Holzleseschein - Nutzen, Antrag und einzuhaltende Vorgaben

Landschaftsbild Waldlichtung in Oesede

So beantragen Sie einen Holzleseschein

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  • von Paradisi-Redaktion

Der Holzleseschein oder auch Holzsammelschein ist die zeitlich begrenzte schriftliche Erlaubnis, in einem öffentlichen oder privaten Waldgebiet Resthölzer aufsammeln und zur Eigenverwendung mitnehmen zu dürfen. Ausgegeben werden die Holzsammelscheine wahlweise von Städten, Gemeinden oder Förstereien. Holzleser werden als Selbstwerber bezeichnet. Beim Holzsammeln sind einige Regeln einzuhalten. Lesen Sie alles Wissenswerte über den Holzleseschein.

Entwicklung des Holzsammelns

Der heutige Holzleseschein, auch Holzsammelschein genannt, hat eine Vorgeschichte von vielen Jahrhunderten. Seit jeher waren Holz- und Waldbestände ein materiell wertvolles Gut. Den Bürgern wurde sowohl regelmäßig als auch aus besonderen Anlässen heraus eine bestimmte Menge Holz überlassen, beispielsweise ein, zwei oder auch drei Raummeter Brennholz.

Der Raummeter hat die Maße eines Würfels mit jeweils einem Meter Seitenlänge. Sein Rauminhalt beträgt einen Kubikmeter 1-metriger geschichteter Holzscheite, und zwar inklusive der Zwischenräume innerhalb der Schichtung. Ohne diese Zwischenräume wird ein Kubikmeter Holz als Festmeter bezeichnet.

Anlässlich der Weihnachtszeit mit Jahreswechsel war es damals üblich, dass sich die Bürger die ihnen zugewiesene Brennholzmenge selbst aus dem Waldgebiet holten. Überwacht wurde diese Holzzuweisung durch den städtischen Förster.

Holzsammeln in der Gegenwart

In der heutigen Zeit hat sich die Situation etwas verkehrt. Beide Seiten, also der Eigentümer des Waldes und der Holzsammler, haben ein Interesse daran, dass Resthölzer, das so genannte Abfallholz, eingesammelt und abtransportiert werden. Für den einen ist es eine Arbeits- und Kostenersparnis, für den anderen ein preisgünstiger bis hin zu kostenloser Brennstoff.

Rechtsgrundlage

Doch auch heutzutage verläuft das Holzsammeln geordnet und strukturiert. Rechtsgrundlagen sind das Forstgesetz des jeweiligen Bundeslandes sowie das Bundeswaldgesetz.

Die Zuständigkeit für die Ausgabe des Holzlesescheins richtet sich nach dem Eigentümer oder dem Betreiber des jeweiligen Waldgebietes. Erste Anlaufstelle ist immer die Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Dort ist bekannt, ob der Holzleseschein direkt, oder aber von der zuständigen Landesforstbehörde ausgestellt wird.

Die Kosten für das Zertifikat mit seiner meistens einjährigen Gültigkeit sind innerhalb der Bundesländer sowie der einzelnen Forstbehörden recht unterschiedlich. In der Regel muss mit einem hohen zwei- oder niedrigen dreistelligen Eurobetrag gerechnet werden.

Alternativ gehen besonders Gemeinden dazu über, die Kosten für den Holzleseschein nach der gesammelten Holzmenge zu berechnen. Dadurch verliert der Holzsammelschein allerdings seinen Charakter als einmalig zu bezahlende Bescheinigung, die zu einem auch mengenmäßig unbegrenzten Holzsammeln berechtigt.

Zum richtigen Holzsammeln braucht man einige Informationen und Regeln zu beachten
Zum richtigen Holzsammeln braucht man einige Informationen und Regeln zu beachten

Vorgaben für das Holzsammeln im Wald

Ganz unabhängig von der Art des Holzlesescheins sind die Inhaber bei ihrem Aufenthalt im Wald an bestimmte Vorgaben gebunden.

