noch nicht völlig geklärt werden. Einfluss auf diesen komplexen Vorgang haben neben den Tumorzellen auch das umgebene Gewebe sowie das Immunsystem des Körpers.

Zur Entstehung von Metastasen kommt es durch das Ablösen der Krebszellen vom Primärtumor. Mithilfe des Blutes oder der Lymphflüssigkeit können sich die Krebszellen durch den Organismus bewegen und in anderen Körperregionen erneut ansiedeln und vermehren.

Nach dem Ausbreitungsweg unterscheiden Mediziner zwischen

  • lymphogenen Metastasen und
  • hämatogenen Metastasen.

Nach neueren Erkenntnissen hängt eine Metastasierung der Krebszellen davon ab, ob sie embryonale Transkriptionsfaktoren einleiten können. Aus Metastasen entstehen nach dem derzeitigen Stand der Forschung keine weiteren Metastasen. So bilden sie sich nur aus den Zellen des Primärtumors.

Voraussetzungen für eine Metastasierung

Eine wichtige Voraussetzung für eine Metastasenbildung ist das invasive Wachsen des Krebstumors in angrenzende Bereiche sowie das Durchbrechen in Lymph- oder Blutgefäße. Bei gutartigen Tumoren kommt es nicht zu einer Metastasierung. Allerdings werden nicht durch jeden invasiven Tumor Metastasen verursacht.

Bei Tumoren ohne Metastasierung spricht man von halb bösartigen (semimalignen) Tumoren. Ein Beispiel dafür ist der Basalzellenkrebs.

Im Unterschied zu intakten Geweben besteht bei den meisten bösartigen Tumoren keine Stabilität durch ein bindegewebiges Stroma. So bilden die Krebszellen einen relativ lockeren Zellverband.

Es wird angenommen, dass sich die Krebszellen deswegen aus dem Zellverband lösen, weil die Anzahl der Adhäsionsmoleküle auf der Zellmembran geringer ist. So können einzelne Krebszellen oder auch ganze Zellengruppen in das benachbarte Gewebe einwachsen und über den Blutstrom oder Lymphstrom zu anderen Körperstellen gelangen.

Ansiedlung auf gesundem Gewebe

Um sich aus dem Zellverband zu lösen, müssen die Krebszellen jedoch imstande sein, sich auf gesundem Gewebe anzusiedeln. Dabei ist für sie von Vorteil, dass das Abwehrsystem sie nicht als Fremdkörper einstuft. Allerdings ist es für sie erforderlich, sich in die Gewebematrix des neu besiedelten Gewebes zu integrieren.

Ob die Krebszellen vermögen, sich erfolgreich an anderen Körperstellen anzusiedeln, hängt davon ab, ob auf der Tumorzelloberfläche bestimmte Membranrezeptoren und Kollagenasen vorhanden sind. Eine bedeutende Rolle dabei spielen

  • der Hyaluronsäure-Rezeptor sowie
  • Fibronecitinrezeptoren und
  • Lamininrezeptoren.

Schaffen es die Krebszellen, sich erfolgreich an ein gesundes Gewebe anzudocken, können sie die Basalmembran durchdringen und eine Neubildung von Blutgefäßen induzieren. Schließlich kommt es zum Wachsen einer Tochtergeschwulst wie bei einem Primärtumor, sodass das Wirtsgewebe zunehmend verdrängt wird.

Einflussfaktoren

Ob Metastasen entstehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören

  • die histologischen Eigenschaften des Tumors
  • die Tumorlokalisation
  • der Immunstatus und
  • die Vaskularisation des Tumors.

Aber auch physikalische Einflüsse wie Druck auf den Tumor können eine Rolle spielen.

Die Einteilung von Metastasen

Basierend auf der TNM-Klassifikation werden Metastasen in mehrere Arten eingeteilt. So unterscheidet man zwischen Fernmetastasen, lokalen Metastasen und regionären Metastasen.

Lokale Metastasen

Um lokale Metastasen handelt es sich, wenn die Tochtergeschwülste unweit des Primärtumors entstehen. Verursacht werden sie durch die Verschleppung der bösartigen Krebszellen in das Nachbargewebe. Wird die Verschleppung durch Schnitte oder Stiche im Rahmen von medizinischen Eingriffen in das Tumorgewebe hervorgerufen, ist von einer Impfmetastase die Rede.

