Soziale und gesundheitliche Folgen von Arbeitslosigkeit

Körperausschnitt Frau zieht ihre leeren Hosentaschen, weißer Hintergrund

Langfristig gesehen kann Arbeitslosigkeit einige unschöne Nebeneffekte mit sich bringen - mit welchen gesundheitlichen und sozialen Folgen haben Betroffene zu kämpfen?

Die Arbeitslosigkeit ist ein zentrales Gesprächsthema der Politik, da deren Bestehen zahlreiche negative Folgen nach sich zieht, besonders auch, wenn es sich um Langzeitarbeitslosigkeit handelt. Die Folgen von Arbeitslosigkeit können sich in unterschiedlichen Lebensbereichen bemerkbar machen; betroffen sind sowohl die Gesundheit als auch das Sozialleben, und häufig hängen diese auch miteinander zusammen. Lesen Sie hier, wie sich ein (langfristiges) Arbeitslosenverhältnis auf den Alltag, die Gesundheit sowie die Liebe auswirken kann.

Belastung zahlreicher Bereiche

Zunächst einmal wirkt sich die Arbeitslosigkeit natürlich negativ auf unseren Staat und damit unsere gesamte Gemeinschaft aus. Menschen, die keiner Arbeit nachgehen und nichtsdestotrotz einen monetären Ausgleich durch die Gemeinschaft erhalten, belasten letztere natürlich.

Allerdings soll dies nicht als eine Degradierung der Arbeitslosen verstanden werden, sondern als schlichte Feststellung, dass unser System durch die Existenz von Arbeitslosigkeit belastet wird. Geld, welches ansonsten beispielsweise zur Konsolidierung des Haushaltes oder dem Errichten von Bildungseinrichtungen zur Verfügung stände, wird stattdessen an Arbeitslose vergeben oder in deren Vermittlung an Arbeitgeber investiert.

Darüber hinaus erweisen sich aber auch die Auswirkungen auf den Betroffenen selbst als äußerst bedenklich. Nicht selten spielen dabei auch Probleme im sozialen Umfeld eine große Rolle. Typisch sind beispielsweise

  • gesundheitliche Probleme
  • psychologische Beschwerden
  • Stigmatisierung mit sozialer Isolation
  • familiäre Konflikte
  • Probleme in der Partnerschaft
  • Aggressivität
  • Schuldgefühle
  • Zukunftsängste
  • Verarmung

Viele dieser Folgen hängen eng miteinander zusammen.

Die Folgen von Arbeitslosigkeit können sehr tiefgreifend und lange anhaltend sein
Die Folgen von Arbeitslosigkeit können sehr tiefgreifend und lange anhaltend sein

Soziale Folgen

Zunächst einmal führt langfristige Arbeitslosigkeit zu Armut, da das zur Verfügung stehende Geld gerade noch die Finanzierung eines einfachen Lebensunterhalts ermöglicht. Des Weiteren, auch bedingt durch den genannten Faktor, zieht Langzeitarbeitslosigkeit häufig auch ein hohes Maß an sozialer Isolation nach sich.

Der Betroffene ist dabei einerseits nicht mehr in ein Arbeitsumfeld eingebunden, in welchem oftmals Freunde gefunden und soziale Kontakte gepflegt werden können. Darüber hinaus ziehen sich auch viele Langzeitarbeitslose aus sonstigen sozialen Interaktionsräumen zurück. Gründe hierfür sind das Befürchten von Vorurteilen gegenüber Langzeitarbeitslosen, dem Fehlen an Geld für bestimmte Aktivitäten oder ein hohes Maß an Antriebslosigkeit.

Folgen für den Nachwuchs

Folgen hat die Langzeitarbeitslosigkeit aber auch für die Kinder des Betroffenen. So erhalten diese in der Regel keine so gute Bildung, da unter anderem häufig auch die positiven Reize aus dem Elternhaus in den ersten Lebensjahren ausbleiben, welche eine gehobene Bildungslaufbahn begünstigen würden.

Folgen für die Partnerschaft

Arbeitslosigkeit kann auch sehr schnell zu unattraktiven Effekten führen. Erfahren Sie mehr darüber, wann es sich lohnt eine Beziehung einzugehen und welche Schritte erforderlich sind, um durch eine Arbeitslosigkeit nicht das Beziehungsleben zu gefährden.

