Warum Patriotismus in Deutschland so verpönt ist

Wehende Europafahne oder EU-Flagge vor Himmel und Haus
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  • von Paradisi-Redaktion

Patriotismus wird in Deutschland häufig mit Skepsis betrachtet. Doch warum ist das so?

Was versteht man unter Patriotismus?

Mit dem Begriff Patriotismus ist eine enge Verbundenheit mit einer bestimmten Nation gemeint. In Deutschland verwendet man auch häufig den Begriff Vaterlandsliebe. Darunter versteht man Nationalstolz oder Nationalgefühl. So kann sich Patriotismus auf politische, kulturelle, ethnische oder historische Aspekte beziehen.

Obwohl sich die meisten Politiker zum Patriotismus bekennen, begegnet man ihm in Deutschland oftmals mit Zurückhaltung.

Vor allem in politisch linken Kreisen ist die Liebe zum Vaterland verpönt. Das liegt auch daran, dass Patriotismus häufig mit Nationalismus und Chauvinismus verwechselt wird.

Frankreich als Vorbild

Ursprünglich entstand der Patriotismusbegriff in den Jahren der Französischen Revolution. So sollte darauf hingewiesen werden, dass es wichtiger sei, einer Nation anzugehören als einem bestimmten Stand, und das alle Bürger gleich seien.

Politikwissenschaftler ordnen Patriotismus auch als politisch linken Begriff ein, der eine liberale und demokratische Gesellschaftsidee verkörperte. Durch die Napoleonischen Kriege hielt der Patriotismusgedanke auch Einzug in andere Länder wie Deutschland.

Während der deutschen Revolution 1848/49 stand Patriotismus für den Wunsch nach der nationalen Einheit. Als 1871 die Einigung Deutschlands schließlich vollzogen wurde, wandelte sich der Patriotismus jedoch zunehmend in Nationalismus und Chauvinismus um.

Dieser Wandel vollzog sich in ganz Europa und führte schließlich zu dem Glauben, dass die jeweils eigene Nation allen anderen überlegen sei. Gleichzeitig wurden andere Nationen abgewertet.

Diese Überheblichkeit mündete schließlich in den 1. Weltkrieg. Später benutzten Faschisten und Nationalsozialisten den Patriotismusbegriff, um mehr Zustimmung bei der Bevölkerung zu erhalten.

Nationalsozialismus

Aufgrund der zahlreichen Verbrechen der nationalsozialistischen Regierung war das Bekenntnis zur Vaterlandsliebe in Deutschland in der Nachkriegszeit verpönt.

So wurde peinlich darauf geachtet, zu selbstbewusstes Auftreten vor dem Ausland zu vermeiden, was sogar so weit ging, dass selbst im Ausland dieses an Selbstverleugnung grenzende Verhalten als befremdlich angesehen wurde.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 wurde der Patriotismusgedanke jedoch allmählich wieder salonfähig. So empfinden Studien zufolge rund 60 Prozent der Deutschen Stolz, wenn sie an ihr Land denken.

Fazit

Wichtig ist, dass man Patriotismus von Nationalismus und Chauvinismus unterscheidet. Patrioten sind stolz auf ihr Land, ohne jedoch andere Nationen deswegen gering zu schätzen.

Kritiker des Patriotismus sehen allerdings keinen Unterschied zum Nationalismus und befürchten, dass er nur als Deckmantel dient, um nationalistisches Gedankengut zu vertreten.

Die Diskussion um den Patriotismus dürfte also anhalten.

Grundinformationen und Hinweise zu Patriotismus

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: europa eu fahne © moonrun - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom

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