Regionäre Metastasen

Zu regionären Metastasen kommt es zumeist durch das Abschilfern von Krebszellenverbänden in die Lymphgefäße. Anschließend setzen sie sich in bestimmten Lymphknoten fest. Regionäre Lymphknotenmetastasen werden auch als lymphogene Metastasen bezeichnet.

Fernmetastasen

Unter Fernmetastasen versteht man Metastasen, die fern vom Primärtumor sowie vom regionalen Lymphknotensystem entstehen. Verursacht werden sie, wenn Krebszellenverbände in die Venen abschilfern und sich dann in entfernten Organen ansiedeln.

Es ist aber auch möglich, dass sie sich durch Abklatschung oder Abtropfung von Krebszellen in Körperhöhlen bilden. Fernmetastasen, die über den Blutweg entstehen, nennen Mediziner hämatogene Metastasen.

Sonstige Metastasen

Metastasen lassen sich auch nach Organlokalisation einteilen. In diesem Fall spricht man von

  • Knochenmetastasen
  • Lebermetastasen
  • Lungenmetastasen
  • Gehirnmetastasen usw.

Metastasen, die so klein sind, dass sie sich nur mithilfe von speziellen Verfahren nachweisen lassen, werden als Mikrometastasen bezeichnet. Bei einer diffusen Metastasierung von ganzen Organen oder Körperstellen handelt es sich um eine Karzinose.

Untersuchungsmöglichkeiten zur Lokalisation von Metastasen

Liegt eine Krebserkrankung vor, entnimmt man dem Patienten zumeist neben dem Primärtumor auch die Lymphknoten der Abflussbahn sowie Lymphknoten, die bei der Diagnose verdächtig erscheinen, um sie histopathologisch auf regionäre Metastasen zu untersuchen. Zur Lokalisation von Metastasen kommen verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten infrage.

Lymphabstromszintigraphie

Eine Lymphabstromszintigraphie dient zum Identifizieren der so genannten Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknoten). Darunter versteht man in der Medizin Lymphknoten, die sich zuerst im Abflussgebiet der Lymphflüssigkeit eines Tumors befinden.

Enthalten diese Wächterlymphknoten eingeschleppte Krebszellenverbände, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Umgebung weitere Metastasen gibt. Finden sich dagegen keine Tumorzellen in den Lymphknoten, ist die Wahrscheinlichkeit von weiteren Metastasen gering.

Durchführung

Im Rahmen einer Lymphabstromszintigraphie markiert man einen Eiweißstoff mit radioaktivem Technetium und injiziert diesen entweder in den Tumor selbst oder in seine Umgebung. Das Diagnosemittel nimmt dann den gleichen Lymphabflussweg wie das Tumorgewebe und reichert sich in den Wächterlymphknoten an.

Mithilfe von szintigraphischen Aufnahmen sowie einer Messsonde lassen sich die Anreicherungen feststellen und auf der Oberfläche des Körpers markieren. Anschließend werden die Wächterlymphknoten chirurgisch entfernt, was man als Lymphadenektomie bezeichnet, und im Labor untersucht.

Computertomographie/Magnetresonanztomographie

Zur Lokalisation von

  • Leber-
  • Lungen- und
  • Gehirnmetastasen

in

  • Bauchhöhle
  • Brustraum oder
  • Schädelhöhle

kommen bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Anwendung. Liegt ein gastrointestinaler Tumor vor, untersucht man auch lokoregionäre Lymphknoten auf einen eventuellen Tumorzellen-Befall.

Skelettszintigraphie

Eine Skelettszintigraphie dient zum Aufspüren von

  • osteoblastischen oder
  • osteoklastischen

Knochenmetastasen. Während osteoblastische Metastasen lokales Knochenwachstum anregen, zerstören osteoklastische Metastasen das Knochengewebe.

Sonstige Verfahren

Weitere Untersuchungsmethoden zum Auffinden von Metastasen sind eine Lebersonographie, um Metastasen in der Leber zu diagnostizieren, sowie eine Panendoskopie bei Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenraum.

Quellen:

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  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
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  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
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  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Hannes Leischner: BASICS Onkologie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016, ISBN 3437423290
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  • Christoph Wagener, Oliver Müller: Molekulare Onkologie: Entstehung, Progression, klinische Aspekte, Thieme Verlagsgruppe, 2009, ISBN 3131035137
  • Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer, Jan Eucker: Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2018, ISBN 3437242962

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