Entstehung, Bewegung und sonstige Merkmale unterschiedlicher Gletschertypen

Männer beim Wandern durch Eishöhle

Über bekannte Gletscher und die Gefahren von Gletscherspalten

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Gletscher bezeichnet man Eismassen, die aus Schnee hervorgehen. Es wird zwischen verschiedenen Gletschertypen unterschieden. Gletscher sind weltweit zu finden. Der größte Gletscher der Erde liegt in der Antarktis. Zu den typischen Merkmalen von Gletschern gehören Gletscherspalten. Diese spaltartigen Öffnungen können jedoch für Menschen eine tödliche Gefahr darstellen. Lesen Sie alles Wissenswerte über Gletscher und informieren Sie sich über die Gefahren von Gletscherspalten.

Gletscher - Generelle Merkmale

Die imposanten Gletscher sind aus Schnee hervorgegangene Eismassen. Sie verfügen über ein klares Einzugsgebiet. Durch bestimmte Faktoren wie

kommt es zu einer Schubspannung, die zu eigenständigen Bewegungen des Gletschers führt.

Eigenschaften von Gletschern

Gletscher haben einen bedeutenden Anteil an der Landschaftsgestaltung der Erde. So bildeten sich durch sie Seen, Hügel und Täler. Darüber hinaus stellen sie die größten Süßwasserspeicher unseres Planeten dar.

In den Polargebieten werden große Landflächen von ihnen bedeckt. Zahlreiche Flusssysteme erhalten Wasser von Gletschern. Darüber hinaus beeinflussen die Eisriesen das Weltklima.

Entstehung von Gletschern

Zur Bildung von Gletschern kommt es, wenn in einer kalten Region mehr Schnee fällt, als er abtaut oder verdunstet. Erfolgt auf dem bereits vorhandenen Schnee weiterer Schneefall, führt dies zu einem zunehmenden Zusammendrücken der unteren Schneekristalle, was wiederum die Entstehung von Firneis bewirkt.

Weitere Schneeschichten sorgen dafür, dass dieses Firneis sich immer mehr verdichtet und letztlich zu Gletschereis wird. Erreicht der Gletscher eine bestimmte Dicke, führt die Schwerkraft dazu, dass er sich hinab bewegt.

Gletscherbewegung

Gletscher werden nur Eismassen genannt, die in der Lage sind, sich zu bewegen. Eisberge oder Packeis, die auf Wasser treiben, zählen jedoch nicht zu den Gletschern. Bei der Bewegung der Gletscher unterscheidet man zwischen zwei Formen: dem Eisfließen und dem basalen Gleiten.

Beim Eisfließen wird von den orografisch höher liegenden Gletscherteilen eine Schubspannung auf tiefere Abschnitte ausgeübt. Der Abbau des Drucks erfolgt durch die Fließbewegung des Eises.

Zu basalem Gleiten kommt es nur, wenn die Gletscher eine Temperatur knapp unter 0 Grad Celsius aufweisen. Durch die Anomalie des Wassers lässt sich das Eis trotz niedriger Temperaturen verflüssigen, wenn der Druck ausreichend hoch ist.

Sofern der von der Masse des Gletschers erzeugte Druck hoch genug ist und die Eistemperatur für ein Aufschmelzen ausreicht, ist es möglich, dass ein kompletter Gletscherabschnitt auf dem entstehenden Wasserfilm entlanggleitet. Bei diesem Vorgang kommt es zum Abbau des Drucks. Das Wasser gefriert wieder bis erneut ausreichender Druck entsteht.

Schneewanderer mit Rucksack unter blauem Himmel
Schneewanderer mit Rucksack unter blauem Himmel

Gletschertypen

Gletscher werden in verschiedene Arten eingeteilt. Man unterscheidet sie je nach ihrer Entstehung und ihren Entwicklungsstadien. Zu den bekanntesten Gletschertypen gehören:

Talgletscher

Talgletscher werden Eismassen genannt, deren Einzugsgebiet klar begrenzt ist. Sie bewegen sich durch die Schwerkraft abwärts innerhalb eines Tales. Zu den typischen Talgletschern zählen die Gebirgsgletscher.

