Basale Stimulation - Ziele, Anwendungsgebiete und Durchführung

Junge Hände halten ältere Hände beim Malen

Besondere Therapie und Pflege für Menschen mit eingeschränkter Eigenaktivität

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  • von Paradisi-Redaktion

Bei der Basalen Stimulation handelt es sich um ein Therapie- und Pflegekonzept. Sie dient dazu, körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen zu fördern. Man kann sie in unterschiedliche Formen einteilen; Ziel und Zweck ist die Verbesserung der Lebensqualität. Angewandt wird sie beispielsweise bei Schlaganfällen oder psychischen Erkrankungen. Lesen Sie über die Ziele, Anwendungsgebiete und Durchführung der Basalen Stimulation.

Unter dem Begriff "Basale Stimulation" fasst man unterschiedliche Therapie- und Pflegemaßnahmen zur Förderung von Menschen, die unter körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen leiden, zusammen. So sollen mithilfe der basalen Stimulation

des Patienten verbessert werden. Auf diese Weise lässt sich der Aufbau einer Beziehung zwischen dem Patienten und seiner Umwelt erreichen.

Entwicklung

Entwickelt wurde die Basale Stimulation Mitte der 70er Jahre von dem deutschen Pädagogik-Professor Andreas D. Fröhlich. Dabei handelte es sich nicht um eine Therapiemethode, sondern um ein pädagogisches Konzept für die Sonderpädagogik. In Zusammenarbeit mit Andreas D. Fröhlich übertrug die Pflegewissenschaftlerin Christel Bienstein das Konzept der basalen Stimulation auch auf den Pflegebereich.

Ziel und Zweck der basalen Stimulation

Die Basale Stimulation dient dazu, die Lebensqualität von körperlich oder geistig beeinträchtigten Menschen durch gezielte Förderung zu verbessern. Dazu gehören

  • das Schaffen von geeigneten Lern- und Lebensräumen
  • das Organisieren von Interaktionsangeboten
  • die Beteiligung des Patienten an alltäglichen Aktivitäten sowie
  • das Aufbauen von persönlichen Beziehungen.

Des Weiteren soll ein fester Rhythmus zwischen den Ruheperioden und den aktiven Zeiten des Patienten eingerichtet werden.

Unterschiedliche Formen

Die Basale Stimulation lässt sich in zahlreiche verschiedene Formen einteilen. So unterscheidet man zwischen

  • der somatischen Stimulation, die Berührungen, Waschungen und Massagen umfasst, der olfaktorischen Stimulation, bei der das Gehirn durch Gerüche angeregt wird
  • der oralen Stimulation, bei der man das Gehirn durch Geschmackskomponenten wie Süßigkeiten oder die Lieblingsmahlzeit anregt,
  • der vestibulären Stimulation, die zur verbesserten Körperwahrnehmung dient, sowie
  • der vibratorischen Stimulation, bei der Schwingungen erzeugt werden, um die Körperwahrnehmung im Raum zu verbessern.

Weitere Subformen sind

  • die akustische Stimulation mit Klängen und Musik
  • die visuelle Stimulation mit Bildern und Filmen und
  • die taktil-haptische Stimulation, bei der der Patient Gegenstände ertastet.
Mit unterschiedlichen Sinnen Dinge wahrnehmen
Mit unterschiedlichen Sinnen Dinge wahrnehmen

Basale Stimulation - Schwerkranken den Wiedereinstieg ins normale Leben erleichtern

Schwerkranke Patienten, die beispielsweise unter einer Demenz leiden oder mit den Folgen eines Schlaganfalls zu kämpfen haben, haben es oft schwer sich im Alltag zurechtzufinden, da die körperlichen und geistigen Funktionen nachlassen. Um ihnen den Wiedereinstieg in ein alltägliches Leben zu erleichtern, gibt es ein neues Pflegekonzept, die basale Stimulation.

Bei der basalen Stimulation geht es hauptsächlich darum, bei den Kranken wieder einen Bezug zu sich selbst herzustellen, sodass sie auch ihre Umwelt wieder besser wahrnehmen können. Dabei ist es wichtig, dass sich der oder die Pfleger mit der Lebensgeschichte der Pflegebedürftigen befasst haben, damit sie die Therapie danach ausrichten können. Daher ist die basale Stimulation ideal, wenn es sich bei den Pflegern um die Angehörigen der Pflegebedürftigen handelt.

Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete der basalen Stimulation sind vielfältig. Zum Einsatz kann sie

kommen. Die Basale Stimulation gilt somit als geeignet für desorientierte oder bewusstlose Menschen, Patienten, die in einem Koma oder Wachkoma liegen, halbseitig Gelähmte, Schwerstbehinderte sowie für Menschen, die unter Schmerzzuständen oder Demenz leiden oder hyperaktiv sind.

Durchführung

Da es sich bei der basalen Stimulation um ein überaus komplexes Konzept handelt, ist es wichtig, dass es den Patienten und deren Angehörigen ausführlich erklärt wird, was erheblich zum Erreichen der Pflegeziele beiträgt. So ist es ohne ausreichende Kooperation der pflegenden Angehörigen kaum möglich, die Basale Stimulation erfolgreich umzusetzen. Des Weiteren muss zwischen Pfleger und Pflegeperson ein gutes Vertrauensverhältnis herrschen.

Experten empfehlen, die Basale Stimulation sinnvoll in den Alltag zu integrieren. Keinesfalls darf man sie dem Patienten aufzwingen, dessen aktuelle Befindlichkeiten unbedingt zu berücksichtigen sind. Dabei sollte das Angebot an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.

Beispiele

Bei den Anwendungen der Basalen Stimulation kommt es darauf an, alle fünf Sinne - Riechen, Fühlen, Schmecken, Hören und Sehen - anzusprechen. Zu den unterschiedlichen Anwendungen bzw. Einbindungen in den Alltag zählen etwa

  • Bewegungen im Sprudelbad
  • eine angenehm gestaltete Nahrungsaufnahme
  • mit Sprache begleitete Tätigkeiten
  • tiergestützte Therapien, bei denen die Tiere gestreichelt werden können
  • einen geregelten Tagesablauf mit sich wiederholenden Elementen
  • Wasserspiele und Mobiles im Raum
  • Stimulieren durch wechselnde Lagerung

Kinästhetik hilft beim Umgang mit Pflegebedürftigen

In Schulungen lernen Angehörige den richtigen Umgang mit Pflegebedürftigen

Alte Frau im Rollstuhl wird von Pflegerin betreut
Health care worker and elderly woman in wheelchair needs help © Alexander Raths - www.fotolia.de

Kinästhetik, die Lehre von der Bewegungsempfindung, wird schon seit vielen Jahren in der Krankenpflege eingesetzt. Durch die steigende Zahl der pflegebedürftigen Senioren, die zuhause von ihren Angehörigen versorgt werden, steigt auch das Interesse an Kinästhetik im häuslichen Bereich.

Schulungen für pflegende Angehörige

Immer mehr Einrichtungen bieten Kurse und Schulungen in der Bewegungswahrnehmung an, die den pflegenden Angehörigen das Leben erleichtern soll.

Richtiges Heben

So lernen sie in diesen Kursen, wie Pflegebedürftige richtig angefasst werden, ohne dass sie dabei Schmerzen haben und wie die Pflegenden ihren eigenen Körper schonen können. So sollten kranke Menschen nur an den "harten" Körperstellen angefasst werden, wo Knochen verlaufen, d.h. an:

  • Brustkorb
  • Becken
  • den Außenseiten der Gliedmaßen

Die weichen Körperteile sollten hingegen vermieden werden, wie:

  • die Taille
  • der Hals
  • die Achselhöhlen

Hilfe zur Selbsthilfe

Wichtig bei der Kinästhetik ist auch ein Gespür dafür, was der Kranke selbst noch kann und wobei er Hilfe benötigt.

Viele Pflegebedürftige lernen durch geduldige Anleitung erst wieder, Dinge selbst zu tun, für die sie bislang Hilfe in Anspruch nahmen: So können sie zum Beispiel wieder selbst vom Bett in den Rollstuhl umsteigen und vom Rollstuhl ins Auto, statt vom Angehörigen mühsam gehoben und transportiert zu werden.

Grundinformationen und Hinweise zur Pflege

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: helfende Hände © spuno - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Seniorin bewundert Blumen auf der Wiese - Mohnblume, Kamille © elypse - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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