Archaische Gedanken der Männer

In der Phase der Bekanntschaft kann es sich als sehr schwierig erweisen, mit dem Fakt umzugehen, dass einer von beiden in keinem aktuellen Arbeitsverhältnis steht. Sind Männer arbeitslos, ist es für die zukünftige Beziehung schwieriger, als wenn die Frau vorläufig ohne Arbeit ist.

Beim Mann schwingt das archaische Denken immer mit, dass er in erster Linie die Familie zu versorgen hat. Auch wenn dieses antiquierte Denken mittlerweile vom Zeitgeist der Emanzipation abgelöst wurde, so steckt dieser noch immer im Anspruch des Mannes. Befindet sich dagegen die Frau ohne Arbeit, kann es leicht passieren, dass der Mann sich als Versorger fühlt, der Frau in dieser Zeit unter die Arme greifen möchte und es für ihn ein Bedürfnis ist, sich als Gentleman zu geben.

Männer können der Sorge erliegen, bei der Suche nach einer Partnerin auf eine Frau zu treffen, die einen angeseheneren und besser verdienenden Job hat. Für viele Männer der heutigen Zeit stellt dieser Umstand allerdings ein kleineres Problem dar.

Auswirkungen auf das Ego und die Sexualität

Nichtsdestotrotz hat das Arbeitsverhältnis des Einzelnen eine große Auswirkung auf die Attraktivität des Partners und das damit verbundene Lustgefühl auf Sex. Ein Mensch in Arbeitslosigkeit kann schnell orientierungslos wirken, abhängig von der Versorgung durch den Staat sein und dabei die Ausstrahlung nähren, dass man dem alten Job nachhängt, erst einmal Ruhe für sich möchte oder in ein Tief fällt, weil man sich wertlos fühlt.

Es liegt im Grundbedürfnis des modernen Menschen, sich selbst versorgen zu können. Aus diesem Grund gibt es unter Arbeitslosen mit der Zeit ein Gefühl der Missstimmung. Dieses Gefühl kann mit der Zeit das eigene Bedürfnis nach Sexualität oder das Begehren durch den Partner versiegen lassen.

Wenn man sich wertlos fühlt fehlt die Selbstachtung als Grundstein der Sexualität
Wenn man sich wertlos fühlt fehlt die Selbstachtung als Grundstein der Sexualität
Trennungsrate bei Arbeitslosen steigt

Nachweislich gibt es mehr Trennungen, sobald sich ein langfristiges Arbeitslosenverhältnis bei einem der Partner einstellt. Es vermittelt das Gefühl, dass der andere Partner für den arbeitslosen Partner aufkommen muss und geradezu keine andere Wahl hat. Je länger das Arbeitslosenverhältnis anhält, desto schwieriger wird das gemeinsame Zusammenleben.

Selten reicht die Unterstützung durch das Arbeitsamt für den Ausgleich der laufenden Kosten und so müssen Abstriche getroffen werden. Für einen festen Zeitraum ist diese Veränderung für beide Partner tragbar.

Allerdings liegt es in der Verantwortung des aktuell Arbeitslosen, sich nach einem entsprechenden Job umzusehen oder über eine Existenzgründung nachzudenken. Es ist nicht nur ein Sprichwort, dass selbstständiges Handeln anziehend ist. Die Versorgung seines eigenen Lebens, auch wenn man sich in einer Partnerschaft befindet, aus der Hand zu geben, kann die Attraktivität stark schmälern.

Immer mehr Rücksichtnahme im Hinblick auf die Ausgaben kann versucht werden. Doch mit der Zeit sind in der Einschränkung Grenzen erreicht, vor allem, wenn man gemeinsame Kinder hat.

Studien zu Folge halten gute Beziehungen länger, wenn beide Partner arbeiten. Partnerschaften, in denen einer der Partner arbeitslos ist, haben meist nicht der Liebe wegen Bestand, sondern weil eine Scheidung und die mit dem Alleinleben verbundenen finanziellen Nachteile zu teuer wären.

Bringen Sie Ihr finanzielles Gleichgewicht wieder zu Leben. Anderenfalls stellen Sie Ihre möglicherweise erwachsende Beziehung schon anfänglich vor schwere Aufgaben.

Familiäre Folgen

Ist ein Familienmitglied arbeitslos, wird sich seine Situation auch auf das familiäre Umfeld auswirken. Hier kommt es auch darauf an, wie der Betroffene mit der Arbeitslosigkeit umgeht.