Fließgeschwindigkeit und Schmelzwassermenge des Gletschers variieren im Laufe des Jahres, wobei sie ihr Maximum in den Sommermonaten erreichen. Talgletscher machen zwar nur etwa ein Prozent aller Gletschergebiete aus, zählen aufgrund ihres beeindruckenden Aussehens jedoch zu den bekanntesten Gletschertypen. Größter Talgletscher der Erde ist der im Pamir gelegene Fedtschenko-Gletscher, gefolgt vom Kahiltnagletscher am Mount McKinley.

Lawinengletscher

Unter Lawinengletschern versteht man Gletscher, die sich unter der Schneegrenze befinden. Aus diesem Grund haben sie kein eigenes Nährgebiet.

Die meisten Lawinengletscher werden von großen, der Sonne abgewandten, Bergwänden umgeben. Sie speisen sich aus dem abgelagerten Schnee von Lawinen.

Lawinengletscher werden zwar nicht sehr groß, verfügen jedoch über die typischen Merkmale eines Gletschers wie Gletscherspalten oder Eisbewegungen. Zu den tiefsten Lawinengletschern zählt die Eiskapelle, die sich am Fuße der Watzmann-Ostwand auf einer Höhe von rund 950 Metern befindet.

Eisschild oder Inlandeis

Die größten Gletscherflächen der Erde werden als Eisschild oder Inlandeis bezeichnet. Sie werden derart groß, dass das Relief von ihnen nahezu komplett überdeckt wird. Man findet sie vor allem in der Antarktis und in Grönland.

Eiskappe oder Plateaugletscher

Eiskappen, auch Plateaugletscher genannt, ähneln Eisschilden, sind jedoch weniger mächtig ausgeprägt. Zu den bekanntesten Plateaugletschern gehören der Jostedalsbreen in Norwegen und der Vatnajökull auf Island.

Eisstrom

Unter einem Eisstrom versteht man Bereiche von Eisschilden, deren Fließgeschwindigkeit deutlich über der des umgebenen Eises liegt. Der Abfluss der Eisschilde verläuft größtenteils über die Eisströme.

Eisstromnetz

Um ein so genanntes Eisstromnetz handelt es sich, wenn ein Talgletscher so stark anwächst, dass sein Eis über die Talscheiden fließt. Die Steuerung des Eises erfolgt durch das Relief. In der heutigen Zeit findet man Eisstromnetze noch in Alaska, Spitzbergen oder im Franz-Josef-Land.

Auslassgletscher

Bei Auslassgletschern handelt es sich um Gletscher, die sich am Rand von Eisschilden oder Eiskappen bilden. Dabei kann das Eis nur durch schmale Auslässe fließen, die das Relief vorgibt. Die meisten Auslassgletscher haben die Form eines Talgletschers.

Hanggletscher und Hängegletscher

Von Hanggletschern spricht man bei kleinen Eisansammlungen an einem Berghang. Die Hanggletscher haben jedoch keine deutliche Zungenbildung oder brechen über eine Wandstufe ab.

Eine extreme Variante von Hanggletschern sind Hängegletscher. Sie werden so bezeichnet, weil sie an steilen Felswänden hängen. Ihr Nährgebiet bilden Hanggletscher, Eiskappen oder Firnrinnen.

Vorlandgletscher oder Piedmontgletscher

Als Vorlandgletscher oder Piedmontgletscher werden Gletscher bezeichnet, die sich aus Gebirgstälern vorschieben. Sie haben die Eigenschaft, sich im vorgelagerten Flachland fächer- oder ringförmig auszubreiten. Größter Vorlandgletscher ist der in Alaska gelegene Malaspinagletscher.

Kargletscher

Bei Kargletschern handelt es sich um Eismassen, die in einem so genannten Kar, einer sonnengeschützten Mulde, liegen. Im Gegensatz zu anderen Gletschern verfügen Kargletscher nicht über eine ausgeprägte Gletscherzunge. Nicht selten sind Kargletscher Hängegletscher.

