Der Quartalstrinker - Saufexzesse und abstinente Phasen

Durch die Alkoholikertypologie nach Jellinek werden Alkoholabhängige in verschiedene Kategorien eingeteilt. Dazu gehört u.a. der Quartalstrinker. Man bezeichnet ihn auch als Periodentrinker. Typisch sind exzessive Phasen, in denen Alkohol konsumiert wird; dabei kommt es zu einem Kontrollverlust, der sogar Tage oder Wochen lang andauern kann. Lesen Sie über die Merkmale des Quartalstrinkers.

Der Epsilon-Trinker ist alkoholkrank und psychisch abhängig - typisch sind sein Kontrollverlust sowie mitunter längere abstinente Phasen

Krankheitsbild Alkoholismus

Unter einer Alkoholabhängigkeit oder Alkoholkrankheit versteht man die Abhängigkeit von Ethanol, einer psychotropen Substanz. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Alkoholabhängigen, zu denen auch der so genannte Quartalssäufer gehört.

Alkoholabhängigkeit zählt zu den schwerwiegendsten Suchtkrankheiten weltweit. Als abhängig von Alkohol gilt, wer ständig den Drang nach alkoholischen Getränken verspürt, zunehmend die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verliert, andere Interessen wegen des Alkohols vernachlässigt und unter Entzugserscheinungen leidet. Darüber hinaus kommt es zu einer Alkoholtoleranz und Persönlichkeitsveränderungen.

Statistiken

Nach Schätzungen der Bundesregierung kommt es Jahr für Jahr zu ca. 40.000 Todesfällen aufgrund von zu hohem Alkoholkonsum. Außerdem wird ein jährlicher volkswirtschaftlicher Schaden von rund 30 Milliarden Euro beklagt. Aus diesem Grund gilt Alkoholabhängigkeit als großes gesellschaftliches Problem in Deutschland.

Abhängig oder nicht?

Nicht jeder Mensch, der Alkohol konsumiert, wird deshalb alkoholabhängig. Meist sind die Gründe für die Sucht individuell verschieden. Als entscheidend gilt vor allem die Persönlichkeit des Betroffenen. So neigen vorwiegend Menschen, die

  • unter mangelndem Selbstwertgefühl leiden
  • schwer Kontakt zu anderen Menschen bekommen oder
  • Probleme lieber verdrängen,

häufig zu übermäßigem Alkoholkonsum. Aber auch äußere Einflüsse wie zum Beispiel

tragen oftmals dazu bei, dass der Betroffene zur Flasche greift. Viele Wissenschaftler vermuten auch erbliche bzw. genetische Gründe als Ursache für eine Alkoholsucht, da in vielen Fällen Alkoholismus gehäuft innerhalb einer Familie auftritt.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Konsum von Alkohol gesellschaftlich anerkannt und als ganz normal angesehen wird. Besonders bei gesellschaftlichen Aktivitäten wie Partys, Familienfeiern oder Betriebsfesten wird das Trinken von alkoholischen Getränken sogar vorausgesetzt. Selbst Jugendliche oder Kinder gelangen schon leicht an Alkohol.

Die Alkoholikertypologie nach Jellinek

Eine Alkoholsucht tritt nicht von einem Tag zum anderen auf, sondern nimmt meist einen bestimmten Verlauf über einen längeren Zeitraum. Zudem gibt es verschiedene Ausprägungen von Alkoholabhängigkeit, die von den Medizinern in unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden.

Auf diese Weise sollen möglichst optimale Therapieansätze und Behandlungsmöglichkeiten gefunden werden. Als Grundlage für die Einteilung gilt die in den 50er Jahren entstandene Alkoholikertypologie nach Jellinek.

Diese wurde von dem amerikanischen Physiologen Elvis Morton Jellinek (1890–1963) erstellt. In seiner Typologie verwendete Jellinek die ersten fünf Buchstaben des griechischen Alphabets, um dadurch fünf Typen von Alkoholikern zu unterscheiden. Dies sind

  • der Alpha-Trinker (Erleichterungstrinker)
  • der Beta-Trinker (Gelegenheitstrinker)
  • der Gamma-Trinker (Rauschtrinker)
  • der Delta-Trinker (Spiegeltrinker) sowie
  • der Epsilon-Trinker, den man auch Quartalstrinker, Quartalssäufer oder episodischen Trinker nennt.

Im Folgenden gehen wir etwas näher auf den Quartalstrinker ein.

Der Quartalstrinker

Als Quartalssäufer oder Periodentrinker bezeichnet man eine Person, die sich in unregelmäßigen Abständen einem exzessiven Alkoholkonsum hingibt. Dabei besteht ein starker Kontrollverlust, der über mehrere Tage oder sogar Wochen anhalten kann.

Die Gründe für solche Exzesse können ganz unterschiedlicher Art sein; häufig sind sie jedoch nicht deutlich eingrenzbar. So gelten innere Unruhe oder auch ein plötzliches grundloses Stimmungstief als mögliche Auslöser.

Zudem kommt es dabei häufig zu zeitweiligem Gedächtnisschwund sowie einem körperlichen Zusammenbruch. Zwischen diesen Phasen ist der Epsilon-Trinker jedoch in der Lage, über einen längeren Zeitraum Abstinenz zu üben. So wechseln sich die Phasen von Alkoholexzessen und Abstinenz stetig ab.

Grad der Abhängigkeit

Beim Quartalstrinker besteht vor allem eine psychische Abhängigkeit vom Alkohol. Trotz der abstinenten Phasen gilt er als alkoholkrank. Häufig leidet ein Epsilon-Trinker unter Depressionen, die er durch den übermäßigen Alkoholkonsum zu bekämpfen versucht. In der Regel können Quartalstrinker nur sehr schwer beeinflusst werden.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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