Patriotismus - Verschiedene Formen und Bedeutung in Deutschland

Weibliches Auge mit Pupille in Deutschlandfarben

Wissenswertes zum Patriotismus

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  • von Paradisi-Redaktion

Unter Patriotismus versteht man Vaterlandsliebe oder Nationalstolz. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen von Patriotismus, da man eine solche Bindung auf unterschiedliche Bereiche beziehen kann. In Deutschland wird Patriotismus oftmals mit Skepsis betrachtet. Lesen Sie über die unterschiedliche Formen von Patriotismus und die Bedeutung in Deutschland.

Patriotismus - Eine Definition

Mit dem Begriff Patriotismus ist eine enge Verbundenheit mit einer bestimmten Nation gemeint. In Deutschland verwendet man auch häufig den Begriff Vaterlandsliebe.

Darunter versteht man Nationalstolz oder Nationalgefühl. So kann sich Patriotismus auf

  • politische
  • kulturelle
  • ethnische oder
  • historische

Aspekte beziehen. Obwohl sich die meisten Politiker zum Patriotismus bekennen, begegnet man ihm in Deutschland oftmals mit Zurückhaltung.

Allgemein erfolgt eine Abgrenzung zum Chauvinismus und Nationalismus. Der Bezug liegt auf einer über die Persönlichkeit hinausgehende staatlche Gesamtheit.

In den USA ist der Patriotismus besonders augeprägt. Dies ist beispielsweise an der Nationalflagge erkennbar, die an vielen Häusern hängt. Zudem wird vielerorts von Schülern der Pledge of Allegiance, der Treueschwur der USA aufgesagt.

Als besonderes Merkmal gilt der Zusammenhang zwischen politischen und religiösen Symbolen. Zudem sind auch Werte und Rituale aus dem Christentum typisch. Mehr zum Patriotismus in den USA erfahren Sie hier.

Verschiedene Formen

Patriotismus dient als Begriff für die Liebe zum Vaterland und zu einer bestimmten Nation. Dabei handelt es sich um eine Bindung, die sich auf ganz unterschiedliche Aspekte beziehen kann. Dazu gehören vor allem

  • Kultur
  • Geschichte
  • Politik oder
  • eine Ethnie.

Patriotismus kann sowohl positiv als auch negativ sein. So unterscheidet man zwischen konstruktivem Patriotismus und blindem Patriotismus.

Allerdings lässt sich Patriotismus nicht grundsätzlich als gut oder schlecht einstufen, denn die Auswirkungen des Nationalstolzes hängen letztlich von den Werten und Normen der Gesellschaft der jeweiligen Nation ab. Es gibt jedoch verschiedene Formen von Patriotismus.

Konstruktiver Patriotismus

Heute ist es üblich, Patriotismus von Nationalismus und Chauvinismus abzugrenzen. So gilt man als konstruktiv patriotisch, wenn man sich mit seinem Land und seinem Volk identifiziert, aber andere Nationen und Völker deswegen nicht abwertet. Während zum Beispiel das Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit als konstruktiv patriotisch angesehen wird, steht blinder Patriotismus dagegen für das Ausüben von Fremdenfeindlichkeit.

Nationalismus

Nationalismus gilt als negative Form von Patriotismus oder als blinder Patriotismus. So setzt man Nationalismus oft mit Chauvinismus gleich. Im Unterschied zum Patrioten stellt der Nationalist seine Nation über alle anderen.

Darüber hinaus vertritt der Nationalismus die Auffassung, dass das Individuum die Nation als wichtiger erachten muss, als zum Beispiel seine Heimatregion oder seine Religion. So gilt im Nationalismus die Devise, dass der Einzelne nichts und das Volk alles sei, was oftmals zur Abwertung des einzelnen Menschen führt.

Ausschnitt Deutschlandfahne
Ausschnitt Deutschlandfahne

Chauvinismus

Chauvinismus ist die aggressivste Patriotismusform. Dabei artet der Patriotismus in einen übertriebenen Nationalismus aus. So gelten Angehörige anderer Nationen als minderwertig.

In der Vergangenheit führte Chauvinismus häufig zu Kriegen zwischen verschiedenen Staaten. Seinen Namen erhielt der Chauvinismus von dem französischen Rekruten Nicolas Chauvin, der sich während der Napoleonischen Kriege übertrieben patriotisch verhielt.

Hurra-Patriotismus

Unter Hurra-Patriotismus versteht man eine übertriebene Patriotismusform, bei der es zu überschwänglicher Kriegsbegeisterung kommt. In der Vergangenheit war der Hurra-Patriotismus vor allem in Deutschland stark verbreitet, was dazu führte, dass man hierzulande dem Patriotismus später eher ablehnend gegenüberstand.