Gruppe von Adelie-Pinguinen am Eisberg, kurz vor dem Sprung ins Wasser
Gruppe von Adelie-Pinguinen am Eisberg, kurz vor dem Sprung ins Wasser

Bekannte Gletscher der Erde

In der heutigen Zeit bedecken Gletscher rund 15 Millionen Quadratkilometer der festen Erdoberfläche, was zehn Prozent der gesamten Landfläche entspricht. Die bekanntesten Gletscher befinden sich in Europa, die größten Eisriesen liegen jedoch in der Antarktis.

Lambert-Gletscher

Größter Gletscher der Welt ist der Lambert-Gletscher, der in Ostantarktika zu finden ist. So erreicht er eine Länge von 420 Kilometern sowie eine Breite zwischen 90 und 130 Kilometern.

Sein Einflussgebiet erstreckt sich auf rund 10 Prozent des antarktischen Eisschildes. Das Eis des riesigen Gletschers fließt vom Polarplateau zur Küste hin. Dort geht es in das Amery-Schelfeis über.

Malaspina

Der größte Gletscher nicht-polaren Ursprungs ist der Malaspina in Alaska. Mit einer Fläche von ca. 4.275 Quadratkilometern zählt er zu den größten Vorlandgletschern und liegt an der südlichen Pazifikküste, wo er in den Golf von Alaska mündet. Als Namensgeber für den Eisriesen diente der italienische Seefahrer Alessandro Malaspina (1754-1810).

Austfonna

Als flächenmäßig größter Gletscher von Europa gilt der Austfonna im norwegischen Spitzbergen, genauer gesagt auf der Insel Nordostland. So verfügt er über eine Gesamtfläche von 8105 Quadratkilometern.

Seine Eisdecke erreicht durchschnittlich 235 Meter. Die Eiskappe umfasst insgesamt 200 Kilometer.

Aletschgletscher

Der Aletschgletscher ist der flächenmäßig längste und größte Gletscher der Alpen. Zu finden ist er in den Berner Alpen in der Schweiz. Der Gletscher erreicht eine Fläche von 81,7 Quadratkilometern sowie eine Länge von 22,75 Kilometern.

Nördlicher Schneeferner

Umfangreichster Gletscher Deutschlands ist der Nördliche Schneeferner mit einer Fläche von 0,278 Quadratkilometer. Er befindet sich in den Bayerischen Alpen auf dem Zugspitzblatt auf einer Höhe von 2.630 Metern.

Genährt wird er von dem Niederschlag, der auf seine Oberfläche herabfällt sowie von Lawinenschnee. Besonders beliebt ist der Nördliche Schneeferner wegen seiner optimalen Wintersportmöglichkeiten.

Campo de Hielo Sur

Auch in Südamerika befinden sich Gletscher. Größtes Gletschergebiet auf dem südamerikanischen Kontinent ist der Campo de Hielo Sur, der sowohl in Argentinien als auch in Chile liegt und eine Fläche von rund 13.000 Quadratkilometern erreicht. Er bildet das größte Reservoir an Süßwasser in Südamerika.

Quelccaya-Eiskappe

Selbst in der tropischen Klimazone finden sich Gletscher wie die Quelccaya-Eiskappe im Süden von Peru. Sie gilt als größtes tropisches Eisfeld auf der Erde und erreicht eine Ausdehnung von 44 Quadratkilometern. Allerdings zieht sich der Quelccaya-Gletscher jedes Jahr immer mehr zurück.

Die Gefahren von Gletscherspalten

Bei Gletscherspalten handelt es sich um spaltartige Öffnungen in der Oberfläche von Gletschern. Man unterscheidet zwischen Längsspalten und Querspalten. Während Längsspalten in der Regel schräg aufwärts zur Gletschermitte hin verlaufen, zeigen sich Querspalten an Gefälleknicken im Felsenuntergrund.

