22. Februar 2010
Von Andreas Hadel
Low-Carb ist und bleibt ein viel diskutierter Diät-Ansatz. Während die einen in der kohlenhydratarmen Ernährungsweise die beste und gesündeste Abnehmstrategie sehen, glauben andere, dass Low-Carb der direkte Weg zu Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen sei. Die Wahrheit wird sich vermutlich wie so oft irgendwo in der Mitte bewegen. Eine neue Studie scheint jedoch Wasser auf den Mühlen der Low-Carb-Kritiker zu sein. Denn traut man den Ergebnissen, führt eine kohlenhydratarme Ernährung offenbar zu Nierenproblemen. Der Teufel steckt jedoch im Detail.
Die Studie wurde am Beth-Israel-Deaconess-Medical-Center im US-Bundesstaat Massachusetts durchgeführt. Dabei wurden Mäuse nach einem Futterplan gefüttert, der in seiner Zusammensetzung der Atkins-Diät nachempfunden sein sollte.
Die Mäusepopulation wurde in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt normales Mäusefutter. Die Nager der zweiten Gruppe bekamen Futter, das als fettreich eingestuft wurde. Und Mäuse der dritten Gruppe wurden mit einer Zusammenstellung gefüttert, die reich an Fetten und zugleich arm an Kohlenhydraten war. Dies war die sogenannte Atkins-Gruppe.
Die Ergebnisse der Auswertung waren zunächst nicht weiter überraschend. Die Mäuse der dritten Atkins-Gruppe (viel Fett, wenig Kohlenhydrate) verzeichnete die geringste Zunahme an Körpergewicht während die Standard-Mäuseernährung zu den wenigsten Plaque-Ablagerungen im Blut führte. Überraschend war jedoch, dass die Atkins-Mäuse weitaus höhere Plaque-Ablagerungen im Blut hatten, als die Tiere der zweiten Gruppe, die zwar fettreich gefüttert wurden, aber dazu auch Kohlenhydrate frassen.
Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass eine Atkins-ähnliche Diät schlecht für die Nieren sein müsse. Angesichts des andauernden Low-Carb-Hypes wurde dieser Meldung in der Medienwelt ausführlich Beachtung geschenkt, wodurch kohlenhydratarme Diäten ins Zwielicht gerieten. Und das ungerechtfertigt wie ein Blick auf das Protokoll der Studie zeigt.
Die Forscher verabreichten den Mäusen der Atkins-Gruppe eine Futterzusammenstellung, die zu 45 Prozent aus Protein bestand. Dabei wurde Milchprotein (Casein) als einzige Proteinquelle genutzt. Diese Zusammensetzung entspricht jedoch in keiner Weise den Empfehlungen der Atkins-Diät und kann auf Grund des im Milchprotein enthaltenen Milchzuckers auch nicht als kohlenhydratarm bezeichnet werden. Hinzu kommt, dass frühere Untersuchungen gezeigt haben, dass es bei Mäusen zu Nierenfunktionsstörungen kommt, wenn man ihnen viel Milchprotein verabreicht.
Die Aussagekraft dieser Studie tendiert demnach stark gegen Null und kann keineswegs als fundiertes Argument gegen eine kohlenhydratarme Ernährung herhalten.
Tatsächlich scheinen Meta-Studien, also Studien, die die Ergebnisse mehrerer Studien auswerten, dass wir weit weniger Kohlenhydrate brauchen, als es die Standard-Empfehlung unterschiedlicher Gesundheitseinrichtungen vorgibt. Wie das Beispiel der Mäusestudie zeigt, gibt es derzeit noch viele Ungereimtheiten, um sich eindeutig für oder gegen Kohlenhydrate auszusprechen. Wie Eingangs schon erwähnt, wird die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte liegen.
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