Lokalpatriotismus

Bei Lokalpatriotismus handelt es sich um die Liebe zu einer bestimmten Stadt oder Region. Gleichzeitig grenzen sich Lokalpatrioten von nationalem Patriotismus oder Nationalismus ab. Die Heimatstadt oder Heimatregion wird dabei als wichtiger angesehen als die eigene Nation.

Die Bedeutung in Deutschland

Patriotismus wird in Deutschland häufig mit Skepsis betrachtet. Doch warum ist das so?

Vor allem in politisch linken Kreisen ist die Liebe zum Vaterland verpönt. Das liegt auch daran, dass Patriotismus häufig mit Nationalismus und Chauvinismus verwechselt wird.

Deutsche Nationalhymne ist den Deutschen nicht geläufig

Deutschlandflaggen in einer Menschenmenge
deutschlandflagge © Michael Homann - www.fotolia.de

Erschreckende Zahlen: nichtmals die Hälfte aller Deutschen kann die deutsche Nationalhymne. 47% konnten die Hymne aufsagen. In Westdeutschland sieht es da noch ein wenig besser aus als in Ostdeutschland. Während im Westen 51% die Hymne kannten, waren es im Osten nur 33%.

Zudem gibt es einen Generationenunterschied; bei den 14- bis 29-Jährigen waren es 62%, bei den Senioren über 60 Jahre nur 41%, die die Hymne kannten. Die deutsche Nationalhymne ist die dritte Strophe des Gedichts "Das Lied der Deutschen" vom Literaten August Hoffmann von Fallersleben, das 1841 auf Helgoland verfasst wurde. Zur Erinnerung - die Strophe lautet:

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand:
Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland!

Beckenbauer fordert Hymnen-Zwang für National-Elf

WM 2010: Sollten Fußballer zum Singen gezwungen werden?

Weibliches Auge mit Pupille in Deutschlandfarben
german eye © Phototom - www.fotolia.de

Als gäbe es nicht Wichtigeres so kurz vor der WM! Momentan scheint sich ein Streit anzubahnen zwischen Franz Beckenbauer und Jogi Löw. Der Knackpunkt: die Nationalhymne. Beckenbauer erwartet, dass alle Spieler die Hymne mitsingen. Er habe das Mitsingen im Jahre 1984, als er Teamchef war, eingeführt, und es habe der Mannschaft eine ganz andere Einstellung gegeben, so sagte er.

Der lockere Löw

Bundestrainer Löw sieht das alles ein wenig liberaler. Er lehnt einen sogenannten „Hymnen-Zwang“ für seine Jungs ab. Nachdem er mit seinen Spielern gesprochen hatte, meinte er, dass sie sich zwar total mit Deutschland und der Mannschaft identifizieren würden, es aber trotzdem für viele nicht einfach sei. Zahlreiche Spieler haben eine nicht-deutsche Herkunft, haben andere Wurzeln, sodass es ihnen schwerfiele. Löw will niemanden zwingen.

Spieler, die singen oder schweigen

Dennis Aogo beispielsweise, der Halb-Nigerianer ist, meinte dazu, dass er stolz sei, für Deutschland zu spielen, auch wenn er nicht mitsinge. Jeder Spieler handhabt es also so, wie er es für richtig hält, und Löw will ihnen da auch freie Hand lassen. Hier sind übrigens die Spieler, die singen, und die, die schweigen:

  • Sie singen die Nationalhymne: Mertesacker, Kroos, Klose, Westermann, Friedrich, Neuer
  • Sie schweigen dabei: Podolski, Boateng, Khedira, Özil, Trochowski

Aber eigentlich sollte es egal sein, ob und was sie singen, solange sie mit vollem Herzen dabei sind und ihr Bestes für Deutschland geben.

Schwarz-Rot-Gold ist wieder in

Kleiner Junge mit Fußballtrikot liet auf Rasen, Deutschlandfan
liegender Fußballfan © Manuel Tennert - www.fotolia.de

Flaggen in Fenstern, Fähnchen an Autos, Banner an Schulrucksäcken: die Deutschen sind wieder schwarz-rot-gold. Nicht nur an Privathäusern, sondern auch in Kneipen und Hotels wird derzeit fleißig dekoriert. "Es ist wie vor vier Jahren", bestätigt eine Sprecherin des Modeverbands GermanFashion.