Bildung von Gletscherspalten

Zur Entstehung von Gletscherspalten kommt es bei Störungen des Eisflusses. Diese können durch

  • unterschiedliches Untergrundgefälle
  • Felserhebungen unterhalb des Eises
  • verschiedene Fließgeschwindigkeiten im Gletscher oder
  • den Zusammenfluss von mehreren Gletschern

hervorgerufen werden.

Gefahren durch Gletscherspalten

Gletscherspalten stellen für alpine Hochtourengeher und Bergsteiger unter Umständen eine tödliche Gefahr dar. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Spalte von Schnee bedeckt wird und deshalb nicht sichtbar ist, was wiederum zu fatalen Abstürzen führen kann.

Dagegen besteht durch sichtbare Gletscher ohne Schneebedeckung normalerweise keine Gefahr. So liegen die Gletscherspalten offen sichtbar und die Ränder lassen sich meist belasten. Es ist dann durchaus möglich, die Spalten zu überspringen oder zu umgehen.

Zu den möglichen Gefahren zählen solche durch

  • Geometrie- und Längenänderungen
  • Gletscherhochwasser
  • Eis- und Gletscherstürze
  • Gletscherspalten und
  • das Abtauen von Gletscherdämmen.

Risiken bei Alt- und Neuschnee

Als besonders gefährlich gelten Gletscherspalten, die oberflächlich mit Altschnee oder Neuschnee bedeckt sind. Bei Altschnee spielen auch die Tagestemperaturen und die Festigkeit des Schnees eine bedeutende Rolle. So ist das Risiko von Unfällen in den Morgenstunden weniger groß als am Nachmittag.

Dagegen ist Neuschnee wegen seiner Instabilität zu jeder Tageszeit gefährlich. Darüber hinaus können Gletscherspalten breiter sein, als es auf Anhieb zu erkennen ist, da die Ränder mit Schnee bedeckt sind.

Um Stürze in Gletscherspalten zu vermeiden, wird empfohlen, allgemeine Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

  • So sollte eine Spur durch die Senken des Gletschers und nicht über seine Aufwölbungen angelegt werden, denn dort ist die Wahrscheinlichkeit eines Aufreißens der Gletscherspalte am höchsten.
  • Darüber hinaus ist es ratsam, vor Beginn der Mittagszeit in die schneefreie Zone zurückzukehren.
  • Durch das Tragen von Schneeschuhen oder Skiern lässt sich das Risiko des Einbrechens reduzieren, wenn auch nicht beseitigen.
  • Bergsteiger und Tourengeher sollten einen Gletscher stets nur mit Hochtourenausrüstung und angeseilt begehen.

Deutschlands einziger Gletscher wird verpackt

Der einzige deutsche Gletscher, der Schneeferner auf der 2962 Meter hohen Zugspitze, muss vor der Witterung geschützt werden. Sonne, Hitze und Regen drohen, ihn zu zerstören. Zum Schutz vor diesen Umwelteinflüssen deckt die Bayerische Zugspitzbahn, die als Betreiber dafür verantwortlich ist, den gewaltigen Gletscher mit Planen und Matten ab.

Per Hand werden die ca. 130 kg schweren Matten auf rund 6.000 qm des Gletschers gelegt. Der Neuschnee, der auf die Matten fällt, schützt durch seine Kälte auch das darunter liegende Eis des Gletschers. Zur Unterstützung des Schutzes wird zusätzlich Schnee mit Pistenraupen auf die Abdeckung geschoben. Dieses Schutzschild wird jedes Jahr für 14 Tage angelegt. So gut verpackt bleibt Deutschlands einziger Gletscher hoffentlich lange erhalten.

Anwachsender Gletscher in Argentinien trotz Klimawandel

Der Klimawandel ist in aller Munde und allenthalben warnen Forscher vor den Gefahren schmelzender Gletscher. Da erstaunen Forschungsergebnisse Argentinischer Wissenschaftler umso mehr: Der Argentinische Gletscher Perito Moreno dehnt sich aus.