  • Gesammelt werden dürfen ausschließlich Resthölzer als unverwertete und zurückgelassene Abfallhölzer.
  • Als Werkzeuge zum Sammeln sind Axt, Beil oder Handsäge zulässig. Der Einsatz einer Motorsäge ist nicht erlaubt.
  • Für den Holztransport im Wald sind ausschließlich nichtmotorisierte Fahrzeuge zugelassen.
  • Gesammelt werden darf das Abfallholz werktags zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang.
  • Forstkulturen und Dickungen dürfen nicht betreten werden.
  • Sofern anderes als Abfallholz gesammelt wird, handelt es sich um den Straftatbestand von Forstdiebstahl.
  • Der Holzsammelschein wird persönlich auf den Inhaber ausgestellt.
  • Beim Holzsammeln muss der Holzleseschein, vergleichbar mit dem Führerschein, stets mitgeführt werden.

Holzsammeln, nicht Holzfällen

Der Schwerpunkt des Holzlesescheins liegt auf dem Holzsammeln, keinesfalls auf dem Holzfällen. So sind auch die Entnahme oder das Fällen von trockenen und beschädigten Bäumen untersagt. Es darf ausschließlich das gesammelt werden, was auf dem Waldboden liegt und beim professionellen Abholzen übriggeblieben ist.

Wo darf (nicht) gesammelt werden?

Nur in den Gemeindwäldern sowie den Gebieten, die auf dem Holzleseschein aufgeführt sind, darf man Holz sammeln. Alle anderen Orte und Gebiete, besonders auch Privatwälder, sind für diesen Zweck tabu.

Außerdem muss auch in den genehmigten Waldgebieten auf mögliche Schutzzonen geachtet werden. So ist es beispielsweise regulär untersagt, sich zwischen März und Mai in den ausgewiesenen Regionen aufzuhalten, da dieser Zeitraum dem Schutz der Wildtiere bzw. deren Nachwuchs gilt, selbst wenn der Schein das ganze Jahr über lang gültig ist.

Beim Holzsammeln darf nicht gefällt werden
Beim Holzsammeln darf nicht gefällt werden

Trocknung und Lagerung

Da nicht bekannt ist, wie lange das Abfallholz auf dem Waldboden gelegen hat, muss der Holzsammler von einer starken Restfeuchte in dem auf einem meistens feuchten Waldboden gelegenen Abfallholz ausgehen. Das bedeutet, das gesammelte Holz über einen längeren Zeitraum hinweg trocknen zu müssen, bevor es im heimischen Kamin verfeuert werden kann.

Eine Lagerungszeit von ein bis zwei Jahren ist daher keine Seltenheit. Informieren Sie sich hier genauer über die richtige Vorgehensweise beim Lagern von Brennholz.

Um welche Art von Abfallholz es sich handelt, ist übrigens sekundär. Ob es größere Abbruchstücke oder auch Kronenäste sind - entscheidend ist immer, dass sie als Abfallholz auf dem Waldboden hinterlassen worden sind.

Finanzieller Aspekt

Finanziell interessant bis hin zu lukrativ ist für den Verbraucher von Kaminholz der originäre Holzleseschein, der das ganze Jahr hindurch gilt und mit einer einmalig fälligen Gebühr bezahlt wird. Je mehr Holz eingesammelt wird, umso preisgünstiger wird es als Brennstoff - sei es zum Heizen und Erwärmen des freistehenden Hauses, oder aber für die gemütliche bis hin zu idyllische Atmosphäre am heimischen Kamin an den kalten und nassen Winterabenden.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Waldlichtung in Oesede, Osnabrücker Land © Child of nature - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: White Paper Notes © Giraphics - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: toadstool in the forest © Bruce Parrott - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: forest and machine © magdal3na - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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