11. November 2008
Von Tanja Tasci
Brieffreundschaften kommen wohl nie wirklich aus der Mode. Besonders Brieffreundschaften über Ländergrenzen hinweg sind immer wieder ein beliebtes Sprachtraining.

Brieffreundschaften sind seit jeher gefragt. Schon unsere Großeltern und Ur-Großeltern haben häufig Brieffreundschaften über Jahre gepflegt. In Zeiten als Telefone noch rar waren, hielt man mit Freunden und Verwandten rein über den brieflichen Austausch Kontakt, dies ist heute unvorstellbar, da uns heute sehr viele Kommunikationswege zur Verfügung stehen. Noch in den 80er und 90er Jahren suchten viele Schüler Brieffreundschaften um eine erlernte Fremdsprache auch praktisch anwenden zu können. Doch auch der Austausch mit gleichsprachigen Brieffreunden war zu dieser Zeit noch immer in Briefform sehr beliebt. Die typische Brieffreundschaft ist selten geworden, denn heute pflegt man Brieffreundschaften eher als E-Mail-Freundschaften oder Chat-Freundschaften, doch auch wenn sich die Übertragungswege zum größten Teil geändert haben, ist der schriftliche Kontakt doch auch in Zeiten von Voice over IP, Telefon und Handy immer noch populär.
Ob Bekanntschaften aus dem Urlaub oder über Anzeigen gesuchte Brieffreunde, häufig ist der schriftliche Austausch eine Möglichkeit sein Herz auszuschütten und dies ist gerade für Jugendliche ist dies sehr wichtig. Eine Brieffreundschaft wird meist nach anfänglichen Oberflächlichkeiten sehr intensiv und die Themen häufig sehr intim. Was häufig schwer fällt dem Umfeld zu erzählen, ist bei einer Brieffreundschaft mit Leichtigkeit möglich. Dies liegt natürlich auch an dem Abstand, denn wer nicht direkt im eigenen Leben ist, dem kann man mehr anvertrauen und vor allem bekommt man hier eine neutrale Meinung, die nicht von persönlichen Vorurteilen und Wünschen geprägt ist. Genau auf Grund des Abstands halten viele Brieffreundschaften ein ganzes Leben lang an. Über die Jahre entwickelt sich eine ganz besondere Vertrautheit die man so nur in einem Briefverhältnis oder eben via Chat und E-Mail aufbauen kann. Der Austausch mit Menschen aus ganz anderen Verhältnissen, anderen Ländern und mit völlig anderen Lebenserfahrungen bereichert und schafft neue Blickwinkel für das eigene Leben und Erleben.
Bemerkenswert ist immer wieder, dass sich über den schriftlichen Austausch häufig Menschen finden, die sich im "normalen Leben" so nie gefunden hätten, denn Äußerlichkeiten spielen beim schriftlichen Austausch keine Rolle und auch Vorurteile gegen eine Person können sich nicht auf Grund der Optik aufbauen. Viele Menschen sind erstaunt, wie gut sie sich mit jemanden verstehen können, der aus einer komplett anderen Welt kommt und somit auch häufig komplett andere Interessen hat. Was im realen Leben häufig schwer ist, wird beim schriftlichen Austausch plötzlich ganz einfach. Schon alleine das eigene Leben in Worte fassen zu müssen hilft vielen Menschen weiter, denn so bekommt man Abstand vom eigenen Handeln und kann dies selbst besser beurteilen. Die Vertrautheit einer Brieffreundschaft liegt nicht zuletzt daran, dass man sich nicht vor einer direkten Reaktion des gegenüber fürchten muss und man deshalb freier über die eigenen Probleme schreiben kann, als wenn man mit jemanden direkt spricht. Einige Brieffreunde sind neugierig und arrangieren irgendwann ein Treffen, andere halten Brieffreundschaften über mehrere Jahrzehnte ohne sich einmal gesehen zu haben. Doch eines ist klar, wer einmal einen vertrauten Brieffreund gefunden hat, möchte ihn in seinem Leben nicht mehr missen.
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