7. September 2010
Was ist nun wichtiger? Die künstlerische und geistige Entwicklung eines Kindes oder sein intellektuelles Wachsen? Für das Heranreifen der Persönlichkeit darf ersteres nicht außer Acht gelassen werden, das deutsche Schulsystem legt seinen Fokus jedoch eindeutig auf den zweiten Punkt. Wer in der Bundesrepublik einen gewissen Schulabschluss anstrebt, muss auch die entsprechende Leistung zeigen. Das gilt auch für Waldorfschüler.
Betrachtet man eine Waldorfschule von außen, so fühlt man sich an eine Art verwunschenes Märchendorf erinnert. Alles ist grün und bunt und sieht so gar nicht nach Schule aus. Auch innerhalb der heimeligen Klassenräume findet man nicht die typische Paukeratmosphäre. Die Kinder und Jugendlichen werden hier ohne Druck und nach ihren eigenen Interessen unterrichtet. Sitzenbleiben und schlechte Noten gibt es bis zur achten Klassen überhaupt nicht.
So kann sich der Nachwuchs zwar frei entfalten, von Disziplin und Leistungsdenken fehlt jedoch jede Spur. Das mag manchem vielleicht paradiesisch vorkommen, doch wer Ambitionen auf einen staatlich anerkannten Schulabschluss hat, erlebt bald darauf sein blaues Wunder.
Die Waldorfschule wird nämlich generell nach 12 Schuljahren mit dem Waldorf-Abschluss verlassen. Um diesen Abschluss zu erlangen, muss der Schüler meist mehrere verschiedene Arbeiten anfertigen und an einer künstlerisch-kulturellen Studienfahrt teilnehmen. Noten findet man im Abschlusszeugnis vergeblich, dafür gibt es eine umfassende schriftliche Bewertung des Schülers.
Mit einem Waldorf-Abschluss stößt man jedoch bei Universitäten, Fachhochschulen und sogar Arbeitgebern auf taube Ohren. Daher entscheiden sich viele Waldorfschüler dazu, einen staatlich anerkannten Abschluss außerhalb ihrer Schule abzulegen. Dazu werden die Jugendlichen an der Waldorfschule selbst durch spezielle Kurse auf die externe Prüfung vorbereitet. Strebt man beispielsweise das Abitur an, so müssen all die Inhalte behandelt werden, wie sie auch in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet werden. Für einen Schüler, der noch nie zuvor Leistungsdruck gespürt hat, ist dies natürlich eine harte Umstellung.
Die Prüfung selbst wird dann an einer staatlichen Haupt- oder Realschule beziehungsweise einem Gymnasium abgelegt, zusammen mit der dortigen Schülerschaft. Welche Inhalte der Waldorfschüler für die Prüfung vorbereiten muss und welche Leistungen mit in die Abschlussnote einfließen, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
Fakt ist jedoch, dass die meisten sich für eine externe Prüfung entscheiden und sie auch trotz ihrer andersartigen Ausbildung gewöhnlich gut bestehen. Mit dem erworbenen staatlichen Abschluss kann dann beispielsweise auch problemlos an eine Universität oder Fachhochschule gewechselt werden.
An einer Waldorfschule kann man auch Zentralabitur machen, so wie ich es gerade mache.
Fast alles was in diesem Artikel steht stimmt ü...
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