Bleibt er motiviert, statt in ein depressives Loch zu fallen, bemüht er sich hartnäckig um einen neuen Job, wird er von seinen Angehörigen sicherlich eine gute Unterstützung erhalten. Oftmals findet ein Mensch mit dieser Herangehensweise auch recht schnell wieder eine neue Stelle, sodass in dem Fall auch die finanzielle Hilfe durch die Familie - falls überhaupt nötig - nicht lange gegeben sein muss.

In anderen Fällen kann die Jobsuche jedoch lange andauern. Dies wird nicht nur zu einer finanziellen Belastung, sondern auch nervlich zu einer Belastungsprobe - Streitigkeiten und Diskussionen sind oftmals keine Seltenheit.

Gesundheitliche Folgen

Des Weiteren erweist sich Langzeitarbeitslosigkeit auch als eine große Gefahr für die eigene Gesundheit. Dies betrifft vor allem psychische Erkrankungen, welche wiederum als ein Resultat der sozialen Isolation oder dem Fehlen eines gefühlten Lebenssinns sein können.

Aber auch das Auftreten körperlicher Erkrankungen scheint mit dem Bestehen einer Langzeitarbeitslosigkeit positiv zu korrelieren. So verbringen beispielsweise Menschen, welche seit geraumer Zeit keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen, circa doppelt so viele Tage im Krankenhaus wie arbeitende Menschen.

Es gibt viele Forschungsreihen, die einen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit bestätigen. Nicht immer jedoch ist dessen Rchtung klar. Möglich ist, dass Arbeitslosigkeit das Risiko einer Erkrankung, ebenso aber, dass eine Krankheit das Risiko der Arbeitslosigkeit erhöht.

Beide Thesen scheinen sinnvoll. So haben kranke Arbeitnehmer geringere Wettbewerbschancen und ebenso kann ein langfristiges Arbeitslosenverhältnis zu gesundheitlichen Problemen führen; zu diesen zählen beispielsweise Depressionen.

Besonders, wenn einen die Kündigung überraschend trifft, können die Auswirkungen besonders auffällig sein - diese Stresssituation bringt verschiedene Folgen mit sich, wie etwa:

  • psychosomatische Beschwerden: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magenschmerzen
  • Niedergeschlagenheit bis hin zu mangelndem Interesse am Leben
  • ein höheres Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden
  • ein geschwächtes Immunsystem, was anfälliger für Infektionen macht
  • die Verstärkung von negativen Gewohnheiten, z.b. Alkoholkonsum, Tablettengebrauch
  • eine höhere Wahrscheinlichkeit der Trennung vom Partner, wenn die Beziehung zuvor bereits problematisch war
  • Selbstmordgedanken

Finanzielle Folgen und Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Wer seinen Job verliert, hat dementsprechend auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Die finanzielle Situation ist dabei von mehreren Faktoren abhängig; hat man Rücklagen, kommt man einige Zeit lang auch ohne Einkommen aus.

Seitens des Staates kann man durch den Erhalt von Arbeitslosengeld unterstützt werden. Was dabei beachtet werden sollte, können Sie hier nachlesen.

Zu den finanziellen Folgen gesellt sich noch ein weiteres Problem: besonders, wenn die Arbeitslosigkeit zur Langzeitarbeitslosigkeit wird, wird es für Betroffene immer schwieriger, eine neue Stelle zu bekommen. Es kommt zur Entqualifizierung; die Qualifizierung, die bislang erlangt worden ist, wird entwertet.

Was können Arbeitslose tun?

Wichtig ist, dass der Arbeitslose

  • nicht den Glauben an sich verliert
  • die Jobsuche ernst nimmt und nicht aufgibt
  • an Aufgaben denkt, die bislang nicht im Fokus standen
  • sich weiterbildet
  • sich nicht zurückzieht
  • Kontakte hält und neue herstellt

Es gibt einige Möglichkeiten, gegen mögliche Folgen der Arbeitslosigkeit anzugehen - detailliertere Informationen zu diesemm Thema finden Sie hier.

Viele Krankheiten bei Arbeitslosen und unfreiwilligen Vorruheständlern

Menschen, die gegen ihren Willen in den Vorruhestand gehen mussten, entwickeln weitaus mehr chronische Krankheiten als Berufstätige. Sie sind davon auch häufiger betroffen als jüngere Arbeitslose, berichtet das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau unter Berufung auf Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Etwa jeder zehnte Vorruheständler leidet an einer chronischen Krankheit, mehr als vierzig Prozent sogar an zwei bis drei und fünfzehn Prozent übertreffen auch diese Zahl noch.

