1. Juli 2010
Bevor ein Medikament auf dem Arzneimittelmarkt zugelassen wird, muss es ausreichend getestet werden. Dabei greift man auf freiwillige Medikamententester zurück.
Bevor ein bestimmtes Humanarzneimittel zugelassen wird und auf den Markt gelangt, muss es in klinischen Studien an Menschen getestet werden. Dabei werden die Aufnahme des Medikaments, seine qualitative Wirkung und mögliche Nebenwirkungen überprüft. Zu diesem Zweck greift man auf einen kleinen Kreis von freiwilligen und gesunden Testpersonen zurück. Dabei handelt es sich zumeist um ca. zehn bis fünfzig Probanden.
Unter Probanden versteht man Personen, die sich auf freiwilliger Basis neue oder verbesserte Arzneimittel unter ärztlicher Aufsicht verabreichen lassen. Bei einem solchen Medikamententest analysiert man die verabreichte Substanz und ihre Wirkung auf den Menschen. Klinische Studien, bei denen ein Medikament erstmals an Menschen getestet wird, bezeichnet man als Phase-I-Studien.
Da die Freigabe eines bestimmten Medikaments erst nach gründlichen Tests erfolgen kann, suchen Pharmaunternehmen fortwährend nach geeigneten Medikamententestern. In der Regel wird dabei auf gesunde junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren zurückgegriffen, da diese als weniger anfällig für Nebenwirkungen gelten. Auf Frauen als Testpersonen wird hingegen oftmals verzichtet, um mögliche Schädigungen von Embryos bei unerkannten Schwangerschaften zu vermeiden. Mediziner kritisieren jedoch, dass Frauen auf bestimmte Wirkstoffe anders reagieren als Männer, was an den Hormonen und der unterschiedlichen Verteilung des Körperfetts liegt. Ebenso wird beanstandet, dass die Pharmaunternehmen auf Testpersonen zurückgreifen, die dazu neigen Nebenwirkungen herunterzuspielen, damit eine schnellere Zulassung des Präparats erreicht wird. Dies führe aber häufig dazu, dass bei jedem fünften Medikament eine Nachbesserung erforderlich sei.
Finanziell kann die Teilnahme an einer klinischen Studie als Medikamententester durchaus lukrativ sein. Je nach Testaufwand und Risiko sind zwischen 200 und 1000 Euro pro Studientag im Bereich des Möglichen. Schätzungsweise 6.000 bis 10.000 Bundesbürger nehmen pro Jahr an einem Medikamententest teil.
Die Risiken bei einem Arzneimitteltest gelten als relativ gering. Vor dem Test erfolgt eine gründliche Untersuchung des Probanden. Dieser wird zudem über mögliche Gesundheitsrisiken aufgeklärt. Des Weiteren findet während der Studie eine ständige medizinische Kontrolle statt. Für die Dauer der Studie erhält der Medikamententester eine so genannte Probandenversicherung, sodass der Versicherungsschutz gewährleistet ist.
Trotz allem wird empfohlen, sich nur für Studien zur Verfügung zu stellen, bei denen kein Risiko besteht. Bevor man einem Test zusagt, sollte man sich zudem erst einmal mit seinem Hausarzt beraten. Bestehen Zweifel, ist es besser auf den Medikamententest zu verzichten.
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