Schwitzen im Gesicht - Hyperhidrosis facialis

Unter Hyperhidrosis facialis versteht man übermäßiges Schwitzen im Gesicht. Diese Hyperhidrose-Form tritt oftmals zusammen mit Erythrophobie (Angst vor dem Erröten) auf. Extrem starkes Schwitzen kann zu beruflichen und privaten Einschränkungen führen, denn das Selbstbewusstsein sinkt mit jedem Schweißausbruch. Mit ein paar Tipps kann jedoch jeder etwas gegen das lästige Schwitzen im Gesicht tun. Lesen Sie alles Wissenswerte über Hyperhidrosis facialis.

Probleme im zentralen Nervensystem, aber auch emotionale Schwankungen können der Auslöser sein

Jeder gesunde Mensch schwitzt

Schwitzen ist völlig normal und sogar sehr gesund - würden wir sonst zum Schwitzen in die Sauna gehen? Bei

  • sehr hohen Außentemperaturen
  • großer Anstrengung wie Sport oder körperlicher Arbeit
  • Angst und
  • Stress

transpiriert der Mensch. Das Schwitzen ist ein ganz normaler und lebenswichtiger Vorgang des Körpers. Die Körpertemperatur wird durch das Absondern von Schweiß reguliert, die feuchte Haut dient als Klimaanlage des Körpers. Bei jedem Schweißausbruch werden durch die geöffneten Poren überflüssige Schadstoffe und Salze nach außen transportiert.

Hyperhidrosis facialis - Krankheitsbild

Hyperhidrose ist ein medizinischer Sammelbegriff für übermäßiges Schwitzen. Es gibt unterschiedliche Formen von Hyperhidrose, zu denen auch die Hyperhidrosis facialis gehört.

Typisch für eine Hyperhidrose im Gesicht sind starke Schweißausbrüche

  • auf der Nase
  • auf der Stirn
  • über den Lippen und
  • in anderen Bereichen des Gesichts.

Ernsthafte Erkrankungen ausschließen

Wem schon bei der kleinsten Anstrengung der Schweiß auf die Stirn steht oder Schweiß den Rücken herunterläuft und das bei kühlen Temperaturen, der leidet unter übermäßiger Schweißbildung (faciale Hyperhidrose). Es ist in diesem Fall sinnvoll, einen Arzt aufsuchen, um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen.

Übermäßiges Schwitzen kann ein Zeichen für

sein. Starkes Übergewicht und bei Frauen die Wechseljahre können ebenso ein möglicher Grund sein.

Jeder Mensch schwitzt anders; besonders heikel ist das Schwitzen im Gesicht, denn dort ist der Schweiß von jedem sichtbar und unmöglich zu verbergen. Betroffene Stellen sind häufig die Stirn, Nase, Wangen oder auch die Oberlippe, von den sich die Schweißbildung über das ganze Gesicht verteilt.

Auch Schwitzen am Haaransatz oder unter den Haaren kann sehr extrem auftreten, sodass der Schweiß über die Stirn bis in die Augen fließen kann.

Die extreme Schweißbildung fühlt sich nicht nur sehr unangenehm an, Schweiß riecht bekanntlich auch und die Optik leidet sehr stark. Personen, die unter übermäßigem Schwitzen leiden, ziehen sich nicht selten, so weit wie möglich zurück.

Enger Zusammenhang mit Erythrophobie

Schweißausbrüche im Gesicht sind den Betroffenen meist ziemlich peinlich, da sie zudem häufig auch noch im Gesicht erröten. Dieses Rotwerden bzw. die Angst davor, bezeichnet man in der Medizin als Erythrophobie.

Es ist ein Hinweis für eine übermäßige Aktivität des sympathischen Nervensystems. Dabei kommt es zu einem Erröten der Gesichtshaut, das von den Betroffenen nicht kontrolliert werden kann.

Darüber hinaus erwärmen sich bestimmte Partien des Gesichts. Auch Hitzewallungen sind im Bereich des Möglichen.

