4. August 2009
Wenn Jugendliche aus ihrer Kernfamilie in ein Betreutes Wohnen wechseln, dann kann dies viele Gründe haben. Häufig liegt es am Zerbrechen der Grundfamilie oder auch daran, dass Jugendliche sich im normalen sozialen Leben nicht mehr zurecht finden. Doch auch Kinder, die bereits von klein auf in Kinderheimen aufwachsen, können beim Heranwachsen in ein Betreutes Wohnen übersiedelt werden. Will man beurteilen, wo die jeweiligen Vor- und Nachteile für den einzelnen Jugendlichen liegen, so muss man mit Sicherheit dessen jeweilige Ausgangssituation in die Überlegungen mit einbeziehen.
Vor allem in Großstädten und Ballungszentren wachsen heute viele Kinder in sozial kritischen Wohngebieten mit einschlägigen Brennpunkten auf. Familiäre Probleme und Arbeitslosigkeit der Eltern führen häufig dazu, dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr optimal betreuen können. Sind dann noch Alkoholprobleme oder Drogenmissbrauch im Spiel, so muss meist das Jugendamt oder der Gesetzgeber eingreifen und die Kinder aus diesen unglücklichen Umständen heraus holen. Jüngere Kinder werden in Heimen oder bei Pflegefamilien untergebracht. Für Heranwachsende und Jugendliche, die möglicherweise schon selbständiger und nicht mehr bereit sind, sich in einer fremden Familie anzupassen, stellt das Betreute Wohnen eine gute Alternative dar.
In kleineren Wohngruppen leben hier mehrer Jugendliche wie in einer WG zusammen, werden aber noch von einem Sozialarbeiter oder einer Bezugsperson mit vergleichbarem Bildungshintergrund betreut. Zum Teil wohnt der Betreuer mit in der Einheit, in anderen Fällen ist er nur als Ansprechpartner und Ratgeber verfügbar und kommt zu regelmäßigen vereinbarten Terminen.
Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Hier haben Jugendliche aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit, einen geregelten Tagesablauf zu erlernen, ihren Schulabschluss zu erwerben und eine Ausbildung zu absolvieren. Die Rahmenbedingungen für eine geregelte Existenz sind vorgegeben, und damit häufig zuverlässiger vorhanden als in der eigenen Kernfamilie. Gleichzeitig werden die Jugendlichen auf ein möglichst selbständiges und eigenverantwortliches Leben vorbereitet und lernen früh den Umgang mit Behörden und Geld.
Als möglicher Nachteil kann angeführt werden, dass Jugendliche im Betreuten Wohnen möglicherweise den Kontakt zu ihrer Ursprungsfamilie aufgeben, und es nicht gewährleistet ist, dass sie zu ihren Betreuern auch wirklich ein vertrauensvolles Verhältnis entwickeln können. Die frühzeitige Selbständigkeit kann sich nicht nur positiv auswirken; manche jungen Menschen sind auch davon überfordert, eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zu müssen.
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