Vierfaches Sterberisiko bei Arbeitslosen

Erwerbslose haben nach einer Studie des Instituts für medizinische Psychologie in Leipzig ein vierfaches Sterberisiko als gleichaltrige Arbeitnehmer. Schon nach dem Verlust des Arbeitsplatzes sei die Gefahr um 200 Prozent erhöht.

Die Forscher erklären es damit, dass häufiger Depressionen und Suchtkrankheiten auftreten. Außerdem würden Erschöpfungssymptome, Bluthochdruck sowie Herzinfarkte häufiger als bei Beschäftigten auftreten.

Ältere Arbeitslose erleiden häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle

Älterer Mann nach vorn gekrümmt, hält sich Brust vor Schmerzen Herzinfarkt Herzattacke
mature businessman clutching his chest © Lisa F. Young - www.fotolia.de

Arbeitslosigkeit erhöht bei über 50-Jährigen das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Das Apothekenmagazin Senioren Ratgeber berichtet über eine amerikanische Langzeituntersuchung mit rund 4000 Menschen über 50 Jahre. 600 Teilnehmer wurden in dieser Zeit arbeitslos. Unter ihnen stieg die Infarkt- und Schlaganfallrate auffallend an. Der Grund, so die Forscher: Der Verlust der finanziellen Sicherheit, der familiäre Druck, und das fehlende soziale Netz lösen starken Stress aus. Das belastet auch Herz und Kreislauf.

Wer bewusst seine sozialen Kontakte aufrecht hält, senkt sein Risiko, erklärt Prof. Thomas Kieselbach, Arbeitspsychologe von der Universität Bremen: "Wer seine Fähigkeiten und Kenntnisse zum Beispiel ehrenamtlich nutzt, senkt die Stressbelastung."

Probleme durch Arbeitslosigkeit, aber nur wenige Betroffene suchen Hilfe

Durch die Arbeitslosigkeit bedingt, können psychosomatische Erkrankungen, erhöhter Alkoholkonsum, aber auch Probleme mit dem Partner, sowie Depressionen auftauchen, aber nur wenige der Betroffenen suchen erfahrene Hilfe.

Oft ist es nicht der direkte Verlust des Arbeitsplatzes, sondern schon die Angst davor diesen verlieren zu können. Man befragte 387 Arbeitslose, je zur Hälfte Frauen und Männer, die im Altersdurchschnitt etwa 33 Jahren waren, ob sie in dem letzten Jahr wegen psychischer oder sozialer Probleme den Wunsch nach einer Beratung oder Betreuung gehabt hätten. Darauf kam nur von knapp 13 Prozent die Antwort "ja", wobei dies mehr Frauen als Männer bejahten.

Aber von diesen haben auch nur die Hälfte eine Hilfe in Anspruch genommen, weil den Angeboten von Krankenkassen und besonders Arbeitsagenturen die meisten skeptisch gegenüberstehen, weil ansonsten der Verdacht entstehen könnte, man sei psychisch krank.

Arbeitslosigkeit kann krank machen

Wenn jemand seinen Arbeitsplatz verliert, der ist oftmals nicht nur finanziell davon betroffen, sondern die Arbeitslosigkeit schlägt sich auf die Gesundheit nieder. Man hatte in alten Studien festgestellt, dass Menschen, die gesundheitliche Probleme hatten, eher ihre Arbeitsstelle verloren haben. Jetzt stellte man zusätzlich fest, dass durch den Verlust der Arbeitsstelle Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme und auch ein höheres Risiko einen Schlaganfall zu erleiden oder Diabetes zu bekommen die Folge sein können.

Aber auch diejenigen, die schnell wieder eine neue Arbeitsstelle finden, sind gefährdet. Abhängig ist dies aber auch von der Art der Arbeit, so haben Arbeiter mehr gesundheitliche Probleme als Büroangestellte. Wenn jemand arbeitslos wird, so sollte er dann auch an seine Gesundheit denken und dafür sind ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung wichtig.