Das Rotwerden im Gesicht und die Hyperhidrosis facialis stehen eng miteinander in Zusammenhang, denn beide Erscheinungen erfolgen durch das sympathische Nervensystem. In den meisten Fällen machen sich Schweißausbrüche im Gesicht und Erröten erstmals im späten Teenager-Alter bemerkbar. Ausgelöst werden die Erscheinungen oftmals durch soziale Kontakte, wenn zum Beispiel der Betroffene mit jemandem redet und dabei aufgeregt ist.

Bei den meisten Menschen verschwindet das Problem von selbst, wenn sie älter werden. In manchen Fällen kommt es jedoch weiterhin beim Kontakt mit anderen Menschen zum Erröten und Schwitzen. Führt dies zu psychischen Problemen, ist es besser, professionelle Hilfe zu suchen.

Ursachen

Die Ursachen für Schwitzen im Gesicht und Erröten sind oft sehr verschieden. Auslöser können zum Beispiel mentale Probleme sein wie

Bei Gesichts- und Kopfschweiß können auch

  • starkes Übergewicht
  • ein ungesunder Lebensstil mit viel Alkohol und Zigaretten sowie
  • Wechseljahre

eine Rolle spielen.

Behandlung

Um sowohl die Hyperhidrosis facialis als auch die Erythrophobie wirkungsvoll behandeln zu können, ist es wichtig, die genaue Ursache zu kennen. Treten die Erscheinungen immer nur dann auf, wenn man bestimmte Gefühle durchlebt, empfiehlt es sich einen Psychologen zu konsultieren, mit dem man über seine Emotionen sprechen kann. Ist die Ursache körperlich, können verschiedene Cremes, die meist in Apotheken und Drogerien erhältlich sind, angewandt werden.

Außerdem gibt es diverse Therapien, mit denen sich starkes Schwitzen im Gesicht in den Griff bekommen lässt. Dazu gehören unter anderem

Bringen die konservativen Maßnahmen keine Besserung, kann auch ein operativer Eingriff vorgenommen werden, den man als Sympathektomie bezeichnet. Wegen der niedrigen Erfolgsaussichten und den möglichen unangenehmen Nebenwirkungen, wird dieses Verfahren bei einer Hyperhidrosis facialis jedoch nur noch selten durchgeführt.

Hausmittel und sonstige Tips gegen starkes Schwitzen im Gesicht

Ganz abstellen kann man das Schwitzen im Gesicht leider nicht; mit einigen Hausmitteln und Tipps lässt sich aber eine deutliche Besserung erzielen. Allerdings braucht es etwas Geduld und Konsequenz in der Anwendung.

Salbei hat sich bei übermäßigem Schwitzen als hervorragend wirkendes Hausmittel bewährt. Salbeitee kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden.

Betroffene sollten am Tag zwei bis drei Tassen ungesüßten Salbeitee trinken. Für die äußere Anwendung den Salbeitee als Haarwasser in die Kopfhaut einmassieren.

Angenehm kühlend wirkt Kamillentee, der in einem Tuch getränkt, als kalter Wickel auf das Gesicht gelegt wird. Nach einigen Wochen konsequenter Anwendung wird sich das Schwitzen im Gesicht deutlich verringert haben.

Des Weiteren kann es helfen, sich regelmäßig mit Wasserspray abzukühlen. Zu diesem Zweck kann man sich ein entsprechendes Spray kaufen oder etwas Leitungswasser in eine gesäuberte Sprühflasche füllen.

Im Handel findet man zudem mittlerweile spezielle Antitranspirantien fürs Gesicht. Alternativ lässt sich ein Wattepad mit einem herkömmlichen Antitranspirant benetzen; mit diesem kann man dann das Gesicht vorsichtig abtupfen.

Wichtig ist der Verzicht auf sehr fettreiche Gesichtscremes. Sie fördern das Schwitzen nur, da sie die Flüssigkeitsverdunstung verhindern.

Auch auf schweres Make-up ist zu verzichten. Dieses verstopft die Poren, was ebenfalls zur Verstärkung des Schwitzens führt.

Quellen:

  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860

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