Das durch Messungen bestätigte stetige Wachstum des Perito Moreno steht damit im krassen Gegensatz zu allen anderen Gletschern weltweit, die inzwischen durch spezielle Maßnahmen von dem Abschmelzen geschützt werden. Wie es dazu kommt, ist noch nicht geklärt. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass der Gletscher in Wahrheit ein gefrorener Fluss ist, der durch das aufgrund der Schneeschmelze freiwerdende Wasser immer größer wird, so Andres Rivera vom Zentrum für wissenschaftliche Studien im chilenischen Valdivia.

Die Vorkommen am Perito Moreno stellen jedoch eine Ausnahme dar und es gilt auch weiterhin den Klimawandel aufzuhalten um die abschmelzenden Gletscher zu schützen.

Alpengletscher setzen Umweltgifte frei

Die Forscher der ETH Zürich gaben nun laut einer Studie bekannt, dass die Gletscher in den Alpen bestimmte Umweltgifte freigeben. Der Grund dafür sei das Schmelzen der Gletscher; die Giftstoffe waren Jahrzehnte lang im Eis eingeschlossen und sind heutzutage in ihrer industriellen Verwendung verboten.

Es handelt sich dabei um sogenannte POPs ("Persistent Organic Pollutants", organische Umweltgifte, die nur sehr schwer abbaubar sind. Früher wurden diese als Weichmacher und Pestizide verwendet.

Panne: Himalaya-Gletscher werden doch nicht schmelzen

In einem Bericht für den Weltklimawandel im Jahr 2007 hieß es, dass die Himalaya-Gletscher bis zum Jahr 2035 geschmolzen sein könnte. Diese Aussage kam von einem indischen Wissenschaftler und wurde vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlicht.

Der indische Forscher streitet jedoch ab, das Datum genannt zu haben und somit musste sich der IPCC für diesen fatalen Fehler entschuldigen. Rajendra Pachauri, Chef des Weltklimarats, möchte sich persönlich jedoch nicht noch mal für diese Panne entschuldigen, er sagt es sei wichtiger, die Gesamsituation des Klimawandels zu sehen, denn diese sei klar und überzeugend.

Mont Blanc - See in einer Gletscherhöhle droht Dörfer zu überfluten

Im Mont Blanc in Ostfrankreich hat sich ein riesiger See in einer Gletscherhöhle gebildet. Fast 65.000 Kubikmeter Wasser haben sich im Berginneren bereits angesammelt und den Bewohnern der Stadt Saint-Gervais-les-Bains droht eine riesige Überflutung.

Gletscherforscher konnten bereits eine Höhle ausmachen, die 25.000 Kubikmeter Wasser umfasst. Sie vermuten das es dort Weitere gibt, die untereinander durch Tunnel verbunden sind. Man hat bereits mit dem Abpumpen der Wassermassen begonnen, um die Gefahr einzudämmen.

Abholzung des Regenwaldes: Warum die Gletscher des Kilimandscharo abschmelzen

Mit 5895 Metern Höhe über dem Meeresspiegel ist der Kilimandscharo offiziell der höchste Berg Afrikas. Große Teile des Gipfels sind von einem Gletscher bedeckt. Doch das Eis schmilzt immer mehr. Derzeit besteht die Decke nur aus rund 15 Prozent Masse dessen, was sie im Jahr 1912 betrug. Dieser Umstand wurde immer wieder als eindrucksvoller Beweis für die faktische Existenz des Klimawandels herangezogen.

Doch Wissenschaftler der britischen University of Portsmouth (Hampshire) haben noch einen weiteren Grund gefunden: Die Abholzung des an den Fuß des Berges anschließenden Regenwaldes. Dieser gibt nämlich Feuchtluft ab, die einen warmen Luftstrom in Richtung Gipfel schicken. In den kalten Regionen wird diese wasserreiche Luft dann zu Schnee und baut so die Eisdecke auf. Durch die Abholzung verringert sich der Strom und dadurch auch der Schnee-Niederschlag an der Spitze des Berges.