Warum Arbeitslosigkeit auf Dauer krank macht

Gestresstes Mädchen fasst sich besorgt an den Kopf
Portrait Of Stressed Teenage Girl © Monkey Business - www.fotolia.de

Eine Gewerkschaftsuntersuchung ergab, dass sich jahrelange Arbeitslosigkeit negativer auf die Gesundheit der Betroffenen auswirkt, als bislang angenommen wurde. Jeder fünfte bis sechste Erwerbslose hat mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, seien sie physischer oder psychischer Natur. Etwa eine halbe Million Menschen sind betroffen. Sie leiden häufiger unter Stoffwechselkrankheiten und Krebserkrankungen als pflichtversicherten Beschäftigte, denn Arbeitslosigkeit bewirkt Stress einer ganz anderen Art.

Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft, finanzielle Probleme und permanente Bewerbungsmisserfolge haben dazu geführt, dass jeder siebte Langzeitarbeitslose inzwischen Antidepressiva einnehmen muss, um seine Situation nicht als volkommen aussichtslos zu betrachten.

Der DGB fordert daher Arbeitsagenturen, Jobcenter und Gesundheitsämter dazu auf, intensiver zusammenzuarbeiten, um die Wiedereingliederung zu erleichtern.

Schlechte Jobs machen laut Studie kränker als Arbeitslosigkeit

Schlechte Jobs wirken sich negativ auf die Gesundheit von Menschen aus

Gestresste Frau fasst sich an die Schläfen
Unhappy Depressed Woman © James Peragine - www.fotolia.de

Einem geregelten Job nachzugehen ist auf Dauer für Körper und Psyche besser als arbeitslos zu sein. Diese Annahme galt bisher in westlichen Industrienationen. Dass schlecht bezahlte Stellen mit ebensolchen Arbeitsbedingungen aber viel kränker machen können, legt jetzt eine australische Studie nahe.

Mentale Gesundheit verschlechtert sich bei Menschen mit schlechtem Job

Laut den in der Fachzeitschrift "Occupational and Environmental Medicine" veröffentlichten Untersuchungen bei 7.000 Personen ergibt sich beim Wechsel von der Arbeitslosigkeit in einen qualifizierten Job eine um drei Punkte bessere mentale Gesundheit. Nimmt dagegen der Betroffene einen schlechten Job an, ist der Effekt genau umgekehrt: Die mentale Gesundheit kann sich dann um bis zu 5,6 Punkte verschlechtern.

Bei den nach der Komplexität ihrer Arbeit, der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen Befragten kam demnach heraus, dass Menschen mit schlechten Jobs in einer ähnlich psychischen Verfassung sind wie Arbeitslose. Die Macher der Studie führten dies zurück auf die im unteren Einkommensbereich fehlende Sicherheit und die geringe Möglichkeit, Verhältnisse zu ändern und Einfluss auf die Abläufe zu nehmen. Dies zehre die Vorteile einer geregelten Arbeit wie Struktur, Aufgabe und Platz in der Gesellschaft wieder auf.

Langzeitarbeitslosigkeit erhöht das Risiko früher zu sterben

Arbeitslosigkeit bedeutet nicht nur weniger Geld, sondern kann auch ganz schön deprimierend sein, vor allem wenn die vergebliche Jobsuche längere Zeit andauert.

Wie eine Datenauswertung der New Yorker Stone-Brook-Universität zeigt, kann Langzeitarbeitslosigkeit sogar deutlich das Risiko eines frühzeitigen Todes erhöhen. Die Forscher werteten die Daten von insgesamt 20 Millionen Probanden von 42 verschiedenen Studien aus, die sich mit dem Zusammenhang von Todesraten und Arbeitslosigkeit beschäftigt hatten und stellten fest, dass das Sterberisiko bei Arbeitslosen im Durchschnitt um bis zu 63% höher ist als bei Nicht-Arbeitslosen.

Vor allem Männern scheint die Langzeitarbeitslosigkeit zu schaffen zu machen. Bei ihnen lag das Risiko früher zu sterben bei 78 Prozent, bei den Frauen hingegen nur bei 37 Prozent.

Größe der Kinder wird durch Arbeitslosigkeit beeinflusst

Mutter gibt kleiner Tochter Kuss am ersten Schultag
Erster Schultag - Mutter und Kind © Kzenon - www.fotolia.de

Wie eine Studie der Universität Tübingen zeigt, haben arbeitslose Eltern oftmals kleinere Kinder.