Die große Patriotismuswelle begann aber schon kurz vor der WM: der Sieg der 19-jährigen Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest für Deutschland gab den Anstoß. Und seit der Weltmeisterschaft in Südafrika sind wieder alle Dämme gebrochen und die Industrie boomt fast so sehr, als sei die WM im eigenen Land. Besonders Flaggenhersteller freuen sich über gute Umsätze und viele Spezialaufträge. Viele Deutsche haben inzwischen auch eine Fahne in ihrem Vorgarten und haben angekündigt, diese künftig auch zu anderen Gelegenheiten zu hissen.

Fußball - Sozialforscher befürchten einen Wandel vom Patriotismus zum Nationalismus

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 schmücken die Deutschen ihre Gärten, ihre Autos und ihre Körper bei jedem wichtigen Sportereignis mit der deutschen Flagge. Sogar zwischen solchen Events sind für viele die deutschen Fahnen aus ihren Gärten nicht mehr wegzudenken. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um harmlosen Patriotismus, wie Politiker es nennen? Oder versteckt sich hinter dem Stolz auf das Vaterland vielleicht eher der nationalistische Gedanke?

Diese Frage beschäftigt seit 2006 immer mehr Sozialforscher. Patrioten identifizieren sich genau wie Nationalisten mit ihrem Land. Allerdings seien sie vielmehr stolz auf die Demokratie und die sozialen Errungenschaften und vergleichen diese nicht auf Basis der Fremdenfeindlichkeit mit denen anderer Länder. Einer Studie aus Marburg zufolge, hat der Nationalismus nach der WM im Jahr 2006 in Deutschland sogar leicht zugenommen und das trotz des Mottos: "Die Welt zu Gast bei Freunden".

Das Deutschlandspiel im Stadion von Lemberg in der Ukraine habe auch gezeigt, dass sich unter den Patrioten immer mehr der Nationalismus breit macht, so eine Anspielung der Kritiker auf die Reichsfahne, die plötzlich im Fanblock wehte.

Frankreich als Vorbild

Ursprünglich entstand der Patriotismusbegriff in den Jahren der Französischen Revolution. So sollte darauf hingewiesen werden, dass es wichtiger sei, einer Nation anzugehören als einem bestimmten Stand, und das alle Bürger gleich seien.

Politikwissenschaftler ordnen Patriotismus auch als politisch linken Begriff ein, der eine liberale und demokratische Gesellschaftsidee verkörperte. Durch die Napoleonischen Kriege hielt der Patriotismusgedanke auch Einzug in andere Länder wie Deutschland.

Während der deutschen Revolution 1848/49 stand Patriotismus für den Wunsch nach der nationalen Einheit. Als 1871 die Einigung Deutschlands schließlich vollzogen wurde, wandelte sich der Patriotismus jedoch zunehmend in Nationalismus und Chauvinismus um.

Dieser Wandel vollzog sich in ganz Europa und führte schließlich zu dem Glauben, dass die jeweils eigene Nation allen anderen überlegen sei. Gleichzeitig wurden andere Nationen abgewertet.

Diese Überheblichkeit mündete schließlich in den 1. Weltkrieg. Später benutzten Faschisten und Nationalsozialisten den Patriotismusbegriff, um mehr Zustimmung bei der Bevölkerung zu erhalten.

Weitere Entwicklung

Aufgrund der zahlreichen Verbrechen der nationalsozialistischen Regierung war das Bekenntnis zur Vaterlandsliebe in Deutschland in der Nachkriegszeit verpönt. So wurde peinlich darauf geachtet, zu selbstbewusstes Auftreten vor dem Ausland zu vermeiden, was sogar so weit ging, dass selbst im Ausland dieses an Selbstverleugnung grenzende Verhalten als befremdlich angesehen wurde.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 wurde der Patriotismusgedanke jedoch allmählich wieder salonfähig. So empfinden Studien zufolge rund 60 Prozent der Deutschen Stolz, wenn sie an ihr Land denken.

Fazit

Wichtig ist, dass man Patriotismus von Nationalismus und Chauvinismus unterscheidet. Patrioten sind stolz auf ihr Land, ohne jedoch andere Nationen deswegen gering zu schätzen.

Kritiker des Patriotismus sehen allerdings keinen Unterschied zum Nationalismus und befürchten, dass er nur als Deckmantel dient, um nationalistisches Gedankengut zu vertreten. Die Diskussion um den Patriotismus dürfte also anhalten.

Grundinformationen und Hinweise zu Patriotismus

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: german eye © Phototom - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Rendered german flag © Huebi - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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