6. Januar 2009
Von K. Schumann
Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der längste und dickste Nerv des Menschen. Er gehört zu den peripheren Nerven und entspringt aus dem so genannten Kreuzgeflecht (Plexus sacralis), dem größten Nervengeflecht des menschlichen Körpers.
Der genaue Ursprung des Ischiasnervs liegt beim 4. Lendenwirbel bis hin zum 3. Steißbeinwirbel. Von dort verläuft der Ischiasnerv schräg im Gesäßbereich zur Rückseite des Oberschenkels in Richtung Kniegelenk. Hier teilt er sich in zwei Äste auf: den Schienbeinnerv (Nervus tibialis) und den Wadenbeinnerv (Nervus peroneus communis). Genau betrachtet besteht der Ischiasnerv schon seit seinem Ursprung aus den eben genannten Nerven. Diese sind bis zur Teilung in Kniehöhe jedoch von Bindegewebe umhüllt und somit vereint.
Der Ischiasnerv leitet Empfindungen des Beines ans Rückenmark weiter und überliefert umgekehrt auch Befehle aus dem Gehirn über das Rückenmark ans Bein.
Wird der Nerv an seinem Ursprung oder einer anderen Stelle komprimiert oder gereizt, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen wie Kribbeln oder sogar Lähmungserscheinungen. Was der Volksmund dann gerne als "Ich hab Ischias" bezeichnet, nennt der Mediziner eine Ischialgie. Eine Ischialgie kann beispielsweise durch Bandscheibenvorfälle oder Tumore ausgelöst werden. Doch auch langjährige Fehlhaltungen können Muskelverspannungen nach sich ziehen, die zu einer Ischialgie führen können.
Eine Reizung des N. ischiadicus äußert sich typischerweise in Form von einseitigen Schmerzen, die vor allem auf der Rückseite des Ober- und Unterschenkels sowie an der Fußaußenseite bzw. entlang der Fußsohle verlaufen. Niesen oder Husten verstärken die Beschwerden. Häufig wird eine Ischialgie mit dem Hexenschuss (Lumbago) verwechselt. Ein Hexenschuss beschränkt sich jedoch nur auf den Rücken. Die Schmerzen strahlen üblicherweise nicht ins Bein aus.
Ist der Nerv richtig eingeklemmt kann es auch zu Lähmungserscheinungen kommen.
In diesem Fall ist eine Operation nötig. In weniger dramatischen Fällen wird eine Ischialgie mit Medikamenten oder orthopädischen Maßnahmen behandelt. Zudem sollte man Bettruhe halten und die Beine hochlagern, das verringert die Zugbelastung auf den Ischiasnerv. Krankengymnastik kann zur Schmerzlinderung beitragen und helfen, Fehlhaltungen zu korrigieren.
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