Hierbei hat Jörg Baten, ein Wirtschaftshistoriker, zusammen mit dem Landesgesundheitsamt Brandenburg mehr als 250.000 Daten von Kindern ausgewertet und als Ergebnis kam heraus, dass im Schnitt die Kinder von arbeitslosen Eltern bei der Einschulung 1,5 Zentimeter kleiner waren als die anderen Erstklässler.

Der Wissenschaftler vermutet, dass die Ursache weniger beim Geld zu suchen ist, sondern vielmehr durch Frust und psychischen Stress bedingt ist. Ein weiterer Faktor könnte auch die Bildung - hier besonders die der Mutter - sein, die sich ja meistens um die Versorgung der Kinder kümmert. So waren die Schulanfänger etwa 1,1 Zentimeter kleiner, wenn die Mutter keinen Realschul-Abschluss hatte, als die Erstklässler, die eine Mutter mit Abitur hatten. Eltern mit einer höheren Bildung achten scheinbar eher auf eine gesunde Ernährung und einer besseren medizinischen Versorgung, was sich auch auf die Größenentwicklung der Kinder auswirkt.

Aber bei der Entwicklung der Kinder spielen nicht nur Arbeit und Bildung der Eltern eine Rolle, sondern vor allem die genetische Veranlagung.

Arbeitslose leiden mehr an chronischen Erkrankungen

Wie aus Daten der gesetzlichen Krankenkassen hervorgeht, treten bei Arbeitslosen häufiger chronische Erkrankungen auf, wie beispielsweise auch Schlafstörungen und Depressionen, als bei den Erwerbstätigen. Zudem nehmen sie auch weniger an den von den Kassen angebotenen Vorsorgemaßnahmen, zum Beispiel Kurse, teil.

Im Jahr 2011 lag die Arbeitslosenzahl nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei insgesamt 2.976.000 Menschen, das entspricht einer Quote von 7,1 Prozent. Von diesen knapp drei Millionen Arbeitslosen waren eine Million länger als zwölf Monate ohne Arbeit. So stieg beim Konjunkturaufschwung der Anteil der Langzeitarbeitslosen, weil bei vielen auch mehrere verschiedene gesundheitliche Probleme eine Arbeitsvermittlung verhinderten.

Nun soll auch das Bundesministerium für Gesundheit eine Strategie der Vorsorge entwickeln, die alle Altersgruppen und Versicherten ansprechen soll, besonders aber auch die Arbeitslosen.

Risiko eines Herzinfarkts steigt bei Arbeitslosigkeit

Arzt in weißem Kittel hält ein rotes Plastikherz in seinen Händen
Doctor protecting a heart © Von Schonertagen - www.fotolia.de

Bei Menschen im Alter über 50 Jahre wird durch das Rauchen, Bluthochdruck oder auch eine Diabetes das Risiko eines Herzinfarkts erhöht. Aber jetzt stellten Forscher fest, dass auch eine Arbeitslosigkeit im gleichen Maße dieses Risiko erhöhen kann.

Bei einer Studie wurden die Daten von knapp 13.500 Personen in der Altersgruppe zwischen 51 und 71 Jahren bezüglich sozialer Faktoren ausgewertet, um eventuelle Auswirkungen auf die Gesundheit festzustellen. Dabei wurde das Einkommen sowie auch das Arbeitsverhältnis und die Sozialversicherungen berücksichtigt. Auch die bekannten Risikofaktoren wurden in die Analysen einbezogen.

Als Ergebnis kam also heraus, dass neben den gesundheitlichen Problemen sowie dem Rauchen und Alkoholkonsum auch eine Arbeitslosigkeit das Risiko für einen Herzinfarkt drastisch erhöht, so erleiden Arbeitslose bis zu 74 Prozent häufiger einen Herzinfarkt als die Beschäftigten. Wobei wenn man die anderen Risikofaktoren berücksichtigt, das Risiko aufgrund des Arbeitsverlusts um 35 Prozent höher liegt. Um dieses Risiko zu verringern, helfen weniger irgendwelche Therapien, sondern nur ein neuer Job.

Macht Hartz-IV krank? 40 Prozent der Empfänger haben ein psychisches Leiden

Gesicht einer traurigen Frau
Traurigkeit © Rynio Productions - www.fotolia.de

Schon seit Jahren steht Hartz-IV bei vielen in der Kritik. Eher selten wird dabei aber darauf eingegangen, dass die Empfänger dieser Sozialleistung nicht nur Probleme auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Ausbildung der Kinder haben, sondern auch unter psychischen Krankheiten leiden. Ein aktueller Bericht des "Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" beleuchtet nun diesen Aspekt.

