18. November 2009
Die Polygamie definiert eine Lebensform, in der ein Mann mehrere Ehen mit verschiedenen Frauen eingeht und pflegt. In den meisten westlichen Kulturen ist die Polygamie gesetzeswidrig und wird mit Freiheitsentzug geahndet. Wem es zum Beispiel in Deutschland gelingt, mehrere Ehen einzugehen, der muss gefälschte Papiere vorgelegt haben. In Kulturen, in denen die Polygamie erlaubt ist, unterscheidet sie sich nicht wesentlich von der Polyamory. Hier wissen die unterschiedlichen Ehefrauen voneinander und leben zusammen. In der illegalen Polygamie ist dies meist nicht der Fall.
Als Polyamory dagegen wird eine nahezu ähnliche Lebensform bezeichnet, in der ein Partner (nicht notwendigerweise ein Mann, sondern auch eine Frau) offene Beziehungen zu mehreren anderen Personen pflegt. Alle Beteiligten sind mit der Lebensform einverstanden und je nach Ausprägung auch miteinander bekannt. Die Polyamory setzt einen verantwortungsvollen Umgang miteinander und untereinander voraus, was bei der gesetzwidrigen Form der Polygamie nicht zwingend der Fall ist.
Die Polyamory funktioniert ohne Trauschein, was allen Beteiligten den Vorteil bietet, dass sie sich nach Belieben wieder aus ihrem Beziehungsgeflecht lösen können und keine rechtliche Verantwortung füreinander übernehmen müssen. Durch die wechselhaften Beziehungen bleibt jede einzelne Konstellation interessant. Ein Alltagstrott, wie er in der normalen, geschlossenen Ehe leicht entstehen kann, kann in der Polyamory nicht aufkommen. Häufig sind die verschiedenen Partner auch untereinander befreundet und bilden eine Art Großfamilie, in der auch die jeweiligen Kinder gemeinsam und mit ihren Halbgeschwistern aufwachsen.
Die Polyamory setzt einen offenen Umgang mit der Lebensform und die Übernahme von Verantwortung für den anderen voraus. Wer akzeptieren kann, dass er auf seinen Partner kein alleiniges Anspruchrecht geltend machen kann, der kann in der Polyamory Sicherheit, Wärme und Geborgenheit finden. In der Polyamory wird nicht betrogen und meist auch nicht gelogen. Die einzelnen Mitglieder werden gleichberechtigt behandelt und sind ihrem Ansehen und Status nach gleichwertig.
Die Funktionalität der Polyamory kann dann als besonders hoch gewertet werden, wenn alle Beteiligten auf engem Raum zusammen leben. So kann ein gegenseitiger Austausch stattfinden und die ungewöhnliche Lebensform erfordert keine komplizierten Maßnahmen oder unnötige doppelte Haushaltsführung. Jeder kann von den anderen profitieren, sei es wirtschaftlich oder auch emotional. Hier wird ein hoher sozialer Zusammenhalt entwickelt.
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