Berge in der Schweiz - Große und flache Gletscher schmelzen eher ab, als steile

Wissenschaftler an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich glauben, dass die Gletscher in der Schweiz zukünftig auch dann noch stark schmelzen werden, wenn sich das Weltklima nicht weiter aufheizen würde.

Der Grund: Gletscher spiegeln äußere Veränderungen sehr langsam, und zeigen um Jahrzehnte verzögerte Reaktionen auf klimatische Veränderungen. Das Auf und Ab im Eisvolumen der zwölf Gletscher wird seit über 100 Jahren von Experten aufgezeichnet. Aus den Werten wurde ein relativ zuverlässiges Modell erstellt, dessen Ergebnisse mit Daten aus beispielsweise Luftaufnahmen verglichen wird.

Den Forschern gelang es aus diesem Modell ebenso abzuleiten, dass kleine und eher steile Gletscher sich schneller wieder erholen beziehungsweise schneller wieder aufhören, abzuschmelzen. Bei großen und flachen Gletschern ist dies eher nicht der Fall.

Gletscher auf der Zugspitze wird mit Folien eingepackt zum Schutz gegen die Sonne und Regen

Der Schneeferner-Gletscher ist der einzige Gletscher in Deutschland und liegt auf dem Gipfel der Zugspitze, mit 2962 Metern der höchste Berg in Deutschland. Aber weil auch durch die Erderwärmung der Schnee weniger wird, mittlerweile fehlen etwa zwei Meter, hat sich die Bayerische Zugspitzbahn entschlossen den Gletscher im Sommer gegen Sonne und Regen zu schützen.

So hatte man in früheren Jahren bis zu 9.000 Quadratmetern mit Planen und Folien eingehüllt, im letzten Jahr aber sich nur auf 500 Quadratmetern beschränkt, weil die ehemaligen Maßnahmen dazu führten, dass der Gletscher in natürlichem Maße zurückging.

Dieses Jahr sollen etwa 800 Quadratmeter Planen und Folien den Gletscher gegen Sonne und Regen schützen.

Der Klimawandel: In acht Jahren sind vier von fünf bayerischen Gletscher weg

Ein Schreckensszenario zeichnet der erste bayerische Gletscherbericht, den der bayerische Umweltminister Marcel Huber nun in München vorstellte: Danach werden bereits in acht Jahren vier der fünf bayerischen Alpengletscher verschwunden sein. Lediglich der Höllentalferner auf der Zugspitze wird noch eine Weile länger vom Klimawandel verschont bleiben.

Seit dem Jahr 1820 hat sich die Gesamtfläche der bayerischen Gletscher von vier auf nur noch 0,7 Quadratkilometer reduziert. Der Blaueis und der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen hatten im Jahr 2007 noch eine Eisdicke von 15 Metern besessen, die sich seitdem jährlich um einen Meter reduzierte. Bis 2020 werden die Gletscher ganz verschwunden sein. Lediglich der obere Teil des Blaueises, der Höllentalferner und der nördliche Schneeferner an der Zugspitze werden nach 2020 noch existieren.

Durch das Verschwinden der Gletscher sind Bergwälder, Wildbäche und die Flora und Fauna der bayerischen Alpen bedroht. Auch müsse vermehrt mit Hochwasser und einer Gefährdung der Trinkwasserspeicher gerechnet werden, warnt der Bericht.

Erderwärmung lässt Gletscher schmelzen - In den Alpen entstehen immer mehr Seen

Bergsee mit Wald unter blauem Himmel
Mountain lake © Dmitry Pichugin - www.fotolia.de

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts lässt sich aufgrund der Erderwärmung fast überall auf der Welt ein deutlicher Rückgang der Gletscher beobachten. Durch das Abschmelzen der Eismassen im Himalaya, den Anden oder den Alpen entstehen in den Hochgebirgen immer mehr Seen. Dabei brechen unablässig Felsen und Geröll ab. Am Ende des Gletschers sammelt sich das Geröll und bildet einen natürlichen Wall. Dieser verhindert das Abfließen des Schmelzwassers, so dass hinter ihm ein fortlaufend größer und tiefer werdender Gletschersee entsteht.