Jeder Dritte psychisch krank

Der Erhebung zufolge leiden tatsächlich 40 Prozent aller Empfänger von Hartz-IV an mindestens einem seelischen Problem. Das bedeutet, dass jeder Dritte eine erkrankte Psyche hat und damit diese Personengruppe deutlich über dem allgemeinen Bevölkerungsschnitt liegt.

Hartz IV Ursache oder Folge?

Doch wie genau hängt dies in der Praxis zusammen? Macht Hartz-IV an sich krank? Die Experten sehen durchaus einen Zusammenhang. Wer Hartz-IV beziehen muss, der hat keine geregelte Arbeitsstelle und viele Menschen fühlen sich dadurch wertlos. Dies nagt extrem an der Psyche und kann auf lange Sicht auch krank machen.

Allerdings kann die seelische Erkrankung auch vor dem Hartz-IV stehen. Wer an einer psychischen Störung leidet, hat oft keinen Arbeitsplatz. Viele Arbeitgeber können es sich nicht leisten, diese Menschen zu beschäftigen oder es fehlt ihnen einfach die Geduld. Daher kann Hartz-IV auch die direkte Folge einer psychischen Erkrankung sein.

Erheblicher Anstieg seit 2007

In jedem Fall ist das Ergebnis von 40 Prozent recht erschreckend, denn es zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab. Als 2007 eine ähnliche Erhebung durchgeführt wurde, litten nur 33 Prozent der Hartz-IV-Empfänger an einer seelischen Krankheit. Sehr häufig werden übrigens Depressionen festgestellt. Laut Studie waren es 2007 rund 10,6 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger und nun sind es bereits 14,8 Prozent. An zweiter Stelle der Krankheiten stehen somatoforme Störungen. Dies sind körperliche Probleme, die aber keinen organischen Grund haben, sondern auf die Psyche zurückgehen.

Menschen mit Job fühlen sich gesünder als Hartz-IV-Empfänger

Selbsteinschätzung der Gesundheit zeigt größeres Wohlbefinden bei Arbeitenden

Krank - Mann liegt auf der Couch und nimmt eine Tablette
Man home sick from work taking pills with water. © Lisa F. Young - www.fotolia.de

Jeder Mensch reagiert auf eine Krankheit anders. Damit sind nicht nur die detaillierten Vorgänge im Körper gemeint, sondern auch das subjektive Empfinden dabei. Während sich der eine bei einer leichten Erkältung noch fast fit fühlt, kränkelt ein anderer, oder fühlt sich richtig elend. Genauso ist es bei chronischen Krankheiten oder der allgemeinen Fitness, die ein jeder anders erlebt.

Es gibt verschiedene Faktoren, die auf die Selbsteinschätzung der eigenen Gesundheit wirken. Offenbar spielt es dabei auch eine Rolle, ob die betreffende Person erwerbstätig ist, oder Arbeitslosengeld bezieht. Zumindest kommt eine aktuelle Umfrage zu diesem Ergebnis.

Arbeitende fühlen sich gesünder

Man hatte überall in Deutschland 11.700 Frauen und Männer befragt. Alle Teilnehmer waren zwischen 20 Jahren und 64 Jahren alt. Sie sollten angeben, wie sie selbst ihren Gesundheitszustand bewerten. Zusätzlich fragte man nach dem Beruf und wer Hartz-IV-Empfänger war.

Das Ergebnis: Ganze 40 Prozent der Bezieher von Arbeitslosengeld II gaben an, dass sie sich in ihrer Gesundheit deutlich eingeschränkt fühlen. In der Gruppe der Erwerbstätigen gaben dies nur 20 Prozent an.

Interessant war, dass Befragte, die einmal Hartz-IV-Empfänger gewesen waren und nun einen neuen Job hatten, selbst angaben, dass sie sich früher weniger gesund gefühlt hatten und es ihnen nun wieder besser ging. Die Forscher können mit der Umfrage jedoch nicht sagen, was Ursache und was Wirkung ist. Manche Menschen werden Hartz-IV-Empfänger weil sie krank sind, andere werden krank, da sie keine Beschäftigung haben.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Pleite, junge Frau zeigt ihre leeren Taschen © bilderbox - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: businesswoman headache © Dragan Trifunovic - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: failed romance © pressmaster - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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