Es gibt aber auch tiefe Kuhlen, die unter derzeit noch gefrorenen Gletschern liegen. Diese würden nach einem Abschmelzen des Eises frei werden und sich mit Wasser füllen. So könnten sich allein im Schweizer Hochgebirge in naher Zukunft 500 bis 600 solcher Seen bilden, glauben Wissenschaftler.

Der Triftgletscher im Schweizer Kanton Bern liefert ein anschauliches Beispiel für die Entwicklung in den Alpen. In den 1990er Jahren begannen sich an der Gletscherzunge direkt hinter der Felsbarriere kleinere Schmelzwasserbecken zu bilden, die sich allmählich vergrößerten. Der See wurde rasch größer und die Gletscherzunge versank förmlich im Schmelzwassersee. Dies hatte einen Gletscherrückgang von über 136 Metern innerhalb eines Jahres zur Folge. Seit 1861 hat sich der Gletscher sogar um insgesamt 2.771 Meter zurückgezogen. Viele Touristen wandern zu dem neu entstandenen See, der sich über eine Hängebrücke überqueren lässt.

Stauseen, die sich durch Gletscherschmelze bilden, könnten zudem Wasserkraftenergie liefern. Doch es drohen auch Gefahren: Nahe Ortschaften könnten von Flutwellen betroffen sein, die entstehen, wenn Steinlawinen in die Seen stürzen.

Gegen den Klimawandel: eine Art Sonnenhut soll die Alpen vor dem Schmelzen schützen

Mit einer kreativen Gegenmaßnahme möchte die Schweiz einen der berühmtesten Gletscher vor der Sonne schützen

Wehende Schweizer Flagge an einem Mast vor Bergpanorama
Swiss Flag Flying Over Alpine Scenery © antbphotos - www.fotolia.de

In der Schweiz liegt das Kanton Wallis und darin einer der berühmtesten Gletscher: der Rhonegletscher. Noch im 19. Jahrhundert reichte dieser Talgletscher weit ins Talgebiet hinab, doch der Klimawandel hat das Eis beträchtlich schmelzen lassen. In der Schweiz hat man mit einer kreativen Gegenmaßnahme reagiert: der Gletscher bekommt einen Sonnenhut.

Schutzplane als Sonnenhut

Bei diesem Sonnenhut handelt es sich um mehrere, große Planen, die über weite Teile des Eises gelegt wurden. Das weiße Vlies über den Schneemassen lässt den Eindruck entstehen, jemand habe riesige Möbel mit einem Tuch abgedeckt.

In diesem Fall handelt es sich allerdings nicht um edle Möbel, die vor Staub geschützt werden, sondern um Eis, das der direkten Sonneneinstrahlung entgehen soll. Da die Planen in der Farbe Weiß gehalten sind, wird das einfallende Licht reflektiert.

Gletscher weltweit in Gefahr

Den sämtlichen Gletscher können die Spezialtücher natürlich nicht abdecken, daher entschied man sich vor Ort, die Planen nur an hochgelegenen Orten einzusetzen. Die Klimaforscher sind sich sicher, dass durch diese Maßnahme etwas Zeit gewonnen werden kann. Allerdings werden die Eismassen mit den Jahren definitiv den Kampf gegen das Klima verlieren. Schätzungen gehen davon aus, dass der Rhonegletscher im Jahr 2100 komplett geschmolzen sein wird.

Der Klimawandel hat auch andere Gletscher fest in seiner Hand und Klimaforscher weltweit sind besorgt. Aktuellen Messungen zufolge nimmt die Eisdicke jedes Jahr beträchtlich ab. Zwischen 50 Zentimetern und einem Meter geht jährlich verloren. Im 20. Jahrhundert lag die Quote zwei- bis dreimal niedriger.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Ice cave © Galina Barskaya - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Mountain climber © rcaucino - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Adelie penguins colony going to jump in the water from iceberg, © axily - www.fotolia.de

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